Politik – Deutsche Zeitung Cóndor – diario alemán Chile http://www.condor.cl Die deutsche Zeitung Cóndor in Chile - diario / periódico alemán Sun, 15 Apr 2018 07:24:56 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.9.5 https://i1.wp.com/www.condor.cl/wp-content/uploads/2016/11/condor-ave.jpg?fit=32%2C32 Politik – Deutsche Zeitung Cóndor – diario alemán Chile http://www.condor.cl 32 32 120365451 Mehr als eine Million Ausländer in Chile http://www.condor.cl/politik/zuwanderung-chile/ http://www.condor.cl/politik/zuwanderung-chile/#respond Thu, 05 Apr 2018 14:24:21 +0000 http://www.condor.cl/?p=23418 Die Einwanderung nach Chile hat stark zugenommen: Mehr als eine Million Ausländer haben hierzulande Arbeit gesucht. Nun will die Regierung die Zuwanderung stärker regeln.

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Neues Migrationsgesetz geplant

Lange Warteschlange vor einer Behörde in Santiago de Chile: Die Einwanderung in dem lateinamerikanischen Land hat stark zugenommen.
Lange Warteschlange von Ausländern vor einer Behörde in Santiago de Chile

 

Die Einwanderung nach Chile hat stark zugenommen: Mehr als eine Million Ausländer haben hierzulande Arbeit gesucht. Nun will die Regierung die Zuwanderung stärker regeln.

 

Von Arne Dettmann

Angesichts der rasant angestiegenen Einwanderung nach Chile in den vergangenen zwei Jahren will die neue Regierung unter Staatspräsident Sebastián Piñera die Zuwanderung stärker reglementieren. In den nächsten Tagen wird der Entwurf für ein entsprechendes Gesetz erwartet.

Während die bisherigen offiziellen Schätzungen von derzeit 600.000 Ausländern in Chile ausgingen, korrigierte das Innenministerium diese Zahl am Dienstag nach oben: Demnach befanden sich bis Juni 2017 bereits 961.000 Ausländer auf chilenischem Territorium. «Wir gehen davon aus, dass es bereits über eine Million sind», erklärte Rodrigo Ubilla, Staatssekretär im Innenministerium.

Lebten im Jahr 2006 noch 154.643 Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit in Chile, waren es 2015 bereits 465.000. Der Ausländeranteil stieg somit von ein auf 2,7 Prozent bei insgesamt 17,5 Millionen Einwohnern. Mit den nun neu vorgelegten Schätzungen würde sich der Ausländeranteil aber auf 5,5 Prozent belaufen. Zum Vergleich: In Deutschland sind es aktuell 11,3 Prozent.

Zu den fünf bedeutendsten Herkunftsstaaten der in Chile lebenden Ausländer zählen Peru (27,5 %), Kolumbien (17,8 %), Bolivien (17,1 %) sowie Haiti (5,8 %) und Venezuela (5,7 %). Insbesondere die Einwanderung aus dem armen Karibikstaat Haiti ist in den vergangenen zwei Jahren sprunghaft angestiegen: Im Jahr 2016 waren es 48.783, im vergangenen Jahr schon 104.782 Haitianer.

Die Ausländer in Chile nach ihrem Herkunftsland
Die Ausländer in Chile nach ihrem Herkunftsland: An erster Stelle steht Peru, gefolgt von Kolumbien, Bolivien und Haiti.

 

Hauptgrund der Zuwanderung: Arbeitssuche

Wer nach Chile einwandert, erhält meist ein befristetes Visum, ein Visum auf Basis eines Arbeitsvertrages oder zum Studieren. Doch eben nicht alle. Das Innenministerium geht davon aus, dass sich derzeit 250.000 bis 300.000 Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit illegal im Land aufhalten. In der Kritik steht in diesem Zusammenhang vor allem die Vergabe von einem Touristenvisum, das zu einem Aufenthalt von maximal 90 Tagen berechtigt und nur einmal um weitere 90 Tage verlängert werden kann. «Wir müssen endlich aufhören zu glauben, die Immigranten kommen hierher, um zu reisen, wenn sie in Wirklichkeit bleiben und Arbeit suchen», erklärte die Abgeordnete Paulina Ñúñez (RN).

Die neue Regierung unter Staatspräsident Sebastián Piñera beabsichtigt, die Visumsvergabe stärker zu reglementieren und die Einwanderung somit besser zu kontrollieren. Dazu soll ein spezielles Arbeitsvisum eingeführt werden, das auf ein Jahr befristet ist. Dieses könnte entweder schon im Herkunftsland bei den chilenischen Konsulaten oder bei Ankunft in Chile beantragt werden.

Zur Debatte steht aber auch, das Arbeitsvisum auf Grundlage eines Arbeitsvertrages wieder stärker an Ausländer zu erteilen. Dieses gilt mit mehreren Klauseln als restriktiver und könnte den Zustrom begrenzen. Im Gespräch ist zudem die Einrichtung einer neuen Migrationsbehörde.

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Bolivien fordert von Chile souveränen Zugang zum Meer http://www.condor.cl/politik/den-haag-klage/ http://www.condor.cl/politik/den-haag-klage/#comments Thu, 22 Mar 2018 19:42:42 +0000 http://www.condor.cl/?p=23316 Bolivien klagt in Den Haag: Chile weigere sich, über einen bolivianischen Zugang zum Pazifik zu verhandeln. Chiles Präsident Piñera sieht keinen Bedarf über Grenzen zu sprechen.

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Anhörung vor dem UN-Gerichtshof in Den Haag

Boliviens Präsident Evo Morales (links) und der chilenische Außenminister Roberto Ampuero begrüßen sich im Internationalen Gerichtshof von Den Haag.
Boliviens Präsident Evo Morales (links) und der chilenische Außenminister Roberto Ampuero begrüßen sich im Internationalen Gerichtshof von Den Haag.

 

Bolivien klagt in Den Haag: Chile weigere sich, über einen bolivianischen Zugang zum Pazifik zu verhandeln. Chiles Präsident Piñera sieht keinen Bedarf über Grenzen zu sprechen.

 

Den Haag/Santiago de Chile (dpa) – Im jahrzehntelangen Streit mit Chile hat Bolivien am Montag seine Forderung nach einem souveränen Zugang zum Pazifik vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag unterstrichen. Das Gericht müsse Chile zu Verhandlungen darüber verpflichten, forderte der bolivianische Botschafter Eduardo Rodríguez Veltzé vor den höchsten Richtern der Vereinten Nationen.

Chiles Präsident Sebastián Piñera betonte daraufhin auf Twitter zur umstrittenen Region Antofagasta: «Seit dem Vertrag von 1904 ist Antofagasta chilenisch gewesen und es wird chilenisch bleiben».

Bolivien hatte den Zugang zum Pazifischen Ozean nach dem Salpeterkrieg gegen Chile Ende des 19. Jahrhunderts verloren. Im Friedensvertrag von 1904 waren die heutigen Grenzen zwischen Chile, Bolivien und Peru festgelegt worden. «Bolivien hatte vor dem Krieg rund 400 Kilometer Küste, heute nichts», sagte der Botschafter. Bolivien erhofft sich von einem souveränen Meereszugang einen enormen Impuls für Handel und Export.

An der Anhörung am Montag nahm auch der bolivianische Präsident Evo Morales teil, der den Konflikt als «eine offene Wunde» bezeichnete. Er betonte sein Vertrauen in eine gerechte Entscheidung Den Haags.

 

«seit 139 Jahren vom Meer abgeschnitten»

«Nachdem wir seit 139 Jahren vom Meer abgeschnitten sind, sind wir heute hierher gekommen, um der Welt zu zeigen, dass Chile seine Versprechen nicht erfüllt», sagte er Journalisten. Jahrzehntelang habe Chile eine Lösung zugesagt, doch Verhandlungen darüber abgebrochen. «Wir fordern nur, dass Chile zum Verhandlungstisch zurückkehrt», betonte der bolivianische Botschafter.

Chiles Präsident erklärte am Montag in Santiago de Chile seine Bereitschaft zum Dialog, fügte jedoch hinzu: «Es stehen keine Diskussionen zu den Grenzen mit Bolivien offen.» Chile sei zu Grenzverhandlungen nicht verpflichtet und erfülle lediglich den Friedensvertrag von 1904.

2013 hatte Bolivien Klage beim Internationalen Gerichtshof eingereicht. Die chilenische Stellungnahme war für diesen Donnerstag und Freitag angesetzt worden. Kommende Woche soll die Anhörung fortgesetzt werden. Ein Urteil ist vielleicht Ende des Jahres zu erwarten.

Kommentar

Wehe den Besiegten!

Von Arne Dettmann

Nachdem die Kelten unter ihrem Heerführer Brennus 387 v. Chr. Rom geplündert hatten, belagerten die Horden das Kapitol und forderten ein Lösegeld von 1.000 Pfund Gold für ihren Rückzug. Beim Wiegen des Lösegelds beschuldigten die Römer Brennus, zu schwere Gewichte zu benutzen. Der Kelte soll daraufhin sein Schwert zusätzlich in die Waagschale geworfen haben mit den Worten «vae victis!», auf Deutsch «Wehe den Besiegten!»

Seitdem sind mehr als 2.000 Jahre vergangenen, doch eins hat sich kaum grundlegend verändert: Wer einen Krieg verliert, befindet in einer schwächeren Position. Die Bolivianer wollen das aber nicht wahrhaben und fordern nun vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag die Rückgabe des an Chile verlorenen Territoriums und entsprechenden Zugangs zum Pazifik oder zumindest eine Art Wiedergutmachung für die erlittene Schmach im Salpeterkrieg (1879-1883).

Dabei zeigten sich die siegreichen Chilenen damals viel kompromissbereiter und großzügiger als der fiese Brennus. Im Friedensvertrag von 1904 wurde Bolivien freier Handels- und Transitverkehr zwischen den chilenischen Häfen und bolivianischem Territorium eingestanden – heute werden rund 70 Prozent der bolivianischen Exporte über chilenische Häfen verschifft. Eine weitere finanzielle Kompensation waren der Bau von bolivianischen Eisenbahnlinien sowie der Strecke von La Paz bis nach Arica am Pazifik, die Chile errichtete und die Bolivien entgeltfrei benutzen durfte. Zugang zum Meer? Bolivien hat ihn bereits!

Doch stattdessen klagte die bolivianische Seite am Montag vor dem Gerichtshof, der territoriale Verlust sei der Grund für wirtschaftliche Unterentwicklung des Landes. Ein fadenscheiniges Argument. Die Schweiz hat überhaupt keine Meeresküste und zählt zu den stärksten Exportnationen weltweit. Österreich verlor seinen Zugang zum Meer im Ersten Weltkrieg. Es ist offensichtlich, dass Bolivien in Chile einen externen Sündenbock sucht für eigenes, innenpolitisches Versagen.

Sollte am Ende des Prozesses der Internationale Gerichtshof entscheiden, dass Chile die Region um Antofagasta, Iquique und Arica an Bolivien abgeben muss, wäre wohl der Frieden ernsthaft in Gefahr. Ein solches Urteil in Den Haag ist daher sehr unwahrscheinlich. Denn dann könnte zudem Deutschland – theoretisch – seine im Zweiten Weltkrieg verlorenen Ostgebiete zurückfordern, England gar die USA und Spanien würde sich animiert sehen, halb Lateinamerika zurück zu verlangen.

Wie immer es auch ausgehen mag: Das römisch-bolivianische Lamentieren über den Verlust dürfte auch nach dem Urteil weitergehen. Aber das ist Chile gewohnt.

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Sebastián Piñera übernimmt Präsidentenamt in Chile http://www.condor.cl/politik/praesident-pinera-2018/ http://www.condor.cl/politik/praesident-pinera-2018/#respond Thu, 15 Mar 2018 15:01:51 +0000 http://www.condor.cl/?p=23294 Am vergangenen Sonntag hat der konservative Politiker und Unternehmer Sebastián Piñera in Chile die Präsidentschaft von der Sozialistin Michelle Bachelet übernommen. Der neue Präsident kündigte dringende Reformvorhaben für das Land an.

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Neu gewählter Präsident kündigt Reformvorhaben für Chile an

Sebastián Piñera bei seiner Vereidigung als neuer Präsident von Chile am vergangenen Sonntag im Kongress von Valparaíso
Sebastián Piñera bei seiner Vereidigung als neuer Präsident von Chile am vergangenen Sonntag im Kongress von Valparaíso

 

Am vergangenen Sonntag hat der konservative Politiker und Unternehmer Sebastián Piñera in Chile die Präsidentschaft von der Sozialistin Michelle Bachelet übernommen. Der neue Präsident kündigte dringende Reformvorhaben für das Land an.

 

Von Arne Dettmann

 

  • Jugendamt Sename

Seit Juli 2016 untersucht die chilenische Staatsanwaltschaft 185 ungeklärte Todesfälle von Kinder und Jugendlichen, die sich zwischen 2006 und 2016 in der Obhut des staatlichen Jugendamtes Sename (Servicio Nacional de Menores) befanden. Die öffentliche Einrichtung hatte im Oktober 2016 bekannt gegeben, dass insgesamt 1.313 Minderjährige im besagten Zeitraum von elf Jahren verstorben waren. Eine Delegation des UNO-Ausschusses für Kinderrechte war Anfang dieses Jahres nach Chile gekommen, um Sename-Einrichtungen zu inspizieren. Sebastián Piñera kündigte nun eine tiefgreifende Reform des chilenischen Jugendamtes an.

 

  • Renten

Immer wieder steht das chilenische Rentensystem, das auf privaten Pensionsfonds basiert, im Kreuzfeuer der Kritik. «Wir stehen in der Verpflichtung, die Renteneinkünfte aller Chilenen zügig und spürbar zu verbessern, insbesondere der Frauen, der Ärmeren und der Mittelschicht», erklärte der Präsident.

 

  • Sicherheit

Laut Umfragen während des Wahlkampfes im vergangenen Jahr zählt das Thema Sicherheit zu den dringlichsten Aufgaben. Sebastián Piñera strebt hier eine Modernisierung des Polizeiapparates, eine bessere Koordination zwischen Polizei, Staatsanwaltschaft und Richter sowie eine verstärkte Kriminalprävention an.

 

  • Gesundheitswesen

«Wir werden die schwere Krise des Gesundheitssystems angehen», erklärte der neue Präsident. Kürzere Wartezeiten, günstigere Medikamente und eine Verbesserung bei ärztlichen Behandlungen zählen zu den Zielen im öffentlichen System.

 

  • Frieden in der Araucanía

Chiles südliche Region Araucanía stellt seit Jahren eine Konfliktzone dar. In dem einstigen Stammland der indigenen Ureinwohner Mapuche kommt es immer wieder zu Brandanschlägen auf Forst- und Landwirtschaftsmaschinen, Lastern, Häusern sowie Kirchen. Auch Mordfälle gab es. Sebastián Piñera hatte im Wahlkampf einen «Plan Araucanía 2.0» angekündigt, um die Wirtschaft in der strukturschwachen Zone anzukurbeln und das Bildungssystem dort zu verbessern.

 

  • Ökonomische Entwicklung und Armutsbekämpfung

Kann die Armut in Chile tatsächlich in den nächsten acht Jahren komplett ausgemerzt werden? Piñera setzt bei diesem Versprechen klar auf ein verstärktes Wirtschaftswachstum. Innovation und Investitionen bei einer gleichzeitigen Sanierung der Staatsfinanzen sollen gefördert werden und Arbeitsplätze schaffen. Eine Erholung der chilenischen Ökonomie hat bereits seit Juli 2017 eingesetzt. Und die Prognosen verheißen Gutes: Während sich das Wachstum des Bruttosozialproduktes (BIP) unter Präsidentin Michelle Bachelet in den Jahren 2014 bis 2017 auf nur 1,8 Prozent im Schnitt belief, rechnet die Zentralbank in den nächsten drei Jahren mit einer durchschnittlichen Steigerung von 3,6 Prozent.

 

Skandale bei der chilenischen Polizei Carabineros

Ein großes Reformvorhaben musste der neue Präsident gleich am Montag angehen. Im Skandal um veruntreute Gelder bei der chilenischen Polizei trat der umstrittene Direktor der Carabineros, General Bruno Villalobos, zurück. Im Raum steht aber nicht nur die Unterschlagung von bisher 26,7 Milliarden Pesos (umgerechnet knapp 35 Millionen Euro), den mehreren leitenden Carabineros vorgeworfen wird. Derzeit laufen auch Ermittlungen, inwieweit bei einer Polizeiaktion namens «Huracán» absichtlich Beweise gegen Mapuche-Angehörige in der Araucanía gefälscht wurden.

Sebastián Piñera wird während seiner vierjährigen Legislaturperiode bei seiner Politik auf die Stimmen der Opposition angewiesen sein. Bei den Wahlen im vergangenen Jahr erreichte seine Mitte-Rechts-Koalition keine absolute Mehrheit im Parlament. Notwendige Stimmen bei Gesetzesbeschlüssen könnten entweder von der Mitte-Links-Koalition «Nueva Mayoría» oder dem linken Bündnis «Frente Amplio» kommen.

Zum neuen Kabinett von Piñera, der bereits von 2010 bis 2014 an der Staatsspitze Chiles stand, zählen insgesamt 23 Minister, sieben darunter sind Frauen. Neuer Außenminister wurde der Schriftsteller Roberto Ampuero, der die Deutsche Schule Valparaíso besuchte, als Kommunist nach dem Pinochet-Putsch 1973 in die DDR auswanderte, an der Universität Leipzig ein Postgraduierten-Studium absolvierte und zwischenzeitlich in Kuba lebte. Im Jahr 1983 siedelte er nach Westdeutschland um und kehrte 1993 nach Chile zurück. Bereits von 2011 bis 2013 war Ampuero chilenischer Botschafter in Mexiko, ab Juni 2013 Präsident des Chilenischen Kulturrates.

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Bildung entscheidet über die Zukunft eines Landes http://www.condor.cl/politik/theresia-bauer/ http://www.condor.cl/politik/theresia-bauer/#respond Thu, 25 Jan 2018 18:47:53 +0000 http://www.condor.cl/?p=23135 Von Donnerstag bis Freitag vergangener Woche (18.-21. Januar) besuchte Theresia Bauer, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Baden-Württemberg, Chile. In einem Interview mit dem Cóndor sprach sie über Studiengebühren, die Bedeutung von Entwicklung und Forschung sowie das Heidelberg Center Lateinamerika.

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Interview mit Theresia Bauer, Landesministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Baden-Württemberg

Theresia Bauer im Heidelberg Center Lateinamerika: Die Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Baden-Württemberg. Foto: Arne Dettmann
Theresia Bauer im Heidelberg Center Lateinamerika: Die Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Baden-Württemberg. Foto: Arne Dettmann

 

Von Donnerstag bis Freitag vergangener Woche (18.-21. Januar) besuchte Theresia Bauer, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Baden-Württemberg, Chile. In einem Interview mit dem Cóndor sprach sie über Studiengebühren, die Bedeutung von Entwicklung und Forschung sowie das Heidelberg Center Lateinamerika.

 

Von Arne Dettmann

Cóndor: Frau Ministerin, zusammen mit der damaligen Bundesministerin für Bildung und Forschung, Annette Schavan, waren Sie bereits 2012 einmal in Chile. Was führt Sie nun hierher?

Konkreter Anlass ist die Ausstellungseröffnung «Architektur an besonderen Orten» in der Architekturfakultät der Universidad Católica, bei der renommierte internationale Architekten ihre Entwürfe für eine energie-effiziente, nachhaltige Bauweise präsentieren (siehe Infokasten). Wir hoffen, dass die Premiere dieser Ausstellung eine Debatte über Architektur anstößt und weitere Ausstellungen folgen werden.

Zudem sind Gespräche mit dem Rektorat der Universidad Católica und der Universidad de Chile geplant, außerdem mit dem chilenischen Forschungskommission Conicyt und der Wirtschaftsförderungseinrichtung Corfo. Ich will mich vor Ort darüber informieren, wie die chilenische Seite den Themenbereich Wissen und Forschung betrachtet und wie Chile die Kooperation mit Baden-Württemberg sieht. Immerhin halten sich ein Fünftel aller chilenischen Studenten an einer Hochschule in unserem Bundesland auf. Zudem gibt es einen regen Austausch und viele Forschungsprojekte zwischen uns und Chile. Seit November 2017 existiert beispielsweise ein virtuelles Netzwerk zwischen der Universidad Austral, Concepción und Chile mit dem Karlsruher Institut für Technologie. Diese Kooperation beinhaltet strategische Fragen, wie Ökonomie und Ökologie miteinander verbunden werden können, zum Beispiel über ökoindustrielle Effizienzsteigerung im Umgang mit Ressourcen.

Ich erhoffe mir zudem eine Einschätzung von unseren chilenischen Gesprächspartnern über die Förderung von Wissenschaft und Forschung. Chile ist aufgestiegen und kein Entwicklungsland mehr. Damit sind aber auch Unterstützungsmöglichkeiten weggefallen. Dieser Übergang dürfte nicht immer leicht fallen.

 

Welchen Stellenwert haben heute Bildung und Wissenschaft?

Das ist ein absoluter Schlüsselbereich für viele Zukunftsfragen. Eine hohe Qualität und der Zugang zu Bildung entscheiden über die Innovationskraft und Entwicklung eines Landes. Es geht aber auch darum, selbstbewusste, souveräne Bürger zu haben, die Zusammenhänge verstehen, in einer hoch technisierten Welt klar kommen, sich selbst definieren und zum Subjekt von Gestaltung werden. Wer also in Bildung spart, ist nicht für die Zukunft gut aufgestellt.

 

In Baden-Württemberg werden seit 2017 Gebühren für international Studierende und das Zweitstudium erhoben. Bildung gratis ist also vorbei?

Ein gutes Bildungssystem lässt sich an drei Faktoren ausmachen. Erstens: Die Qualität der Bildung ist hoch, die Lehrer und Dozenten werden gut bezahlt, die Ausstattung mit Lehrmitteln sowie das Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern sind vernünftig. Zweitens: Es gelingt ein Transfer vom Bildungssystem hin zur Wirtschaft, sprich der Bedarf in den Unternehmen wird gedeckt. Und drittens: Bildung leistet einen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt. Das Versprechen, über Bildung aufzusteigen, muss erfüllt werden.

Diese drei Ziele kann man auf unterschiedliche Art erreichen. Ich gehöre nicht zu denen, die sagen, Bildung darf auf gar keinen Fall etwas kosten. Aber ich bin auch nicht der Meinung, dass man Bildung einzig und allein dem Spiel der freien Marktkräfte überlassen darf, denn dann dominiert das kurzfristige Renditeziel. Aus Bildung darf kein Geschäftsmodell werden. Ich halte aber Eigenbeiträge von Seiten der Studierenden für legitim.

Generell gilt, dass der Anspruch einer Gebührenfreiheit nicht auf Kosten der Qualität gehen darf. Umgekehrt darf kostenpflichtige Bildung aber nicht nur ein Privileg einer Elite sein. Das wird man sicherlich in Chile anders bewerten als bei uns.

 

Macht sich die Einwanderung nach Deutschland an den Schulen bemerkbar?

Wir verzeichnen schon seit fünf bis zehn Jahren an den Grundschulen einen signifikant steigenden Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund. Die Lage ist komplizierter geworden, Baden-Württemberg investiert viel Geld: Die Sprachförderung und das Ganztagsangebot werden ausgebaut, der parallele Einsatz von zwei Lehrkräften im Unterricht wird verstärkt, um den unterschiedlichen Lerngeschwindigkeiten gerecht zu werden. Der Umgang mit Heterogenität ist extrem anspruchsvoll, und wir sind trotz der guten Erfahrungen noch lange nicht am Ende, diese Herausforderungen zu meistern.

 

Wie steht der Hochschulstandort Baden-Württemberg da?

Unsere Uni-Landschaft ist genauso wie die Wirtschaft dezentral aufgebaut: Wir verfügen über neun staatliche Universitäten, darunter so traditionsreiche wie in Freiburg, Tübingen und Heidelberg. Alleine bei den nichtstaatlichen Fachhochschulen, die heute als Hochschulen für Angewandte Wissenschaften bezeichnet werden, sind es 23. Zudem gibt es die Duale Hochschule Baden-Württemberg, Deutschlands erste staatliche duale, das heißt praxisintegrierende Hochschule. Wissenschaft findet auf hohem Niveau statt: In Baden-Württemberg investieren Staat und Unternehmen einen Betrag in Forschung und Entwicklung, der 4,9 Prozent des Bruttoinlandsproduktes entspricht. Das ist unter allen Bundesländern und auch in Europa Spitzenwert.

Walter Eckel, Leiter des Heidelberg Centers Lateinamerika
Walter Eckel, Leiter des Heidelberg Centers Lateinamerika

 

Sie wollen hier in Chile auch über die Zukunft des Heidelberg Centers Lateinamerika sprechen.

Das Heidelberg Center Lateinamerika ist eine tolle Erfolgsgeschichte und sicherlich als ein «Kind» von Walter Eckel zu bezeichnen. Die gute Entwicklung des HCLA ist viel auf die Persönlichkeit und das Engagement seines Leiters und dessen Lösungsansätze zurückzuführen. Wenn er in Ruhestand geht, muss sichergestellt werden, dass ein guter Nachfolger gefunden wird, der mit der gleichen Leidenschaft an die Führung des Centers herangeht.

 

Frau Ministerin, ich bedanke mich für das Gespräch.

«Architektur an besonderen Orten» startet in Chile

«Angesichts komplexer Fragestellungen brauchen wir ein Denken über Grenzen hinweg – und gegenseitige Impulse. Nur der Austausch bringt uns voran», betont Theresia Bauer, die Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Baden-Württemberg. Entsprechend zeigen 14 europäische Spitzenarchitekten mit ihren Bauten und den Ideen dahinter Ansätze und unterschiedliche Herangehensweisen.

Die Ausstellung geht zurück auf die „Heidelberger Schlossgespräche – Reden über Architektur“, eine seit 2011 laufende Veranstaltungsreihe mit namhaften Architekten, die zweimal jährlich von der Initiative Heidelberger Schlossgespräche organisiert wird. Initiator und Kurator der Ausstellung ist der Leiter des Amtes Mannheim und Heidelberg von Vermögen und Bau Baden-Württemberg, der Leitende Baudirektor Bernd Müller.

Die Ausstellung läuft vom 18. bis 31. Januar an der Pontificia Universidad Católica de Chile in Santiago de Chile. Vor Ort übernimmt das Heidelberg Center Lateinamerika der Universität Heidelberg in Santiago de Chile die Organisation. Die Ausstellung bleibt in Südamerika und steht weiteren Universitäten zur Verfügung. Beabsichtigt ist, die Ausstellung auch in Europa und Deutschland zu präsentieren.

Arquitectura en Lugares Especiales
Casona de Lo Contador, Patio de los Naranjos
El Comendador 1916
Providencia

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Papst Franziskus im Land der Mapuche http://www.condor.cl/politik/papst-franziskus-mapuche/ http://www.condor.cl/politik/papst-franziskus-mapuche/#respond Thu, 18 Jan 2018 15:04:58 +0000 http://www.condor.cl/?p=23080 Bei seinem Besuch bei den Mapuche in Südchile verurteilt Franziskus die Unterdrückung des indigenen Volkes. Das Land brauche kulturelle Vielfalt, um zu gedeihen. Für den gewaltsamen Widerstand radikaler Mapuche hat der Papst allerdings auch kein Verständnis.

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Katholisches Kirchenoberhaupt hält Messe in Temuco

 

Mapuche-Angehörige und Papst Franziskus: In Temuco hält das Kirchenoberhaupt eine Messe ab.
Mapuche-Angehörige und Papst Franziskus: In Temuco hält das Kirchenoberhaupt eine Messe ab.

 

Bei seinem Besuch bei den Mapuche in Südchile verurteilt Franziskus die Unterdrückung des indigenen Volkes. Das Land brauche kulturelle Vielfalt, um zu gedeihen. Für den gewaltsamen Widerstand radikaler Mapuche hat der Papst allerdings auch kein Verständnis.

 

Temuco (dpa) – Noch bevor der Papst das Wort ergreift, gehört die Bühne den Mapuche. In traditionellen Gewändern musizieren die Angehörigen der indigenen Gemeinschaft vor dem Altar auf dem Flugfeld Maquehue im Süden Chiles. Sie blasen Hörner, schlagen Trommeln und wedeln mit Pflanzenstauden. Das katholische Kirchenoberhaupt neigt den Kopf und hört andächtig zu.

Die Mapuche sind ein stolzes Volk. Keine andere indigene Gruppe leistete den spanischen Konquistadoren so erbitterten Widerstand, lange hatten sie ihr eigenes Gebiet. Doch dann wurden ihnen ihre angestammten Ländereien genommen. In der Araucanía sind heute hauptsächlich Bergbau-, Agrar- und Forstunternehmen tätig. Zudem bildet die Landschaft dort ein beliebtes Touristenziel. Dennoch gilt die Region als die ärmste in Chile.

Papst Franziskus begrüßt die Mapuche in Temuco in ihrer eigenen Sprache: «Küme tünngün ta niemün – Der Friede sei mit euch.» In seiner Predigt verurteilt er die Unterdrückung und Ausgrenzung der Ureinwohner und wirbt für ein vielfältiges Chile. «Wir brauchen einander in unserer Verschiedenheit, damit dieses Land weiter seine Schönheit behält», sagt er. «Wir bedürfen des Reichtums, den jedes Volk einbringen kann, und müssen die Denkweise ablegen, dass es höhere und niedere Kulturen gibt.»

Nicht bei allen Mapuche dürfte der Papst willkommen sein. Radikale Gruppen machen die katholische Kirche für die Unterdrückung der Indigenen mitverantwortlich. Bei einer Reihe von Brandanschlägen auf Kirchen in den vergangenen Tagen hinterließen die Täter Flugblätter am Tatort, auf denen Autonomie für die Mapuche gefordert wurde.

Für den gewalttätigen Widerstand wiederum hat der Papst auch kein Verständnis. «Eine Kultur der gegenseitigen Anerkennung kann nicht auf der Grundlage von Gewalt und Zerstörung aufgebaut werden, die am Ende Menschenleben fordert», sagt er in seiner Predigt. «Man kann nicht Anerkennung verlangen, indem man den anderen vernichtet. Die Gewalt verwandelt die gerechteste Sache in eine Lüge.»

Nur wenige Stunden vor Ankunft des Papstes in der Region stecken Unbekannte drei Hubschrauber in Brand. Auch auf eine Schule und eine Kirche werden Anschläge verübt. An den Tatorten lassen die Täter von Mapuche-Aktivisten unterzeichnete Flugblätter zurück.

«Wir hoffen, dass Papst Franziskus mit seinem Besuch in Araukanien eine friedliche Lösung des Mapuche-Konflikts ermöglicht», sagt die Chile-Referentin des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat, Margit Wichelmann. «Frieden ist in Araukanien möglich, wenn der chilenische Staat das Volk der Mapuche, ihre Traditionen und ihre Landrechte anerkennt.»

Seit Jahrzehnten fordern die Mapuche die Rückgabe ihrer Ländereien. Während des Kriegs zur «Befriedung Araukaniens» im 19. Jahrhundert waren sie enteignet worden. Gemäßigte Mapuche erhoffen sich vom Papstbesuch Rückenwind für ihre Anliegen. Allerdings verlief selbst die Planung der Papstmesse nicht ganz glücklich. Auch der Flugplatz Maquehue wird von den Ureinwohnern als sakraler Ort beansprucht. Um Erlaubnis soll die Kirche nicht gefragt haben.

«Wir verlangen Respekt für die angestammten Rechte unseres Volkes und die Freiheit, unsere Spiritualität zu leben, mit Gott zu sprechen», sagt die Mapucheführerin Rosa Namuncurà. «Aber die Politik, der Staat in Chile, sind gegen uns.»

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Papst besucht Frauengefängnis in Chile http://www.condor.cl/politik/papst-besucht-frauengefaengnis/ http://www.condor.cl/politik/papst-besucht-frauengefaengnis/#respond Thu, 18 Jan 2018 14:59:42 +0000 http://www.condor.cl/?p=23076 In der Strafanstalt San Joaquín mahnt der Pontifex im Kampf gegen die Kriminalität mehr Präventionsmaßnahmen an. Die Frauen ermutigt das katholische Kirchenoberhaupt dazu, die Hoffnung nicht aufzugeben und sich auf die Zeit nach der Haftstrafe vorzubereiten.

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Pontifex betont soziale Reintegration

Papst Franziskus besucht das Frauengefängnis von San Joaquín in Santiago de Chile.
Papst Franziskus besucht das Frauengefängnis von San Joaquín in Santiago de Chile.

 

In der Strafanstalt San Joaquín mahnt der Pontifex im Kampf gegen die Kriminalität mehr Präventionsmaßnahmen an. Die Frauen ermutigt das katholische Kirchenoberhaupt dazu, die Hoffnung nicht aufzugeben und sich auf die Zeit nach der Haftstrafe vorzubereiten.

 

Santiago de Chile (dpa) – Beim Besuch eines Frauengefängnisses in der chilenischen Hauptstadt Santiago hat Papst Franziskus für eine zweite Chance für die Häftlinge geworben. «Die Gesellschaft hat die Pflicht, alle wieder aufzunehmen», sagte das katholische Kirchenoberhaupt am Dienstag in der Strafanstalt San Joaquín. Er ermutigte die Frauen, die Hoffnung nicht zu verlieren und sich auf die Zeit nach der Strafe vorzubereiten.

Die Häftlinge begrüßten den Papst mit einer selbstkomponierten Hymne über ihre Wünsche und Hoffnungen. Franziskus segnete die Frauen und ihre Kinder. «Der Freiheit beraubt zu sein, ist nicht gleichbedeutend mit dem Verlust von Träumen und Hoffnungen. Der Freiheit beraubt sein ist nicht das Gleiche wie der Würde beraubt zu sein», sagte der Pontifex. Die Vollzugsbeamten rief er dazu auf, die inhaftierten Frauen mit Respekt zu behandeln: «Würde ist ansteckender als die Grippe. Würde bringt Würde hervor.»

Schwester Nelly León berichtete, dass viele der Häftlinge aus einfachen Verhältnissen stammen: «Leider wird in Chile die Armut eingesperrt.» Die Strafgefangene Janeth erzählte von ihrem Leben hinter Gittern und bat um Vergebung für ihre Taten. «Danke, dass du uns diese Haltung in Erinnerung rufst, ohne die wir entmenschlichen», sagte der Papst. «Wir alle müssen um Vergebung bitten.» Als er das Bibelzitat «Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein» anstimmte, fielen die Frauen mit ein.

«Das Schlimmste ist nicht, eingesperrt zu sein, sondern nicht für unsere Kinder da sein zu können. Nichts und niemand kann eine Mutter ersetzen», sagte die Gefangene Janeth. «Wir bitten um Barmherzigkeit mit unseren Kindern.»

Franziskus warb für mehr Prävention statt Repression im Strafvollzug. «Wir alle wissen, dass die Haft sich oftmals leider auf eine Bestrafung beschränkt, ohne angemessene Mittel anzubieten, um Prozesse in Gang zu setzen», sagte der Papst. «Die öffentliche Sicherheit sollte nicht auf Maßnahmen größerer Kontrolle beschränkt werden, sondern sie sollte mit präventiven Vorkehrungen, mit Arbeit, Bildung und mehr Gemeinschaft gestärkt werden.»

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Papst bittet wegen Missbrauchs in Chile um Vergebung http://www.condor.cl/politik/papst-in-chile/ http://www.condor.cl/politik/papst-in-chile/#respond Thu, 18 Jan 2018 14:53:16 +0000 http://www.condor.cl/?p=23073 Schwieriges Pflaster für den Pontifex: In Chile haben eine Reihe von Missbrauchsfällen das Vertrauen in die katholische Kirche tief erschüttert. Bei seinem Besuch bittet Franziskus um Vergebung und trifft Missbrauchsopfer.

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Demut und Reue: Der Pontifex leistet Abbitte

Papst Franziskus wird im Parue O´Higgins von einer jubelnden Menge begrüßt: Rund 400.000 Menschen nehmen an der Messe in Santiago de Chile teil.
Papst Franziskus wird im Parue O´Higgins von einer jubelnden Menge begrüßt: Rund 400.000 Menschen nehmen an der Messe in Santiago de Chile teil.

 

Schwieriges Pflaster für den Pontifex: In Chile haben eine Reihe von Missbrauchsfällen das Vertrauen in die katholische Kirche tief erschüttert. Bei seinem Besuch bittet Franziskus um Vergebung und trifft Missbrauchsopfer.

 

Santiago de Chile (dpa) – Der Pontifex leistet Abbitte – für vielfaches Leid, hartnäckige Vertuschung, jahrelanges Schweigen. Bei seinem Besuch in Chile hat Papst Franziskus um Verzeihung für sexuellen Missbrauch durch Priester gebeten. «Ich kann nicht umhin, den Schmerz und die Scham zum Ausdruck zu bringen, die ich angesichts des nicht wieder gutzumachenden Schadens empfinde, der Kindern von Geistlichen der Kirche zugefügt worden ist», sagte er am Dienstag bei einem Empfang im Regierungspalast La Moneda.

In der Apostolischen Nuntiatur kam er auch selbst mit Missbrauchsopfern zusammen. «Das Treffen war rein privater Natur. Niemand weiteres war anwesend, nur der Papst und die Opfer», teilte der Vatikan mit. «So konnten sie dem Papst von ihrem Leid berichten. Er hörte sie an und betete und weinte mit ihnen.»

Vor allem der Fall des Priesterausbilders Fernando Karadima hatte das Vertrauen in die katholische Kirche in Chile zuletzt tief erschüttert. Ein vatikanisches Gericht sprach ihn 2011 wegen Kindesmissbrauchs schuldig. Seine Taten sollen allerdings von mehreren Bischöfen jahrelang gedeckt worden sein. «Wir müssen uns dafür einsetzen, dass sich dies nicht wiederholt», sagte Papst Franziskus.

Der Bischof von Osorno, Juan Barros, hatte sich stets für seinen religiösen Ziehvater stark gemacht. Barros wiederum soll von Franziskus protegiert worden sein. Seine Anwesenheit bei der Papstmesse im Park O’Higgins sorgte für Proteste. «Der Papst bittet um Vergebung in La Moneda. Leere Worte. Die Bischöfe, die vertuschen, sind immer noch da», sagte eines der Opfer von Karadima, Juan Carlos Cruz. «Es sind die Opfer, die Schmerz und Scham verspüren.»

Der Papst übte sich in Chile zunächst in Demut. «Wir alle müssen um Vergebung bitten. Ich als Erster. Das macht uns menschlich», sagte er beim Besuch des Frauengefängnisses von Santiago de Chile. «Wir alle können uns irren, aber wir sind jeden Tag dazu eingeladen, neu anzufangen.»

Auch vor Priestern und Ordensleuten in der Kathedrale der chilenischen Hauptstadt brachte Franziskus die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche zur Sprache. «Ich kenne den Schmerz, den die Missbrauchsfälle an Minderjährigen verursacht haben und verfolge aufmerksam, was getan wird, um dieses schwere und schmerzhafte Übel zu überwinden», sagte er. «Die Opfer sind in ihrem Vertrauen enttäuscht worden, das sie in die Diener der Kirche gesetzt haben.»

Die Skandale bringen nach Ansicht des Pontifex die ganze Kirche in Verruf. «Ich weiß, dass ihr in der U-Bahn beleidigt werdet. Ich weiß, dass ihr einen hohen Preis dafür zahlt, das Priestergewand zu tragen», sagte Franziskus. «Deshalb schlage ich vor, dass wir Gott um die klare Einsicht bitten, die Realität beim Namen zu nennen und um die Kraft, um Vergebung zu bitten.»

Umfragen zufolge bekennt sich in Chile weniger als die Hälfte der Menschen noch zum katholischen Glauben. Nirgendwo sonst in Lateinamerika ist das Vertrauen in die Kirche so erschüttert. Nach einer Reihe von Brandanschlägen auf Kirchen in den vergangenen Tagen gingen auch kurz nach Franziskus‘ Ankunft in Chile wieder Gotteshäuser in Flammen auf.

Am Mittwoch traf sich der Papst in der südchilenischen Region Araukanien mit Vertretern der indigenen Gemeinschaft der Mapuche. Diese kämpfen seit Jahrzehnten für die Rückgabe ihrer angestammten Ländereien. Dabei kommt es auch immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Radikale Mapuche machen auch die katholische Kirche für die Landkonflikte verantwortlich.

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Zeiten des Wandels: «Superwahljahr» 2018 in Lateinamerika http://www.condor.cl/politik/wahlen-2018/ http://www.condor.cl/politik/wahlen-2018/#respond Thu, 04 Jan 2018 15:29:01 +0000 http://www.condor.cl/?p=22958 In Kuba könnte die Castro-Ära enden, in Venezuela geht es um Diktatur oder Neuanfang, in Brasilien feiert womöglich «Lula» ein Comeback. In Lateinamerika stehen 2018 wichtige Weichenstellungen an.

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Wichtige Entscheidungen in Brasilien, Mexiko, Venezuela, Kuba, Kolumbien und Argentinien

Luiz Inácio Lula da Silva, Raúl Castro und Mauricio Macri: In Brasilien, Kuba und Argentinien stehen in diesem Jahr Wahlen an.
Luiz Inácio Lula da Silva, Raúl Castro und Mauricio Macri: In Brasilien, Kuba und Argentinien stehen in diesem Jahr Wahlen an.

In Kuba könnte die Castro-Ära enden, in Venezuela geht es um Diktatur oder Neuanfang, in Brasilien feiert womöglich «Lula» ein Comeback. In Lateinamerika stehen 2018 wichtige Weichenstellungen an.

 

Rio de Janeiro (dpa) – In Zeiten wachsender Unsicherheiten weltweit wird Lateinamerika für europäische Unternehmen wieder interessanter. Passend dazu hofft man auf den Abschluss eines Freihandelsabkommens zwischen der EU und dem südamerikanischen Mercosur-Verbund. Von Brasilien bis Mexiko: Selten stand der Doppelkontinent in so vielen Ländern vor so wichtigen Entscheidungen.

 

Brasilien

Das fünftgrößte Land der Welt wird zur Wundertüte 2018. Trotz politischer Dauerkrise und Korruptionsermittlungen gegen Hunderte Politiker wächst die Wirtschaft wieder langsam. Bei der Präsidentschaftswahl im Oktober könnte es das Comeback des einstigen linken Hoffnungsträgers Luiz Inácio Lula da Silva geben – sofern er nicht wegen anhängiger Korruptionsprozesse im Gefängnis landet. Die Stimmung ist angespannt: Hilfen für arme Bürger wurden gekürzt, 13 Millionen sind arbeitslos. Und die unter Sparzwängen leidende Polizei verliert die Kontrolle. Es gibt im Schnitt sieben Tötungsdelikte pro Stunde.
 

Kuba

2018 könnte für Kuba eine historische Zäsur bringen. Im April will Präsident Raúl Castro abtreten. Mit Spannung wird erwartet, ob der Nachfolger des Bruders von Revolutionsführer Fidel Castro echte Reformen auf der sozialistischen Karibikinsel umsetzt und die Öffnung forciert.
 

Mexiko

Im Juli wird in Mexiko ein neuer Präsident gewählt. Nach den jüngsten Umfragen gilt ein alter Hase im Politgeschäft als Favorit: Der Linkspopulist Andrés Manuel López Obrador. Er könnte den Konflikt mit Washington weiter befeuern. Mit dem geplanten Bau einer Grenzmauer, einem härteren Vorgehen gegen illegale Einwanderer und der Neuverhandlung des Nafta-Freihandelsabkommens hielt US-Präsident Donald Trump schon 2017 die Nachbarn in Atem. Nach fünf Jahren im Amt ist Staatschef Enrique Peña Nieto äußerst unbeliebt. Die Sicherheitslage ist noch immer desolat: Die Festnahmen wichtiger Drogenbosse haben zu einer Zersplitterung der Verbrechersyndikate geführt, die sich nun erbittert bekämpfen.

 

Venezuela

Das Land entwickelt sich immer mehr zur ersten Diktatur in Südamerika. Mit der Entmachtung des Parlaments und zunehmender Repression gegen die Opposition haben die Sozialisten um Präsident Nicolás Maduro die Macht gefestigt. Die Wahl des neuen Präsidenten könnte daher auf Frühjahr 2018 vorgezogen werden. Da Maduro mehrere Oppositionsparteien ausschließen will, könnte er einen äußerst fragwürdigen Sieg erringen. Aber die Krise und die weltweit höchste Inflation im ölreichsten Land der Welt bergen das Zeug zu einer Gewaltexplosion. Zudem droht dem Land die Pleite.
 
Kolumbien
Einer der Hoffnungsträger in der Region – auch deutsche Unternehmen setzten verstärkt auf das Land wegen des historischen Friedensprozesses. Gelingt es, den Kokaanbau zurückzudrängen oder übernehmen andere Banden das Kokaingeschäft? Entscheidend ist, wer bei der Wahl im Mai 2018 Nachfolger von Präsident Juan Manuel Santos wird, der nicht mehr antreten darf.
 

Argentinien

Die konservative Regierung von Präsident Mauricio Macri arbeitet an der Abkehr von der linken, dirigistischen Politik der Vorgängerin Cristina Fernández de Kirchner. Ausländische Unternehmen investieren wieder und der Export von Soja und Fleisch soll weiter steigen. Eine Rezession wurde überwunden. Mit dem Rückenwind eines Siegs bei den Parlamentswahlen im Oktober will Macri Reformen im Steuerwesen, beim Arbeitsrecht und den Renten. Problematisch sind das Defizit und die Inflation, die Menschen leiden unter hohen Lebenshaltungskosten. Die G20-Präsidentschaft will man nutzen, um sich der Welt als attraktiver Investitionsstandort zu präsentieren. Der Gipfel findet in Buenos Aires mitten in der Stadt statt. Macri kann nur hoffen, dass ihm ein «zweites Hamburg» erspart bleibt.

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Machtwechsel in Chile: Sebastián Piñera erneut zum Präsidenten gewählt http://www.condor.cl/politik/sebastian-pinera/ http://www.condor.cl/politik/sebastian-pinera/#respond Thu, 21 Dec 2017 13:20:07 +0000 http://www.condor.cl/?p=22867 Eine gespaltene Linke in Chile, eine schwache wirtschaftliche Entwicklung und ein Korruptionsskandal in der Familie der aktuellen Präsidentin Michelle Bachelet – das war zu viel des Guten: Am Sonntag wählten die Chilenen den Wechsel.

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Politische Linke muss sich fragen, was im Wahlkampf schief lief

Sebastián Piñera und seine Ehefrau Cecilia Morell feiern den Wahlsieg. Der Unternehmer wurde in Chile erneut zum Präsidenten gewählt.
Sebastián Piñera und seine Ehefrau Cecilia Morell feiern den Wahlsieg. Der Unternehmer wurde in Chile erneut zum Präsidenten gewählt.

 

Eine gespaltene Linke in Chile, eine schwache wirtschaftliche Entwicklung und ein Korruptionsskandal in der Familie der aktuellen Präsidentin Michelle Bachelet – das war zu viel des Guten: Am Sonntag wählten die Chilenen den Wechsel.

 

Von Arne Dettmann

Am Ende war es ein satter Triumph und nicht ein Kopf-an-Kopf-Rennen, wie es vorab prophezeit worden war: Der Kandidat der konservativ-liberalen Opposition-Koalition «Chile Vamos», Sebastián Piñera, erhielt am vergangenen Sonntag 54,57 Prozent der abgegebenen Stimmen, ein Vorsprung von mehr als neun Prozent zum Rivalen Alejandro Guillier. Der Unternehmer hatte sich bereits in der ersten Wahlrunde am 19. November als stärkster Kandidat behauptet und wurde nun in der Stichwahl erneut zum Präsidenten gewählt, nachdem er bereits 2010 bis 2014 dieses Amt bekleidet hatte.

Was lief schief? – Das muss sich jetzt die scheidende Mitte-Links-Regierung unter Michelle Bachelet fragen. Zum einen gab es dort die Immobilienaffäre um die Schwiegertochter der Präsidentin. Das fügte dem Image Bachelets schwere Kratzer zu. Korruptionsskandale und Abnutzungserscheinungen taten das Übrige, dass sich Wähler von dem Bündnis «Nueva Mayoría» enttäuscht abwendeten und die linke Alternative «Frente Amplio» unterstützten. Das neue Parteienkonglomerat kam im ersten Wahlgang prompt auf über 20 Prozent.

Unterdessen schlingerte der Präsidentschaftsanwerber Alejandro Guillier in einem Zickzack-Kurs von mal mehr arbeitnehmerfreundlichen dann wieder zu mehr arbeitgeberfreundlichen Positionen hin und her. Die Hoffnung, es allen recht zu machen und somit mehr Stimmen in der politischen Mitte einzuheimsen, erfüllte sich nicht.

Der Unternehmer Sebastián Piñera setzte dagegen auf ein recht simples, aber pragmatisches Konzept: das Versprechen, Chile mit einer liberalen Politik zu den alten Wachstumsraten zurückzuführen. In den vergangenen vier Jahren krebste der Zuwachs beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwischen maximal 2,26 und in diesem Jahr mageren 1,38 Prozent – zu wenig für ein Schwellenland in Blüte, meinten Ökonomen und verorteten die Schuld unter anderem bei einer investitionsfeindlichen Steuerreform der Bachelet-Regierung.
 

Arbeit, Bildung, Gesundheit und Sicherheit wichtigste Themen bei den Wählern

Vielleicht waren es aber auch die Änderung des Wahlgesetzes, die Homo-Ehe und die Lockerung des restriktiven Abtreibungsgesetzes, die die Regierung zwar einführte, die aber nicht ganz oben in der Wunschliste der Chilenen standen. Kampf gegen die Kriminalität, bessere Bildungschancen, Arbeit und Gesundheit sind in Umfragen eher Prioritäten. Die sozialistische Präsidentin konnte in puncto Bildung zwar einen kostenlosen Zugang im Schul- und Hochschulwesen erreichen, allerdings mit erheblichen Abstrichen und Einschränkungen. Als fragwürdig gilt die eingeführte Arbeitsmarktreform, die groß angekündigte neue Verfassung konnte bis heute nicht ernsthaft in die Wege geleitet werden.

Offenbar hatten die chilenischen Wähler weitere Experimente satt und stimmten für den Machtwechsel. Sehr konservative Bürger dürften jetzt angesichts des Wahlergebnisses erleichtert aufatmen, ging doch immer das Schreckgespenst um, Chile könnte sich bei einer Fortsetzung unter Alejandro Guillier in ein zweites Venezuela verwandeln. Tatsächlich haben auch in anderen Ländern Lateinamerikas – darunter Peru, Argentinien, Brasilien, Kolumbien und Mexiko – konservative und liberale Regierungen in den vergangenen Jahren die Führung übernommen. Doch die Absage an linke Rezepte ist nur die halbe Wahrheit.

Sebastián Piñera gilt als gemäßigt und konnte somit auch das politische Zentrum sowie die Mittelschicht in Chile ansprechen und weitere Wähler für sich mobilisieren. Im Wahlkampf ging der Unternehmer zudem auf Vorschläge aus dem Programm Guilliers ein und versprach unter anderem eine kostenfreie technische Ausbildung. Auch eine Verbesserung bei den Renten stellte er in Aussicht. Eine Abschaffung der privaten Pensionsfonds, wie Kritiker von linker Seite fordern, wird es unter seiner Regie allerdings nicht geben.

Noch in der Wahlnacht zeigte sich Sebastián Piñera versöhnlich und rief seinen unterlegenen Konkurrenten zur Zusammenarbeit auf. Ohne Kompromisse wird es wohl auch kaum gehen: Im Senat verfügt Piñeras Mitte-Rechts-Koalition über 19 der 43 Sitze; in der Abgeordnetenkammer hält «Chile Vamos» 73 von insgesamt 155 Plätzen. Wer also Reformen umsetzen will, wird auf die Opposition zugehen müssen.

Die Börse zeigte sich jedenfalls über den Wahlsieg des Unternehmers erfreut. Der chilenische Aktienindex Ipsa sprang am Montag um 6,9 Prozent in die Höhe – die stärkste Tageszunahme seit 2008.

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Konservativer Machtwechsel: Sebastian Piñera wird erneut Präsident von Chile http://www.condor.cl/politik/chilewahl-2017/ http://www.condor.cl/politik/chilewahl-2017/#respond Mon, 18 Dec 2017 12:09:59 +0000 http://www.condor.cl/?p=22835 Als 33 Kumpel in einer Mine verschüttet waren, wurde er als Krisenmanager weltbekannt - nun wird er zum zweiten Mal Chiles Präsident: Der Milliardär Sebastián Piñera (68) hat die Stichwahl gewonnen und wird Nachfolger der sozialdemokratischen Präsidentin Michelle Bachelet.

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Liberale Agenda mit Schwerpunkt Wirtschaftswachstum angekündigt

Der konservative Kandidat Sebastian Pinera und seine Frau Cecilia Morel jubeln am Sonntag in Santiago de Chile, nach Bekanntgabe seines Sieges bei der Präsidentenwahl, seinen Anhängern zu. Der Unternehmer wird die Nachfolge der sozialistischen Staatspräsidentin Bachelet antreten. Foto: Luis Hidalgo/AP/dpa
Der konservative Kandidat Sebastian Pinera und seine Frau Cecilia Morel jubeln am Sonntag in Santiago de Chile, nach Bekanntgabe seines Sieges bei der Präsidentenwahl, seinen Anhängern zu. Der Unternehmer wird die Nachfolge der sozialistischen Staatspräsidentin Bachelet antreten. Foto: Luis Hidalgo/AP/dpa

Als 33 Kumpel in einer Mine verschüttet waren, wurde er als Krisenmanager weltbekannt – nun wird er zum zweiten Mal Chiles Präsident: Der Milliardär Sebastian Piñera (68) hat die Stichwahl gewonnen und wird Nachfolger der sozialdemokratischen Präsidentin Michelle Bachelet.

Santiago de Chile (dpa) – Der Kandidat der konservativen Oppositions-Koalition kam am Sonntag auf 54,6 Prozent, der Mitte-Links-Kandidat Alejandro Guillier (64), ein Journalist, landete bei rund 45,4 Prozent. Damit steht eines der wohlhabendsten Länder Südamerikas, das von starker Ungleichheit gekennzeichnet ist, vor einem Machtwechsel. Guillier erkannte seine Niederlage an.

Er gratulierte Piñera zum Wahlsieg. Auch Staatschefin Bachelet, die gemäß Verfassung nicht mehr antreten durfte, wünschte Piñera in einem Telefongespräch Erfolg für seine Präsidentschaft. Piñera, der schon von 2010 bis 2014 Präsident war, rief seinen unterlegenen Rivalen zur Zusammenarbeit auf, um vor allem die ärmsten Bevölkerungsschichten besser zu unterstützen.

Er warb für sich mit einer liberalen Agenda, um das Wachstum wieder stärker anzukurbeln. Auch das Programm Guilliers enthalte sehr gute Vorschläge, sagte er; dieses sieht Sozialreformen und mehr gebührenfreie Unis vor. Eine Herausforderung wird auch der Umgang mit den Ureinwohnern der Mapuche sein; zuletzt kam es immer wieder wegen Landkonflikten zu Toten und Gewalt. Piñera ist einer der reichsten Unternehmer im Land. Dazu trugen unter anderem Beteiligungen an einer Fluggesellschaft, einem TV-Sender und im Finanzsektor bei.

Der Kandidat der Oppositions-Koalition Alejandro Guillier (m) erkennt am 17.12.2017 seine Niederlage bei der Präsidentenwahl in Santiago de Chile an. Foto: Ignacio_Iribarren_Capriles/Agencia Uno/dpa
Der Kandidat der Oppositions-Koalition Alejandro Guillier (m) erkennt am 17.12.2017 seine Niederlage bei der Präsidentenwahl in Santiago de Chile an. Foto: Ignacio Iribarren Capriles/Agencia Uno/dpa

Der Regierungswechsel in Chile setzt die Reihe der Machtwechsel von linken zu konservativen Regierungen in Südamerika fort, wobei in Brasilien 2016 Dilma Rousseff unter fragwürdigen Umständen des Amtes enthoben worden war und der Wechsel nicht per Wahl zustande kam. Mit der Amtsenthebung von Rousseff und dem Ende der Amtszeit von Präsidentin von Cristina Fernández de Kirchner Ende 2015 in Argentinien sowie nun von Michelle Bachelet in Chile werden alle Länder Südamerikas künftig wieder von Männern regiert.

Weltweit bekannt wurde der als gemäßigt und liberal geltende neue und alte Präsident Sebastian Piñera im Jahr 2010, als 33 Kumpel, die in einer Mine in Nordchile 70 Tage in 720 Metern Tiefe verschüttet waren, erfolgreich mit einer Kapsel gerettet werden konnten und er jeden oben ankommenden Kumpel glücklich umarmte.

Sebastian Piñera hatte bereits die erste Wahlrunde am 19. November mit 37 Prozent der Stimmen gegen 23 Prozent für den Journalisten und Soziologen Guillier für sich entschieden. In dem gleichzeitig neu gewählten Parlament wird die Mitte-Rechts-Koalition um Piñera aber keine Mehrheit haben. Sie hält 72 der 155 Abgeordnetenmandate und 19 der 44 Senatssitze. Das erfordert ein Zugehen auf die Opposition, um Reformen durchzubekommen.

Wahlberechtigt waren 14,3 Millionen Chilenen. Die Wahlbeteiligung lag mit 49 Prozent zwei Prozentpunkte über der des ersten Durchgangs. Der Amtsantritt des neuen Staatschefs ist für den 11. März 2018 vorgesehen.

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