Mehr Deutsch, bitte!

Liebe Cóndor-Leser,

vor Kurzem erreichte die Cóndor-Redaktion eine Besorgnis erregende Nachricht von der Internationalen Medienhilfe IMH. «Grotesk, aber wahr: Während für die Förderung des Deutsch-Unterrichts im Ausland Geld fehlt, finanziert die deutsche Bundesregierung englischsprachige Aktionen und Englisch-Unterricht weltweit», meldete das Netzwerk für interkulturelle Medien.

So würden beispielsweise vom Entwicklungshilfeministerium im Rahmen des Projektes «weltwärts» für viel Geld deutsche Jugendliche nach Thailand geschickt, um dort Englisch zu unterrichten. Außerdem sei bekannt geworden, dass vom Goethe-Institut, welches eigentlich die Förderung der deutschen Sprache als Aufgabe hat, immer mehr englischsprachige Projekte mit deutschen Steuergeldern veranstaltet werden. Dazu gehörten zum Beispiel «createurope: The Fashion Design Award» oder «Euro-Mediterranean Academy for Young Journalists».

Eine Förderung der englischen Sprache mit deutschen Steuergeldern? Das stimmt uns nachdenklich. Innerhalb der deutsch-chilenischen Gemeinschaft wird seit Langem kritisiert, wie schwierig der Erhalt der deutschen Sprache bei der Jugend ist. Die Gründe: Fehlende finanzielle Mittel, der Mangel an deutschen Lehrkräften, aber auch schwindendes Interesse von Kindern und Eltern, Deutsch zu lernen und zu lehren angesichts der Übermacht der Weltsprache Englisch.

Wir meinen: Wenn die Bundesregierung ihr neues außenpolitisches Lateinamerika-Konzept ernst nimmt, die Zusammenarbeit mit dieser Weltregion ausbauen will und dabei eine enge kulturelle Verbundenheit betont, dann bitte mehr auf Deutsch!

 

Reichhaltiges Angebot

Jemand, der ein Gleichgewicht zwischen Germanismen im Englischen und den Anglizismen im Deutschen erreichen will, ist Chris Haller. Der Deutsch-Amerikaner hat die Internetseite www.spreadgermanisms.com ins Leben gerufen. Rucksack, Abseiling, Kindergarten, über, Wunderkind oder Zeitgeist seien zwar schon einige Germanismen in der englischen Sprache. Doch das reiche noch lange nicht. Wer weitere Einfälle hat, der kann sich im Netz an dieser spaßigen Sprachkampagne beteiligen.

Das Internet eröffnet zudem weitere Möglichkeiten in puncto Deutschförderung. Mehr als 100 Millionen deutschsprachigen Menschen leben außerhalb der deutschsprachigen Länder Deutschland, Österreich, Schweiz, Liechtenstein und Luxemburg. Sie haben meist keinen oder nur einen unzureichenden Zugang zu deutschsprachigen Filmen – weder übers Fernsehen noch über Videotheken. Mehrere Anbieter wollen das nun ändern.

Die Internetseite www.heimseh.tv hat deutschsprachige Spielfilme, Serien und Dokumentationen für Erwachsene und Kinder im Programm – und zwar unkompliziert via Internet. Man kann die Filme in hoher Qualität auf dem heimischen Computer direkt anschauen oder herunterladen. Auch die Seite www.onlinetvrecorder.com ermöglicht es, den obligatorischen «Tatort»-Krimi Sonntagsabends zu gucken.

Susana Georgi in ihrem Buch- und Schreibwarengeschäft «El Caribe» an der Plaza de Armas in Concepción

Und wer lieber Zeitung liest, der geht natürlich auf die neue Internetseite vom Cóndor (www.condor.cl). Seit Kurzem haben wir dort unseren Auftritt modernisiert und bieten jetzt einen übersichtlicheren und schnelleren Zugang zu den einzelnen Artikeln und Themenbereichen.

Die gedruckte Ausgabe ist übrigens nicht nur über ein Abonnement zu beziehen. In Concepción beispielsweise verkauft Susana Georgi in ihrem Buch- und Schreibwarengeschäft «El Caribe» an der Plaza de Armas den Cóndor direkt über die Ladentheke. Am besten gleich vorbestellen, falls der Vorrat nicht reicht. Telefon: 41 – 222 38 75.

Übrigens: Zu den beliebtesten deutschen Büchern zählen «Die unendliche Geschichte» (Platz 1) von Michael Ende, «Der Vorleser» (Platz 2) von Bernhard Schlink sowie Otfried Preußlers «Krabat» (Platz 3). Das ergab eine Umfrage des Goethe-Instituts von mehr als 4.000 Menschen aus insgesamt 57 Ländern. Der Klassiker «Buddenbrooks» von Thomas Mann schaffte es auf den vierten Platz, gefolgt von Patrick Süskind mit «Das Parfüm». Goethes «Faust» landete auf Platz 7. Es folgen «Die Wand» von Marlen Haushofer, Hermann Hesses «Siddharta» sowie die Kriegserlebnisse Erich Maria Remarques, die er in seinem Roman «Im Westen nichts Neues» verarbeitete.

 

Herzlichst Ihr

 

Arne Dettmann

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