Hände hoch! Eis her!

Liebe Cóndor-Leser,

eines Tages werden – so prophezeien uns Wissenschaftler und Forscher – Kriege nicht mehr um Öl, Land und Macht, sondern um das Lebenselixier Wasser ausbrechen. Einen kleinen Vorgeschmack gab es kürzlich in Chile.

Nicht auf Geld und Juwelen oder gar wertvolle technische Geräte hatten es die Diebe abgesehen. Nein, vielmehr ein tausend Jahre altes Stück Eis aus den Fjordlandschaften Aysens wollten sich die Gauner unter den Nagel reißen. Das gestohlene Gut sollte dann gewinnbringend als Cocktail-Eis in Santiagos Schickeria-Bars verkauft oder in flüssiger Form als teures Milleniumswasser sogar ins Ausland verhökert werden.

Und fast wäre es auch so gekommen. Am Tatort beim Gletscher Jorge Montt hatten sich die Eis-Banditen heimlich ein 5,2 Tonnen schweres Stück einverleibt und befanden sich bereits auf dem Weg in die Hauptstadt. Doch in Cochrane wurden sie schließlich von der Polizei auf frischer Tat geschnappt. Zum Schusswechsel kam es offenbar nicht. Aber ob das Diebesgut seinem rechtmäßigen Besitzer, dem südlichen patagonischen Eisfeld, zurückgegeben wurde, oder einfach dahin schmolz, ist nicht bekannt.

Bei diesem Vorfall werden Erinnerungen an 1992 wach. Auch damals wurde der Natur Eis gestohlen – und zwar ganz offiziell vom chilenischen Staat. Für die Weltausstellung im spanischen Sevilla schleppte die Marine einen 60 Tonnen schweren Eisberg aus der Antarktis heran. Der chilenische Pavillon wurde damit zur Sensation der Expo. Und das Eigentumsdelikt wurde am Ende auch wieder gut gemacht: Die Organisatoren ließen den Eisberg nicht etwa in den Fluss Guadalquivir plumpsen, sondern brachten ihn in seine eisige Heimat wieder zurück. Vorbildlich, kann man da nur sagen.

 

Das Ende der Berliner Mauer

Auch der Club Manquehue in Santiago musste an diesem Dienstag eine Entwendung hinnehmen. Gleich ein ganzes Mauerstück wurde dem Sportverein weggenommen. Täter war die deutsche Botschaft, die ihre Leihgabe – ein Stück der Berliner Mauer – nach zwei Jahren Ausstellungszeit beim Club nun wieder auf ihr eigenes Gelände zurücktransportiert hat.

Tja, unsere moderne Zeit macht´s möglich. Oder hätten Sie gedacht, dass einmal klobige Eisbrocken und hässliche Steinwälle einmal so wertvoll sein würden?

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