Chile sorprende siempre

Liebe Cóndor-Leser,

es ist vollbracht: Nach vielen Monaten des Kampfes im Dokumentendschungel gegen die Bürokratie habe ich nun endlich den chilenischen Führerschein. Ich bin stolz und glücklich, doch auf dem Weg zum Erfolg gab es noch drei tolle Überraschungen.
Erstens: Schön völlig deprimiert nahm ich einen letzten verzweifelten Anlauf, um mich für die Prüfung anzumelden – und zwar mit den gleichen Dokumenten, die bisher immer abgelehnt worden waren. Doch dieses Mal akzeptierte die Beamtin die Papiere und damit meinen vermeintlichen Schulabschluss (In Wirklichkeit war es mit Universitätsdiplom). Ich wollte vor Jubel fast laut aufschreien, musste aber meine Freude mühsam unterdrücken, um nicht verdächtig zu wirken und Argwohn zu wecken.
Zweite Überraschung: Nach Abschluss der theoretischen Prüfung dachte ich, ich sei durchgefallen. Jedenfalls glaubte ich, eine solche traurige Meldung auf dem Bildschirm gelesen zu haben. Zwei Wochen lang büffelte ich nun also verstärkt die 169 Seiten des Handbuchs «Libro del nuevo conductor» durch, um einen zweiten Versuch zu wagen. Doch erneut welche Freude: Als ich mich anmeldete, sagte man mir, dass ich die theoretische Prüfung doch schon längst bestanden hätte. Tja, da hatte ich wohl etwas falsch verstanden, war aber natürlich umso glücklicher.

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Sie denken jetzt sicherlich, lieber Cóndor-Leser, dass von nun an alles reibungslos lief? Nein, leider nicht. Beim praktischen Test schnallte sich mein Prüfer nicht an. Ich dachte noch: «Komisch, was soll das?» Und zum Abschluss sagte er mir: «Don Arne, ich weiß ja, dass Sie Auto fahren können. Doch die Anschnallpflicht gilt auch für mich. Darauf hätten Sie mich als Fahrer hinweisen müssen.» Sprich: Test nicht bestanden. Das war die dritte Überraschung.
Doch bei der zweiten Prüfung klappte alles wunderbar. Ich tappte nicht noch einmal in diese fiese Sicherheitsgurtfalle und drehte mit meinem Prüfer ein paar Runden durch Providencia. Am Ende hatte ich den Führerschein in der Tasche.
Und was bleibt als Fazit? Nie habe ich mir zum offiziellen Werbespruch Chiles nähere Gedanken gemacht. Er lautet «Chile sorprende siempre», auf Englisch «Chile All Ways Surprising». Doch erst jetzt nach dieser abenteuerlichen Führerscheingeschichte habe ich den Satz «Chile überrascht immer» in seiner ganzen schweren Tiefe voll und ganz verstanden.

Herzlichst Ihr

Arne Dettmann

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2 Comments

  1. Alexander Schultheis

    Lieber Arne! Ja, die Bürokratie in Chile. Doch ich finde es sehr gut, dass Du nicht locker gelassen hast und nun kannst Du mit dem chilenischen Führerschein in Chile fahren.

  2. gaby jensch

    Hallo Herr Dettmann.
    Herzlichen Glückwunsch zur bestandenen Führerscheinprüfung.
    Mit großer Freude lese ich seit einiger Zeit ,leider unregelmäßig, ihre Zeitung im Internet. Am 8. Februar komme ich das erste Mal nach Chile. Ich werde mir dann mal den Papierdruck ansehen.
    Machen sie weiter so.
    Unbekannterweise liebe Grüße aus Peine Deutschland
    Gaby Jensch

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