Flagge bekennen!

Liebe Cóndor-Leser,

da kommt man nun ans Ende der Welt – also nach Chile – und sieht plötzlich und unerwartet in der kleinen verschlafenen Fischersiedlung Cocholgüe in der Provinz von Concepción die Landesflagge Niedersachsens auf einem Balkon wehen. Schwarz-Rot-Gold flattert der Stoff im Wind, in der Mitte springt ein weißes Pferd auf rotem Schild, das Sachsenross. «Man hat schon Pferde kotzen sehen», lautet zwar ein altes deutsches Sprichwort. Doch wie um Himmels Willen kommt diese Fahne hierher?

Sturmfest: Ulrich Behrendt mit seiner Niedersachsenflagge in Cocholgüe
Sturmfest: Ulrich Behrendt mit seiner Niedersachsenflagge in Cocholgüe

Das Husarenstück gelang keinem Geringeren als einem Vertreter und Nachkomme dieses alten westgermanischen Völkerverbandes. Ulrich Behrendt hatte – wie er selbst sagt – «in einem Anflug von Kulturaustausch» dem Kulturministerium in Niedersachsen eine mittelgroße chilenische Fahne geschickt und im Gegenzug um eine aus seiner früheren Heimat gebeten. Dazu noch ein Foto von dem Platz auf dem Balkon, wo er den Banner einmal hissen wollte.
Und tatsächlich: Die niedersächsische Staatskanzlei in Hannover bedankte sich höflich per Brief und ließ über die Fahnenfabrik Wedemark den gewünschten Stander zuschicken. Unser Cóndor-Leser bestätigte den Erhalt mit einem Bild von sich und seiner Landesflagge.
Denn wie heißt es so schön im Niedersachsenlied: Wir sind die Niedersachsen, sturmfest und erdverwachsen.

Bayern ist nicht Deutschland

Kai Dettmann mit Elbsegler und norddeutschem Seemannshemd
Kai Dettmann mit Elbsegler und norddeutschem Seemannshemd

Flagge bekennen musste mein Sohn Kai (6) auch kürzlich im Kindergarten der Deutschen Schule Santiago. Zum Tag der deutschen Einheit sollten die Kleinen in typischer Tracht erscheinen. Und zwar die Jungs in Lederhose und die Mädels im Dirndl – was nun typisch bayerisch ist.
Diese Aufforderung stachelte meinen Lokalpatriotismus so richtig an. Denn schließlich haben wir Norddeutschen an der Waterkant unsere eigenen Trachten. Und so wurde Sohnemann in ein Seemannshemd gesteckt, dazu ein rotes Halstuch und auf den Kopf den sogenannten Elbsegler, eine Schiffermütze aus dunkelblauem Marinetuch. Ja selbst die Hamburger Landesflagge hatten wir zur Hand.
Denn: Santiago ist nicht Chile, und Bayern ist nicht Deutschland. Es lebe die Vielfalt!

Herzlichst Ihr

Arne Dettmann

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