Irren ist menschlich

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Was soll denn das? Für die Mannschaft aus Uruguay wird Chiles Nationalhymne gespielt.

Lieber Cóndor-Leser,

bei der Copa América guckten die Fußballer der Nationalmannschaft von Uruguay etwas verwundert, als vor dem Spiel gegen Mexiko ihre Nationalhymne im Stadion erschallen sollte. Die Musik klang zwar schön, doch es war das falsche Lied. «Puro, Chile, es tu cielo azulado…» ertönte frisch und frei. Der Gastgeber – die USA – bemerkte die Verwechslung offenbar nicht, denn die chilenische Hymne wurde komplett durchgespielt und im Anschluss auch nicht das richtige Lied nachgeholt.

Sich darüber aufzuregen wäre aber nicht angemessen, denn Irren ist schließlich menschlich. Und es ist natürlich auch nicht das erste Mal, dass Staaten miteinander verwechselt wurden.

So sagte Bundespräsident Heinrich Lübke 1964 bei seinem Besuch in Chile, dass es schön sei, einmal in Peru zu sein. Eingefleischten Patrioten hierzulande dürften sich damals die Nackenhaare vor Empörung aufgestellt haben.

Der frühere US-Präsident George W. Bush meinte 1999 während seiner Präsidentschaftskampagne nach einem Gespräch mit Janez Drnovšek, dass er viel über die Slowakei gelernt habe. Daraufhin erntete Bush ein verblüfftes Gesicht, denn Drnovšek war damals Regierungschef von Slowenien. Vielleicht entspringt aus diesem Missverständnis auch der gängige Witz in Deutschland, dass ein US-Präsident mit Bundeskanzlerin Angela Merkel per Telefon sprechen will und sich wundert, warum niemand in Wien den Hörer abnimmt.

Aber auch andere Berühmtheiten treffen nicht immer ins Schwarze. «Es gibt nicht das geringste Anzeichen, dass wir jemals Atomenergie entwickeln können», sagte Albert Einstein 1932. Würde der Erfinder und Nobelpreisträger heute Atomkraftwerke sehen, müsste er wohl oder übel einräumen, dass es irgendwie doch ging.

Der deutsche Ingenieur Gottlieb Daimler war sich 1901 sicher, dass die weltweite Nachfrage nach Kraftfahrzeugen eine Million nicht überschreiten würde – allein schon deshalb, weil einfach nicht genügend Chauffeure da seien. Für den Entwickler des ersten Benzinmotors und des ersten Kraftfahrzeugs war das Wort Stau wahrscheinlich noch so unvorstellbar wie die erste Mondlandung. Denn diese wiederum würde laut dem Astronomen Sir Harold Spencer im Jahr 1957 noch Generationen auf sich warten lassen. Nur zwölf Jahre später war es dann soweit.

Was lernt man daraus? Erstens: Vorsicht bei Prognosen! Denn zweitens: Manchmal kommt es anders, als man denkt. Und drittens: Uruguay ist nicht Chile!

Herzlichst Ihr

Arne Dettmann

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