Nee to de Olympiabewarven*

*(Nein zur Olympia-Bewerbung)

Liebe Cóndor-Leser,

am vergangenen Sonntag haben die Hamburger per Volksentscheid abgestimmt: Ihre Hansestadt soll sich nicht um die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2024 bewerben (siehe Artikel Seite 1 in dieser Ausgabe). Werden die Gegner nach den Gründen für ihre Ablehnung gefragt, so sticht vor allem der Widerstand gegen sportliche Großereignisse hervor, die dem Steuerzahler teuer kommen, ihm aber kaum Gewinn bescheren.
Ja, meine Landsleute galten schon seit je her als kühle kaufmännische Rechner, die dabei ganz pragmatisch den Kommerz im Blick behalten. So nach dem Motto: Was bringt uns Olympia, wenn am Ende Schulden für die Stadt entstehen? – «Aber das Image! Was ist mit dem Prestige?», werden Sport-Befürworter jetzt entgegenhalten. Doch mit solcher Träumerei lassen sich keine Geschäfte machen, kontert der Norddeutsche und fügt trocken hinzu: Ohnehin ist Hamburg schon jetzt die schönste Stadt der Welt. Wozu also noch Olympische Spiele?

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Das klingt jetzt wirklich ein wenig arrogant. Doch an dieser Stelle muss ich einmal für meine Hamburger eine Lanze brechen. Denn eigentlich sind wir Hanseaten weltoffen und aufgeschlossen. Einen Beweis lieferte vor Kurzem die Hamburger Morgenpost (Mopo), die erstmals fast eine gesamte Zeitungsausgabe auf Plattdeutsch veröffentlichte.
«Köönt Se mi ok verstohn?» Diese Frage hätte vor 100 Jahren jeder Hamburger mit einem «Jo!» beantwortet. Heute sieht das zwar anders aus, doch Plattdeutsch erlebt eine Renaissance, so die Mopo. Das Interesse an der alten Sprache der Hanse, die in Hamburg noch 100.000 Menschen beherrschen und in ganz Norddeutschland zehn Millionen verstehen, nimmt wieder zu. Hamburg hat sogar als erstes Bundesland Niederdeutsch als Unterrichtsfach eingeführt. Und an zwei Krankenhäusern lernen die Mitarbeiter kostenlos Platt, damit sie sich mit älteren Patienten verständigen können: «Wo geiht jem dat vundoog?» («Wie geht es Ihnen heute?»).
Ich finde, dass man der Hamburger Morgenpost für so viel Mut zur Sprache nur gratulieren kann. Denn: «Olympia kann jeden Döösbaddel moken, Platt is för de Plietschen!» («Olympia kann jeder Dummkopf machen, Plattdeutsch ist für die Pfiffigen!»).

Herzlichst Ihr

Arne Dettmann

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