Ach du dickes Ei

Liebe Cóndor-Leser,

 

vor Kurzem leistete der chilenische Zoll ganze Arbeit. Wie am Montag in der Presse bekannt wurde, entdeckten die Fahnder sage und schreibe 631 Kilo Marihuana in einem Bus aus Paraguay, der am argentinischen Grenzübergang Los Libertadores nach Chile wollte. Die Tarnung der Drogenschmuggler war nicht schlecht gewählt: 36 jugendliche Fußballspieler im Alter von 12 bis 15 Jahren befanden sich auf dem Weg zu einem vermeintlichen Turnier in Santiago und saßen – ohne es zu wissen – auf der heißen Ladung. Doch die findigen chilenischen Beamten schöpften Verdacht, und der Spürhund hatte schließlich den richtigen Riecher. In einem doppelten Boden steckte das gefährliche Gras.

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Die chilenische Post scheint sich an diesem erfolgreichen Zugriff ein Beispiel genommen zu haben und ermittelt ihrerseits nun auch recht tiefschürfend. Jedenfalls kam jetzt bei mir endlich ein Paket aus Deutschland an, das meine Eltern schon vor Wochen für ihre beiden kleinen Enkelsöhne abgeschickt hatten. Doch was war das? Der Karton zeigte deutliche Spuren eines gewaltsamen Aufbrechens. Und tatsächlich, welch böse Überraschung, in den beiden Plastikpaletten mit den Überraschungseiern aus Schokolade fehlten neun Stück!

Gut möglich, dass die Postboten die Schokolade als drogenähnlichen Stoff einstuften. Denn immerhin enthält Kakao ja Dopamin und Serotonin, die eine stimmungsaufhellende Wirkung hervorrufen. Doch dann hätten sie gleich die gesamte Fracht beschlagnahmen müssen. Vielleicht dachten sie aber auch daran, dass unter der Schokoladeschale nicht Kinderspielzeug, sondern eben harte Drogen versteckt waren (siehe Fußball-Bus). Doch dann hätten sie alle «Kinder Sorpresas» aufmachen und überprüfen müssen.

Was auch immer sich die Paketzusteller beim Fahndungszugriff überlegt haben – sie gingen sehr gezielt dabei vor. Denn das mit gesendete Buch «Die Pest» von Albert Camus hatten sie nicht angerührt. Meine Mutmaßungen: Entweder konnten sie kein Deutsch lesen und daher mit dem Werk nichts anfangen. Oder aber der Buchtitel war ihnen viel zu gefährlich, so dass sie ihn lieber erst gar nicht anrührten.

 

Nachlese zum Fußball

Oh Freude schöne Fußballwelt,

wieder rollt der Ball, und sehr viel Geld.

Millionen schauen auf dem Bildschirm an,

was ihre Mannschaft leisten kann.

Tüchtig  kämpfen die Idole,

dass man einTor sich hole.

Nur wichtig ist, den Ball zu kriegen,

bleibt mancher auch im Rasen liegen.

Jedoch fürs Beißen gilt Verbot,

da zeigt die Karte rot.

Nun, da die große Schlacht gewonnen,

viel Tränen sind geronnen,

sei`s aus Freude, sei´s aus Gram,

wo der Pokal  hinkam.

Die Siegermannschaft ihn umtanzt,

mitten drin im Jubel ihrer Fans,

wie einst ums goldne Kalb im alten Testament,

das man vielleicht noch kennt.

Sie haben einen neuen Goetze(n)

Der Papst zeigt kein Entsetzen.

Auch er liebt Fußball allemal,

doch er ist weise, hält sich neutral.

Vier Jahre sind jetzt Ruh,

dann schaun wir wieder zu.

 

Dieser Beitrag zur Fußballweltmeisterschaft wurde uns freundlicherweise von unserem Cóndor-Leser Fritz Meinardus zugesendet. Wir bedanken uns an dieser Stelle dafür und verbleiben

 

Herzlichst Ihr

 

Arne Dettmann

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