Auf den deutschen Hund gekommen

Liebe Cóndor-Leser,

was verdankt Chile nicht alles den Deutschen? Ohne die germanische Völkerwanderung ab 1850 in Südchile wüssten die Bürger hierzulande gar nicht, wie lecker ein Kuchen schmecken kann. Auch die Brombeere (mora) kam mit den Einwanderern ins Land. Ja selbst die Regenbogenforelle (trucha arcoiris) soll angeblich erstmals von Friedrich Albert (1867-1928), Naturwissenschaftler und Professor am Instituto Pedagógico, in chilenische Gewässer ausgesetzt worden sein, wo sich der Fisch dann rasch vermehrte.

Doch das ist noch nicht alles. Mittlerweile nisten sich die Deutschen sogar immer mehr in chilenische Haushalte ein und sorgen dort für Ruhe und Ordnung. Gemeint sind Wachhunde.

Laut der Stiftung Paz Ciudadana vertrauen die Chilenen längst nicht mehr ausschließlich dem Stacheldrahtzaun und Alarmanlagen, wenn es um ihre Sicherheit geht. In den vergangenen fünf Jahren ist der Kauf von teutonischen Vierbeinern wie Dobermann und Rottweiler um 50 Prozent angestiegen.

Der Dobermann: Die deutsche Hunderasse (FCI-Gruppe 2, Pinscher und Schnauzer, Sektion 1.1, Standard Nr. 143) kann bis zu 45 Kilogramm schwer werden, misst bis zu stolze 72 Zentimeter und erhielt seinen Namen von Friedrich Dobermann (1834-1894), der angstfreie und mutige (darunter ein Fleischerhund) Vierbeiner miteinander kreuzte. 4183_p6_1

Heraus kam eine elegante Rasse, die schon früh bei der Polizei eingesetzt wurde, was ihr den Beinamen «Gendarmenhund» einbrachte. In beiden Weltkriegen agierte der Dobermann beim deutschen Heer als Melde-, Minensuch- und Sanitätshund. Er gilt als anhänglich, treu und kinderlieb – gut für die Familie; ist aber auch sehr wachsam, intelligent, selbstsicher und unerschrocken – schlecht für Einbrecher.

Der Rottweiler (FCI-Gruppe 2, Sektion 2.1, Standard Nr. 147) soll schon in römischen Legionen seinen Dienst verrichtet haben. Er galt als unentbehrlicher Helfer der Viehhändler sowie Metzger und erhielt aufgrund seiner starken Verbreitung rund um die Stadt Rottweil im Mittelalter seine Bezeichnung.4183_p6_2

Der 68 Zentimeter große und 50 Kilo schwere Hund besitzt große Kraft, Ausdauer und Wendigkeit, dazu noch ein starkes Gebiss, vor dem nicht nur Postboten Angst haben. Bewachte der Rottweiler früher Kühe, treibt der imposante und durchaus gefährliche Vierbeiner nun Diebe vor sich her.

Die Chilenen geben zwischen 300.000 und 600.000 Pesos für solche Wachhunde aus. Ganz oben in der Abschreckungsliste stehen auch der deutsche Boxer (FCI-Gruppe 2, Sektion 2.1, Standard Nr. 144) sowie der deutsche Schäferhund (FCI-Gruppe 1, Sektion 1, Standard Nr. 166).4183_p6_3

Letzterer stellt übrigens die beliebteste Hunderasse in Deutschland dar. Kein Wunder, gilt der Pastor Alemán doch als ausgeglichen, nervenfest und selbstsicher und damit als ein exzellenter Wach- und Schutzhund.

Vielleicht hätte mich ein solcher Partner mit der kalten Schnauze vor Kurzem beschützt, als gemeine Betrüger meine Kreditkarte klonten und mir 400.000 Pesos vom Bankkonto stahlen. Vielleicht hätte seine feine Hundenase den Braten gerochen und mich rechtzeitig mit lautem Bellen davor gewarnt, die Bankkarte beim Gauner zu benutzen. Hunde spüren ja bekanntlich, ob ein Mensch ehrlich oder ein Schwindler ist.

Doch ich besitze leider keinen deutschen Hund. Und so blieb mir am Ende selbst nur ein trauriges Jaulen angesichts der hinterhältigen Täuschung. Wuff! Grrrrr!

Herzlichst Ihr

Arne Dettmann

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