Zwar ist es kein rundes Jubiläum, aber dennoch ein Grund zur Freude. Am 15. Juni hat der Cóndor seinen 72. Geburtstag gefeiert. An diesem Datum im Jahr 1938 erschien der Cóndor zum ersten Mal. Wir meinen, die Zeitung ist über all die Jahre nicht älter, sondern jünger, nicht antiquierter, sondern moderner geworden.
Unsere alteingesessenen Leser und jene, die mit der Zeitung praktisch auf-gewachsen sind, wissen es schon: Auf der denkwürdigen Sitzung des Deutsch-Chi-lenischen Bundes vom
15. Mai 1938 wurde beschlos-sen, die in deutscher Sprache zirkulierenden Printmedien einzustellen und durch eine neue Zeitung zu ersetzen,
die fortan über die Aktivitäten der deutsch-chilenischen Gemeischaft informieren und für den Erhalt der deutschen Sprache sorgen sollte. Der Cóndor wurde geboren.
72 Jahre sind ein ganzes Leben und natürlich hat auch der Cóndor Höhen und Tiefen durchlebt. Doch einem besonders glücklichen Umstand ist es zu verdanken, dass der Cóndor heute zu einer der ältesten kontinuierlich erscheinenden Zeitungen Chiles und zu einer der ältesten deutschsprachigen Auslandszeitungen der Welt gehört: Claus von Plate, Chefredakteur, Herausgeber und Verleger in einem, leitete mit großer Hingabe über vier Jahrzehnte die Geschicke der Zeitung und sicherte so deren Kontinuität.
Aber auch unter anschließender wechs-elnder Leitung wurde der Cóndor gewissenhaft weitergeführt.
SPRACHE ALS KULTURTRÄGER
Wir glauben, dass er mit den Jahren «gewachsen» und «reifer» geworden ist. Aus einem Mitteilungsblatt der deutsch-chilenischen Gemeinschaft hat sich der Cóndor besonders seit den 90-ger Jahren zunehmend zu einer Zeitung entwickelt, die den Schwerpunkt auf die aktuelle Berichterstattung aus Chile, Deutschland und Europa legt, ohne jedoch die lokalen Nachrichten der Gemeinschaft zu vernachlässigen. Denn eines hat sich in all den Jahrzehnten nicht verändert: Der Cóndor versteht sich wie einst als Herzstück der deutsch-chilenischen Gemein-schaft und ist stets darum bemüht, über deren Aktivitäten zu berichten und auf diese Weise die Gemeinschaft nicht nur zu informieren, sondern auch zusammenzuhalten.
Die deutsch-chilenische Gemeinschaft hob den Cóndor aus der Wiege, sie ist sein «Nest» und sie gibt ihm seine Daseinsberechtigung. Deshalb wird der Cóndor auch weiterhin hauptsächlich in deutscher Sprache verfasst, deren Erhalt und Förderung seit seinem ersten Flug bis heute eines der obersten Gebote darstellt. In diesem Sinne versteht der Cóndor die deutsche Sprache als Kulturträger, in der die Kultur des deutschen Sprachraumes lebendig erhalten und abgebildet wird.
MIT DER ZEIT GEGANGEN
Trotz der Wahrung seiner Traditionen hat es der Cóndor jedoch verstanden, mit der Zeit zu gehen und mit zunehmenden Jahren nicht älter und antiquierter, sondern jünger und moderner zu werden. Er hat damit auch auf die Veränderungen innerhalb der deutsch-chilenischen Gemeinschaft selbst reagiert, die in einer zunehmend globalisierten Welt heute über ganz andere Möglichkeiten als damals verfügt, sich über das Land ihrer Vorfahren zu informieren oder direkt nach Deutschland zu reisen.
Dass das Interesse an Deutschland sehr groß ist, beweist unter anderem auch der stetig steigende Schüleraustausch, der noch nie so sehr florierte wie zurzeit.
Der Cóndor bezieht heute zunehmend nicht nur den deutschsprachigen, sondern auch den europäischen Kulturraum in seine Bericht-erstattung mit ein und schlägt somit Brücken zur deutschen und europäischen Kultur.
Dass seine Berichterstattung nicht nur bei den Lesern, sondern auch außerhalb in der Regel ein positives Echo hervorruft, zeigt zum Beispiel ein Eintrag in der Online-Enzyklopädie Wikipedia. Dort heißt es unter anderem: «Die Reportagen, Interviews und Artikel im
Cóndor weisen eine beacht-liche Tiefe und kritische Hintergrundanalyse auf.» Auch der Weltverband Deutsch-sprachiger Medien hebt den Cóndor als moderne Zeitung hervor, die den Vergleich mit Wochenblättern in Deutschland, Österreich oder der Schweiz nicht scheuen müsse.
MIT SCHWUNG
Die Internetseite des Cóndors, die wöchentlich aktualisiert wird und mit Blog und Videos ausgestattet auf der ganzen Welt abrufbar ist, trägt über die Druckausgabe hinaus zu seiner weiteren Verbreitung der Zeitung mit bei.
Eine Erneuerung der vergangenen Jahre stellt auch die Beilage des Kondor-Juniors dar. Zweimal im Monat begleitet er den Cóndor, um Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, sich spielerisch mit der deutschen Sprache zu beschäftigen. Das ist der zusätzliche Beitrag des Cóndors, auch bei den jüngeren Generationen die Lust an der deutschen Sprache zu wecken und deren Verständnis zu fördern.
HÖHENFLUG MIT EINSCHRÄNKUNG
Ein angestrebtes Ziel konnte leider bisher nicht verwirklicht werden: Seit geraumer Zeit wird eine Erweiterung der Zeitung auf 20 Seiten angestrebt, um dem Leser eine größere Vielfalt an Information vor allem aus dem deutschsprachigen Raum und zu spezifischen Themen der deutsch-chilenischen Gemein-schaft bieten zu können.
Dieser «Höhenflug» des Cóndors konnte zum einen aufgrund eines sich schwierig gestaltenden Anzeigenverkaufes – der die Finanzierung des Cóndors garantieren muss – noch nicht umgesetzt werden. Auch das sehr engagierte, aber kleine Redaktionsteam stößt hier an die Grenzen des Machbaren. Die Umsetzung dieser Idee, die wir für die Zukunft der Zeitung als sehr wichtig erachten, wird jedoch weiterverfolgt werden.
Der Vogel fliegt und das mit dem selben Schwung, mit dem er vor 72 Jahren zu seinem ersten Flug gestartet ist.
Das ist nicht nur der Verdienst einer kleinen Gruppe professioneller Mitarbeiter, sondern vor allem auch der deutsch-chilenischen Gemeinschaft selbst, die es über all die Jahrzehnte trotz Schwierigkeiten vermocht hat, das Interesse an der deutschen Kultur an die nachkommenden Generationen zu vermitteln und wachzuhalten.
Herzlichen Glückwunsch Cóndor, herzlichen Glück-wunsch deutsch-chilenische Gemeinschaft und einen herzlichen Glückwunsch und ein Dankeschön an all unsere Kunden und langjährigen Leser, die mit ihrem Interesse und ihrer Anteilnahme dem Cóndor immer wieder Aufschwung verleihen!
BIRGIT TUERKSCH
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Sehen Sie auch die Druckversion des Cóndor / Ver versión impresa de Cóndor