Magazin – Deutsche Zeitung Cóndor – diario alemán Chile http://www.condor.cl Die deutsche Zeitung Cóndor in Chile - diario / periódico alemán Sun, 15 Apr 2018 07:24:56 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.9.5 https://i1.wp.com/www.condor.cl/wp-content/uploads/2016/11/condor-ave.jpg?fit=32%2C32 Magazin – Deutsche Zeitung Cóndor – diario alemán Chile http://www.condor.cl 32 32 120365451 Katastrophenschutz im Kleinformat http://www.condor.cl/magazin/buch-raul-sohr/ http://www.condor.cl/magazin/buch-raul-sohr/#respond Wed, 07 Feb 2018 07:23:37 +0000 http://www.condor.cl/?p=23174 Der Journalist Raúl Sohr gibt Ratschläge für Katastrophenfälle in Chile. Einige Überlebenstipps sind allerdings banal, manche Gefahren wirklichkeitsfremd.

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Buchkritik zu «Desastres – guía para sobrevivir» von Raúl Sohr

Was tun im Katastrophenfall? Umgestürztes Gebäude in Concepción nach dem verheerenden Erdbeben am 27. Februar 2010 in Chile
Was tun im Katastrophenfall? Umgestürztes Gebäude in Concepción nach dem verheerenden Erdbeben am 27. Februar 2010 in Chile

 

Der Journalist Raúl Sohr gibt Ratschläge für Katastrophenfälle in Chile. Einige Überlebenstipps sind allerdings banal, manche Gefahren wirklichkeitsfremd.

 

Von Arne Dettmann

Vielleicht war es der Bericht des weltweit größten Rückversicherers Munich Re, der 2017 als das teuerste Jahr in der Geschichte der Versicherungen bezeichnete. Hurrikans und andere Naturkatastrophen kosteten der Branche weltweit rund 135 Milliarden Dollar. Vielleicht war es aber auch der Internationale Währungsfonds (IWF), der im vergangenen Jahr vor neuen Flüchtlingsströmen durch den Klimawandel warnte. Fest steht: Katastrophenmeldungen häufen sich, und das mag der österreichisch-chilenische Journalist Raúl Sohr zum Anlass genommen haben, einen Überlebensratgeber für Chile mit dem sensationsheischenden Titel «Desastres – guía para sobrevivir» herauszugeben.

In zehn Kapiteln schildert der Autor die Gefahren: Erdbeben und Tsunamis wie im Februar 2010, Vulkanausbrüche wie der beim Chaitén im Jahr 2008, verheerende Waldbrände wie Anfang 2017 oder auch Starkregen, Überschwemmungen und Erdrutsche, die 2015 Nordchile heimsuchten und im Dezember 2017 Teile der Ortschaft Santa Lucía in Patagonien unter sich begruben.

Der Autor gibt für jeden Katastrophenfall Tipps und Hinweise, wie man sich schützt. Mal geschieht das sehr kenntnisreich: Wen ein Tsunami an Bord eines Schiffes überrascht, fährt weiter aufs Meer hinaus, um der Monsterwelle am Strand zu entgehen. Mal durchaus praxisnah: Bei Waldbränden die Fensterritzen mit nassen Lappen zustopfen, um den Eintritt von Rauch zu verhindern. Manchmal aber selbst ein wenig hilflos: Wer in einer Krisensituation nachts nicht schlafen konnte, sollte das mit einer Siesta nachholen. Denn Schlaf sei wichtig, so der Journalist – und zählt die Folgen von Schlafentzug bei Soldatenexperimenten auf.

 

Tief durchatmen, nicht in Panik verfallen

Dazu gibt es Schaubilder über die Windstärken auf der Beaufortskala und die Zerstörungskraft von Erdbeben. Gut einmal gesehen zu haben, denkt der Leser und blättert weiter. Wenn es aber wirklich einmal kräftig wackelt, hilft die Richterskala auch nicht weiter, sondern höchstens der gut gemeinte Ratschlag auf Seite 40: Tief durchatmen und nicht in Panik verfallen.

Wer einen detaillierten Überlebensratgeber erwartet, wird enttäuscht. Zwar listet Raúl Sohr den Inhalt eines Erste-Hilfe-Kastens auf. Aber mit welchem Nähstich man eine Zeltplane repariert und wie in einer Hungersnot eine Heuschreckenmahlzeit zubereitet wird, wären dann wohl doch Themen für eine weiterführende Fachliteratur.

Sohr liefert – wie gewohnt – sehr fundiert und anschaulich Fakten. Umso mehr wundert es, dass der Journalist von solchen lesenswerten Büchern wie «Chao, petróleo», «Chile a ciegas» und «Así no podemos seguir» nun so eine kleine, triviale Survival-Fibel publiziert hat. An vielen Textstellen merkt der Leser, dass mehr drinnen gewesen wäre. Sohr kritisiert die Wasserversorgungslage von Santiago, die schon mehrmals bei Regenfällen in den Anden zusammengebrochen ist. Das wäre vielleicht der eigentliche Stoff für ein gutes Recherchewerk gewesen: Inwieweit ist Chile, das immerhin im Welt-Risiko-Index der Naturkatastrophen ganz weit oben auf Platz 22 von 171 Staaten landet, tatsächlich auf Krisen vorbereitet?

Stattdessen kommt es zu merkwürdigen Stilblüten. So thematisiert Raúl Sohr die Gefahr von Meteoriten. Kommt es zu einem Einschlag, dann weg von den Fenstern und schnell hinter eine schützende Mauer, lautet hier der gut gemeinte, aber doch nutzlose Ausweg. Denn im gleichen Atemzug räumt der Autor ein, dass es bei einem fatalen Steinschlag aus dem All zu einem sogenannten nuklearen Winter kommt, einer Verdunkelung und Abkühlung der Erdatmosphäre, wobei alles Leben ausgelöscht wird.

 

Lebensfremd und willkürlich

Lebensfremd kommen auch die Hinweise bei Kriegen, Bürgerkriegen und Terroranschlägen daher: Fernhalten von militärischen Zielen, große Menschenmengen meiden und möglichst aufs Land fliehen. Aha! Wer im abgelegenen Patagonien lebt, für den mag das gelten. Bürger in Syrien oder auch Fahrgäste in der völlig überfüllten Metro von Santiago haben es da schon deutlich schwerer.

Letztendlich erfolgt die Auswahl der Gefahren willkürlich. Die beiden kleinen Versuchsreaktoren in Chile mögen zwar reale, atomare Bedrohung darstellen, doch fragt sich, ob die Fokussierung auf solche Katastrophenpotenziale nicht die Wirklichkeit verzerrt. In Chile kommen jährlich mehr als 1.600 Menschen bei Verkehrsunfällen um Leben – bei den verheerenden Waldbränden waren es zehn. Wäre ein Kapitel mit Sicherheitshinweisen zum Straßenverkehr nicht angebracht gewesen?

Und von den mehr als 100.000 Sterbefällen im Jahr in Chile sind etwa die Hälfte auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs zurückzuführen. Auch hier besteht offenbar noch reichlich Bedarf an Überlebenslektüre, allerdings jenseits von Blitzeinschlägen und Meteoritenaufprall.

Desastres – guía para sobrevivir

Raúl Sohr

Penguin Random House, 2017

Santiago de Chile

170 Seiten

ISBN: 978-956-9545-66-5 12.000 Pesos

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Zu Besuch in Puerto Edén http://www.condor.cl/magazin/puerto-eden/ http://www.condor.cl/magazin/puerto-eden/#respond Mon, 05 Feb 2018 04:11:00 +0000 http://www.condor.cl/?p=23166 Von Puerto Montt geht es mit dem Fährschiff «Eden» durch die Kanäle Patagoniens nach Puerto Natales. Auf der 2.000 Kilometer langen Strecke wird ein Halt eingelegt bei Puerto Edén – und die letzten Nachfahren der indigenen Kawesqar besucht.

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Bei den Seenomaden im chilenischen Patagonien

Ein isolierter Ort in den Fjorden von Patagonien: Nur noch knapp 90 Menschen leben heute in Puerto Edén.
Ein isolierter Ort in den Fjorden von Patagonien: Nur noch knapp 90 Menschen leben heute in Puerto Edén.

 

Von Puerto Montt geht es mit dem Fährschiff «Eden» durch die Kanäle Patagoniens nach Puerto Natales. Auf der 2.000 Kilometer langen Strecke wird ein Halt eingelegt bei Puerto Edén – und die letzten Nachfahren der indigenen Kawesqar besucht.

 

Von Karla Berndt

Am 22. Dezember heißt es «Leinen los und Anker gelichtet». Die «Eden» ist ebenso wie ihr Schwesterschiff «Evangelista» ein Transporter der Reederei Navimag, der in regelmäßigen Abständen die Strecke zwischen Puerto Montt und Puerto Natales bedient. So sind auf dem Unterdeck große Container und Lkws geparkt.

Es geht vorbei an der Ostküste der Insel Chiloé, das Schiff durchquert den Golf Corcovado und fährt in den Kanal Moraleda ein, zwischen Inselchen und Bergen mit üppiger Vegetation, von denen Wasserfälle rauschen. Am nächsten Tag sichten die Passagiere Seelöwen und Kormorane, und kurz vor dem Penas-Golf («Golf der Leiden») taucht eine Gruppe Toninas auf, sechs Delphine, die im Abendlicht elegant durchs Wasser springen.

Nun beginnt das Schiff merklich zu schaukeln. Zwölf Stunden dauert die Fahrt durch den Golfo de Penas auf offenem Meer. Früh am nächsten Morgen schippert der Transporter durch den Kanal Messier, mit 1.270 Metern der tiefste der Region. Hier ist das rostige Wrack des Lastschiffes «Capitán Leonidas» zu sehen, das in den 70er Jahren an einer Untiefe strandete.

Puerto Edén

Jahresdurchschnittstemperatur: 8,4° C

Niederschlag / Jahr: 3.482 mm

Regentage / Jahr: mehr als 300

Anfahrt: Reederei Navimag (Ferries Evagelista und Eden): www.navimag.cl
Transbordadora Austral Broom S.A.: www.tabsa.cl

Unterkunft: Hospedería Yekchal (Hugo Zuñiga und Patricia Negué): $ 25.000 pro Tag / Person, mit Vollverpflegung, warmer Dusche und Heizung. Tel.: +56 9 94137131

Jetzt noch durch die Engstelle Angostura Inglesa, um endlich Wellington zu erreichen, eine der größten Inseln Chiles und Teil des Nationalparks Bernardo O’Higgins. An der Ostküste liegt der kleine und einsame Fischerort Puerto Edén.

Hugo Zuñiga holt uns mit seinem Kutter ab und und bringt uns an die Anlegestelle. Hier surren acht kleine Windturbinen und gewährleisten die Beleuchtung rund um die Uhr, während der Rest des Ortes nur vormittags und abends je sechs Stunden mit einem Generator versorgt wird. In der Herberge prasselt ein Holzfeuer im gusseisernen Ofen, und Hugos Frau Patricia Negué erwartet die Gäste mit hausgebackenem Brot.

 

Holzplanken statt Straßen

1937 richtete die Chilenische Luftwaffe am Messier-Kanal eine Station zur Betankung und Reparatur von Wasserflugzeugen ein, da hier recht ruhige Wasserverhältnisse herrschen. Die Flugzeuge sollten eine schnelle Verbindung von Puerto Montt nach Punta Arenas an der Magellanstraße herstellen. Seit etwa 1940 ist der Ort auch von Zivilisten bewohnt, offiziell gegründet wurde Puerto Edén jedoch erst 1969.

In Puerto Edén gibt keine Straßen, keine Autos, keine Fahrräder. Fußwege aus Holzplanken verbinden die Häuser und verhindern nasse Füße.
In Puerto Edén gibt keine Straßen, keine Autos, keine Fahrräder. Fußwege aus Holzplanken verbinden die Häuser und verhindern nasse Füße.

Es gibt keine Straßen, keine Autos, keine Fahrräder. Fußwege aus Holzplanken verbinden die Häuser und verhindern nasse Füße. Nur noch knapp 90 Einwohner zählt Puerto Edén heute. Es gibt einige winzige Läden, eine Polizeistation, eine Ambulanz und die Capitanía de Puerto, einen Außenposten der Armada de Chile. Die Schule wird derzeit von elf Kindern besucht. Nach Abschluss der 8. Klasse setzen die Schüler ihre Ausbildung meist in Puerto Natales oder Punta Arenas fort und kehren danach selten nach Puerto Montt zurück.

Die Vegetation ist undurchdringlich. Zwischen knorrig-krummen Bäumen wachsen meterhoch Moose, Farne, Flechten und überwuchern abgestorbene und umgefallene Bäume. Dazwischen leuchten rote Blüten, plätschern kleine Wasserfälle.

 

Hartes Leben in der Natur

Das Volk der Kawesqar («Menschen») besiedelte die Küsten der patagonischen Kanäle südlich des Golfo de Penas seit 6.000 Jahren. Die Seenomaden zogen mit ihren Familien in großen Kanus (Kájef) von einem Lagerplatz zum anderen. Während die Männer Seelöwen, Füchse, Nutrias oder die endemischen Südanden-Hirsche Huemules jagten, tauchten die Frauen und Kinder im eiskalten Wasser nach Muscheln. Von den in Küstennähe errichteten Hütten wurde beim Weiterziehen nur die Robbenfell- oder Baumrindenabdeckung mitgenommen. Die zurück gelassenen Holzgerüste dienten oft nachkommenden Familien als Unterkunft.

Ein Fischergrab: Muscheln, Fisch und die Königskrabbe werden in den südchilenischen Gewässern um Puerto Edén gefangen.
Ein Fischergrab: Muscheln, Fisch und die Königskrabbe werden in den südchilenischen Gewässern um Puerto Edén gefangen.

Die Kawesqar kamen im Vergleich zu den anderen Ureinwohnern der Westküste Feuerlands und Patagoniens schon relativ früh in Kontakt mit den Weißen, die als Pelztierjäger und Walfänger in ihre Gebiete eindrangen und von denen sie Alakalufen («Muschelesser») genannt wurden. Die Bevölkerung lag bis zum Ende des 18. Jahrhunderts bei etwa 4.000 Personen. Gewaltsame Auseinandersetzungen und Infektionskrankheiten, gegen die die Indianer keine Abwehrkräfte hatten, dezimierten sie rapide. Ende des 19. Jahrhunderts gab es noch um 500 Kawesqar und 1925 nur noch 150.

1940 erließ die chilenische Regierung ein Gesetz zum Schutz der Kawesqar, von denen bis dahin fast niemand Spanisch sprach. Das Gesetz sah eine Ansiedlung in Puerto Edén vor und hatte die Abhängigkeit von staatlicher Unterstützung und eine zunehmende Assimilation zur Folge. Um 1970 wurde den Kawesqar eine zweisprachige Erziehung auferlegt, so dass die indigene Sprache aufgrund der geringen Personenzahl vor dem Aussterben steht. Heute leben – nach eigenen Aussagen – nur noch neun rein ethnisch den Kawesqar zugehörige Menschen in Puerto Edén, das sie in ihrer Sprache «Jetarktétqal» nennen.

 

Handwerkskunst aus Robenfell

Eine von ihnen ist Gabriela Paterito, Sie sei etwa 78, erzählt sie, geboren in den Kanälen, irgendwo in einer mit Seehundsfellen bedeckten Hütte. Neun Kinder hat sie bekommen, alle ebenfalls in den Kanälen, fünf haben überlebt und sind heute mit ihren Familien in Punta Arenas und Argentinien ansässig. Nur Tochter María Isabel Tonko wohnt gleich nebenan in Puerto Edén.

Die älteste noch lebende Kawesqar, Gabriela Paterito, mit einer traditionellen Flechtarbeit aus Junquillo.
Die älteste noch lebende Kawesqar, Gabriela Paterito, mit einer traditionellen Flechtarbeit aus Junquillo.

Gabriela murmelt etwas in ihrer Sprache und konzentriert sich auf das Körbchen, dass sie gerade herstellt. Dazu verwendet sie die langen Halme der schilfartigen Wasserpflanze Junquillo (Juncus maritimus), die sie flechtet und verknüpft. Später wird sie ihre traditionellen Handarbeiten Touristen anbieten und an Märkte in Puerto Montt verkaufen.

Auch Nachbar Francisco «Pancho» Arrollo pflegt eine von Generation zu Generation übermittelte Handwerkskunst: Er stellt Mini-Kanus aus Robbenfell her. Sogar die holzgeschnitzen Paddel sind den Originalen nachempfunden, wenn auch schon seit vielen Jahren kein Kawesqar mehr solche Canoas baut. Heute fährt Pancho mit einem der Fischerboote los, wenn Brennholz gesammelt oder die Fangkörbe mit Königskrabben (Centollas) aus dem Wasser geholt werden.

Francisco Arrollo stellt Mini-Kanus aus Robbenfell her. Auf richtigen Kanus durchkreuzten die Seenomaden die Kanäle und Fjorde von Patagonien.
Francisco Arrollo stellt Mini-Kanus aus Robbenfell her. Auf richtigen Kanus durchkreuzten die Seenomaden die Kanäle und Fjorde von Patagonien.

Oder um den Friedhof von Puerto Edén zu besuchen, der auf einer kleinen Insel angelegt ist. Inmitten üppig wuchernder Vegetation muten die kleinen Häuschen, die über den Grabstellen errichtet sind, unwirklich an. So unwirklich wie der ganze Ort, der irgendwie zu schlafen scheint und in seiner Einsamkeit Ruhe und Frieden, aber auch eine gewisse Melancholie ausstrahlt.

Nach drei Tagen in Puerto Edén hören wir morgens in aller Frühe aus der Ferne das Wummern und Stampfen eines Schiffes. Die «Eden» kommt aus Puerto Natales zurück und bringt uns wieder nach Puerto Montt, in die Zivilisation. Zurück bleibt die Erinnerung an eine der wohl isoliertesten menschlichen Ansiedelungen, an freundliche, wortkarge, wetterharte Menschen und an die letzten Kawesqar, die hier in der Stille des Südens leben.

 

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Ja-Wort über den Wolken: Papst traut Paar auf Flug in Chile http://www.condor.cl/magazin/papst-traut-paar/ http://www.condor.cl/magazin/papst-traut-paar/#respond Thu, 18 Jan 2018 20:14:25 +0000 http://www.condor.cl/?p=23083 Zum ersten Mal vermählt das katholische Kirchenoberhaupt ein Ehepaar in einem Flugzeug. Die beiden Flugbegleiter sind schon seit Jahren standesamtlich verheiratet. Ihre kirchliche Trauung musste allerdings ausfallen, weil ihre Kirche bei einem Erdbeben zerstört wurde.

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Erdbeben hatte Hochzeit in Kirche verhindert

Die beiden Flubegleiter Carlos Ciuffardi (l) und Paola Podest werden am 18.01.2018 auf dem Flug von Santiago de Chile nach Iquique von Papst Franziskus getraut.
Die beiden Flubegleiter Carlos Ciuffardi (l) und Paola Podest werden am 18.01.2018 auf dem Flug von Santiago de Chile nach Iquique von Papst Franziskus getraut. Foto: L’Osservatore Romano/L’Osservatore Romano Vatican Media/Pool via AP/dpa

 
Zum ersten Mal vermählt das katholische Kirchenoberhaupt ein Ehepaar in einem Flugzeug. Die beiden Flugbegleiter sind schon seit Jahren standesamtlich verheiratet. Ihre kirchliche Trauung musste allerdings ausfallen, weil ihre Kirche bei einem Erdbeben zerstört wurde.

 

Premiere in luftigen Höhen: Auf dem Flug von Santiago de Chile nach Iquique hat Papst Franziskus zwei Flugbegleiter kirchlich getraut. «Wir danken dem Papst dafür, dass er zum ersten Mal eine Ehe an Bord eines Flugzeugs geschlossen hat», teilte die Fluggesellschaft Latam am Donnerstag mit.

Die Chilenen Carlos Ciuffardi (41) und Paula Podest (39) sind bereits seit Jahren standesamtlich verheiratet. Das Paar hat zwei Töchter im Alter von drei und sechs Jahren. Kirchlich konnten sie allerdings nicht heiraten, weil ihre Kirche bei einem Erdbeben vor acht Jahren zerstört wurde.

Die Zeremonie war ursprünglich für den 27. Februar 2010 geplant. Am frühen Morgen jenes Tages erschütterte jedoch ein schweres Beben das südamerikanische Land. 525 Menschen kamen bei der Katastrophe ums Leben und die für die Trauung vorgesehene Kirche wurde schwer beschädigt.

Noch an Bord der Maschine wurde handschriftlich eine Heiratsurkunde auf einem Notizblock der Airline angefertigt. «Am 18. Januar 2018, auf dem päpstlichen Flug von Santiago nach Iquique, haben Herr Carlos Ciuffardi Elorriaga und Frau Paula Podest Ruíz den Bund der Ehe geschlossen. Der Heilige Vater Papst Franziskus hat seinen Segen gegeben», hieß es in der Urkunde.

Latam-Präsident Ignacio Cueto war der Trauzeuge. Die Eheleute, Cueto und der Papst unterzeichneten das Dokument. Zu den Eheringen sagte Franziskus, sie sollten nicht zu eng sein, weil sie sonst schmerzten, aber auch nicht zu locker, weil sie sonst abfallen könnten.

«Wir sind gerade mit Seiner Heiligkeit gelandet. Er hat uns im Flugzeug getraut. Wir sind sehr glücklich und bewegt», sagte Paula Podest nach der Ladung in Iquique. Papst Franziskus feierte dort eine Messe direkt am Pazifik vor 100.000 Gläubigen. Ehemann Carlos Ciuffardi sagte: «Wir werden diesen historischen Moment niemals vergessen. Dass uns der Papst in einem Flugzeug getraut hat, ist unglaublich.»

Die beiden Flubegleiter Carlos Ciuffardi (r) und Paola Podest küssen sich am 18.01.2018 uuf dem Flug von Santiago de Chile nach Iquique, nachdem der Papst sie getraut hatte.  Foto: Vincenzo Pinto,/AP Pool/dpa
Die beiden Flubegleiter Carlos Ciuffardi (r) und Paola Podest küssen sich am 18.01.2018 uuf dem Flug von Santiago de Chile nach Iquique, nachdem der Papst sie getraut hatte. Foto: Vincenzo Pinto,/AP Pool/dpa

Das Paar lernte sich bei der Arbeit kennen. «Unser Leben spielt sich in der Luft ab. Das Flugzeug ist unser Zuhause», sagte Carlos Ciuffardi. Er heuerte zunächst in der Presseabteilung der Fluggesellschaft Latam an. Später wechselte er in das Team der Flugbegleiter. Dort war Paula Podest seine Vorgesetzte.

«Der Papst hat mich gefragt: Nur unter uns: Ist sie immer noch deine Chefin?», erzählte Ciuffardi nach der Trauung. «Ich habe ihm geantwortet: Ja, sie ist immer noch meine Chefin.»

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Papst Franziskus beginnt Reise nach Chile und Peru http://www.condor.cl/magazin/papst-franziskus-chile-peru/ http://www.condor.cl/magazin/papst-franziskus-chile-peru/#respond Mon, 15 Jan 2018 13:06:06 +0000 http://www.condor.cl/?p=23047 In Chile trifft der Papst Vertreter der indigenen Mapuche. In Peru will er sich für die Erhaltung des Amazonas-Gebietes einsetzen. Unbekannte greifen vor seiner Ankunft Kirchen in Chile an.

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Katholisches Kirchenoberhaupt wird Montagabend in Santiago de Chile erwartet

Papst Franziskus besteigt am 15.01.2018 am Flughafen Leonardo da Vinci International in Fiumicino (Italien) sein Flugzeug. Der Papst bricht zu einer Reise nach Chile und Peru auf. Foto: Gregorio Borgia/AP/dpa
Papst Franziskus besteigt am 15.01.2018 am Flughafen Leonardo da Vinci International in Fiumicino (Italien) sein Flugzeug. Der Papst bricht zu einer Reise nach Chile und Peru auf. Foto: Gregorio Borgia/AP/dpa

In Chile trifft der Papst Vertreter der indigenen Mapuche. In Peru will er sich für die Erhaltung des Amazonas-Gebietes einsetzen. Unbekannte greifen vor seiner Ankunft Kirchen in Chile an.

 

Rom/Santiago de Chile (dpa) – Papst Franziskus ist zu seiner sechsten Reise nach Lateinamerika aufgebrochen, die ihn nach Chile und Peru führen soll. Um 8.55 Uhr am Montag hob der Papstflieger am Flughafen Fiumicino bei Rom ab. Franziskus wird um 20.10 Uhr (Ortszeit) in Santiago de Chile erwartet.

Im Fokus der 22. Auslandsreise des Pontifex stehen Begegnungen mit Indios und Migranten. In Chile trifft Franziskus Vertreter der Mapuche-Indianer, die seit Jahren für die Rückgabe ihrer Ländereien kämpfen. Außerdem will er mit zwei Opfern der Pinochet-Zeit zusammenkommen und in Santiago de Chile ein Armenheim der Kirche besuchen.

In Chile wurden am Wochenende mehrere Brandanschläge gegen Kirchen verübt, bei denen nur geringer Sachschaden entstand. Auf Flugblättern an den Tatorten wurde der Kampf der Mapuche um Ländereien unterstützt und die katholische Kirche angeprangert. Rund 9.000 Sicherheitskräfte sind beim Besuch des Papstes in Santiago de Chile im Einsatz: in der nordchilenischen Stadt Iquique und in Temuco, im Süden des Landes.

Vor Hunderttausenden Gläubigen wird der Papst im Laufe der einwöchigen Reise eine Reihe von Messen feiern. Er wird Perus Präsidenten Pedro Pablo Kuczynski und Chiles scheidende Staatschefin Michelle Bachelet treffen sowie mit Priestern und Seminaristen zusammenkommen.

Karte mit Reiseroute und ausgewählten Terminen des Papstes. Redaktion: C. Wiemann; Grafik: A. Rigamonti

In Peru besucht der Papst von Donnerstag bis Sonntag Lima, das Departement Madre de Dios im Amazonasgebiet, wo illegaler Bergbau die Lebensgrundlage der Indios zerstört, und die nordperuanische Küstenstadt Trujillo.

«Die Kultur des Ausschließens hat immer mehr von uns Besitz ergriffen. Ich will an eurer Freude, eurer Trauer, euren Problemen und Hoffnungen teilhaben. Ich will euch sagen: Ihr seid nicht allein, der Papst ist bei euch», sagte Franziskus in einer Videobotschaft vor Reisebeginn.

«Keine Reise des Papstes ist frei von Schwierigkeiten. Aber die, die Franziskus heute nach Chile und Peru antritt (…), bringt besondere Herausforderungen mit sich», kommentierte am Montag die Zeitung «El Mundo». Die Kirche steht in Lateinamerika unter Druck, Konkurrenz machen ihr vor allem evangelikale Protestanten.

Mehrere Tausend Argentinier reisten am Wochenende über die Anden nach Chile, um den Besuch ihres Landsmannes an der Spitze der katholischen Kirche mitzuerleben. Franziskus hat es seit seiner Amtseinführung bislang vermieden, sein Heimatland zu besuchen.

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Papst Franziskus – Leben und Wirken eines Gottesmannes http://www.condor.cl/magazin/papst-franziskus-leben/ http://www.condor.cl/magazin/papst-franziskus-leben/#respond Mon, 15 Jan 2018 12:25:58 +0000 http://www.condor.cl/?p=23041 Am 13. März 2013, nach dem fünften Wahlgang hinter verschlossenen Türen, erhielt Kardinal Jorge Mario Bergoglio die zur Papsternennung nötige Zweidrittelmehrheit der Stimmen. Der Argentinier nahm die Wahl an und entschied sich für den Namen Franziskus, im Gedenken an den Heiligen Franz von Assisi. Mit Bergoglio übernahm zum ersten Mal ein Amerikaner und ein Angehöriger des Jesuitenordens das hohe Amt.

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Erster Amerikaner und Angehöriger des Jesuitenordens als katholisches Oberhaupt

Der Argentinier Jorge Mario Bergoglio wurde 2013 zum Papst gewählt.
Der Argentinier Jorge Mario Bergoglio wurde 2013 zum Papst gewählt.

 

Am 13. März 2013, nach dem fünften Wahlgang hinter verschlossenen Türen, erhielt Kardinal Jorge Mario Bergoglio die zur Papsternennung nötige Zweidrittelmehrheit der Stimmen. Der Argentinier nahm die Wahl an und entschied sich für den Namen Franziskus, im Gedenken an den Heiligen Franz von Assisi. Mit Bergoglio übernahm zum ersten Mal ein Amerikaner und ein Angehöriger des Jesuitenordens das hohe Amt.

 

Von Walter Krumbach

Die Wahl löste weltweit Erstaunen aus. Zwar hatten seine beiden Vorgänger die Tradition unterbrochen, der Papst müsse Italiener sein, aber ein Pontifex Maximus aus Argentinien stellte doch eine bedeutende Überraschung dar.

Im argentinischen Regierungspalast herrschte alsbald allgemeine Bestürzung. Während der Amtszeit von Präsident Néstor Kirchner und später von dessen Frau Cristina Fernández hatte Bergoglio sich entschieden gegen die Eheschließungen gleichgeschlechtlicher Paare und Abtreibungen ausgesprochen. 2004 warf er in einer Predigt Néstor Kirchner «Exhibitionismus» vor. Als im Jahre 2008 die Agrarunternehmer Argentiniens streikten, führte der Kardinal mit Vertretern der Bauern Besprechungen, worauf er die Präsidentin aufforderte, «eine großzügige Geste» zu vollführen, um den Konflikt zu entspannen, womit er sich erneut mit Cristina anlegte.

Bei seinem Amtsantritt war Cristina zugegen. Die Begrüßung war höflich-distanziert. Die Präsidentin trug ein hochelegantes schwarzes Kleid, eine schicke Kopfbedeckung und schüttelte ihrem Landsmann wiederholt die Hand, während sie auf Franziskus einredete. Am 18. März 2013, fünf Tage nach seiner Wahl, empfing er sie zur Audienz. Während des 20-minütigen Gesprächs und dem darauffolgenden Mittagessen bat Cristina Fernández den Papst, seinen Einfluss geltend zu machen, um mit dem Vereinten Königreich einen Dialog über die diplomatische Krise in Bezug auf die Souveränität der Falklandinseln anzubahnen.

    

Schüler von Carlos Aldunate Lyon

Jorge Mario Bergoglio, Jahrgang 1936, wuchs als ältestes von fünf Kindern in Buenos Aires in einer katholischen Familie auf.

Mit 21, im Jahr 1957, entschied er sich für die Priesterlaufbahn und trat in das Seminar der Stadtgemeinde Villa Devoto ein. Nach zwei Jahren als Jesuiten-Noviziat beendete er sein Studium im Jesuitenjuniorat von Santiago de Chile. Sein Lehrmeister war der herausragende Vertreter der charismatischen Bewegung innerhalb der katholischen Kirche, Carlos Aldunate Lyon.

Zwischen 1964 und 1966 unterrichtete er an zwei Schulen in Buenos Aires Psychologie und Literatur.

Von 1967 bis und 1970 studierte er Theologie. Eine prägende Persönlichkeit war für ihn in diesem Lebensabschnitt der Jesuit Juan Carlos Cannone, Gründer der «Filosofía de la liberación» («Philosophie der Befreiung») und der «Teología del pueblo» («Volkstheologie»), die Bergoglios Weltanschauung tief beeinflussen sollten. Im Dezember 1969, mit knapp 33, wurde er als Priester ordiniert. Sein Tertiat, die dritte und letzte Prüfungszeit eines Jesuiten, absolvierte er in Spanien.

 

Provinzial des Jesuitenordens

Von 1973 bis 1979 übte er das Amt des Provinzials der argentinischen Provinz des Jesuitenordens aus. Von 1980 bis 1986 war er Rektor der Theologischen Fakultät von San Miguel. 1986 reiste er nach Deutschland, um an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen (Frankfurt am Main) zu promovieren. Seine Dissertation ließ er unvollendet.

Bergoglios Verhalten während der argentinischen Militärdiktatur ist umstritten. Zum einen wird er beschuldigt, zwei Priesterkollegen den Behörden ausgeliefert zu haben, und zum anderen heißt es, er habe sich für ihre Freilassung eingesetzt. Ebenso wurde ihm vorgeworfen, er habe vom Raub Neugeborener gewusst, ohne etwas dagegen zu unternehmen.  

1992 ernannte Johannes Paul II. Bergoglio zum Weihbischof von Buenos Aires und zum Titularbischof von Auca. Im Februar 1998 trat er die Nachfolge von Kardinal Quarrancino, des verstorbenen Erzbischofs von Buenos Aires, an.

 

Der Fall Podestá

2001 besuchte er, als einziger katholischer Amtsträger, den ehemaligen Bischof Jerónimo José Podestá. Der Todkranke hatte sich für die Schließung von Priesterehen und Frauenordinationen eingesetzt. Zudem hatte er mit seinen regimekritischen Äußerungen einigen Staub aufgewirbelt. Seine Haltung hatte zur Suspendierung von allen seinen kirchlichen Ämtern geführt. Nach Podestás Tod war Bergoglio wiederum der einzige Vertreter der katholischen Kirche, der die Verdienste des einstigen Bischofs öffentlich würdigte.

Während der schweren Wirtschaftskrise im Jahr 2001 setzte der Erzbischof sich für den sozialen Wiederaufbau ein. Er unterzog die damals aktuellen Konzepte wie Globalisierung und freie Marktwirtschaft harscher Kritik, setzte sich entschieden für das verarmte Volk ein und beeindruckte durch seinen bescheidenen Lebensstil.

 

Kardinal

Im Februar 2001 ernannte Johannes Paul II. Bergoglio zum Kardinal. Im November 2005 wählte die argentinische Bischofskonferenz ihn für drei Jahre zu ihrem Vorsitzenden. 2008 bestätigte sie ihn für eine weitere Amtszeit.

Während der fünften Generalversammlung des CELAM (Rats aller Bischöfe von Lateinamerika und der Karibik) in Aparecida (Brasilien) leitete er die Abfassung des Schlussdokuments, in dem es heißt: «Wir leben im Teil der Welt mit der größten Ungleichheit, der am meisten gewachsen ist und das Elend am wenigsten verringert hat. Die ungerechte Verteilung der Güter dauert an und hat eine Situation der sozialen Sünde entstehen lassen, die zum Himmel schreit und die Möglichkeiten eines erfüllteren Lebens für so viele unserer Brüder begrenzt.»

 

Frischer Wind im Vatikan

Der als medienscheu und wortkarg bekannte Franziskus führte schon kurz, nachdem er den Thron Petri bestiegen hatte, drastische Reformen durch. Den fünf Kardinälen, die die Vatikanbank verwalteten, kürzte er den Jahreszuschuss sowie die Sondergratifikationen für Vatikanangestellte zum Pontifikatswechsel. Er feuerte Nunzio Scarano, der die Güterverwaltung des Apostolischen Stuhls leitete und wegen Geldwäsche- und Korruptionsverdachts verhaftet worden war. Er beauftragte ein Finanzberatungsunternehmen, sämtliche Kundenkontakte der Vatikanbank auf Geldwäsche zu untersuchen.

Ferner ließ Franziskus verlauten, die Evangelisierung setze «apostolischen Eifer» und «kühne Redefreiheit» voraus, damit «die Kirche aus sich selbst herausgeht». Er kritisierte die «kirchliche Selbstbezogenheit» und den «theologischen Narzissmus». Es sei die Aufgabe der Kirche, das Evangelium zu verkündigen, denn Jesus Christus selbst bewege sie dazu.

Franziskus Hauptsorge ist nach wie vor die Bekämpfung der sozialen Ungleichheit. In seinem Lehrschreiben «Evangelii Gaudium» («Freude am Evangelium») nimmt er unmissverständlich zur freien Marktwirtschaft Stellung: «Diese Wirtschaft tötet.» Anschließend bekräftigt er seine Auffassung mit vier verneinenden Aussagen: «Nein zu einer Wirtschaft der Ausschließung», «nein zur neuen Vergötterung des Geldes», «nein zu einem Geld, das regiert, statt zu dienen» und «nein zur sozialen Ungleichheit, die Gewalt hervorbringt.»

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Papst Franziskus besucht Chile http://www.condor.cl/magazin/papst-franziskus-chile/ http://www.condor.cl/magazin/papst-franziskus-chile/#respond Fri, 12 Jan 2018 16:32:24 +0000 http://www.condor.cl/?p=23031 Drei Städte wird Papst Franziskus während seiner apostolischen Reise nach Chile zwischen dem 15. und dem 18. Januar besuchen: Santiago, Temuco und Iquique.

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Katholisches Kirchenoberhaupt aus Rom wird am 15. Januar erwartet

Papst Franzikus ist nach Johannes Paul II. das zweite Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche, das chilenischen Boden betritt.
Papst Franzikus ist nach Johannes Paul II. das zweite Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche, das chilenischen Boden betritt.

 

In Santiago sind Zusammenkünfte mit der Staatspräsidentin Michelle Bachelet, sowie mit dem Diplomatischen Corps vorgesehen. Im Parque O’Higgins wird Franziskus Messe halten, danach ein Frauengefängnis besuchen, sich mit Geistlichen treffen und die Weihestätte des Paters Alberto Hurtado besichtigen.

In Temuco hält der Papst am 17. eine Messe auf dem Flughafen Maquehue ab. Anschließend wird er sich mit Araukanern zu einem gemeinsamen Mittagessen treffen. Am gleichen Nachmittag erfolgt die Rückreise nach Santiago, nach der Franziskus auf der Weihestätte in Maipú eine Zusammenkunft mit Jugendlichen haben wird. Am Abend wird er der Pontificia Universidad Católica de Chile einen Besuch abstatten.
Für den 19. ist seine Reise nach Iquique vorgesehen. In der nördlichen Stadt wird Franziskus auf dem Campus Lobito eine Messe zelebrieren. Anschließend steht ein gemeinsames Mittagessen in der Casa de Retiro del Santuario de Nuestra Señora de Lourdes mit dem päpstlichen Gefolge auf dem Programm. Danach begibt der Gast sich auf den Flughafen, um gegen 17 Uhr in Richtung Lima abzufliegen.

800.000 Argentinier zu Papst-Besuch in Chile

Zum sechsten Mal reist Papst Franziskus nach Lateinamerika, zum sechsten Mal nicht in sein Heimatland nach Argentinien. Daher wird sich eine «Blechlawine» über die Anden nach Chile in Bewegung setzen.

 

Buenos Aires (dpa) – Die argentinischen Grenzbehörden rechnen mit bis zu 800.000 Gläubigen, die zum Besuch von Papst Franziskus Mitte Januar über die Anden in das Nachbarland Chile pilgern werden. Das teilte die Provinzregierung von Mendoza mit. Es würden zur Bewältigung des Ansturms von Autos und Bussen entlang der Strecke sieben Gesundheitsposten errichtet, 300 Polizisten seien im Einsatz.

Auch auf seiner sechsten Lateinamerikareise besucht der Papst nicht sein Heimatland Argentinien. Vom 15. bis 18. Januar ist er im benachbarten Chile und feiert mehrere Messen, danach bis zum 21. Januar in Peru. Es wird erwartet, dass ein Thema auch die schwierige Lage der indigenen Minderheiten sein wird. In Chile kämpfen die Mapuche für eine Landrückgabe, in Peru fühlen sich Ureinwohner im Amazonasgebiet durch die dramatische Zunahme illegaler Goldminen und damit verbundene Verseuchung von Flüssen in der Existenz bedroht.

Vor 60 Jahren war der heute 81 Jahre alte Jorge Bergoglio dem Jesuitenorden beigetreten und hatte zeitweise auch in Chile studiert (siehe Seite 16 in dieser Ausgabe). Als Papst war der frühere Erzbischof von Buenos Aires seit 2013 in Lateinamerika bisher in Brasilien, Ecuador, Bolivien, Paraguay, Kuba, Mexiko und Kolumbien – nun folgen in Kürze Peru und Chile.

Dass Franziskus einen Bogen um seine Heimat macht, dafür gibt es mehrere Mutmaßungen in Argentinien. Zum einen wolle er nicht zum Spielball der argentinischen Innenpolitik werden und von Präsident Mauricio Macri oder seiner linken Widersacherin, Ex-Präsidentin und Vorgängerin Cristina Kirchner, vereinnahmt werden. Diese war ihm als Präsidentin im Jahr 2015 sogar bis nach Kuba hinterhergereist. Zudem soll Franziskus Macri nicht verziehen haben, dass dieser als damaliger Bürgermeister von Buenos Aires keine Berufung gegen ein Urteil eingelegt hatte, mit dem die Homo-Ehe in Buenos Aires genehmigt wurde – das Erzbistum kritisierte das öffentlich. Zudem soll er einen unzureichenden Einsatz Macris für Arme kritisieren.

 

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Stadtrundgang durch das historische Zentrum von Santiago de Chile http://www.condor.cl/magazin/stadtrundgang/ http://www.condor.cl/magazin/stadtrundgang/#respond Thu, 11 Jan 2018 14:09:48 +0000 http://www.condor.cl/?p=23013 Ohne Reiseführer, aber mit viel Neugier bin ich im Zentrum Santiagos auf Entdeckungstour gegangen.

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Entdeckungstour ohne Reiseführer, aber mit viel Neugier

Reste der Festungsanlagen auf dem Cerro Santa Lucía im historischen Zentrum von Santiago de Chile
Reste der Festungsanlagen auf dem Cerro Santa Lucía im historischen Zentrum von Santiago de Chile

 

Von Michael Köbrich

Den Anfang meiner Laufstrecke machte ich beim zentral gelegenen Cerro Santa Lucia. Laut Gemeindeinfo der meistbesuchte Park in Santiago. Der Name bezieht sich auf eine blinde Heilige.

Der Santa Lucía, eine künstlich angelegte Grünfläche im Stadtkern, ist nicht sehr groß und leicht überschaubar. Ein guter Start ergibt sich von der Alameda Bernardo O´Higgins aus, wo sich ein schönes Barockportal mit dem prunkvollen Neptunspringbrunnen befindet. Auf diesem Berg wurde Santiago vor weniger als 500 Jahren vom spanischen Eroberer Pedro de Valdivia gegründet (1541).

Dieser Ort war für lange Zeit nur eine unbeachtete Felsgruppe, die die östliche Grenze der Stadt festsetzte. Auf der Spitze befand sich eine kleine Festung mit Verteidigungsanlagen aus den Jahren der Freiheitskämpfe gegen die spanische Krone. Diese mussten aber nie eingesetzt werden und sind heute noch teilweise erhalten.

Dieses Panorama änderte sich Ende des 19. Jahrhundert, als ein junger und tatkräftiger Bürger dieser Stadt, später auch angesehener Politiker und Stadtgouverneur, Benjamín Vicuña Mackenna, diesen verachteten Ort mit viel Aufwand und persönlichem Engagement in einen Park im französischem Stil verwandelte. Die Stadtmodernisierung war fällig und die feine Gesellschaft jener Zeit brauchte ein Standort für ihren Zeitvertreib.

Der Anfang um 1870 war sehr aufwändig, da Sträflinge viel Erde anschaffen mussten, um die vielen Felsen und Brocken aufzufüllen. Heutzutage findet man einen gepflegten Hügelpark mit viel Grün vor: Verschiedene Baumarten, Büsche und Blumenbeete, aber auch viele Treppen und Spazierwege, auf denen man bis zur Spitze hochlaufen kann, wo man in ungefähr 80 Meter Höhe auf die Reste der kleinen Festung stößt. Wenn die Luftverschmutzung nicht zu stark ist, wird man mit einer guten Aussicht auf Santiago belohnt.

Auf halber Höhe befindet sich die Caupolicán-Terrasse, ein ausgedehnter Aufenthaltsplatz, wo es auch einmal ein Café und Restaurant gab. Dieser Platz sollte von den Damen der Oberschicht leicht zu erreichen sein, weshalb ein Spazierweg ohne Stufen angelegt wurde, um die langen und empfindlichen Kleider zu schützen. Der «Subida Las Niñas» ist aber momentan nicht zugänglich, da er vom letzten Erdbeben stark beschädigt wurde.

 

Kanonenknall und alte Gräber

Es gibt noch andere Sehenswürdigkeiten wie das Castillo Manuel Hidalgo, eine alte Kaserne, früher auch eine Haftanstalt und bis vor zwei Jahren ein Eventcenter. Es ist leider nicht zu besichtigen. Hier muss die Stadtgemeinde über die Zukunft dieser Einrichtung eine Entscheidung treffen: entweder ein Stadtmuseum oder Restaurant. Übrigens: Sogar eine Sternwarte gab es hier oben einmal.

Einzigartig ist der tägliche 12-Uhr-Kanonenknall! Aus Umweltgründen wurde er gelegentlich eingestellt, doch diejenigen, die ihn abschaffen wollten, haben letztlich auch ein Wiedereinstellen gefordert. Es ist schon eine laute Gewohnheit, nach der man die Uhr stellen kann. So etwas ist im Digitalalter nicht mehr nötig, doch vor 100 Jahren, schien es angebracht zu sein.

Besonders aufgefallen sind mir auch zwei Denkmäler. Auf beiden sind klassische Frauenfiguren zu erkennen. Unter alten Akazien und Pfefferbäumen auf der Ostseite des Berges erkennt man eine dieser Statuen als den «Heimatlosen und Ungläubigen» gewidmet. Auf den ersten Blick scheint das nichts Sonderbares zu sein, doch hier wurden auch einige Protestanten – «Seelenlose» in der damaligen Zeit – und alle, die in Ungnade gefallen waren, unrechtsmäßig begraben. Für sie gab es seitens der katholischen Kirche kein Platz auf dem öffentlichen Stadtfriedhof Cementerio General. Bei Renovierungsarbeiten des Santa Lucía sind auf dieser Bergflanke auch mehrere Gräber gefunden worden.

Auf der Plakette des zweiten Frauendenkmals, das sich auf der Südostseite längs der Alameda B. O`Higgins befindet, kann man Folgendes lesen: «Dankspende des Deutschen Volkes 1951» (auf Spanisch: Tributo de Gratitud del Pueblo Alemán). Schwer zu erfahren, um was für eine Dankspende es hier ging.

Außergewöhnlich und nicht zu übersehen ist die Statue, die dem heldenhaften Mapuche-Häuptling Caupolicán gewidmet ist. Er sieht aber ganz wie ein Mohikaner aus, der gar nicht in die chilenische Geschichte passt und eher eine Beleidung für diese Volksgemeinschaft ist. Ein unglaublicher Fehler, der heute wohl den Wenigsten auffällt. Ein Fremdenführer behauptete sogar, dass man im Central Park von New York angeblich die gleiche Statue finden kann.

Stolzer Mapuche-Krieger oder Mohikaner-Abklatsch? Caupolicán-Statue auf dem Cerro Santa Lucía
Stolzer Mapuche-Krieger oder Mohikaner-Abklatsch? Caupolicán-Statue auf dem Cerro Santa Lucía

Auch der spanische Eroberer Pedro de Valdivia ist hier aufgestellt. Sein Gesicht fällt nicht besonders auf, doch nach geschichtlichen Recherchen gibt es von ihm weder Porträt noch sonstige Beschreibungen. Es wurde ihm schlicht und einfach das Gesicht vom Don Quijote zugefügt, eine Hauptfigur der spanischen Literatur.

 

Das Barrio Lastarria

Vom Nordeingang aus (Straße Merced Ecke José Manuel de la Barra) laufe ich weiter in Richtung Osten, um zum benachbarten Viertel Barrio Lastarria zu gelangen.

Dieses Künstlerviertel besteht aus einer etwas ruhigeren Hauptstraße (Jose Victorino Lastarria), die sich von der Alameda B. O´Higgins bis nach Merced erstreckt und zum Teil auch Fußgängerzone ist, plus ein paar Querstraßen, in die man hineinschauen sollte, um versteckte Cafés zu finden. Man bewegt in einer Umgebung mit anregenden Restaurants und Kneipen.

Im Mittelpunkt der Nachbarschaft befindet sich die Kirche Iglesia de la Vera Cruz, eine moderne Kunstgalerie (Mavi), das Kino «El Biógrafo» und der Platz Pintor Mulato Gil de Castro. Ein Trödelmarkt mit viel Sammelsurium ist auch an einigen Tagen präsent.

Cafés, Restaurants und ein wenig Bohème-Flair: das Barrio Lastarria in Santiago de Chile
Cafés, Restaurants und ein wenig Bohème-Flair: das Barrio Lastarria in Santiago de Chile

Die Fassaden und Häuser vermischen Stile und Bauarten. Etwas französischer Stil, ein Hauch von Neoklassik und die Moderne aus den 60er Jahren. Ein namhafter Architekt früherer Jahre, Luciano Kulsewski, hat auch mehrere Häuser in Lastarria entworfen. Sie sind unverkennbar und verschönern den Anblick. Hier lohnt sich unbedingt ein abendlicher Bummel, um das lockere Ambiente zu genießen. Und wenn es mal zu spät werden sollte, gibt es auch genügend Hotels in der Gegend.

Zurzeit wird an einigen Ecken das Straßenpflaster renoviert, was das Schlendern etwas erschwert. Auffällig sind Plakate, die an verschiedenen Wohnungen hängen und um die notwendige Nachtruhe plädieren! (Gracias por bajar el volumen; vecinos descansando!) Fazit: Wir leben in einer lauten und rücksichtslosen Stadt!

Gleich nebenan in Sichtweite liegt das Centro Cultural Gabriela Mistral, von Lastarria schnell zu erreichen. Dieses ist das größte Kulturzentrum der Hauptstadt, wo es ständig was zu sehen, zu hören und zu kosten gibt. Bekannt unter der Abkürzung GAM sind andauernd Ausstellungen zu bewundern. Hier wird demnächst ein beachtliches Theater eingeweiht, ein neues Kulturgut für die Metropole, die schon einiges auf diesem Gebiet vorzeigen kann.

 

Der Parque Forestal

Von Lastarria gelange ich schnell zum bekannten Parque Forestal Rubén Darío, ein bedeutender Dichter aus Nicaragua, der auch in Chile gelebt und geschrieben hat. Diese Grünfläche dehnt sich von Plaza Italia bis zum Knotenpunkt Estación Mapocho aus und ist circa zwei Kilometer lang und breit genug, um sich dort angenehm aufzuhalten und dem Stadtlärm zu entrinnen.

Auf Höhe der José M. de la Barra liegt das Nationale Museum der Schönen Künste, auf Spanisch Museo de Bellas Artes, ganz im französischen Stil gebaut. Es gleicht in verkleinerter Kopie dem Petit Palais Museum in Paris. Hier gab es sogar einen Teich, der gut in den Park passte, aber wegen Verschmutzung das Jahrhundert nicht überlebte. So ein übler Mief hat nicht in diese schicke Umgebung gepasst, in der heute die vielen Art-déco-Gebäude renoviert wurden und gepflegt aussehen. Dieses Viertel ist eine gehobene Wohngegend.

Das Museo de Bellas Artes im Parque Forestal
Das Museo de Bellas Artes im Parque Forestal

Von der José Manuel de la Barra gelangt man auf die nahe gelegene Straße Mosqueto. Hier fällt eine groß bemalte Fläche mit einem kunstvollen Frauenporträt ganz besonders auf. Am Eingang zur Metro-Station Bellas Artes beeindrucken auch zwei bunte Grafittigesichter als Ausdruck von Straßenkunst.

 

Die Plaza de Armas

Ich ziehe weiter in Richtung Stadtzentrum zur Plaza de Armas, ein «Waffenplatz» aus der spanischen Gründerzeit, zu Fuß nicht weit entfernt vom Santa Lucía. Es ist der zentrale Treffpunkt der Metropole, umringt von Kathedrale, Rathaus, Postgebäude und ein Museum für Landesgeschichte.

Renovierungsbedürftige Arkadengallerien voll mit Imbissbuden und sonstigen Billigläden ergänzen den Rahmen dieses Ortes. Hier nimmt auch in Richtung Süden die erste Fußgängerzone Santiagos aus den 70er Jahren ihren Anfang, der Paseo Ahumada, eine Akazienallee. Viele belebte und interessante Galerien mit einer Vielfalt von Läden liegen zur linken und rechten Hand.

Keimzelle der spanischen Kolonisationszeit: die Plaza de Armas; im Hintergrund die Kathedrale
Keimzelle der spanischen Kolonisationszeit: die Plaza de Armas; im Hintergrund die Kathedrale

In diesem Umkreis tummeln sich viele Menschen aus anderen Ländern, lebhaft, laut und gesprächig; eine Atmosphäre als ein Ergebnis einer steigenden Migration nach Chile. Die Gesellschaft wandelt sich, und das ist ein unbestrittenes Zeichen dieser Zeit. So etwas spiegelt sich im Stadtbild wider, und so entsteht zum Beispiel «Klein Lima», eine Welt für sich gleich neben der Kathedrale. Hier ist alles zu finden, was diese Landesbürger benötigen, wie zum Beispiel eine schnelle Zahnbehandlung bis zu billigen Flugtickets nach Peru. Ein reichhaltiges Gastroangebot gehört auch dazu.

Die Kathedrale und benachbarte historischen Gebäude sind immer zu besichtigen, und ein Blick ins Innere lohnt sich genauso wie ein amüsanter Plazatrip. Ganz in der Nähe befindet sich auch das gut erhaltene neoklassische Gebäude des ehemaligen Landesparlament, der Congreso Nacional, ein stilvoller, Bau der an die ersten Jahre der Republik erinnert.

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Zu Gletschern und Walen am Ende der Welt http://www.condor.cl/magazin/parque-francisco-coloane/ http://www.condor.cl/magazin/parque-francisco-coloane/#respond Tue, 09 Jan 2018 18:56:35 +0000 http://www.condor.cl/?p=22997 Im südchilenischen Parque marino Francisco Coloane kann der Besucher hautnah Meeresriesen beobachten und dabei ein Whiskey mit Gletschereis genießen.

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Ganz im Süden von Chile: Erlebnistour in der Magellanstraße

Magellanstraße, Chile: Wände mal nicht aus Beton, sondern aus beeindruckenden Eismassen.
Magellanstraße, Chile: Wände mal nicht aus Beton, sondern aus beeindruckenden Eismassen.

 

Im südchilenischen Parque marino Francisco Coloane kann der Besucher hautnah Meeresriesen beobachten und dabei ein Whiskey mit Gletschereis genießen.

 

Von Fritz Meinardus

Die Reise beginnt in Punta Arenas, wo wir nachmittags von unserem Hotel abgeholt werden. Die Fahrt geht nach Süden in Richtung Fuerte Bulnes, vorbei an einer endlosen Reihe alter, ausgedienter Fischkutter. Nach 50 Kilometer erreichen wir den Ankerplatz der «Forrest». In Schlauchbooten werden wir an Bord gebracht und mit einem Willkommenstrunk empfangen.

Bald wird der Anker gelichtet. Es geht die Magellanstraße entlang, vorbei am südlichsten Punkt des Kontinents, dem Kap Froward. In der Abenddämmerung ist noch das Kreuz zu erkennen, das dort auf hohem Fels steht. In der Nacht rattert irgendwann die Ankerkette und der Motor wird abgestellt. Die «Forrest» ist ein älterer Kahn, Baujahr 1967 aus Schottland, verkehrte ehemals bei den Falkkandinseln. Der Motor ist noch der ursprüngliche. Die Inneneinrichtung ist bequem und modernisiert, Verpflegung und Bedienung sehr gut. 20 Passagiere haben Platz, wir sind nur 12 Personen.

 

Whiskey mit Gletschereis

Am nächsten Morgen sehen wir bald die Fontäne eines Wales. Es geht jedoch zunächst in einen Fjord der Insel Santa Inés hinein, an dessen Ende zwei Gletscher ins Meer münden. Wir treffen auf die ersten Eisschollen und sehen die Gletscher vor uns, eingerahmt von hohen Bergen. Nach einem trüben Morgen kommt die Sonne durch und lässt das Eis besonders blau leuchten.

Mit dem Schiff geht es durch die Magellanstraße zum Parque Marino Franciso Coloane, wo Wale beobachtet werden können.
Mit dem Schiff geht es durch die Magellanstraße zum Parque Marino Franciso Coloane, wo Wale beobachtet werden können.

Der Eindruck der Eismauer ist gewaltig. Es kracht, eine Welle kommt bis an das Schiff heran. Am kleineren Gletscher werden wir ausgebootet und können uns vor dem Eis die Füße vertreten. Tradition ist, einen Whisky mit Gletschereis zu trinken, was wir uns natürlich nicht nehmen lassen.

Es geht danach zurück in breiteres Gewässer. An den Steilhängen des Fjords nisten unzählige Kormorane. Zwei Kondore sitzen auch da und erheben sich, als wir uns ihnen nähern.

 

Erkennungsmerkmal Schwanzflosse

Der Nachmittag wird der Walbesichtigung gewidmet. Der Kapitän steuert geduldig viele Runden, um ihnen möglichst nahe zu kommen. Es sind Buckelwale, die wir hier antreffen. Sie werden bis zu 18 Meter lang und 20 Tonnen schwer. Sie kommen von weit her, aus dem Pazifik vor Ecuador, Kolumbien oder Panama. Die meisten ziehen bis in die Antarktis, wo sie reichlich Nahrung vorfinden. Einige sparen sich den weiteren langen Weg und bleiben hier am Südzipfel des Kontinents.

Auf ihrem Weg von Ecuador und Kolumbien ziehen die Wale am Südzipfel des amerikanischen Kontinents vorbei.
Auf ihrem Weg von Ecuador und Kolumbien ziehen die Wale am Südzipfel des amerikanischen Kontinents vorbei.

Ihr Auftauchen wird durch eine hohe, sprühende Fontäne und einem fauchenden Geräusch angekündigt. Nach wenigen Atemzügen tauchen sie wieder ab. Dabei machen sie einen Buckel, daher ihr Name. Die Schwanzflosse (Fluke) kommt dann ganz aus dem Wasser. Bei jedem Wal sieht sie verschieden aus und dient als Erkennungsmal. Der Reiseführer zeigt uns ein Album mit Bildern von über 80 Fluken.

 

Ein Festschmaus für Tiere

Die «Forrest» macht nicht nur Touristenfahrten, sondern wird auch zur Meeresforschung angeheuert. Das Gebiet ist geschützt durch Fangverbot. Es gehört zum Seepark Francisco Coloane. Neben uns, auf der Insel Carlos III, steht eine Hütte mit einem Beobachtungsplatz für Wale. Es treffen sich hier Strömungen des Pazifiks mit denen des Atlantiks und bilden starke Wirbel, die Nahrung mitbringen. Ein Sardinenschwarm in unserer Nähe lockt die verschiedensten Seevögel an, ein unglaubliches Spektakel beginnt. Kormorane, Skuas, Albatrosse, Petreles und Magellanpinguine halten einen Festschmaus.

Noch in der Nacht fährt die «Forrest» zurück und geht an unserem Ausgangspunkt vor Anker. Nach dem Frühstück an Bord werden wir an Land gebracht.

Unser Aufenthalt in Punta Arenas endet mit Stadt- und Museumsbesuchen. Da gibt es viel zu sehen und zu erfahren, zum Beispiel im Museo Naval eine Seekarte, in der die über 150 gestrandeten und gesunkenen Schiffe um Kap Hoorn und in der Magellanstraße verzeichnet sind. Oder das Freilichtmuseum de la Patagonia, der ungewöhnlich prächtige Friedhof, die Nachbauten der bekanntesten Schiffe der Entdeckungsfahrten der Gegend, von Magellan bis Shackleton.

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Rapa Nui – wirklich der Nabel der Welt? http://www.condor.cl/magazin/osterinsel/ http://www.condor.cl/magazin/osterinsel/#respond Sat, 06 Jan 2018 14:53:58 +0000 http://www.condor.cl/?p=22978 Drei bis vier Tage seien genug, sagten alle. Aber man müsse unbedingt einmal dort gewesen sein. Recht hatten sie. Cóndor-Reporter Enno von Schirmeister berichtet über die Osterinsel.

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800 Moais, der Manu-Tara-Kult und weitere ungelöste Rätsel auf der Osterinsel

Der Ahu Tongariki auf der Osterinsel: Unter den 15 Moais befindet sich die mit 86 Tonnen schwerste Steinfigur, die die Rapa Nui jemals errichteten.
Der Ahu Tongariki auf der Osterinsel: Unter den 15 Moais befindet sich die mit 86 Tonnen schwerste Steinfigur, die die Rapa Nui jemals errichteten.

 

Drei bis vier Tage seien genug, sagten alle. Aber man müsse unbedingt einmal dort gewesen sein. Recht hatten sie.

 

Von Enno von Schirmeister

Egal ob am oder der Nabel der Welt oder von der Welt abgenabelt – die Osterinsel ist einmalig, und wer sie nie besucht hat, hat etwas verpasst. Ein voller DreamLiner fliegt täglich in fünf bis sechs Stunden von Santiago de Chile über den Pazifik, oben Touristen, unten im Cargo-Bauch alles, was diese chilenische Insel benötigt, denn sie produziert so gut wie nichts. Außer Tourismus.

Man sollte vorher ein bisschen gelesen haben. Nicht unbedingt Thor Heyerdahls «Aku-Aku», aber dafür auf alle Fälle Jo Anne Van Tilburg («Easter Island»), die Chilenen Julio Flores («Te Pito Te Henua») und Francisco Campos Menéndez («Enigma del Pacífico») und den Deutsch-Chilenen Walter Knoche («Die Osterinsel»); von Hans Helfritz gibt es einen hübschen Bildband, für heute schon etwas veraltet (meist schwarz-weiß).
 

Vulkangestein im polynesischen Dreieck

Das dreieckige Inselchen im rechten unteren Winkel des polynesischen Dreiecks Hawaii-Neuseeland-Pascua ist nicht viel mehr als ein vulkanischer Auswurf, ursprünglich schwarzes Lavagestein, über das der Tourist noch heute laufend stolpert, wenn er querbeet den «Pascuologen» folgt, die ihm in recht verständlichem Englisch zu erklären versuchen, was sich hier im Laufe von rund 12 Jahrhunderten abgespielt hat. Wer ihnen wie ich mit 99 Fragen folgt, kehrt zum Schluss mit hundert Fragen zurück.

Angefangen mit den Moais. Über 800 Stück, wie riesige Lego-Steine, einige bis zu 20 Meter groß und über 80 Tonnen schwer, alle aus ein und demselben Steinbruch kommend, mit der Sauberkeit eines Kirchen-Steinmetzes ausgearbeitet und poliert, mit einem hervorstehen Kinnn wie Nick Knatterton und tiefliegenden Augenhöhlen, mit hervorstehenden Brustwarzen und langen Fingern, mit individuellen Petroglyphen auf dem Rücken wie ein modernes ID, mit wenigen Ausnahmen an allen drei Küsten des Dreiecks aufgereiht und dann eines Tages umgeworfen, mit dem Gesicht nach unten nach dem Motto «Schämt euch, ihr habt uns verraten».
 

Lego-Monster auf der Osterinsel

Was hatten die Einwohner für Werkzeuge außer Steinen, Obsidian und Muscheln? Wie haben sie diese Lego-Monster und später noch die teilweise dazu gehörigen Vulkansteinhüte (Pukao) über Land transportiert und aufgerichtet?

Alle Forscher scheinen von runden Baumstämmen auszugehen, die einen rollenden Untergrund wie bei einem Panzer gebildet haben sollen. Schön und gut, hatten sie zur entsprechenden Baumbearbeitung etwa Äxte und Sägen? Haben sie vielleicht nach kurzer Landstrecke die riesigen Götter oder Götzen per Floß an der Küste entlang verfrachtet, die übrigens an keiner einzigen Stelle einen Hafen zulässt? Viele Fragen…

Nach den gestürzten Moais kam der Manu-Tara-Kult. Es ging um das An-Land-Bringen des erst gelegten Eies des Seevogels gleichen Namens, der übrigens die Insel längst verlassen hat. Überhaupt sieht man kaum Seevögel; an Land ein paar Bussarde, einige Diucas und Rebhühner. Wilde Pferde nehmen überhand, einige Milchkühe grasen und kämpfen sich durch die struppigen Lupinen, die inzwischen trotz Parque Nacional die Insel als Unkraut zu überwuchern drohen.
 

Ein hübscher Menschenschlag, aber stolzer als erwünscht

Aber zurück zum Manu-Tara, zur neuen Religion nach den abgeschriebenen Moais. Auch er konnte keinen Segen bringen, und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war die Einwohnerzahl der Insel von ehemals über zehntausend (?) auf 111 Personen gesunken! Erstaunlich, dass man heute in dem Städtchen Hanga Roa von rund neuntausend Einwohnern spricht, darunter circa ein Drittel Rapa Nui, so werden die Polynesier und Mischlinge der Insel genannt. Ein hübscher Menschenschlag, aber stolzer als erwünscht.

Ihnen allein und nur ihnen gehöre die Insel, behaupten sie. Tatsächlich kann keiner Land kaufen, der nicht ihresgleichen ist. Es gibt internes Geplänkel. Die chilenische Verwaltung des Parque Nacional soll zwar ihre Arbeit tun, aber das dank Tourismus anfallende Geld soll in die Kasse der Einheimischen fließen, meinen sie.

Da scheint der Wurm im System zu sein, so hört man es unterschwellig von den Touristenführern, die so gesprächig sind wie die Taxifahrer in Santiago. Unter ihnen ist ein hübsches Mädchen, groß und schlank; es könnte ein spätes Gauguin-Model sein, Großmutter deutsch, Großvater englisch – ihr Vater ehelichte eine Rapa Nui, von der Maja ihre bronzene Hautfarbe hat. Grundschule auf der Insel, spätere Schuljahre in Santiago. Auf welcher Seite steht sie? Wieder eine der vielen unbeantworteten Fragen. Vielleicht hat Mike Rapu, der «politische Insel-Fürst», eine Antwort.

Kein Wunder, dass ein französisches Buch von der Ille des Mystères spricht – nicht zu Unrecht.

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Patagoniens überraschende Unterwasser-Schönheiten http://www.condor.cl/magazin/vreni-haeussermann/ http://www.condor.cl/magazin/vreni-haeussermann/#respond Mon, 11 Dec 2017 15:18:28 +0000 http://www.condor.cl/?p=22773 Die Biologin Dr. Vreni Häussermann, Leiterin der Forschungsstation Huinay in der X. Region, hat der Welt die verborgenen Schätze der chilenischen Fjorde gezeigt. Die Entdeckerin neuer Arten, darunter zahlreiche Seeanemonen von farbenprächtiger Schönheit, wird nun noch tiefer in die unbekannte Unterwasserwelt Patagoniens eintauchen.

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Dr. Vreni Häussermann hat mehr als 100 neue Arten in den Fjorden der X. Region entdeckt

Ein Taucher macht Fotos von Seepocken (Austromegabalanus psittacus). Der Fels ist mit dem rosa Schwamm Halisarca megallanica bewachsen, auf dem oben eine Seeanemone (Actinostola chilensis) sitzt. Foto: Fundación Huinay
Ein Taucher macht Fotos von Seepocken (Austromegabalanus psittacus). Der Fels ist mit dem rosa Schwamm Halisarca megallanica bewachsen, auf dem oben eine Seeanemone (Actinostola chilensis) sitzt. Foto: Vreni Häussermann

 

Die Biologin Dr. Vreni Häussermann, Leiterin der Forschungsstation Huinay in der X. Region, hat der Welt die verborgenen Schätze der chilenischen Fjorde gezeigt. Die Entdeckerin neuer Arten, darunter zahlreiche Seeanemonen von farbenprächtiger Schönheit, wird nun noch tiefer in die unbekannte Unterwasserwelt Patagoniens eintauchen.

 

Von Petra Wilken

Es ist nicht einfach, einen Termin mit Vreni Häussermann bei einer ihrer Santiago-Reisen zu bekommen. Seit sie im vergangenen Jahr den Rolex-Preis für Unternehmungsgeist erhalten hat, ist sie noch ausgebuchter. Der Cóndor bekommt einen Termin zwischen einem Meeting in der Moneda und einem Interview mit Canal 13.

«Der Rolex-Preis ist sozusagen der Oscar für Umweltschützer. Er ist das Größte, was man als Biologe erreichen kann, denn es gibt ja keinen Nobelpreis in dieser Disziplin», erklärt sie. Der schweizerische Uhrenhersteller Rolex vergibt seit 1978 die «Awards for Enterprise», mit denen Forschungs- und Umweltprojekte finanziert werden.

Die gelbe Acontiaria gehört zu den Arten, die von Vreni Häussermann entdeckt worden ist. Sie ist bisher noch unbestimmt. Foto: Fundación Huinay
Die gelbe Acontiaria gehört zu den Arten, die von Vreni Häussermann entdeckt worden ist. Sie ist bisher noch unbestimmt. Foto: Vreni Häussermann

Mit den Mitteln wird sie Expeditionen ermöglichen, auf denen sie einen neuen Unterwasserroboter einsetzen wird, der die Fjorde in Patagonien bis zu 500 Meter Tiefe erforschen kann. Bisher sind Häussermann und ihr Team auf konventionelle Art bis zu 30 Meter tief getaucht. Auch der Roboter wird an vielen Stellen nicht bis auf den Grund kommen: Der tiefste bekannte Punkt in den Kanälen von Patagonien ist mit 1.300 Metern im Kanal Messier südlich vom Golfo de Penas gemessen worden.  

Vielleicht wird die Fachwelt erneut mit erstaunlichen Entdeckungen überrascht werden. Denn das haben Vreni Häussermann und ihr Mann Günter Försterra bisher getan: Sie haben mit dem bislang gängigen Glauben aufgeräumt, dass die Fjorde Patagoniens artenarm seien. Ganz das Gegenteil ist der Fall. Bei ihren Forschungsarbeiten haben sie mehr als 100 neue Arten entdeckt, darunter Seeanemonen, Schwämme und Korallen, wie sie landläufig nur in tropischen oder subtropischen Gewässern vermutet würden. 60 davon sind inzwischen beschrieben, Dutzend weitere warten noch darauf, von Spezialisten benannt zu werden.
 

An der gesamten Küste Chiles getaucht

Häussermann und Försterra haben beide an der Ludwigs-Maximilians-Universität München Biologie studiert. 1994 kamen sie zum ersten Mal mit einem Austauschprogramm nach Chile an die Unversidad de Concepción. «Drei Jahre später haben wir eine Reise von Arica bis Punta Arenas gemacht und sind alle 200 Kilometer getaucht, um die Seeanemonen der gesamten Küste Chiles zu erforschen. Da haben wir festgestellt, dass die Unterwasserwelt südlich von Puerto Montt viel bunter und schöner wurde», erzählt sie ihre Geschichte.

Das Team von Häussermann auf Expedition in den chilenischen Fjordfen. Foto: Fundación Huinay
Das Team von Häussermann auf Expedition in den chilenischen Fjordfen. Foto: Vreni Häussermann

Für ihre Doktorarbeit ist Häussermann zwischen 1999 und 2001 noch dreimal nach Patagonien gekommen. Bei einer der Reisen hörte sie, dass die Forschungsstation Huinay in der Provinz Palena am Fjord Comau gebaut werden sollte. Das Projekt war zustande gekommen, weil die damalige Regierung vermeiden wollte, dass der US-amerikanische Naturschutz-Mäzen Douglas Tompkins den Fundo Huinay noch zu seinen bereits tausende von Hektar großen Parque Pumalín dazukaufen würde. So wurde die private Stiftung San Ignacio del Huinay mit dem Ziel des Schutzes der Artenvielfalt gemeinsam von der Pontificia Universidad Católica Valparaíso und Endesa gegründet. Vor Kurzem hat der italienische Stromversorger Enel Endesa übernommen und damit auch die Stiftung.  

«Unsere Expeditionen haben wir selbst organisiert und finanziert. Wir mussten monatelang im Regen zelten. Und mit Huinay hatten wir endlich ein Dach und ein Labor. Das war spektakulär. Wir haben unsere fünf Kubikmeter Ausrüstung dort untergebracht und gesagt: ‚Ihr kriegt uns nicht mehr los‘», erzählt Häussermann. Die Stiftung Huinay wollte sie auch nicht loswerden, sondern stellte die deutsche Biologin 2003 als Direktorin der Forschungsstation ein.

Fjorde gibt es in Skandinavien, an der Nordwestküste Nordamerikas, in Neuseeland und im chilenischen Patagonien. Mit mehr als 80.000 Küstenkilometern ist die chilenische Fjordlandschaft die größte weltweit. Um sich eine Vorstellung ihrer Ausbreitung zu machen: Ihre Länge würde zusammengenommen zweimal die Erde umspannen.

Die Fiona-Anemone hat Vreni Häussermann nach ihrer Tochter benannt.
Die Fiona-Anemone hat Vreni Häussermann nach ihrer Tochter benannt. Foto: Vreni Häussermann

Wie ist es möglich, dass erst jetzt ihre hohe und einzigartige Biodiversität entdeckt wird? «Früher sind Forschungsschiffe durch die Fjorde gefahren. Da sie in den schlecht kartografierten Gebiet einen Sicherheitsabstand zur Küste halten mussten, konnten sie nur den Sedimentboden in der Mitte beproben und haben dabei die hohe Diversität an dem seitlichem Felsgrund übersehen», erklärt Häussermann.

Zusammen mit ihrem Partner hat sie genau das Gegenteil festgestellt: Südlich von Puerto Montt gibt es drei- bis viermal mehr marine Arten als im restlichen Chile. Die Rede ist dabei hauptsächlich von wirbellosen Tieren. «Die Fjorde haben eine oberflächliche Süßwasserschicht und darunter Salzwasser. Innerhalb der Fjordregion gibt es eine Vielzahl von Gradienten, zum Beispiel unterschiedliche Salzgehalte, unterschiedliche Temperaturen, Strömungen, Wellenexposition und Beschattung. All diese Gradienten überlappen sich und so entstehen viele verschiedene Lebensräume. Die Bedingungen können innerhalb weniger Kilometer komplett anders sein», erläutert die Biologin die Gründe für den Artenreichtum.
 

Forschungsstation Huinay: Freilandlabor der Zukunft

Heute ist die Forschungsstation Huinay zwischen Frühling und Herbst permanent ausgebucht. Zwischen fünf und 15 Wissenschaftler sind fast immer da. «Wir haben einen extrem sauren Fjord. Er hat an manchen Stellen Bedingungen wie sie ab 2100 generell für die Ozeane angenommen werden, da diese durch den Klimawandel saurer werden. Wir sind sozusagen ein Freilandlabor der Zukunft. Deshalb kommen Forscher aus aller Welt».

Angelockt werden sie auch von den Korallenbänken, die in den drei nördlichsten Fjorden der X. Region entdeckt worden sind. «Kaltwassersteinkorallen, verwandt mit den tropischen, riffbildenden Korallen, im Gegensatz zu diesen können sie in sehr großen Tiefen vorkommen», erläutert Häussermann. An der Bestimmung der Arten haben 50 Wissenschaftler aus 13 Ländern teilgenommen, deren Erkenntnisse in dem Werk «Fauna Marina Bentonica de la Patagonia Chilena» zusammengestellt sind. «Eine Bibel für Meeresbiologen, die in Chile arbeiten», so die Herausgeberin. «Unser drittes Kind», fügt sie hinzu. Ihre beiden wirklichen Kinder, Fabian (10) und Fiona (8), wachsen in der Fjordlandschaft Patagoniens auf und kennen Seeanemonen, die nach ihnen benannt worden sind.

Dass es viele Meerestiere gibt, die aussterben werden, bevor sie jemals von den Menschen entdeckt werden, ist für die Biologin ein unerträglicher Gedanke. «Auf der Erde stirbt alle paar Minuten eine Art aus. Durch den Klimawandel verstärkt sich die Tendenz noch. Wir bräuchten 50 Jahre lang jeweils 400 Millionen Euro, um alle noch unbekannten Arten der Erde zu beschreiben, von Insekten im Regenwald bis zu Schwämmen im Meer. Aber dafür gibt es keine Finanzierung. Mit den Arten gehen uns auch viele Ressourcen verloren, zum Beispiel für die Nutzung in der Medizin».
 

2050 mehr Plastik als Fische im Meer

Für Vreni Häussermann ist das absurd. «Wenn wir jetzt nicht handeln, werden wir 2050 mehr Plastik als Fische im Meer haben», empört sie sich. Auch die Entwicklung im Fjord Comau hält sie für äußerst bedenklich. «Wir können zusehen, wie die Arten verschwinden. 2003 gab es drei kleine Lachsfarmen, heute sind es 23 riesige». Das Problem sei unter anderem die Verwendung von Antibiotika, deren Einsatz in Chile 1.400-mal höher sei als in Norwegen. Zwischen 2010 und 2016 seien 150 Tonnen nur im Comaufjord verwendet worden. Wegen eines Mittels gegen den Lausbefall der Lachse werden außerdem kleine Krebsarten in Mitleidenschaft gezogen.

Die Biologin Dr. Vreni Häussermann hält den Artenschwund und die Umweltverschmutzung in den Meeren für äußerst bedenklich.
Die Biologin Dr. Vreni Häussermann hält den Artenschwund und die Umweltverschmutzung in den Meeren für äußerst bedenklich. Foto: Petra Wilken

Um etwas gegen den weltweiten Artenschwund zu tun, hat Häussermann zusammen mit dem Münchner Zoologie-Professor Dr. Michael Schrödl soeben ein aufrüttelndes Buch mit dem Titel «BiodiversiTOT» geschrieben, ein Wortspiel aus Biodiversität, also Artenvielfalt, und Tod. Mit der Publikation wollen die beiden Fundraising für die Artenforschung betreiben. Sie wollen es an Millionäre verschicken, um sie für finanzielle Unterstützung zu erwärmen. Spender dürfen dann eine der entdeckten Arten nach sich benennen. «Derzeit sprechen alle über die verheerenden Folgen des Klimawandels. Dabei ist das Artensterben eine noch viel größere Katastrophe für die Erde. Es ereignet sich nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit», so die Forscherin.

Auch der Tod von hunderten von Seiwalen im Jahr 2015 im Golfo Tres Montes wäre vermutlich unbemerkt geblieben, wenn das Team von Vreni Häussermann nicht bei einer Tauchexpedition dort unterwegs gewesen wäre. Nur ganz selten kommen dort Fischer vorbei, und die Stelle liegt auch auf keiner Route für Segelboote. «Mehr als 350 tote Wale und keiner merkt`s», sagt Häussermann traurig. Die Ursache konnte wissenschaftlich nicht zweifelsfrei festgestellt werden, da der Tod der Wale zu lange zurücklag. «Allerdings sind wir uns sicher, dass die Ursache eine Marea Roja war», sagt Vreni Häussermann.

Weitere Infos unter http://vreni.anthozoa.info/homepagevreni/

 

Der Beitrag Patagoniens überraschende Unterwasser-Schönheiten erschien zuerst auf Deutsche Zeitung Cóndor - diario alemán Chile.

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