Jetzt wird Skat gekloppt!

Schätzungsweise 15 bis 20 Millionen Deutsche spielen Skat. Jetzt soll das legendäre Kartenspiel auch an die deutschen Schulen kommen. Flinkes Kopfrechnen und Logik sind dabei gefragt. Die besten Schüler erhalten tolle Preise.

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Die Idee dazu kam Marcus Scharff, als er sich wie jeden Mittwochabend mit seinen Freunden im Club Manquehue zu den Skatspielen traf. «Ich spiele Skat seit dem zehnten Lebensjahr. Es macht viel Spaß, aber man muss auch Kopfrechnen beherrschen, sich auf die Mitspieler konzentrieren und natürlich die deutsche Sprache können, denn bei sogenannten Reizen vor dem eigentlichen Spiel müssen die Kartenwerte eben auf Deutsch angesagt werden.» – Könnte so ein Spiel nicht etwas für die Schüler an den deutschen Schulen sein?

Zusammen mit Steffen Weiss, ebenfalls Mitglied im Skatclub Grand Manquehue, kontaktierte Marcus Scharff die Schulen. Der Gedanke ist, freiwillige Skatkurse ab April anzubieten, in denen mit Unterstützung vom Grand Manquehue den Schülern das besagte Kartenspiel beigebracht und natürlich auch gespielt wird. Nach schulinternen Wettkämpfen findet dann Ende 2014 ein großes Turnier in Santiago im Club Manquehue statt.

«Natürlich haben wir uns auch gefragt, wie wir die Jugendlichen motivieren können mitzumachen», erläutert Marcus Scharff. Der Inhaber des Schulartikel- und Kindergeschäfts Lillifee konnte zahlreiche Firmen dafür gewinnen, einen Preis für das Skatfinale zu stiften. Mit dabei sind Mercedes-Kaufmann, JPN Auto, das Restaurant Starnberg, Tienda Lillifee, Patio Azul, der Deutsch-Chilenische Bund (DCB) sowie wahrscheinlich weitere Unternehmen, deren Zusage noch aussteht. Und so gibt es Prämien wie zum Beispiel ein Essen für vier Personen, einen Leihwagen fürs Wochenende, Spielzeug – und als ersten Preis ein neue i-Phone 5, gestiftet vom Grand Manquehue. Der DCB wiederum bietet einen Sprachkursus an, das Goethe-Institut hat ebenfalls Interesse bekundet.

Von den Schulen haben bereits die DS Santiago, die Sankt-Thomas-Morus-Schule, die DS Valdivia sowie Temuco, Puerto Montt und Frutillar zugesagt. Die DS Concepción, Valparaíso, Los Ángeles und La Serena könnten ebenfalls dabei sein. Unterstützt wird die ehrenamtliche Initiative zudem vom Schulausschuss Sociedad Teuto-Chilena de Educación.

Doch was ist nun das Besondere an diesem urdeutschen Kartenspiel, das bereits 1810 aus dem älteren Spiel Schafkopf entwickelt wurde das mit der thüringischen «Skatstadt» Altenburg sogar über ein Internationales Skatgericht verfügt? «Es ist eine Konzentrationsfrage, man muss Punkte und Farben zählen und sich auf viele verschiedene Spielsituationen einstellen. Hier haben die Mitspieler die gleiche Chance, ein 15-Jähriger kann gegen einen 80-Jährigen gewinnen», sagt Steffen Weiss. Marcus Scharff ergänzt: «Durch gewisse Aktionen kannst du die Mitspieler wissen lassen, welche Karten du hast. Es ist also auch ein sehr gesellschaftliches Spiel. Skat macht Freude und bringt Freunde.»

Nicht nur in Deutschland ist Skat weit verbreitet und wird sportlich organisiert in Vereinen, Ranglisten, Wettbewerben und sogar einer Bundeliga. In Südamerika sind es Venezuela, Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay sowie Chile, in denen Skatfreunde ebenfalls die Karten zücken. Die lateinamerikanischen Meisterschaften wurden 2013 in Bariloche ausgetragen, auch innerhalb Chiles finden landesweite Turniere statt. Laut Scharff und Weiss sind insbesondere im Süden Chiles viele Skatclubs präsent, was natürlich auf die starke deutsche Eiwanderung dort zurückzuführen ist.

Die zu gründenden Skat-Arbeitsgemeinschaften an den Schulen sollen somit von dem jeweiligen Skatclub in der betreffenden Stadt mit einer Person unterstützt werden. Aufgerufen sind aber auch die Eltern, ihren Schützling in das Kartenspiel einzuführen, damit die Jugendlichen ab April loslegen können. Das Engagement von Mutter und Vater soll ebenfalls mit Preisen honoriert werden, so Marcus Scharff.

 

Information: Eine Spielanleitung auf Deutsch und Spanisch gibt es hier.

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