Porträt – Deutsche Zeitung Cóndor – diario alemán Chile http://www.condor.cl Die deutsche Zeitung Cóndor in Chile - diario / periódico alemán Wed, 10 Jan 2018 20:43:02 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.9.1 https://i1.wp.com/www.condor.cl/wp-content/uploads/2016/11/condor-ave.jpg?fit=32%2C32 Porträt – Deutsche Zeitung Cóndor – diario alemán Chile http://www.condor.cl 32 32 120365451 Cóndor-Interview: Loretta Nass Lüer http://www.condor.cl/portrat/loretta-nass-lueer/ http://www.condor.cl/portrat/loretta-nass-lueer/#respond Mon, 08 Jan 2018 17:59:01 +0000 http://www.condor.cl/?p=22986 Loretta Nass Lüer ist 59 Jahre alt und stammt gebürtig aus Valdivia. Sie ist Chiles bekannteste Toningenieurin mit 32 Jahren selbstständiger Arbeit mit nationalen und internationalen Orchestern, Sängern und Solisten.

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Loretta Nass Lüer
Loretta Nass Lüer

Alter und Geburtsort: 59, Valdivia

Familienstand:ledig, aber nicht allein

Werdegang, Beruf und derzeitige Tätigkeit: 32 Jahre, Toningenieurin, selbstständige Arbeit mit nationalen und internationalen Orchestern, Sänger und Solisten.

Hobbys: mein Beruf, Schreiben

 

Was wollten Sie als Kind werden?
Musikalsängerin und Tänzerin

 

Wenn Sie wieder auf die Welt kämen, würden Sie den gleichen Beruf ergreifen?
Nein, es ist zu schwer Familie und Freunde zu behalten

 

Wer war und ist Ihr Vorbild?
Die Arbeit der Tonmeister in Deutschland, mit denen ich acht Jahre zusammen gearbeitet habe.

 

Wofür sind Sie Ihren Eltern dankbar?
Meiner Mami für ihre unendliche Liebe, Lust auf Reisen, eine positive Einstellung im Leben, Musik

 

Was war Ihr schlechtestes Schulfach?
Chemie

 

Was macht Sie glücklich?
Ein Fahrradtour oder Pferdereiten in der Natur

 

Was macht Ihnen Angst?
Feuer

 

Worauf könnten Sie verzichten?
Auf eine Mall

 

Was ist Ihnen peinlich?
Mich lächerlich zu machen

 

Wen beneiden Sie?
Meine Katze

 

Mit wem würden Sie nie tauschen wollen?
Mit einem Politiker

 

Wen würden Sie gerne einmal treffen?
George Clooney

 

Was würden Sie niemals tun?
Graffiti

 

Was regt Sie auf?
Eine Lüge in einer Familie

 

Was ertragen Sie mit Humor?
Von der Vergangenheit unter Freunden zu plaudern.

 

Über welche eigenen Schwächen ärgern Sie sich?
Kann Routine nicht haben. Anfangen zu rauchen nach sieben Jahren Pause.

 

Weshalb würden Sie nie aus Chile auswandern?
Wer sagt das?

 

Wenn Sie einen Tag Präsident wären, was würden Sie ändern?
Die Erziehung. Die Schüler sollen voll- und anständige Bürger werden, nicht nur Kenntnisse bekommen.

 

Was sollten die Chilenen ernster nehmen?
Arbeit, Qualität und Respekt vor anderen.

 

Welches Buch lesen Sie gerade?
«Bin ich zu laut? Erinnerungen eines Begleiters» von Gerald Moore

 

Was ist Ihr Lieblingsgericht?
Austern mit Champagner

 

Was machen Sie am liebsten in Ihrer Freizeit?
Tanzen und in der Natur spazieren gehen

 

Bei welchem Film haben Sie geweint?
«Always Alice» und viele andere. Ich weine oft, Gott sei Dank!

 

Welchen Männertyp finden Sie anziehend?
Ein guter Tänzer

 

Wem wollten Sie schon lange ein Kompliment machen?
Madonna

 

Was sollte Ihnen später einmal nachgesagt werden?
Sie hat viel für Musik und Kultur geschaffen.

 

Wie lautet Ihr Lebensmotto?
Heute, heute, nur nicht morgen

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Martin Frederick, ehemaliger Trainer der chilenischen Nationalmannschaft im Bogenschießen http://www.condor.cl/portrat/martin-frederick/ http://www.condor.cl/portrat/martin-frederick/#respond Sat, 30 Dec 2017 10:35:59 +0000 http://www.condor.cl/?p=22941 Kurz vor seinem Abflug empfängt Martin Frederick (49) den Cóndor zwischen gepackten Taschen, um Resümee zu ziehen, bevor er sich in ein neues Land aufmacht. Sechseinhalb Jahre hat der Deutsche die chilenische Nationalmannschaft im Bogenschießen trainiert.

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«Chile ist in der Weltrangliste ordentlich nach oben geklettert»

Martin Frederick, ehemaliger Trainer der chilenischen Nationalmannschaft im Bogenschießen
Martin Frederick, ehemaliger Trainer der chilenischen Nationalmannschaft im Bogenschießen

 

Kurz vor seinem Abflug empfängt Martin Frederick (49) den Cóndor zwischen gepackten Taschen, um Resümee zu ziehen, bevor er sich in ein neues Land aufmacht. Sechseinhalb Jahre hat der Deutsche die chilenische Nationalmannschaft im Bogenschießen trainiert.

 

Von Petra Wilken

Die Präzisionssportart mit Pfeil und Bogen gehört seit 1972 zu den olympischen Sportarten. In letzter Zeit ist sie weltweit immer beliebter geworden. Wer sie als Leistungssport ausüben will, braucht ein hohes Konzentrationsvermögen, psychische Ausgeglichenheit, eine gute technische Auffassungsgabe und eine gehörige Portion Kraft. Letztere ist notwendig, da Männer mit dem technologisch hochentwickelten Sportgerät bei jedem Schuss 23 Kilogramm bewegen, Frauen immerhin noch 18 Kilogramm. Bei einem Training ist es üblich, dass 300 Schuss abgegeben werden.

Das Einstiegsalter in diesen Leistungssport ist deshalb höher als zum Beispiel beim Schwimmen oder Eiskunstlaufen, das zwischen fünf und sieben Jahren liegt. Beim Bogenschießen liegt es bei zwölf Jahren. Martin Frederick jedoch war erst sieben, als er Pfeil und Bogen in die Hand bekam. Seit 42 Jahren ist er jetzt eng mit ihnen verwachsen, zuerst als Leistungssportler und dann als Trainer. In Deutschland hat er den höchstmöglichen Posten erreicht: Zwischen 2005 und 2010 war er Chefbundestrainer für Erwachsene und gleichzeitig auch für die Nachwuchsentwicklung zuständig.

 

Keine Teilnahme an den Olympischen Spielen

Frederick ist im Ostberliner Pankow geboren und aufgewachsen. Da in der leistungsport-orientierten DDR nur die Sportarten gefördert worden seien, in denen viele Medaillen gewonnen werden konnten, hatte er nicht das Glück, zu Europa- oder Weltmeisterschaften zu reisen. «Uns Bogenschützen war es nicht vergönnt, an den Olympischen Spielen teilzunehmen», erzählt er. Er war 22, als die Mauer fiel und sich dies änderte. 

Er entschied sich für eine Karriere als Trainer und begann beim SG Bergmann-Borsig, einer der größten Sportvereine in seinem Berliner Bezirk Pankow. Dieser wurde Mitte der 90-er Jahre leistungsstärkster Verein im Nachwuchsbereich und gewann später bei den Olympischen Spielen 1996, 2000 und 2004 Silber- und Bronzemedaillen. Daraufhin wurde er hauptamtlicher Trainer für ganz Berlin, womit er das Bogenschießen zu seinem Beruf machte. Im Jahr 2000 wurde er Bundestrainer für den Nachwuchs, und 2005 berief ihn der Deutsche Schützenbund zum Chefbundestrainer für die erwachsenen Bogenschützen.

In den deutschen Schützenvereinen üben 30.000 Mitglieder die Schießsportvariante mit Pfeil und Bogen aus. In Chile sind lediglich 400 Bogenschützen im Verein. «Bei 30.000 ist es natürlich einfacher, ein Talent zu finden», meint Martin Frederick. Trotzdem stehen die Chilenen den Deutschen gar nicht viel nach. «In den sechseinhalb Jahren ist Chile in der Weltrangliste ordentlich geklettert», erklärt Frederick. Auf dem Kontinent liegen die männlichen Bogenschützen nach den USA und Kanada auf Platz 3. In einigen Weltcupveranstaltungen gehörten sie zu den Top 10. «Im Männerbereich haben wir Kontakt an die Weltspitze», betont der Trainer.

 

«Damit haben wir Geschichte geschrieben.»

Er blickt mit Stolz und Genugtuung auf seine Zeit in Chile zurück. Die Chilenen hatten ihn angefragt, nachdem eine Bogenschützin im Rahmen des Programms «Olympische Solidarität» 2010 bei ihm trainiert hatte. 2011 stellte ihn die Federación Chilena de Tiro con Arco (FECHTA) als Cheftrainer ein.

Wenige Monate später gewann Denisse Van Lamoen die Weltmeisterschaften im italienischen Turin. «Damit haben wir Geschichte geschrieben. Für Chile war es die erste Goldmedaille einer Frau in einer olympischen Sportart bei einer WM», erzählt er. Prompt wurde Denisse Van Lamoen 2011 zur Sportlerin des Jahres gewählt, und er zusammen mit Jorge Sampaoli zum Trainer des Jahres.

2016 in Rio 2016 qualifizierte sich zum ersten Mal ein männlicher Bogenschütze für die Olympischen Spiele: Ricardo Soto war mit 16 Jahren der jüngste Bogenschütze in Rio und der jüngste Sportler der Delegation unter chilenischer Flagge bei diesem sportlichen Großereignis. Er schaffte den 9. Platz. Für Frederick steht der Erfolg von Ricardo Soto für das, was er seiner Meinung nach am besten kann und bei seiner Arbeit in Chile geleistet hat: Strukturen aufbauen.

 

Strukturen aufbauen, Trainer ausbilden, Teamarbeit

«Ricardo Soto stammt aus Arica. Ich habe mich darum bemüht, Strukturen auch in den Regionen aufzubauen», betont er. Neben der Talentsuche beinhalte das auch Trainerausbildungen und Teamarbeit, um eine neue Generation junger Athleten in Chile aufzubauen.

Martin Frederick weiß, dass die Familien in Chile selbst einen großen Beitrag leisten müssen. Sportförderung gibt es wenig. Doch er geht mit dem Gefühl, dass Chile im Bogenschießen inzwischen gut aufgestellt ist, auch wenn bei den Frauen noch einiges zu leisten sei. «Chile ist mehr oder weniger fertig mit Strukturen», meint er und erwähnt den offiziellen Status als «Federación Deportativa Nacional», den die Fechta 2016 erlangte. «Mein Kollege, der Kubaner Ricardo Baños, wird die Arbeit weiterführen. Wir waren ein gutes Gespann», findet er.

Er selbst sitzt auf gepackten Koffern nach Berlin zurück, wo er eigentlich nie weg wollte, weil es einfach seine Stadt sei. Doch von dort aus wird er sich nach einem neuen Platz in der Welt umgucken. «Die Asiaten sind die besten im Bogenschießen – Indien, Japan, China. Doch die unangefochtene Nummer eins ist Südkorea», erzählt er. Er sieht sich jedoch eher in Bhutan. «Ich weiß inzwischen, wo meine Stärke liegt. Das ist im Aufbau von Strukturen». Das kleine Königreich zwischen Indien und Tibet hat Bedarf signalisiert.

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Nuria Hartmann: Projektkoordinatorin Konrad-Adenauer-Stiftung http://www.condor.cl/portrat/nuria-hartmann/ http://www.condor.cl/portrat/nuria-hartmann/#respond Thu, 28 Dec 2017 14:57:37 +0000 http://www.condor.cl/?p=22910 Die Diplom Regionalwissenschaftlerin für Lateinamerika mit Schwerpunkt VWL-Energiewirtschaft Nuria Hartmann (30, ledig) stammt aus Göttingen. Vor einigen Jahren ist sie nach Chile ausgewandert. Sie arbeitet als Projektkoordinatorin bei der Konrad-Adenauer-Stiftung in Santiago.

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Nuria Hartmann, Projektkoordinatorin an der Konrad-Adenauer-Stiftung in Chile
Nuria Hartmann, Projektkoordinatorin an der Konrad-Adenauer-Stiftung in Chile

 

Die Diplom Regionalwissenschaftlerin für Lateinamerika mit Schwerpunkt VWL-Energiewirtschaft Nuria Hartmann (30, ledig) stammt aus Göttingen. Vor einigen Jahren ist sie nach Chile ausgewandert. Sie arbeitet als Projektkoordinatorin bei der Konrad-Adenauer-Stiftung in Santiago de Chile.

 

Was wollten Sie als Kind werden?
Erst Ballett-Tänzerin (eigentlich nur wegen des rosa Kleids), dann Juristin.

 

Wenn Sie wieder auf die Welt kämen, würden Sie den gleichen Beruf ergreifen?
Wenn «wieder auf die Welt kommen» bedeutet, dass ich schon einmal gelebt habe und meinen Beruf zum zweiten Mal wählen dürfte: Nein, denn ich strebe immer nach beruflichen Herausforderungen und danach, Neues zu lernen. Im gegenteiligen Falle: Ja, denn er macht mir Spaß und birgt viele verschiedene Optionen.

 

Wer war und ist Ihr Vorbild?
In der Grundschule war die große Schwester einer meiner besten Freundinnen mein Vorbild – vielleicht, weil ich selbst keine große Schwester habe. Heute habe ich kein konkretes einzelnes Vorbild – in beruflichen Dingen intelligente und kompetente Frauen wie meine Mutter.

 

Wofür sind Sie Ihren Eltern dankbar?
Für eine glückliche Kindheit und für ihr Vertrauen in mich. Insbesondere bin ich meiner Mutter dafür dankbar, dass sie mich immer unterstützt und mir sehr viele Dinge und Erfahrungen ermöglicht hat, ohne die ich heute nicht dort stehen würde, wo ich stehe.

 

Was war Ihr schlechtestes Schulfach?
Anfangs Latein, dann Mathe. Leider waren meine Schulleistungen stark von der pädagogischen Kompetenz des jeweiligen Lehrers abhängig – in Latein bekam ich später einen tollen und motivierenden Lehrer, mit dem ich meine Note sehr verbesserte und es bis zum großen Latinum schaffte – in Mathe war es leider umgekehrt.

 

Was macht Sie glücklich?
Am Strand in der Sonne liegen und das Meer rauschen hören; Schwimmen und Tauchen; Dinge für den Umweltschutz zu tun und es zu schaffen, andere Menschen von dessen Wichtigkeit zu überzeugen.

 

Was macht Ihnen Angst?
Skrupellosigkeit, Tierquäler, das Schmelzen der Pole und die Abholzung des Regenwaldes.

 

Worauf könnten Sie verzichten?
Auf oberflächliche Gespräche, Scheinheiligkeit sowie den Verkehrslärm und volle Busse und U-Bahnen in Santiago.

 

Was ist Ihnen peinlich?
Den Busfahrer in einem vollen Reisebus zu bitten, für eine Toilettenpause anzuhalten – und der aktuelle US-Präsident.

 

Wen beneiden Sie?
Menschen, die ihren Traum und ihre Bestimmung leben und dabei keine Unentschlossenheit spüren.

 

Mit wem würden Sie nie tauschen wollen?
Zum Beispiel mit Straßenverkäufern zwischen Autoschlangen im Stau.

 

Wen würden Sie gerne einmal treffen?
Elias M´Barek! Und auch mit Barack Obama und Angela Merkel würde ich einen Kaffee nicht ausschlagen.

 

Was würden Sie niemals tun?
Bungee Jumping. Ich habe schon viele verrückte (Extrem-)Sportarten betrieben, aber das steht nicht auf meiner Liste.

 

Was regt Sie auf?
Ungerechtigkeit, Faulheit, fehlende Fahrradwege.

 

Was ertragen Sie mit Humor?
Schlangen in chilenischen Supermärkten – wer vergessen hat, die Kiwis zu wiegen, schlurft mit größter Gelassenheit zurück zur Obstabteilung – und die gesamte Schlange wartet. (Das habe ich mir inzwischen auch schon herausgenommen, daher ertrage ich es nun mit Humor).

 

Über welche eigenen Schwächen ärgern Sie sich?
Über meine Ungeduld.

 

Weshalb würden Sie nie aus Chile auswandern?
Ich bin nach Chile ausgewandert. An einer «Rückwanderung» nach Deutschland könnten mich das gute Wetter mit «Immer-blaue-Himmel-Garantie» sowie mein chilenischer Freund hindern.

 

Wenn Sie einen Tag Präsident wären, was würden Sie ändern?
Ich würde ein für alle Mal die Plastiktüte verbannen, alle Fahrzeuge durch Elektroautos ersetzen, Fair-Trade-Abkommen schließen, um Armut zu bekämpfen und tausend weitere wichtige Dinge.

 

Was sollten die Chilenen ernster nehmen?

Umweltschutz und die gravierende sozioökonomische Ungleichheit, die in diesem Land herrscht – zur Oecd gehören und Wirtschaftswachstum bedeutet in diesem Kontext nicht, wirklich entwickelt zu sein: Ungleichheit sowie die überall vorzufindenden Straßenhunde sind für mich Indikatoren für fehlende Entwicklung.

 

Welches Buch lesen Sie gerade?

«Im Wald» von Nele Neuhaus – ich liebe Krimis! Von Charlotte Link habe ich bereits alle Krimis gelesen, von Nele Neuhaus fehlen mir noch ein paar.

 

Was ist Ihr Lieblingsgericht?
Mehrere – am liebsten peruanisch, vor allem Meeresfrüchte, und seit eh und jeh: Frühlingsrolle.

 

Was machen Sie am liebsten in Ihrer Freizeit?

Sport: Schwimmen, Radfahren, Tauchen, Trekking, mich in der Natur aufhalten.

 

Bei welchem Film haben Sie geweint?
Als Kind bei «Titanic», vor kurzem bei «Collateral Beauty».

 

Welchen Männertyp finden Sie anziehend?
Sportliche, intelligente Männer mit Humor.

 

Wem wollten Sie schon lange ein Kompliment machen?

Meinem alten Lateinlehrer für seine riesen Motivationsfähigkeit; ansonsten mache ich Komplimente direkt, wenn sie mir in den Sinn kommen.

 

Was sollte Ihnen später einmal nachgesagt werden?

Dass ich andere Menschen für Umweltschutz sensibilisiert und motiviert habe und eine positive, begeisterungs- und motivationsfähige Person war.

 

Wie lautet Ihr Lebensmotto?

Das, was meine Oma immer zu mir gesagt hat: Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt. Außerdem sind meine Mottos: Aus Fehlern lernt man, und: No risk, no fun.

 

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Sind die Regionen Chiles auf den Klimawandel vorbereitet? http://www.condor.cl/portrat/patricio-valdivieso/ http://www.condor.cl/portrat/patricio-valdivieso/#respond Fri, 15 Dec 2017 19:01:46 +0000 http://www.condor.cl/?p=22807 Was machen eigentlich die Gemeindeverwaltungen, um den Auswirkungen des Klimawandels zu begegnen? Was sollte in Chiloé getan werden, um eine erneute Katastrophe der giftigen Algenblüte – Marea Roja – zu vermeiden? Diesen Fragen geht der Politikwissenschaftler Patricio Valdivieso nach.

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Fondecyt-Projekt des Sozialwissenschaftlers Dr. Patricio Valdivieso

Patricio Valdivieso
Patricio Valdivieso

 

Was machen eigentlich die Gemeindeverwaltungen, um den Auswirkungen des Klimawandels zu begegnen? Was sollte in Chiloé getan werden, um eine erneute Katastrophe der giftigen Algenblüte – Marea Roja – zu vermeiden? Diesen Fragen geht der Politikwissenschaftler Patricio Valdivieso nach.

 

Von Petra Wilken

Patricio Valdivieso, Jahrgang 1963, hat an der Universidad Católica Santiago Geschichte studiert. Sein Professor Ricardo Krebs Wilckens, der deutschstämmige chilenische Nationalpreisträger, trug seinen Anteil dazu bei, dass Valdivieso sich immer mehr für Deutschland begeisterte. «In den 80er Jahren während der Militärregierung war das deutsche Staatsmodell für uns interessant», so der Chilene.

Obwohl er keine familiäre Verbindung mit Deutschland und auch die Sprache nie gelernt hatte, bewarb er sich 1989 um ein Stipendium beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) und ging an die Geschichts- und Gesellschaftspolitische Fakultät der Universität Eichstätt, wo er seinen Doktor in Politikwissenschaften, lateinamerikanischer Geschichte und Wirtschaftspolitik machte. Deutsch hatte er nach seiner Ankunft am Goethe-Institut in Freiburg im Breisgau studiert.  

Während seiner Zeit in Deutschland wurde er von der Universität Tokio als Gastprofessor eingeladen und lebte von 1993 bis 1995 in Japan. Nachdem er seine Doktorarbeit in Deutschland abgeschlossen hatte, ging er nach Chile zurück und arbeitete als Dozent an der Universidad Católica. Die enge Verbindung mit Deutschland hat er aufrechterhalten, sei es durch Gastprofessuren an der Universität Hamburg oder durch das Georg-Forster-Forschungsstipendium als Gastforscher an der Freien Universität Berlin, das er 2008 von der Alexander-von-Humboldt-Stiftung erhielt.

Heute ist die Universidad de Los Lagos in Osorno sein beruflicher Mittelpunkt, wo er als Professor und Forscher am Zentrum für Regionalstudien und Öffentliche Politik angestellt ist. Gleichzeitig hat er an der Uni den Posten als Direktor des Forschungsnetzwerkes für lokale Entwicklung, Regional- und Umweltpolitik inne. An der Universidad de Chile in Santiago arbeitet er zudem als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Millennium-Instituts zur Untersuchung von Marktversagen und öffentliche Politik.  

In seinem beruflichen Werdegang hat er sich in Dutzenden von nationalen und internationalen Forschungsvorhaben und Veröffentlichungen ausgiebig mit den aktuellen sozialpolitischen Themen Chiles und Lateinamerikas auseinandergesetzt und unter anderem über Entwicklungsmodelle, Zivilgesellschaft, öffentliche Sicherheit, politische Bildung und Justiz geschrieben. Doch das Thema, das in letzten Jahren in der internationalen Debatte immer größeren Raum einnimmt, steht auch bei Patricio Valdivieso an erster Stelle: der Klimawandel. Sein Schwerpunkt: kommunales Umweltmanagement.  

Seit 2014 arbeitet er dazu in einem Fondecyt-Projekt vom Nationalen Fonds für wissenschaftliche und technologische Entwicklung. Das Projekt stellt die Umweltpolitik der 346 Gemeindeverwaltungen Chiles auf den Prüfstand. Zwei Fragen werden beleuchtet: Erstens: Sind sie auf die Auswirkungen des Klimawandels vorbereitet? Und zweitens: Sind sie in der Lage, angemessen auf extreme Klimaereignisse zu reagieren? Die Antworten lauten in beiden Fällen: tendenziell eher nein.

«Laut OECD gibt es in Chile nicht genügend qualitativ hochwertige Information über Aspekte des Klimawandels. Bemängelt wird auch, dass das System der Umweltverträglichkeitsprüfungen die Bürgerbeteiligung nicht ausreichend berücksichtigt», erläutert Valdivieso. «In Chile werden Gesetze für das ganze Land gemacht, aber an der Umsetzbarkeit in den Regionen hapert es oft», erläutert der Sozialwissenschaftler.

Valdivieso ist bei seinem Projekt ganz besonders wichtig, dass es praktisch ausgerichtet ist und zum Ziel hat, den Gemeinden Informationen an die Hand zu geben, die ihnen helfen sollen, ihre Umweltpolitik zu verbessern. «Bei unseren Umfragen kommt heraus, dass die Leute auf dem Land sagen: ‚Die Wege sind schlecht, die Wälder werden zerstört`. Und generell besteht der Eindruck von starker Luftverschmutzung. Aber es ist nicht so, dass die Gemeindeverwaltungen die Zustände nicht verbessern wollen.» Vielmehr sieht er die Gründe in fehlendem Know-how und mangelnder Finanzausstattung.

Als Beispiel nennt er Puerto Montt. Als es 2016 zur Krise auf Chiloé kam, habe Puerto Montt keine Umweltpolitik gehabt und kein Monitoring der produktiven Projekte, die Auswirkungen auf die Umwelt haben könnten. «Es gibt keine Umweltabteilung in der Gemeindeverwaltung und nicht genügend Personal», so Valdivieso.

Für ihn ist der Fall der extremen Marea Roja 2016 ein drastisches Beispiel dafür, was passiert, wenn Auswirkungen des Klimawandels mit der Überausbeutung von Arten und zudem noch verschmutzten natürlichen Ressourcen zusammentreffen. «Durch den Klimawandel wird das Wasser klarer und lässt die Sonnenstrahlen tiefer eintreten. Dadurch kommt es zu einem größeren Wachstum der Algen. Die Algen ernähren sich zudem von Abfällen. Es kam zu einem großen Lachsterben. Die Firmen wussten sich nicht anders zu helfen, als tausende Tonnen von totem Lachs mit Schiffen aufs offene Meer hinauszufahren. Keiner hatte damit gerechnet, dass die Strömung sie wieder zurückspülen würde», erinnert Valdivieso an den Vorfall des vergangenen Jahres, der die Meeresfrüchte vergiftete und der sich derzeit durch das Kentern eines mit Lachsen beladenen Frachters vor Chiloé wiederholen könnte.

«Ein anderes großes Problem im Süden, das hier in Santiago kaum wahrgenommen wird, ist die Trockenheit. Wir erheben Daten, die zeigen, welche Auswirkungen sie hat, zum Beispiel auf die Tierhaltung. Fehlende Kenntnisse der Situation führen dazu, dass die Politik schlecht reagiert. Stattdessen geben die Gemeindeverwaltungen jeden Sommer Millionen aus, um die Bevölkerung mit Trinkwasser-Fahrzeugen zu beliefern. Das ist nun schon seit mehreren Jahren üblich. Sogar in Städten wie Osorno, Purranque und Puerto Montt», erzählt Valdivieso. Er hofft, dass die Ergebnisse der Fondecyt-Studie dazu beitragen, dem Süden Chiles zu einem besseren Wassermanagement zu verhelfen.    

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Monika Dockendorff, Mathematiklehrerin und Dozentin für Lehrerfortbildung http://www.condor.cl/portrat/monika-dockendorff/ http://www.condor.cl/portrat/monika-dockendorff/#respond Fri, 08 Dec 2017 10:19:19 +0000 http://www.condor.cl/?p=22768 Gehören Sie auch zu denen, die in der Schule mit Algebra und Geometrie auf dem Kriegsfuß standen? Ich jedenfalls bin über die vier Grundrechenarten, Dreisatz und Prozentrechnung nicht hinausgekommen. Monika Dockendorff hingegen gehört zu denen, die Mathematik schon in der Schule geliebt haben. Es dauerte jedoch, bevor sie dieses Talent zu ihrem Beruf machte.

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Mathematik muss nicht doof sein

Monika Dockendorff, Mathematiklehrerin und Dozentin für Lehrerfortbildung
Monika Dockendorff, Mathematiklehrerin und Dozentin für Lehrerfortbildung

 

Gehören Sie auch zu denen, die in der Schule mit Algebra und Geometrie auf dem Kriegsfuß standen? Ich jedenfalls bin über die vier Grundrechenarten, Dreisatz und Prozentrechnung nicht hinausgekommen. Monika Dockendorff hingegen gehört zu denen, die Mathematik schon in der Schule geliebt haben. Es dauerte jedoch, bevor sie dieses Talent zu ihrem Beruf machte.  

 

Von Petra Wilken

Wenn die 40-jährige Deutsch-Chilenin über das spricht, was sie heute beruflich macht, muss sie niemanden überzeugen: Die Kombination aus Mathematik plus Pädagogik füllt sie gänzlich aus. In dieser Schnittmenge engagiert sie sich dafür, dass Mathemuffel, die meinen, dass sie Vektoren und Winkelfunktionen nie kapieren werden, auf ihre Seite bekommt.

Seit einigen Jahren arbeitet sie daran als Mitarbeiterin der Fakultät für Bildung der Universidad Católica. Ihre Abteilung ist dafür zuständig, innovative didaktische Methoden in den Mathe-Unterricht einzubringen. Speziell konzentriert sie sich auf die Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien. «Es gibt sehr leistungsfähige Software für Geometrie und Algebra», erklärt sie. Die Mathe-App auf dem Smartphone ist dabei keine Zukunftsmusik, sondern schon heute Wirklichkeit in chilenischen Klassenräumen. 

Sie ist davon überzeugt, dass das Handy als Mittel im Unterricht bestens funktionieren kann. «Es gehört ja auch zum Bildungsauftrag zu zeigen, dass das Handy nicht nur zum Chatten gut ist, sondern ein potentes Gerät, mit dem man auch lernen kann.» Nachdem sie vier Jahre lang Unterricht in der Oberstufe an einer staatlichen Schule im Stadtteil Estación Central gegeben hat, weiß sie, was mit Schülern machbar ist und was nicht.
 

Lyrischer Gesang bei Ahlke Scheffelt

Sie selbst ist als jüngste von drei Töchtern des Ehepaares Grecia Aguilera und Ignacio Dockendorff auf die Deutsche Schule Santiago gegangen. Ihre Eltern, beide Ärzte von Beruf, waren sich aufgrund der Liebe zur Musik nähergekommen. «Eine der Alternativen nach der Schule war es für mich, lyrischen Gesang zu studieren.» Aufgrund ihrer Vorliebe für Mathematik entschied sie sich jedoch für Architektur. Gleichzeitig lernte sie lyrischen Gesang bei Ahlke Scheffelt an der Escuela Moderna de Música in Las Condes.

Das war etwas viel. Nach einem Jahr gab sie beides auf und entschied stattdessen, Wirtschaftsingenieurwesen an der Universidad Católica zu studieren. «Eigentlich hat es mir nie gefallen. Es war eher eine praktische Entscheidung, aber sie kam nicht von hier», sagt sie und zeigt auf ihr Herz. Dennoch schloss sie dieses Studium ab und arbeitete danach einige Jahre bei der gemeinnützigen Stiftung Protectora de la Infancia im Finanzwesen. Damit kam sie ihrem Herzen schon etwas näher.

Mit 25 ging sie für fünf Jahre mit ihrem Verlobten nach New York, da er dort seine Doktorarbeit absolvierte. «Ich habe in New York in Bars gesungen, habe ein Quintett gegründet, bei Corp Artes in der Finanzabteilung und bei einem Importeur für Gourmetwaren aus Frankreich gearbeitet. Ein Mix aus allem», fasst sie ihre Erfahrung zusammen.
 

Mathematik-Lehrerin für die Oberstufe

Als sie zurückkam, merkte sie, dass die Welt der Wirtschaftswissenschaftler defintiv nicht ihre war. Ein Stipendium von Elige Educar war der Eintritt in die Welt, die sie wollte. Die Organisation fördert Berufstätige, die Lehrer werden wollen. Sie studierte ein Jahr lang Pädagogik an der Universidad Católica und schloss als Mathematik-Lehrerin für die Oberstufe ab. Voraussetzung für das Stipendium war es, einen Beitrag zum öffentlichen Schulsystem zu leisten.

So kam Monika Dockendorff an die staatliche Schule in Estación Central. Gleichzeitig machte sie einen Magister in Pädagogik. In ihrer Abschlussarbeit untersuchte sie den Einfluss der Klassenstärke auf die Schulergebnisse. «Ein sensibles Thema», meint sie, da Tenor der Fachliteratur sei, dass es keinen Unterschied mache, ob 25 oder 45 Schüler in der Klasse sind. Schuld daran sei der US-amerikanische Ökonom Eric Hanushek, der in den 1980er Jahren eine berühmte Studie erstellt habe, die bis heute als Nachweis dafür gelte, dass kleine Klassenstärken keine besseren Schulergebnisse hervorbringen.  
 

Geometrie und Algebra

«Fragt man hingegen Lehrer und Eltern, so wollen alle unbedingt kleine Klassenstärken. Es ist sehr schwer, 45 Schüler zu unterrichten», weiß sie aus eigener Erfahrung. 20 bis 25 sei eine ideale Zahl. Chiles Präsidentin Michelle Bachelet habe versprochen, die Höchstzahl auf 30 zu senken, dieses Versprechen jedoch nicht gehalten. Der Durchschnitt in Chile sei 31. «Doch das nützt einem Kursus mit 46 Schülern auch nichts», sagt sie mit Nachdruck.

Gerade in den sozial schwachen Schichten sei die Ablehnung von Mathematik besonders groß. Die Nutzung von Informationstechnologien jedoch ist für sie ein vielversprechendes Mittel. «Geogebra» heißt eine von einem Schweizer erfundene Software für Geometrie und Algebra, die als App kostenlos heruntergeladen werden kann. «Durch die grafische Darstellung kann man die Relationen leichter verstehen. Das macht den Schülern auch viel mehr Spaß», begeistert sie sich.

Zu ihren Aufgaben gehört es, Lehrern zu zeigen, wie eine Unterrichtseinheit mit Geogebra aufgebaut werden kann. «Big Data ist im Kommen, und zwar sehr schnell. Es gibt technische Berufe, die aussterben, aber es entstehen neue. Wir können nicht dagegen ankämpfen, sondern müssen unsere Bildung darauf ausrichten».

Dafür setzt sich Monika Dockendorff mit großem Engagement ein, auch wenn sie ihre Arbeitszeit heruntergeschraubt hat und derzeit sogar aufs Unterrichten verzichtet. Sie hat einen guten Grund – ihren zweijährigen Sohn Santiago.

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Francisco Kamann, Karatelehrer beim Club Manquehue http://www.condor.cl/portrat/karate-francisco-kamann/ http://www.condor.cl/portrat/karate-francisco-kamann/#respond Mon, 04 Dec 2017 14:39:48 +0000 http://www.condor.cl/?p=22733 Francisco Kamann ist Trainer der Karateabteilung beim Club Manquehue. Für den Anhänger der traditionellen japanischen Variante dieser Kampfsportart ist Karate eine Schule des Lebens, eine Philosophie. Mehr als 40 Jahre widmet er ihr inzwischen.

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«Der Gegner bist du selbst»

Francisco Kamann, Lehrer für Karate beim Club Manquehue
Francisco Kamann, Lehrer für Karate beim Club Manquehue

 

Francisco Kamann ist Trainer der Karateabteilung beim Club Manquehue. Für den Anhänger der traditionellen japanischen Variante dieser Kampfsportart ist Karate eine Schule des Lebens, eine Philosophie. Mehr als 40 Jahre widmet er ihr inzwischen.

 

Von Petra Wilken

«Auch wenn es paradox klingt: Im Karate werden Schläge und Fußtritte ausgeteilt, doch es erhöht den inneren Frieden, fördert den Respekt und steigert das Selbstvertrauen», erklärt Kamann. Zumindest in der Schule so, die er vertritt, in der Karate mehr als nur Sport ist, sondern die dazu beitragen will, dass die Kämpfer ihre Persönlichkeit positiv entwickeln und zu einem höherem inneren Gleichgewicht gelangen.

Schon als Kind interessierte sich Francisco Kamann für Philosophie, den Ursprung des Lebens und den Sinn der menschlichen Existenz. «Daraus entstand mein Interessiere an der Philosophie und der Kunst des Ostens. Nach viel Lektüre haben die sogenannten Kampfkünste, insbesondere Karate, meine Aufmerksamkeit erregt.»

Rückblickend auf seine Jugendzeit ist er davon überzeugt, dass auch die Schulwahl, die sein Vater für ihn vornahm, seine Vorlieben weiter gefördert haben. Er ging auf das Liceo Alemán, das damals im Zentrum in der Straße Moneda Ecke Manuel Rodríguez untergebracht war und von der Kongregation Verbo Divino betrieben wurde.
 

Mysterien des Universums und der menschlichen Existenz

«Da ich auf eine konfessionelle Schule ging, lernte ich viel über die christliche Religion», erzählt Kamann. «Es waren sehr gute Lehrer und ihre progressive europäische Denkweise hat mir sehr gefallen.» Besonderen Einfluss hatte sein Physiklehrer auf ihn, Padre Bernhard Stariska, der von den Mysterien des Universums und der menschlichen Existenz sprach. «Er hatte Astronomie studiert und war ein ganz außergewöhnlicher Mensch.» Die offene Weltanschauung der deutschen Mönche seiner Schule gefiel ihm sehr.

Sein Großvater war aus Deutschland in den Süden Chiles eingewandert. Sein Vater Gaspar Kamann sprach selbst kaum noch deutsch, dennoch wollte er, dass der Sohn die Sprache lernte. Die Kamanns wohnten in Curicó, wo er auf dem Land aufwuchs. Sein Vater betrieb Landwirtschaft.  

Im Jahr 1966 begann Francisco Kamann Karate in einer Schule in Santiago zu lernen, die von einem japanischen Meister namens Sensei Seiichi Akamine geleitet wurde. Der Meister, der 1920 geboren wurde und direkt von Samurais abstammen soll, lebte in Brasilien und hatte 1958 eine Karate-Do-Schule in Sao Paolo eröffnet, die mehr als tausend Praktizierende hatte. Kamann reiste mehrmals nach Brasilien in seine Schule.

Als er 1972 sein Studium als Sportlehrer an der Universidad de Chile aufnahm, hatte er bereits den schwarzen Gürtel und seine berufliche Karate-Laufbahn begann. Er gründete an der Uni eine Karateabteilung und wurde zudem von der Hochschule als Trainer eingestellt, obwohl er noch Student war. Kurz darauf richtete er zudem eine Karateschule bei sich zuhause ein. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits verheiratet und hatte seine eigene Familie gegründet.
 

Traditionelles Karate vom Meister

Bei einer Reise 1978 besuchte Akamine den Unterricht von Francisco Kamann an der Universidad de Chile. «Mein Stil und meine Art zu unterrichten gefielen dem Meister. Er bat mich, sein Schüler zu werden und durch mich sein Vermächtnis zu hinterlassen», berichtet Kamann. «So begann ich, jedes Jahr nach Sao Paolo zu reisen, bis er 1995 starb.» Er brachte Kamann nicht nur traditionelles Karate bei, sondern führte ihn zudem in eine alte Lehre ein, die mit der Numerologie verwandt ist und «kaité» heißt. «Ich haben vielen im privaten Umkreis damit helfen können.»

Die orientalische Philosophie, die für Kamann wichtige praktische Aspekte für das tägliche Leben hat, brachte ihn schließlich 1982 dazu, Psychologie zu studieren. «Als Psychologe habe ich viel über das menschliche Verhalten gelesen.» Seine Kenntnisse bringt er seit 1992 im Club Manquehue ein, wo er damals die Karateabteilung aufbaute. Der Unterricht ist ab fünf Jahren für alle Altersstufen geeignet. «Physische Kondition ist keine Voraussetzung. Jeder entwickelt sich, wie er kann. Dein Gegner ist nicht ein anderer, sondern du bist es selbst. Du arbeitest an dir selbst, an deinem Verhalten, deiner Arbeit, deinen persönlichen Beziehungen. Es gibt eine Verbindung zwischen den Bewegungen und den Gefühlen und Emotionen», erklärt Kamann.
 

Respekt und Selbstkontrolle

In den Karatestunden lernen die Schüler Disziplin, sich formal zu begrüßen, den Respekt vor den anderen und Selbstkontrolle. «Wenn ein Kind das andere auslacht, dann spreche ich mit ihm. Es gibt keine Strafen, sondern Erklärungen und Gespräche. Es ist beeindruckend, die Veränderungen zu beobachten.» Insbesondere auch für Kinder mit Entwicklungsstörungen oder emotionalen Schwierigkeiten sei seine Methode hilfreich. «Psychologische Studien heben den Beitrag von Karate bei derartigen Schwierigkeiten hervor.»  

Seine eigenen Kinder sind längst erwachsen. 2012 ließ sich Francisco Kamann nach 39 Ehejahren scheiden. Inzwischen hat er drei Enkelkinder, zwei in Chile und eines in Deutschland, da seine Tochter Karin seit 13 Jahren in Hamburg lebt und mit einem Deutschen verheiratet ist. Letztes Jahr hat sie ein Pädagogik-Studium mit Höchstnote abgeschlossen. Und das auf Deutsch. Der Stolz ist Francisco Kamann ins Gesicht geschrieben. «Ich bin genauso stolz auf die berufliche Entwicklung meiner Tochter Lisette, die eine eigene Produktionsfirma gegründet hat, und auf meinen Sohn Erich, der Psychiater ist», fügt er hinzu.

 

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Roland Klagges: Akademiker, Naturfreund, Musikfan http://www.condor.cl/portrat/roland-klagges/ http://www.condor.cl/portrat/roland-klagges/#respond Tue, 28 Nov 2017 16:10:22 +0000 http://www.condor.cl/?p=22680 Roland Klagges wurde in Santiago geboren. Er absolvierte die Deutsche Schule Los Leones, besuchte anschließend als einer der letzten Jahrgänge die alte Schule an der Almirante Barroso, um die Oberstufe schließlich im neuen Gebäude in Antonio Varas im Jahr 1954 zu beenden.

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Roland Klagges: «Wir hüten den Naturwald, soweit wir können.» Foto: Walter Krumbach
Roland Klagges: «Wir hüten den Naturwald, soweit wir können.» Foto: Walter Krumbach

 

Der Männerchor «Frohsinn» aus Santiago ist einer der langlebigsten der Welt. 1885 gegründet, ist er bis heute in der deutsch-chilenischen Gemeinschaft Santiagos allgemein bekannt und aufgrund seiner Auftritte bei feierlichen Anlässen in Kirchen, Seniorenheimen und Schulen beliebt. Roland Klagges singt seit acht Jahren im «Frohsinn».

 

Von Walter Krumbach

Auch sein Vater war Mitglied dieses Gesangvereins: «Er war über 50 Jahre mit dabei und hat dafür die goldene Sängernadel bekommen», erzählt sein Sohn. Heute ist er der erste Vorsitzende des Chorvorstands. Die Musik hat in dieser Familie schon immer eine herausragende Rolle gespielt. Das stellt man beim Besuch seiner geräumigen Wohnung fest, in der zwei Klaviere stehen.

Roland Klagges wurde in Santiago geboren. Er absolvierte die Deutsche Schule Los Leones, besuchte anschließend als einer der letzten Jahrgänge die alte Schule an der Almirante Barroso, um die Oberstufe schließlich im neuen Gebäude in Antonio Varas im Jahr 1954 zu beenden. Zweimal erhielt er den zweiten Preis unter den Klassenbesten, «aber ich war mir gar nicht bewusst, dass ich einer der Tüchtigsten war», meint er dazu belustigt.

Ausschlaggebend für diese Auszeichnung war sicherlich ein Preisausschreiben, an dem Roland Klagges in einem seiner letzten Schuljahre teilnahm und zu dem die Burschenschaft Araucania eine Prämie gestiftet hatte: «Ich fragte meinen Vater zum Thema der Einwanderung unserer Familie aus und schrieb darüber einen Aufsatz.» Der fand großen Anklang, Roland siegte und erhielt ein Studentenliederbuch der Verbindung.  

Bald kam die Zeit der Berufswahl, «wobei man meistens nicht sehr gut orientiert ist», wie er meint, «aber ich hatte immer schon Zugang zu deutschen Zeitschriften wie ‚Kosmos‘ und ‚Orion‘ gehabt. Anhand der Kenntnisse, die ich mir dabei aneignen konnte, entschied ich mich für Kybernetik. Ich habe mich aber nicht getraut, meinem Vater diesen Wunsch vorzutragen», lacht er, «zu dem Studium hätte ich nämlich in die USA reisen müssen».

Der Vater hatte einige Jahre vorher begonnen, in der Forstwirtschaft zu investieren, weshalb Roland mit einem Forstwirt Kontakt aufnahm, der gerade sein Studium beendet hatte. Diese Universitätslaufbahn war damals ein Novum. Was der junge Absolvent zu erzählen hatte, war derart anregend, «dass ich das Abitur in Mathematik gemacht und mich an der Universidad de Chile angemeldet habe», erinnert er sich.

Während des Studiums trat er in die Burschenschaft Andinia ein. Diese Entscheidung sollte sich als überaus vorteilhaft herausstellten. Nicht nur, dass er über mehrere Jahre die verantwortungsvolle Aufgabe des Kassenwarts übernehmen, sondern sich regelmäßig in der Kunst des öffentlichen Redens üben musste, wofür er der Verbindung heute noch dankbar ist.

Im Jahr 1960 machte er seine Diplomarbeit. Damals löste sein Vater ein Versprechen ein, mit der Mutter eine Deutschlandreise zu unternehmen, weshalb Roland während der Abwesenheit seiner Eltern die Forstbetriebe übernahm. Damit nicht genug, bewarb er sich beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) um ein Stipendium. Der Antrag hatte Erfolg, sodass er nach Deutschland fliegen konnte.

Damals war im zivilen Flugverkehr noch nicht die Zeit der Düsenflieger angebrochen, weshalb Roland in einer Propellermaschine eine 36-stündige Reise antreten musste: «Es ging über Montevideo, Buenos Aires, São Paulo, Rio de Janeiro, Liberia und Lissabon nach Zürich. In der Schweiz stieg ich dann in einen Zug nach Freiburg. Es war anstrengend, aber damals waren die Sitze im Flugzeug angenehmer, mit ausreichend Platz, nicht wie heute», schmunzelt er.

Ein Jahr studierte Klagges in Deutschland. Nach seiner Rückkehr erhielt er ein Angebot der Universidad de Chile, eine Professur zu übernehmen. Die drei Jahre, die er als Assistenzprofessor tätig gewesen war, wirkten sich nun darauf aus, dass er diese aussichtreiche Stellung antreten konnte.

Akademiker bilden sich bekanntlich zeitlebens weiter, weshalb sich Roland Klagges auch weiterhin für Lehrgänge im Ausland bewarb: «Später habe ich ein Humboldt-Stipendium gewonnen und verloren», erzählt er. «Es gab damals zwei Stipendien für Chile. Ich bekam eines davon. Einige Zeit später erhielt ich einen Brief, indem man mich benachrichtigte, dass es verschoben wurde. Dann kam ein dritter Brief, in dem es hieß, dass ich aufgrund der großen Menge Anwärter das Stipendium nicht wahrnehmen könnte, aber ich könnte mich ja noch einmal bewerben».

Diese unvorhersehbare Lage rief einigen Ärger in der Botschaft und im Goethe-Institut hervor. Es war jedoch nichts zu erreichen, denn der eigentliche Grund für die Absage hatte einen politischen Ursprung: Willy Brandts Ostpolitik hatte veranlasst, dass im gleichen Jahr eine große Anzahl Anwärter aus osteuropäischen Staaten ihre Bewerbungen einreichten. «Das waren Professoren, die schon 20 Jahre lang Bücher geschrieben hatten und daher bevorzugt wurden», glaubt Klagges. «Trotzdem hat sich die Kommission in Chile in Bewegung gesetzt und den DAAD überredet, mir eine Studienbeihilfe für ehemalige Stipendiaten zu geben. Diese Studienförderung stellte sich als sehr gut heraus und ich konnte dabei anfangen, meine Promotionsarbeit auszuarbeiten.»

Man schrieb das Jahr 1968, «und als ich zurückkam, sagte man mir gleich am ersten Tag, du musst in die Reform-Kommission gehen. Es ging drunter und drüber, wir haben ein Jahr lang Sitzungen abgehalten und dabei versucht, die Universität umzudrehen». Es war überaus komplex und mühsam. Roland Klagges runzelt die Stirn: «Man musste sich in den Fluss werfen und mitschwimmen, denn sonst hätten die zahlreichen radikalen Elemente zu viel Unfug getrieben».

Nach wenigen Tagen wurde der junge Professor zum Leiter eines Unterausschusses ernannt, nach wenigen Monaten war er bereits der Vorsitzende einer Kommission, weil der Präsident ins Ausland gegangen war und «nach einer weiteren Zeit saßen wir in der Hauptniederlassung der Universidad de Chile am Verhandlungstisch».

Als sich der Sturm gelegt hatte und wieder ernsthafte Arbeit geleistet wurde, trat Klagges in die Vereinigung der Diplomforstwirte ein. Ab 1963 war er 28 Jahre Vorstandsmitglied, darunter zehn Jahre erster Vorsitzender. An der Universidad de Chile war er um die 35 Jahre tätig. In den 1990er Jahren gab er seine Stellung auf.

Nun konnte er sich vollends auf das Familienunternehmen konzentrieren. Zwischen Linares und Parral sowie bei Coihueco (Chillán) betreibt Roland Klagges verschiedene Ländereien, auf denen er größtenteils Kiefern sowie Eukalypten zieht. Außerdem «hüten wir den Naturwald, soweit wir können».

Roland Klagges ist jedoch nicht nur ein erfolgreicher Unternehmer, sondern auch ein begeisterter Musikliebhaber. Seit etwa 15 Jahren besucht er mit seiner Familie die Musikwochen Frutillar. Seine Frau Soledad und er sitzen garantiert in jedem Konzert und die drei Kinder wirken als Platzanweiser und Umblätterer mit. In den letzten Jahren mussten sie diese Aufgaben jedoch zum Teil aus Studiengründen aufgeben.

Im kommenden Jahr, zum 50. Jubiläum des Musikfestivals, wird Vater Roland auf der Bühne stehen. Der Chor «Frohsinnn» ist eingeladen worden, aus dem besonderen Anlass an der Veranstaltung teilzunehmen. Der Hintergedanke der Organisatoren war, im Gedenken an Artur Junge, der die jährliche Zusammenkunft am Llanquihue-See als Chortreffen gründete, die Tradition des Chorgesangs wieder aufleben zu lassen.

Die Begeisterung für Frutillar ist in der Familie Klagges so fest verwurzelt, dass Tochter Sofía, die gegenwärtig in Paris studiert, «es irgendwie einrichten wird, um zu kommen, obwohl die Semanas Musicales mitten in ihrem Semester stattfinden». Der Vater sagt es, und ein gewisser Unterton des Stolzes ist nicht zu überhören.

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Enno von Schirmeister: «Mein Herz ist in Chile geblieben» http://www.condor.cl/portrat/enno-von-schirmeister/ http://www.condor.cl/portrat/enno-von-schirmeister/#respond Fri, 17 Nov 2017 13:50:30 +0000 http://www.condor.cl/?p=22565 Zwischen der deutsch-chilenischen Zeitung «Cóndor» und dem deutsch-mexikanischen Mitteilungsblatt «Mitt» gibt es eine erstaunliche Verbindung: Enno von Schirmeister.

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Enno von Schirmeister ist kürzlilch aus Mexiko angereist und hat an einem Ehemaligen-Treffen der Deutschen Schule Santiago teilgenommen. Foto: Arne Dettmann
Enno von Schirmeister ist kürzlilch aus Mexiko angereist und hat an einem Ehemaligen-Treffen der Deutschen Schule Santiago teilgenommen. Foto: Arne Dettmann

 

Zwischen der deutsch-chilenischen Zeitung «Cóndor» und dem deutsch-mexikanischen Mitteilungsblatt «Mitt» gibt es eine erstaunliche Verbindung: Enno von Schirmeister.

 

Von Arne Dettmann

Vor Kurzem reiste Enno von Schirmeister aus Mexiko-Stadt nach Santiago de Chile, um hier am Ehemaligentreffen der Deutschen Schule teilzunehmen. Lang ist´s her, genauer gesagt 60 Jahre, als der Sohn deutscher Einwanderer 1957 die Schule hier abschloss. Seit mehr als 40 Jahren lebt und arbeitet er nun in Mexiko. «Doch mein Herz ist in Chile geblieben», erklärt Enno von Schirmeister. Und das liegt nicht nur an den alten Schulkameradschaften, sondern ist außerdem auf sein publizistisches Engagement sowohl in Chile als auch in Mexiko zurückzuführen. Und das kam so:

Enno von Schirmeister wurde 1939 in Berlin geboren, seine Eltern wanderten 1952 nach dem Zweiten Weltkrieg nach Chile aus. Die Wahl erfolgte nicht zufällig, denn sein Vater hatte von 1924 bis 1929 bei der Banco Alemán Transatlántico in Chile gearbeitet.

Und Moritz von Schirmeister war offenbar nicht nur in Zahlen bewandert, sondern hatte auch ein Faible für Buchstaben. Für die Araucania dichtete er das offizielle Burschenschaftslied, für den «Cóndor» verfasste er 1959 einen Essay über die Rongo-Rongo-Schrift der Osterinsel.

Diese Neigung zum Schreiben muss jedenfalls auf den Sohn abgefärbt haben, denn Enno von Schirmeister gründete im Alter von 15 Jahren gemeinsam mit anderen Pennälern die Schülerzeitschrift «Copihue», die bis heute in der Deutschen Schule zu Santiago erscheint – derzeit jährlich, damals sogar jeden Monat. «Das bedeutete zwar viel Arbeit, aber es hat mir auch eine Menge Spaß bereitet.»

Mit Nachhilfestunden verdiente er sich sein erstes Geld und konnte sich eine Olympia-Schreibmaschine zulegen, in die er seine Beiträge tippte. Die Zeitschrift selbst wurde bei der Cóndor-Druckerei der Familie Klaus von Plate gedruckt und über Werbung finanziert. «Ich werde niemals meinen Gang zu Falabella vergessen, um die erste Anzeige reinzuholen.»

Es sollte nicht die letzte journalistische Tätigkeit in seinem Leben bleiben. Nach der Schule absolvierte Enno von Schirmeister eine kaufmännische Lehre bei Ferrostaal in Chile und arbeitet bei den Unternehmen Iansa, Ultramar sowie einem deutschen Spediteur aus Hamburg. Seine berufliche Laufbahn führte ihn dabei zwei Jahre nach La Paz, dank vieler Geschäftsreisen aber letztendlich durch ganz Lateinamerika. Hängen blieb er 1971 schließlich in Mexiko, wo er zunächst bei Volkswagen anfing und dann in die Nahrungsmittelindustrie wechselte. In seiner neuen Heimat lernte er nicht nur seine spätere Ehefrau kennen, sondern auch die deutsch-mexikanische Publikation «Mitt».

«Das Blatt schlummerte Anfang der 90er Jahre in einem Dornröschenschlaf vor sich hin», berichtet Enno von Schirmeister – das reizte ihn, er wurde aktiv mit einem genialen Einfall: Mit den Anzeigeneinnahmen sollte nicht nur die Zeitschrift selbst, sondern auch ein Altersheim für Senioren ohne Geldmittel finanziert werden. «Ich wurde damals für verrückt erklärt: „Wie wollen Sie denn das machen?“» Denn sein weiteres Ziel klang noch überdrehter: Die Auflage sollte von 1.000 auf 5.000 Exemplare gesteigert werden – von nun an mit kostenloser Verteilung und monatlicher Erscheinungsweise anstatt nur alle zwei Monate.

Aber die Rechnung ging glücklicherweise auf. Als damaliger Leiter der Elternschaft an der Deutschen Schule Alexander von Humboldt in Mexiko-Stadt rührte Enno von Schirmeister nicht nur die Werbetrommel, sondern ließ zudem seine zahlreichen Kontakte in der Wirtschaft spielen. Die deutschen Firmen bissen an und beteiligten sich rege über ihre Anzeigen an diesem ambitionierten Kultur- und Wohlfahrtsprojekt. Zu guter Letzt setzte von Schirmeister noch die Schere an und machte aus dem sperrigen «Mitteilungsblatt» nur kurz «Mitt».

Der chilenische «Cóndor» wurde 1938 gegründet, die mexikanische «Mitt» im Jahr 1932 – beide Presseerzeugnisse hält Enno von Schirmeister nach wie vor für sehr wichtig. «Es geht nicht nur darum, die deutsche Sprache aufrecht zu erhalten. Wir leben in einem bi-kulturellen Umfeld. Das Verbindende sollte in den Publikationen betont werden, darunter die Zweisprachigkeit.»

Er selbst sieht sein publizistisches Engagement auch als eine Verpflichtung an, die er den lateinamerikanischen Gastländern gegenüber schuldet. «Ich bin als Flüchtlingskind mit meinen Eltern nach Chile ausgewandert, weil wir praktisch alles verloren hatten.» Mühsam, aber erfolgreich hätte sich seine Familie, die ursprünglich aus Ostpreußen stammt, in Chile eine neue Existenz aufgebaut. «Wir waren mehr als glücklich in Chile.»

Seine polyglotte Prägung ist scheinbar auf seine Kinder übergegangen: Eine Tochter lebt in New York, ein Sohn in London und eine Tochter im mexikanischen Playa del Carmen. So verschieden diese Länder, so verschieden seine Lektüre: Derzeit liest Enno von Schirmeister ein Geschichtsbuch über Stalin und Trotzki, ein Werk über den Mythos Atlantis und eine historische Abhandlung über die chinesischen Handelsverbindungen während der Neuzeit.

Ob er nun selbst auch noch ein eigenes Buch verfasst? «Mit dem Schreiben ist es wie mit einer ersehnten Kreuzfahrt: Man träumt ein Leben lang davon, doch wenn dann endlich die Gelegenheit dazu kommt, ist man zu alt, um die Treppen der Gangway hinaufzusteigen.»

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Dr. Rüdiger Kneissl, Astrophysiker am ALMA-Observatorium http://www.condor.cl/portrat/ruediger-kneissl/ http://www.condor.cl/portrat/ruediger-kneissl/#respond Sat, 11 Nov 2017 09:27:19 +0000 http://www.condor.cl/?p=22522 Der deutsche Astrophysiker Dr. Rüdiger Kneissl gehört zu den Wissenschaftlern, die dazu beitragen, das Mysterium unseres Universums zu enthüllen. Er arbeitet als Astronom an der Europäischen Südsternwarte ESO und gehört zum Team vom ALMA Observatorium bei San Pedro de Atacama.

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Mysterien des Universums: Wie groß ist ein schwarzes Loch?

Dr. Rüdiger Kneissl stammt gebürtig aus München und arbeitet seit 2009 in Chile beim ALMA-Observatorium.
Dr. Rüdiger Kneissl stammt gebürtig aus München und arbeitet seit 2009 in Chile beim ALMA-Observatorium.


Der deutsche Astrophysiker Dr. Rüdiger Kneissl gehört zu den Wissenschaftlern, die dazu beitragen, das Mysterium unseres Universums zu enthüllen. Er arbeitet als Astronom an der Europäischen Südsternwarte ESO und gehört zum Team vom ALMA Observatorium bei San Pedro de Atacama.

 

Von Petra Wilken

 «Wie groß ist ein schwarzes Loch?», hat ihn sein sechsjähriger Sohn Leo letztens gefragt, als er von einer internationalen Konferenz zurückkam. Bei Fragen, auf die die Wissenschaft noch keine exakten Antworten hat, ist Rüdiger Kneissl eher vorsichtig. Er spricht gerne ausführlich über die Forschungsergebnisse, an denen er teilgehabt hat, doch die schwarzen Löcher gehören nicht zu seinen Spezialgebieten.

Natürlich fand er trotzdem eine zufriedenstellende Antwort für seinen Sohn und erklärte ihm, dass die Masse des schwarzen Loches im Zentrum unserer Galaxie vier Millionen Sonnen entspricht, aber es nur 17-mal so groß wie unsere Sonne ist. «Ist das dann ein großes schwarzes Loch?» – «Ja, aber es gibt noch wesentlich massereichere im Zentrum entfernter Galaxien».

Die Astronomie hat in den letzten 20 Jahren viele neue Entdeckungen hervorgebracht. Als 1998 aus Beobachtungen von Supernova-Explosionen die beschleunigte Expansion des Universums festgestellt wurde, hatte Kneissl gerade seine Promotion über Phänomene in der kosmischen Mikrowellenstrahlung am Max-Planck-Institut für Astrophysik in Garching abgeschlossen. Vorher hatte er an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität Physik studiert. In der bayerischen Hauptstadt war er geboren worden und ist dort aufgewachsen.

Bevor er nach Chile kam, forschte er an der Cambridge University in England, der University of California in Berkeley, USA, und am Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn. Seine Forschungsgebiete: die Entwicklung des Universums, die Entstehung der großen Strukturen, die mit der Bildung von Galaxienhaufen zu tun haben. 

Seit 2009 lebt er nun in Chile und war am Aufbau des größten Radioteleskops, des Atacama Large Millimeter/submillimeter Array, kurz ALMA, beteiligt, das 2013 offiziell in Betrieb gegangen ist. Die 66 riesigen Antennen in etwa 5.000 Meter Höhe auf dem Chajnantor-Plateau in der Atacamawüste südöstlich von San Pedro dienen seitdem dazu, die Entstehung und Entwicklung «kleiner» Strukturen des Universums zu erforschen: Staub- und Molekülstrahlung von Planeten, Sternen, interstellaren Wolken und entfernten Galaxien.

«Nach dem Urknall vor 14 Milliarden Jahren war unser Universum von elektro-magnetischer Strahlung dominiert», erklärt Kneissl. «Mit ALMA sehen wir unter anderem im Detail das, was vor zehn Milliarden Jahren passiert ist, der Zeit, in der die meisten Sterne entstanden. Mit „Planck“, einem europäischen Satelliten zur Erforschung der kosmischen Mikrowellenstrahlung, an dem Kneissl auch beteiligt ist, sieht man die Quellen, die großen Strukturen. Die kann man so mit ALMA nicht sehen». Letztendlich heißt das, dass mit ALMA frühere Phasen der Galaxienentwicklung im Universum erforscht werden können. 

«26 Prozent des Universums ist dunkle Materie. Sie klumpt durch Gravitation sozusagen zusammen und formt erste Strukturen. Wir wissen, dass die Strahlung an entgegengesetzten Punkten des sichtbaren Universums gleich ist. Daraus schließen wir, dass die Strukturbildung im Universum überall ähnlich ist. Durch Über- und Unterdichte wächst Materie zu Galaxien zusammen. Von Galaxienhaufen spricht man, wenn es zu einer Ansammlung von hunderten oder sogar über tausend Galaxien kommt», erklärt Kneissl.

Vieles weiß die Wissenschaft jedoch noch nicht. «Wir können das Universum gut beschreiben, aber wir wissen bei vielen Prozessen nicht genau, was die physikalischen Ursachen sind. So weiß man auch nicht, was die dunkle Materie eigentlich ist. Sie kann eventuell aus noch nicht identifizierten Elementarteilchen bestehen», so Kneissl.

«Als ich angefangen habe, wusste man noch nicht, wie schnell sich das Universum ausbreitet. Jetzt sehen wir, dass es sich überraschenderweise immer schneller ausdehnt. Und wir nennen die Ursache dunkle Energie. Auch können wir schon Aussagen über einzelne, sehr frühe Galaxien machen, zum Beispiel wie viele Sterne gerade entstehen und wie viele schon entstanden sind», so der Astrophysiker.

In Chile sind insgesamt 270 Mitarbeiter für das ALMA-Observatorium angestellt. 20 von ihnen sind als Astronomen beschäftigt. Sie sind einmal im Monat für acht Tage hintereinander zum Beobachten am Teleskop im Norden, haben dann ein paar Tage frei und sind zwei Wochen im Büro in Santiago tätig. In seiner Zeit in Santiago ist Kneissl unter anderem für die Qualitätssicherung der Beobachtungen von ALMA, speziell im Zusammenhang mit der Abbildungsqualität, und der Organisation der verwendeten astronomischen Kalibrationsquellen, verantwortlich.

«Wir bekamen dieses Jahr über 1.700 Anträge von Forschern. Es muss dann geguckt werden, dass zur richtigen Zeit die richtige Quelle beobachtet werden kann. Dazu bewegen wir die 66 Antennen zwischen den 192 Plattformen. Wenn man die Antennen nur auf eine Linie stellt, erhält man keine gute Abbildung, es kommt vielmehr auf die Verteilung im Raum an. Das ist wie ein Schachspiel.»

Potenziert werden die Fähigkeiten von ALMA immer dann, wenn es zu einer Zusammenschaltung mit anderen Teleskopen in der Welt kommt. So ist ALMA Teil eines Netzwerkes für Interferometrie mit langen Basislinien, genannt VLBI, zu dem unter anderen Observatorien am Südpol, den USA und in Europa zu Messungen mit höchster räumlicher Auflösung und Positionsgenauigkeit zusammengeschaltet werden.

Chile hat sich auf Grund der atmosphärischen und geographischen Gegebenheiten als einer der bedeutendsten Standorte für die Beobachtung des Himmels positioniert und ist für hochqualifizierte Astronomen ein begehrter Arbeitsplatz geworden. Rüdiger Kneissl hat hier seine Familie gegründet. Seine Partnerin Mônica ist Brasilianerin aus Rio und arbeitet als Wissenschaftlerin an der CEPAL, der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Lateinamerika und der Karibik. Seit einigen Monaten haben die beiden vier Kinder: Nach Leo (6), und Max (2) wurden im Juni die Zwillinge Kai und Noah geboren.

Leo besucht die Deutsche Schule Santiago, wo sein Vater kürzlich zu einer Gruppe von Eltern gehörte, die an einer Präsentation ihrer Berufe vor Schülern der Oberstufe teilnahmen. Auch wenn Astronomie in Chile ein immer attraktiveres Berufsbild wird, empfahl Kneissl den Schülern besser – so wie er – Physik zu studieren und sich erst dann auf Astronomie zu spezialisieren, um mehr Einsatzmöglichkeiten zu haben. Was sollte man mitbringen? Auf alle Fälle ein Interesse daran, komplizierte Probleme zu lösen, Vorliebe fürs Detail und eine gehörige Portion Beharrlichkeit, so Kneissl.

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Hans Andresen: «Hochwertige Schokolade ist gesund» http://www.condor.cl/portrat/hans-andresen/ http://www.condor.cl/portrat/hans-andresen/#respond Wed, 08 Nov 2017 19:08:43 +0000 http://www.condor.cl/?p=22506 «Maitres Chocolatiers» sind in Chile vermutlich an zwei Händen abzuzählen. Hans Andresen Müller ist einer von ihnen. Er betreibt das Schokoladen-Kunsthandwerk in seiner Manufaktur in Recoleta, eine Nischenproduktion für Liebhaber hochwertigen Kakaos.

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Schokoladen-Kunsthandwerk aus einer Manufaktur in Santiago de Chile

Hans Andresen stellt in Santiago de Chile Schokolade her. Sein Tipp: Schokolade muss aus gutem Kakao gemacht sein, und es sollte besser Bitterschokolade sein.
Hans Andresen stellt in Santiago de Chile Schokolade her. Sein Tipp: Schokolade muss aus gutem Kakao gemacht sein, und es sollte besser Bitterschokolade sein.

 

«Maitres Chocolatiers» sind in Chile vermutlich an zwei Händen abzuzählen. Hans Andresen Müller ist einer von ihnen. Er betreibt das Schokoladen-Kunsthandwerk in seiner Manufaktur in Recoleta, eine Nischenproduktion für Liebhaber hochwertigen Kakaos. Permanente Innovation und Produktentwicklung sind ein Muss.

 

Von Petra Wilken

Wer jetzt an schillernde Szenen aus «Charlie und die Schokoladenfabrik» denkt, muss enttäuscht werden. Die Manufaktur von «Hans Andresen Chocolates» ist im Erdgeschoss eines Hochhauses an der Avenida Peru in Recoleta untergebracht. Ein Raum, der eher steril wirkt, mit grauen deckenhohen Wandschränken, in dem die Zutaten untergebracht sind. Nur die beiden großen Tische in der Mitte könnten Kennern der Materie verraten, was hier produziert wird. Sie haben Marmorplatten, die die Temperatur konstant halten und viel in der Feinbäckerei und der Chocolaterie verwendet werden.

An diesen Tischen stellt Andresen zusammen mit zwei Mitarbeitern seine Kunstwerke her. Auf einem Blech liegen große, fein bemalte Schokoladenherzen und Moai-Figuren. Andresen war der erste in Chile, der Schokolade mit der Hand bemalt hat. «Das habe ich in Spanien gesehen. Die Katalanen sind diejenigen, die im Schokoladenhandwerk am künstlerischsten sind», erzählt er.

Der Chilene hat sein Handwerk in Europa Kanada und den USA gelernt. Von Haus aus Lebensmitteltechniker der Universidad de Chile, ging er in die schottische Hauptstadt Edinburgh, um ein Aufbaustudium in Gefriertechnik zu absolvieren. «Food science ist meine berufliche Basis», erklärt er. Doch das war es nicht, was ihn befriedigte. Seine Berufung war etwas anderes. «In Belgien und Frankreich habe ich mit Schokoladen-Kunsthandwerkern gearbeitet. Ich war auch in Deutschland, aber da habe ich mehr im Konditoreiwesen gearbeitet».

Als er nach Chile zurückkehrte, began er an den Wochenenden zuhause Schokolade herzustellen. 2002 ging er nach Chicago an die Akademie des großen belgischen Schokoladenherstellers Barry Callebout. Der Kurs in Chicago reichte Andresen nicht aus. In Vancouver, Kanada, machte er seinen international anerkannten Titel als «Maitre Chocolatier» an der französischen Akademie Ecole Chocolat. Heute ist Andresen 46, verheiratet und hat eine zehnjährige Tochter.
 

 Schokolade ist keine Süßigkeit

«Ich mag die Kleinproduktion, bei der alles per Hand gemacht wird», sagt Andresen und holt eine Kladde hervor, in der er die Mischungen notiert hat. Er zeigt eine Kakaoschote und erklärt: «Innen sind die Kakaobohnen und Fruchtfleisch. Die Bohnen werden zu Paste, Butter und Pulver verarbeitet. Die drei Formen des Kakaos werden für die Schokoladenproduktion benötigt, wobei die Mischung die Qualität ausmacht.»

Für Andresen ist Schokolade keine Süßigkeit, sondern ein Nahrungsmittel mit gesundheitsfördernden Eigenschaften. «Schokolade enthält viele Antioxidanzien und reinigt das Blut.» Das ist allerdings nur bei den Bitterschokoladen der Fall, die einen hohen Anteil an Kakao erhalten. «75 Prozent müssen es schon sein», so Andresen.

Derartige Schokoladen seien im Supermarkt nicht zu erhalten. Auch wenn 85 Prozent Kakao draufstehe, sei im Kleingedruckten der Verpackung zu lesen, dass es in Wirklichkeit nur 40 Prozent sind. Was ist dann eigentlich der restliche Inhalt? Milchpulver, Zucker, chemische Inhaltsstoffe, zählt Andresen auf und holt zu einem Diskurs über die Geschichte der Schokolade aus, die ihn fasziniert.
 

Kakaobohnen bei den Azteken

«Die Azteken waren die ersten, die die Kakaobohnen verarbeitet haben. Sie haben unter anderem auch Suppen daraus gemacht, Gewürze und Blüten dazugegeben und dies in religiösen Zeremonien getrunken. Schon vorher bei den Olmecas wurden die Kakaobohnen als Zahlungsmittel verwendet. Hernán Cortes hat die Kakaofrucht nach Spanien gebracht. Auch in England, Frankreich und Belgien wurde im 17. Jahrhundert begonnen, Pralinen herzustellen. Aber es war in Deutschland, wo die Produktion industrialisiert wurde», so Andresen. Erfinder der Milchschokolade hingegen seien die Schweizer gewesen. Zudem hätten sie auch die Tafelform kreiert, in der Schokolade bis heute am meisten konsumiert wird.
Die süße Milchschokolade, die mit höheren Anteilen an Milchpulver produziert wird, hat mehr Anhänger als die dunkle Bitterschokolade. Auch Andresen stellt sie her. In seiner Produktlinie «La Chimba» – benannt nach dem Sektor, in dem seine Manufaktur liegt – gibt es Varianten mit 46, 64 und 75 Prozent Kakaoanteil. In dem Geschäft «The Market Chile» in Vitacura vertreibt er ein weiteres Produkt, das er «Mythos» getauft hat. Auf der Verpackung räumt er mit drei Mythen auf: dass Schokolade dick mache, dass es eine Süßigkeit ist und dass sie den Cholesterinspiegel erhöhe.

Damit gibt Hans Andresen allen Schokoladenliebhabern die besten Argumente an die Hand, um sie weiterhin ohne schlechtes Gewissen zu konsumieren. Er hebt allerdings hervor: Sie muss aus gutem Kakao gemacht sein, und es sollte besser Bitterschokolade sein. Bisher kauft er importierte Kakaoprodukte aus Ecuador, Costa Rica und Peru ein. Doch sein Plan ist es, sie selbst am Ursprungsort einzukaufen. Ziel dabei ist es, seine Schokolade zu hundert Prozent organisch herzustellen.
 

USA führt bei Produktentwicklung

Erstaunlicherweise haben sich die USA zum Mekka der Produktentwicklung in Handwerksschokolade gemausert. Nicht mehr in Europa finden die wichtigsten Innovationen in Schokoladenkunst statt, sondern an Orten, wo wir es nicht vermutet hätten: In Brooklyn hat Andresen gerade ein zehnmonatiges Praktikum absolviert, um zu lernen, wie er selbst Schokolade direkt ab der Pflanze herstellen kann. Gleichzeitig arbeitet er mit einem chilenischen Partner an einem kommerziellen Produkt – karamellisierte Früchte mit Schokoladenüberzug. Produktinnovation ist eine wichtige Strategie, um sich in der Nischenbranche der handgefertigten Schokolade behaupten zu können. In Chile gibt es etwa sechs Manufakturen wie die von Andresen. «Mehr gibt der Markt auf keinen Fall her.»

Andresen vermutet, dass ihm sein Großvater mütterlicherseits die Liebe zur Schokolade vererbt hat. Edwin Müller war Konditormeister und siedelte in den 1940er Jahren aus Leipzig nach Chile über. Er gründete mehrere Hotels, darunter das bekannte Hotel Pacífico in Algarrobo. «Mein Opa machte Brot, Kuchen und Pralinen in seinen Hotels», erzählt Andresen, der auch väterlicherseits deutscher Abstammung ist. Sein Urgroßvater, der wie er Hans Andresen hieβ, kam im Jahr 1900 nach Chile. Auch wenn er seine Ausbildung in Nordamerika gemacht hat, die Wurzeln seines Berufes scheinen in Deutschland zu liegen – dem Land mit dem höchsten Schokoladenkonsum pro Kopf in Europa, noch vor den Schweizern.

Kontakt: www.handresen.com

Der Beitrag Hans Andresen: «Hochwertige Schokolade ist gesund» erschien zuerst auf Deutsche Zeitung Cóndor - diario alemán Chile.

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