Man liest deutsch in Chile

Liebe Cóndor-Leser,

 

laut der Volkszählung im vergangenen Jahr leben 339.536 Ausländer in Chile. Das sind zwei Prozent der Bevölkerung. Nicht gerade viel, in Deutschland beträgt die Ausländerquote immerhin 8,45 Prozent.

Innerhalb dieser Gruppe nehmen Lateinamerikaner – an erster Stelle Peruaner und dann Argentinier – den größten Anteil an. Aufgrund der geographischen Nähe kein Wunder. Und wenig erstaunlich dürfte auch sein, dass von den 35.716 Europäern im Lande die Spanier (11.068) auf dem ersten Platz vertreten sind. Die gemeinsame Sprache macht´s möglich.

Doch dann schon folgen die Deutschen. Gemäß dem Censo 2012 haben 5.415 Befragte angegeben, die deutsche Staatsangehörigkeit zu besitzen. Österreicher sind übrigens 429 im Land, Schweizer 1.181. Wohlgemerkt: Hierbei handelt es sich um Bürger, die außerhalb Chiles geboren wurden, aber hier leben.

Die deutsche Botschaft geht sogar davon aus, dass 30.000 Menschen in Chile einen deutschen Pass besitzen. Darunter dürften vor allem Deutsch-Chilenen fallen, deren Vorfahren einmal eingewandert und die daher immer noch die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen. Eine erstaunliche hohe Zahl, finden Sie nicht auch?

 

Buchmesse im DCB

Dass das deutsche Wort in Chile hohen Anklang findet, davon überzeugte sich auch Cóndor-Praktikantin Lena Pirzer bei ihrem Besuch des DCB-Buchmarktes. Anlässlich des internationalen Tags des Buches am 23. April wurde dort deutsch-, aber auch spanischsprachige Literatur sowie Filme und Musik angeboten.

«Mit dieser Aktion soll sowohl ein Zeichen gegen die niedrige Leserate in Chile gesetzt, als auch über die Geschichte deutscher Einwanderer in Chile aufgeklärt werden», erklärt Paula Laupheimer, die Marketingchefin des DCBs.

Der DCB ist Herausgeber zahlreicher Bücher, die sich mit der Immigration von Deutschen in Chile und mit der deutsch-chilenischen Geschichte befassen. «Der Verkauf bot eine gute Möglichkeit, die Bücher noch einmal zu präsentieren», so Christian Kroneberg, der Geschäftsführer des DCBs.

Das restliche Leseangebot richtete sich aber vor allem an die jüngsten Deutschsprachler. In Chile mangelt es an Literatur in deutscher Sprache, vor allem im Kinder- und Jugendbereich. Beim Erlernen einer Sprache sind Bücher jedoch fundamental. Übersetzerin Gianella Culaciati erschloss daraus eine Marktlücke: Sie reist regelmäßig nach Deutschland, um Lesestoff zum Weiterverkauf in Chile zu erwerben.

Vor allem am Nachmittag schauten viele Kinder in der Buchmesse vorbei. «Die Rückmeldung war äußerst positiv. Das verlangt eindeutig eine Wiederholung», erklärte Christian Kroneberg.

Goethe-Institut liest Bremen vor

Eine besondere Aktion zum Welttag des Buches probierte auch das Goethe-Institut aus. Die ehemalige Lehrerin der Deutschen Schule Santiago, Rosa Infante, las per Videokonferenz Kindern in Bremen aus dem Märchen «Die Bremer Stadtmusikanten» vor. Die Pennäler der Grundschule am Buntentorsteinweg hörten gebannt zu bei dieser «Vorlesestunde vom anderen Ende der Welt», wie eine Bremer Zeitung berichtete.

 

Herzlichst Ihr

Arne Dettmann

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One Comment

  1. werner

    Das muessten Sie der „spanischsprecenden Deutschen Well“ zukommen lassen

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