Achtung! Strudel. Kuchen. Tag!

Liebe Cóndor-Leser,

 

wohl kaum von einer von uns ist ohne Vorurteile. Manche Psychologen behaupten sogar, Vorurteile erleichtern uns das Leben, wenn wir neue Menschen kennen lernen und sie dann möglichst schnell in eine unserer geistigen Schubladen einordnen. Das erspart nämlich längeres, anstrengendes Nachgrübeln über diese Person.

So ähnlich läuft´s bei den Klischees, die unser Weltbild formen. Die Deutschen können davon ein Lied singen. Waren sie im Zweiten Weltkrieg noch Täter, wurden sie in zahlreichen Hollywoodfilmen in den Jahrzehnten danach zum Opfer von Häme. Nicht nur in den US-Kriegsstreifen wurde das Reich des Bösen als eine Ansammlung plumper Teutonen dargestellt, blond, wortkarg, gemein und natürlich am Ende immer die dummen Verlierer gegen das Gute. Fiese James-Bond-Gegner sahen nicht nur deutsch aus, sondern wurden sogar von ihnen verkörpert, zum Beispiel durch die Schauspieler Gert Fröbe und Curd Jürgens.

Auch der Klassiker «Krieg der Sterne» aus den 70er-Jahren bediente sich reichhaltig aus dem nationalsozialistischen Fundus wie Führerkult und Führerstaat: So stolzierte der Halunke Darth Vader im schwarzen Mantel gekleidet vor preußisch in Reih und Glied aufmarschierten Soldaten, der teuflische Herr eines niederträchtigen Imperiums mit tief-dunkler Stimme, immer auf Krieg aus.

Auch in der Werbung ist dieser Stereotyp gefragt, wenngleich natürlich weniger militant und eher humorvoll eingefädelt. So wirbt derzeit die chilenische Biermarke Escudo in einem TV-Sport für ihren dunklen Gerstensaft «negra» mit einer Verballhornung deutsch-spanischer Wörter wie «espumentag» (schaumig) und «refresquentag» (erfrischend), die untermalt mit schwerer Musik in finsterer Bass-Tonlage daherkommen. «Strudel» ruft am Ende ein Mann und die Partygäste strömen auf das Bier zu.

Auch die deutsche Rockband Rammstein spielt bei ihren Liedern und Konzerten mit solchen Schablonen, was ihr immer mal wieder den Vorwurf der Idealisierung von faschistoider Ästhetik eingebracht hat. Sänger Till Lindemann lässt das «R» krrräftig rrrollen, und ihm kommt dabei zugute, dass die deutsche Sprache eben härter, kantiger und aggressiver klingt als beispielsweise Französisch oder Italienisch, die eher wie sanfte Melodien erscheinen. Die Scherzfrage unter Spanischsprachigen, was Bus auf Deutsch heißt, ist längst bekannt: suban-empujen-estrujen-bajen!

Wer´s als Deutscher locker nimmt, muss sich nicht beleidigt fühlen und kann sogar mitlachen. Im Gegensatz zu den alten Hollywoodschinken, in denen die tumben Germanen natürlich mal wieder nichts gebacken kriegen, werden in der Wirklichkeit deutsche Produkte mit dem Gütesiegel «made in Germany» versehen, weil sie verlässlich funktionieren. Und mal ehrlich: Hätte der Philosoph Immanuel Kant anstatt im klaren, präzisen Deutsch seine «Kritik der reinen Vernunft» etwa auf Portugiesisch schreiben können, gar eine Caipirinha trinkend im tropischen Klima zu Samba-Musik? Wohl kaum.

In diesem Sinne: Achtung! Kuchen! Tag!

 

Herzlichst Ihr

Arne Dettmann

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