Artenschutz oder Tierquälerei?

Liebe Cóndor-Leser,

 

Ende Juli wurde im Zoológico Metropolitano auf Santiagos Cerro San Cristóbal der Tierpfleger José Silva von einem Albino-Tiger zunächst innerhalb des Käfigs, dann außerhalb angegriffen und verletzt. In dieser Notsituation erschoss ein weiterer Zoomitarbeiter das Tier. Jetzt, Ende August, attackierte ein Tiger im Kölner Zoo eine 43 Jahre alte Pflegerin und biss sie mehrmals, auch in den Hals. Tiger Altai wurde schließlich erschossen, doch für die Frau kam jede Hilfe zu spät.

Neben den üblichen Ermittlungsverfahren, ob es sich um Unfälle handelte oder ob Leichtsinn mit im Spiel war, stellt sich auch eine andere Frage: Ist es richtig, wild lebende Tiere in einer Großstadt hinter Gitter zu sperren? Ungefährlich ist es keinesfalls, wie die Vorfälle zeigen. Tiger bleibt Tiger, auch im Gehege. «Wenn ein Tiger die Möglichkeit hat, einen Menschen anzufallen und zu entkommen, dann nutzt er diese auch», erklärte die Tierschutzorganisation Peta nach der tödlichen Raubtierattacke in Köln. Ein Restrisiko bleibe immer, heißt es auch von der Leitung des Hamburger Tierparks Hagenbeck.

Doch die Debatte geht weit über solche Sicherheitsaspekte hinaus. Kritiker führen an, dass Großkatzen wie Löwen und Tiger in einem Zoo auf kleinstem Raum ihr Dasein fristen. Nicht das wenige Quadratmeter kleine Gittergefängnis, sondern ein Revier so groß wie Santiago selbst wäre der natürliche Lebensraum, in denen sich solche Tiere bewegen. Zoo-Befürworter kontern: Große Strecken legen die Raubkatzen nur bei der Jagd zurück. Und: Trotz wiederkehrender Unfälle – in diesen beiden Fällen mit tödlichem Ausgang für die Tiger – dürfte die Erhaltungszucht nicht in Frage gestellt werden. Denn in der Wildnis seien die Tiere illegalen Jägern ausgeliefert. Bereits im Zoo geborene Tiger wären dort ohnehin nicht überlebensfähig.

Dennoch: Bei so manchem Zoobesucher bleibt der fade Nachgeschmack, wenn er die armen Tiere betrachtet, die oftmals an den Gitterstäben entlang tigern oder apathisch herumdösen. Und er zieht die Konsequenz daraus: Nie wieder in einen Zoo! Und schon gar nicht in einen Zirkus, wo die Tiere obendrein noch zur Belustigung für ein bezahlendes Publikum durch Feuerreifen springen müssen.

Ein Zirkusdompteur hatte kürzlich auf die Anfeindungen solcher selbst ernannten Tierschützer eine frappierende Antwort parat, die nachdenklich stimmt. Seinen Tieren in der Manege ginge es deutlich besser als den Hunderttausenden, die in der Massenhaltung auf das Schlachterbeil warten. Und wer für diese Tiere etwas Positives tun wolle, könnte gleich bis sich selbst anfangen und aufhören, Fleisch zu essen.

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2 Comments

  1. Werner Hupperich

    >>Jetzt, Ende August, attackierte ein Tiger im Kölner Zoo eine 43 Jahre alte Pflegerin und biss sie mehrmals, auch in den Hals.<>..auf die Anfeindungen solcher selbst ernannten Tierschützer..<<
    Von wem werden eigentlich Zirkusdompteure oder meinetwegen auch Autoren von Wochenzeitungen ernannt? Sind deren Positionen etwa nicht Resultat ihres Willens? Interessante These.

  2. Klaus aus Netphen

    Es ist interessant, dass immer berichtet wird, wenn etwas passiert. Wie viele Zoos halten weltweit Tiger und andere so genannte gefährliche Tiere, ohne dass etwas passiert? Es wäre eine seriöse Nachricht, wenn beide Informationen zusammen gefasst würden. Dann würde nämlich die emotionale Betroffenheit einem sachlichen Argument weichen, dass seriöse Wildtierhaltung ungefährlicher ist als die Teilnahme am Strassenverkehr. Würde man detailliert und isoliert über einen bestimmten Raubüberfall in Santiago berichten, würde auch der eindrück entstehen, dass es gefährlich sien mag, diese Stadt zu besuchen.

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