Fischdiebe und falsche Tannen

Liebe Cóndor-Leser,

 

werden Sie am Heiligabend nach guter alter deutscher Sitte die Weihnachtsgans mit Rotkohl und Kartoffeln auftischen? Oder soll es bei 30 Grad Celsius doch lieber der leicht verdauliche Fisch sein?

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Allen Lachsfreunden dürfte der leckere Bissen neulich im Hals stecken geblieben sein, als sie diese Meldung im «El Mercurio» lasen: 80 Prozent dieser in Chile verspeisten Fischsorte sind demnach gestohlen. Die Langfinger zahlen offenbar Schmiergelder und fischen sich dann an den Zuchtkäfigen die Salmoniden heraus oder reißen sich beim Transport sowie in den Verarbeitungshallen die Filets unter den Nagel. Schließlich wird der Speisefisch illegal auf Märkten weiterverkauft. Den wirtschaftlichen Schaden durch diese Unterschlagung beziffert der Verband SalmonChile auf 45 Millionen US-Dollar. Den gern zu Weihnachten zitierten Bibelspruch «Geben ist seliger denn Nehmen» haben sich die Fischdiebe jedenfalls nicht zu Herzen genommen.

Ist es schon schwierig genug zu sagen, aus welcher Quelle der Lachs denn nun kommt, wird es bei den weihnachtlichen Traditionen noch verworrener. Der US-amerikanische Santa Claus wurde bekanntermaßen durch eine Werbekampagne von Coca-Cola rot gefärbt. Die Figur des Weihnachtsmannes brachten europäische Einwanderer in die Staaten, wobei es der deutsche Karikaturist Thomas Nast – geboren 1840 im Rheinland und 1846 mit der Mutter nach New York ausgewandert – war, der die Figur im Amerikanischen Bürgerkrieg für die Unionisten malte. Grundlage der Symbolfigur des Schenkens bildet wiederum der heilige Nikolaus von Myra, der in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts im Gebiet der heutigen Türkei wirkte.

Immerhin, der Weihnachtsbaum als Tanne, geschmückt mit Kugeln, Lametta und Lichtern, ist eine echt christliche Erfindung, die tatsächlich aus Deutschland kommt. Doch Vorsicht: Hierzulande in Chile stellen sich die meisten Menschen einen Plastikbaum ins Wohnzimmer. Und der wird meistens in China hergestellt. In Deutschland stammen übrigens die meisten echten Tannenbäume nicht aus deutschen Wäldern, sondern aus Dänemark, das den europäischen Markt für Weihnachtsbäume fest im Griff hat.

Aber was soll das ganze Gerede über Traditionen und Irrtümer? Wir vom Cóndor wünschen Ihnen und Ihrer Familie jedenfalls ein schönes Weihnachtsfest – woher der Fisch und die Tanne nun auch kommen mögen und in welcher Kleidung auch immer der Nikolaus Sie hoffentlich reich beschenken wird.

 

Herzlichst Ihr

 

Arne Dettmann

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