Alter Mönckeberg in neuem Glanz

Casa Mönckeberg: vom Wohnsitz eines Architekten zum Veranstaltungszentrum

Die Eingangshalle der Casa Mönckeberg im Stadtzentrum von Santiago de Chile. Das Haus wurde 1906 errichtet.
Die Eingangshalle der Casa Mönckeberg im Stadtzentrum von Santiago de Chile.

 

Liebe Cóndor-Leser,

vor Kurzem waren meine Frau und ich zu einem Jazz- und Weinabend im Veranstaltungszentrum Casa Mönckeberg eingeladen. Das schöne Gebäude in der Straße Alsonso de Ovalle im Barrio Dieciocho von Santiago-Zentrum war 1906 vom Architekten Ricardo Larraín Bravo errichtet worden. Im Jahr 1939 ging es in den Besitz von Gustavo Mönckeberg Bravo über, ebenfalls Architekt von Beruf. Nur fünf Jahre lebte der Witwer – seine Frau Beatriz Barros Calvo starb 1931 – dort mit seinen Kindern. Er selbst starb 1944. Das Haus blieb bis 1971 im Besitz der Familie und wurde schließlich in jüngster Zeit restauriert.

Zwar stehen in den Räumen heute fast keine antiquierten Möbel mehr, dient die Casa Mönckeberg doch als Ort für Konferenzen, Vorträge und Feiern. Dennoch haben die Restauratoren sich bemüht, die alte Bausubstanz zu bewahren und harmonisch mit dem modernen Zweck zu verbinden – eine Seltenheit in Chile, wo doch eher die Abrissbirne regiert als das Bewusstsein für schöne, alte Architektur.

 

Kronleuchter und Bleiglasfenster

Bleiglasfenster Casa Mönckeberg
Bleiglasfenster Casa Mönckeberg

Von hohe Decken – typisch für die Bauweise um die Jahrhundertwende – hängen üppige Kronleuchter, ein altes Küchenregal hängt noch an der Wand und ein kunstvolles Bleiglasfenster zeugt von einer Zeit, als noch Geschmack und der Sinn für das Schöne Vorrang hatten vor ausdrucksloser, kalter Funktionalität.

Ein kleines Detail noch: Der Name Casa Mönckeberg auf der Eingangsplakette war tatsächlich richtig geschrieben, also mit den zwei Punkten über dem Buchstaben o. Der Familienname ist heute in Chile wohl bekannt, unter anderem durch den aktuellen Wohnungsbau- und Stadtentwicklungsminister Cristián Monckeberg sowie den Arbeitsminister Nicolás Monckeberg.

Den Ursprung hat die Familie allerdings in Hamburg. Heinrich Mönckeberg, der Großvater des erwähnten Architekten Gustavo, war aus der Hansestadt nach Chile eingewandert. Dort gab es auch einen Johann Georg Mönckeberg (1839-1908), der viele Jahre lang das Amt des Bürgermeisters bekleidete und nach dem die Haupteinkaufsstraße Hamburgs benannt wurde.

 

Der Weihnachtsmann kam zu Ostern

Weihnachtsmützen zu Ostern: Kai und Aike Dettmann Rojas mit dem Geschenk, das per Post fast vier Monate von Hamburg nach Chile brauchte.
Weihnachtsmützen zu Ostern: Kai und Aike Dettmann Rojas mit dem Geschenk, das per Post vier Monate von Hamburg nach Chile brauchte.

Und da wir schon beim Thema Hamburg sind: Mein Vater gab am 18. November ein kleines Päckchen auf mit zwei Weihnachtsmützen für seine beiden Enkel und einer netten Grußkarte zum Fest. Der gute Wille war da, nur die Post schwach: Ganze vier Monate nahm die Zustellung von Hamburg nach Santiago in Anspruch, fast so lange wie die Überfahrt des ersten deutschen Einwanderers Karl Anwandter 1850 auf dem Segelschiff «Hermann».

Was folgt man daraus? Nur eins: Die diesjährige Grußkarte zu Ostern wird mein Vater schon zu Weihnachten abschicken. In diesem Sinne wünsche ich ein frohes Osterfest und verbleibe

Herzlichst

Ihr Arne Dettmann

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