Magazin – Deutsche Zeitung Cóndor – diario alemán Chile http://www.condor.cl Die deutsche Zeitung Cóndor in Chile - diario / periódico alemán Wed, 10 Jan 2018 20:43:02 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.9.1 https://i1.wp.com/www.condor.cl/wp-content/uploads/2016/11/condor-ave.jpg?fit=32%2C32 Magazin – Deutsche Zeitung Cóndor – diario alemán Chile http://www.condor.cl 32 32 120365451 Zu Gletschern und Walen am Ende der Welt http://www.condor.cl/magazin/parque-francisco-coloane/ http://www.condor.cl/magazin/parque-francisco-coloane/#respond Tue, 09 Jan 2018 18:56:35 +0000 http://www.condor.cl/?p=22997 Im südchilenischen Parque marino Francisco Coloane kann der Besucher hautnah Meeresriesen beobachten und dabei ein Whiskey mit Gletschereis genießen.

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Ganz im Süden von Chile: Erlebnistour in der Magellanstraße

Magellanstraße, Chile: Wände mal nicht aus Beton, sondern aus beeindruckenden Eismassen.
Magellanstraße, Chile: Wände mal nicht aus Beton, sondern aus beeindruckenden Eismassen.

 

Im südchilenischen Parque marino Francisco Coloane kann der Besucher hautnah Meeresriesen beobachten und dabei ein Whiskey mit Gletschereis genießen.

 

Von Fritz Meinardus

Die Reise beginnt in Punta Arenas, wo wir nachmittags von unserem Hotel abgeholt werden. Die Fahrt geht nach Süden in Richtung Fuerte Bulnes, vorbei an einer endlosen Reihe alter, ausgedienter Fischkutter. Nach 50 Kilometer erreichen wir den Ankerplatz der «Forrest». In Schlauchbooten werden wir an Bord gebracht und mit einem Willkommenstrunk empfangen.

Bald wird der Anker gelichtet. Es geht die Magellanstraße entlang, vorbei am südlichsten Punkt des Kontinents, dem Kap Froward. In der Abenddämmerung ist noch das Kreuz zu erkennen, das dort auf hohem Fels steht. In der Nacht rattert irgendwann die Ankerkette und der Motor wird abgestellt. Die «Forrest» ist ein älterer Kahn, Baujahr 1967 aus Schottland, verkehrte ehemals bei den Falkkandinseln. Der Motor ist noch der ursprüngliche. Die Inneneinrichtung ist bequem und modernisiert, Verpflegung und Bedienung sehr gut. 20 Passagiere haben Platz, wir sind nur 12 Personen.

 

Whiskey mit Gletschereis

Am nächsten Morgen sehen wir bald die Fontäne eines Wales. Es geht jedoch zunächst in einen Fjord der Insel Santa Inés hinein, an dessen Ende zwei Gletscher ins Meer münden. Wir treffen auf die ersten Eisschollen und sehen die Gletscher vor uns, eingerahmt von hohen Bergen. Nach einem trüben Morgen kommt die Sonne durch und lässt das Eis besonders blau leuchten.

Mit dem Schiff geht es durch die Magellanstraße zum Parque Marino Franciso Coloane, wo Wale beobachtet werden können.
Mit dem Schiff geht es durch die Magellanstraße zum Parque Marino Franciso Coloane, wo Wale beobachtet werden können.

Der Eindruck der Eismauer ist gewaltig. Es kracht, eine Welle kommt bis an das Schiff heran. Am kleineren Gletscher werden wir ausgebootet und können uns vor dem Eis die Füße vertreten. Tradition ist, einen Whisky mit Gletschereis zu trinken, was wir uns natürlich nicht nehmen lassen.

Es geht danach zurück in breiteres Gewässer. An den Steilhängen des Fjords nisten unzählige Kormorane. Zwei Kondore sitzen auch da und erheben sich, als wir uns ihnen nähern.

 

Erkennungsmerkmal Schwanzflosse

Der Nachmittag wird der Walbesichtigung gewidmet. Der Kapitän steuert geduldig viele Runden, um ihnen möglichst nahe zu kommen. Es sind Buckelwale, die wir hier antreffen. Sie werden bis zu 18 Meter lang und 20 Tonnen schwer. Sie kommen von weit her, aus dem Pazifik vor Ecuador, Kolumbien oder Panama. Die meisten ziehen bis in die Antarktis, wo sie reichlich Nahrung vorfinden. Einige sparen sich den weiteren langen Weg und bleiben hier am Südzipfel des Kontinents.

Auf ihrem Weg von Ecuador und Kolumbien ziehen die Wale am Südzipfel des amerikanischen Kontinents vorbei.
Auf ihrem Weg von Ecuador und Kolumbien ziehen die Wale am Südzipfel des amerikanischen Kontinents vorbei.

Ihr Auftauchen wird durch eine hohe, sprühende Fontäne und einem fauchenden Geräusch angekündigt. Nach wenigen Atemzügen tauchen sie wieder ab. Dabei machen sie einen Buckel, daher ihr Name. Die Schwanzflosse (Fluke) kommt dann ganz aus dem Wasser. Bei jedem Wal sieht sie verschieden aus und dient als Erkennungsmal. Der Reiseführer zeigt uns ein Album mit Bildern von über 80 Fluken.

 

Ein Festschmaus für Tiere

Die «Forrest» macht nicht nur Touristenfahrten, sondern wird auch zur Meeresforschung angeheuert. Das Gebiet ist geschützt durch Fangverbot. Es gehört zum Seepark Francisco Coloane. Neben uns, auf der Insel Carlos III, steht eine Hütte mit einem Beobachtungsplatz für Wale. Es treffen sich hier Strömungen des Pazifiks mit denen des Atlantiks und bilden starke Wirbel, die Nahrung mitbringen. Ein Sardinenschwarm in unserer Nähe lockt die verschiedensten Seevögel an, ein unglaubliches Spektakel beginnt. Kormorane, Skuas, Albatrosse, Petreles und Magellanpinguine halten einen Festschmaus.

Noch in der Nacht fährt die «Forrest» zurück und geht an unserem Ausgangspunkt vor Anker. Nach dem Frühstück an Bord werden wir an Land gebracht.

Unser Aufenthalt in Punta Arenas endet mit Stadt- und Museumsbesuchen. Da gibt es viel zu sehen und zu erfahren, zum Beispiel im Museo Naval eine Seekarte, in der die über 150 gestrandeten und gesunkenen Schiffe um Kap Hoorn und in der Magellanstraße verzeichnet sind. Oder das Freilichtmuseum de la Patagonia, der ungewöhnlich prächtige Friedhof, die Nachbauten der bekanntesten Schiffe der Entdeckungsfahrten der Gegend, von Magellan bis Shackleton.

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Rapa Nui – wirklich der Nabel der Welt? http://www.condor.cl/magazin/osterinsel/ http://www.condor.cl/magazin/osterinsel/#respond Sat, 06 Jan 2018 14:53:58 +0000 http://www.condor.cl/?p=22978 Drei bis vier Tage seien genug, sagten alle. Aber man müsse unbedingt einmal dort gewesen sein. Recht hatten sie. Cóndor-Reporter Enno von Schirmeister berichtet über die Osterinsel.

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800 Moais, der Manu-Tara-Kult und weitere ungelöste Rätsel auf der Osterinsel

Der Ahu Tongariki auf der Osterinsel: Unter den 15 Moais befindet sich die mit 86 Tonnen schwerste Steinfigur, die die Rapa Nui jemals errichteten.
Der Ahu Tongariki auf der Osterinsel: Unter den 15 Moais befindet sich die mit 86 Tonnen schwerste Steinfigur, die die Rapa Nui jemals errichteten.

 

Drei bis vier Tage seien genug, sagten alle. Aber man müsse unbedingt einmal dort gewesen sein. Recht hatten sie.

 

Von Enno von Schirmeister

Egal ob am oder der Nabel der Welt oder von der Welt abgenabelt – die Osterinsel ist einmalig, und wer sie nie besucht hat, hat etwas verpasst. Ein voller DreamLiner fliegt täglich in fünf bis sechs Stunden von Santiago de Chile über den Pazifik, oben Touristen, unten im Cargo-Bauch alles, was diese chilenische Insel benötigt, denn sie produziert so gut wie nichts. Außer Tourismus.

Man sollte vorher ein bisschen gelesen haben. Nicht unbedingt Thor Heyerdahls «Aku-Aku», aber dafür auf alle Fälle Jo Anne Van Tilburg («Easter Island»), die Chilenen Julio Flores («Te Pito Te Henua») und Francisco Campos Menéndez («Enigma del Pacífico») und den Deutsch-Chilenen Walter Knoche («Die Osterinsel»); von Hans Helfritz gibt es einen hübschen Bildband, für heute schon etwas veraltet (meist schwarz-weiß).
 

Vulkangestein im polynesischen Dreieck

Das dreieckige Inselchen im rechten unteren Winkel des polynesischen Dreiecks Hawaii-Neuseeland-Pascua ist nicht viel mehr als ein vulkanischer Auswurf, ursprünglich schwarzes Lavagestein, über das der Tourist noch heute laufend stolpert, wenn er querbeet den «Pascuologen» folgt, die ihm in recht verständlichem Englisch zu erklären versuchen, was sich hier im Laufe von rund 12 Jahrhunderten abgespielt hat. Wer ihnen wie ich mit 99 Fragen folgt, kehrt zum Schluss mit hundert Fragen zurück.

Angefangen mit den Moais. Über 800 Stück, wie riesige Lego-Steine, einige bis zu 20 Meter groß und über 80 Tonnen schwer, alle aus ein und demselben Steinbruch kommend, mit der Sauberkeit eines Kirchen-Steinmetzes ausgearbeitet und poliert, mit einem hervorstehen Kinnn wie Nick Knatterton und tiefliegenden Augenhöhlen, mit hervorstehenden Brustwarzen und langen Fingern, mit individuellen Petroglyphen auf dem Rücken wie ein modernes ID, mit wenigen Ausnahmen an allen drei Küsten des Dreiecks aufgereiht und dann eines Tages umgeworfen, mit dem Gesicht nach unten nach dem Motto «Schämt euch, ihr habt uns verraten».
 

Lego-Monster auf der Osterinsel

Was hatten die Einwohner für Werkzeuge außer Steinen, Obsidian und Muscheln? Wie haben sie diese Lego-Monster und später noch die teilweise dazu gehörigen Vulkansteinhüte (Pukao) über Land transportiert und aufgerichtet?

Alle Forscher scheinen von runden Baumstämmen auszugehen, die einen rollenden Untergrund wie bei einem Panzer gebildet haben sollen. Schön und gut, hatten sie zur entsprechenden Baumbearbeitung etwa Äxte und Sägen? Haben sie vielleicht nach kurzer Landstrecke die riesigen Götter oder Götzen per Floß an der Küste entlang verfrachtet, die übrigens an keiner einzigen Stelle einen Hafen zulässt? Viele Fragen…

Nach den gestürzten Moais kam der Manu-Tara-Kult. Es ging um das An-Land-Bringen des erst gelegten Eies des Seevogels gleichen Namens, der übrigens die Insel längst verlassen hat. Überhaupt sieht man kaum Seevögel; an Land ein paar Bussarde, einige Diucas und Rebhühner. Wilde Pferde nehmen überhand, einige Milchkühe grasen und kämpfen sich durch die struppigen Lupinen, die inzwischen trotz Parque Nacional die Insel als Unkraut zu überwuchern drohen.
 

Ein hübscher Menschenschlag, aber stolzer als erwünscht

Aber zurück zum Manu-Tara, zur neuen Religion nach den abgeschriebenen Moais. Auch er konnte keinen Segen bringen, und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war die Einwohnerzahl der Insel von ehemals über zehntausend (?) auf 111 Personen gesunken! Erstaunlich, dass man heute in dem Städtchen Hanga Roa von rund neuntausend Einwohnern spricht, darunter circa ein Drittel Rapa Nui, so werden die Polynesier und Mischlinge der Insel genannt. Ein hübscher Menschenschlag, aber stolzer als erwünscht.

Ihnen allein und nur ihnen gehöre die Insel, behaupten sie. Tatsächlich kann keiner Land kaufen, der nicht ihresgleichen ist. Es gibt internes Geplänkel. Die chilenische Verwaltung des Parque Nacional soll zwar ihre Arbeit tun, aber das dank Tourismus anfallende Geld soll in die Kasse der Einheimischen fließen, meinen sie.

Da scheint der Wurm im System zu sein, so hört man es unterschwellig von den Touristenführern, die so gesprächig sind wie die Taxifahrer in Santiago. Unter ihnen ist ein hübsches Mädchen, groß und schlank; es könnte ein spätes Gauguin-Model sein, Großmutter deutsch, Großvater englisch – ihr Vater ehelichte eine Rapa Nui, von der Maja ihre bronzene Hautfarbe hat. Grundschule auf der Insel, spätere Schuljahre in Santiago. Auf welcher Seite steht sie? Wieder eine der vielen unbeantworteten Fragen. Vielleicht hat Mike Rapu, der «politische Insel-Fürst», eine Antwort.

Kein Wunder, dass ein französisches Buch von der Ille des Mystères spricht – nicht zu Unrecht.

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Patagoniens überraschende Unterwasser-Schönheiten http://www.condor.cl/magazin/vreni-haeussermann/ http://www.condor.cl/magazin/vreni-haeussermann/#respond Mon, 11 Dec 2017 15:18:28 +0000 http://www.condor.cl/?p=22773 Die Biologin Dr. Vreni Häussermann, Leiterin der Forschungsstation Huinay in der X. Region, hat der Welt die verborgenen Schätze der chilenischen Fjorde gezeigt. Die Entdeckerin neuer Arten, darunter zahlreiche Seeanemonen von farbenprächtiger Schönheit, wird nun noch tiefer in die unbekannte Unterwasserwelt Patagoniens eintauchen.

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Dr. Vreni Häussermann hat mehr als 100 neue Arten in den Fjorden der X. Region entdeckt

Ein Taucher macht Fotos von Seepocken (Austromegabalanus psittacus). Der Fels ist mit dem rosa Schwamm Halisarca megallanica bewachsen, auf dem oben eine Seeanemone (Actinostola chilensis) sitzt. Foto: Fundación Huinay
Ein Taucher macht Fotos von Seepocken (Austromegabalanus psittacus). Der Fels ist mit dem rosa Schwamm Halisarca megallanica bewachsen, auf dem oben eine Seeanemone (Actinostola chilensis) sitzt. Foto: Vreni Häussermann

 

Die Biologin Dr. Vreni Häussermann, Leiterin der Forschungsstation Huinay in der X. Region, hat der Welt die verborgenen Schätze der chilenischen Fjorde gezeigt. Die Entdeckerin neuer Arten, darunter zahlreiche Seeanemonen von farbenprächtiger Schönheit, wird nun noch tiefer in die unbekannte Unterwasserwelt Patagoniens eintauchen.

 

Von Petra Wilken

Es ist nicht einfach, einen Termin mit Vreni Häussermann bei einer ihrer Santiago-Reisen zu bekommen. Seit sie im vergangenen Jahr den Rolex-Preis für Unternehmungsgeist erhalten hat, ist sie noch ausgebuchter. Der Cóndor bekommt einen Termin zwischen einem Meeting in der Moneda und einem Interview mit Canal 13.

«Der Rolex-Preis ist sozusagen der Oscar für Umweltschützer. Er ist das Größte, was man als Biologe erreichen kann, denn es gibt ja keinen Nobelpreis in dieser Disziplin», erklärt sie. Der schweizerische Uhrenhersteller Rolex vergibt seit 1978 die «Awards for Enterprise», mit denen Forschungs- und Umweltprojekte finanziert werden.

Die gelbe Acontiaria gehört zu den Arten, die von Vreni Häussermann entdeckt worden ist. Sie ist bisher noch unbestimmt. Foto: Fundación Huinay
Die gelbe Acontiaria gehört zu den Arten, die von Vreni Häussermann entdeckt worden ist. Sie ist bisher noch unbestimmt. Foto: Vreni Häussermann

Mit den Mitteln wird sie Expeditionen ermöglichen, auf denen sie einen neuen Unterwasserroboter einsetzen wird, der die Fjorde in Patagonien bis zu 500 Meter Tiefe erforschen kann. Bisher sind Häussermann und ihr Team auf konventionelle Art bis zu 30 Meter tief getaucht. Auch der Roboter wird an vielen Stellen nicht bis auf den Grund kommen: Der tiefste bekannte Punkt in den Kanälen von Patagonien ist mit 1.300 Metern im Kanal Messier südlich vom Golfo de Penas gemessen worden.  

Vielleicht wird die Fachwelt erneut mit erstaunlichen Entdeckungen überrascht werden. Denn das haben Vreni Häussermann und ihr Mann Günter Försterra bisher getan: Sie haben mit dem bislang gängigen Glauben aufgeräumt, dass die Fjorde Patagoniens artenarm seien. Ganz das Gegenteil ist der Fall. Bei ihren Forschungsarbeiten haben sie mehr als 100 neue Arten entdeckt, darunter Seeanemonen, Schwämme und Korallen, wie sie landläufig nur in tropischen oder subtropischen Gewässern vermutet würden. 60 davon sind inzwischen beschrieben, Dutzend weitere warten noch darauf, von Spezialisten benannt zu werden.
 

An der gesamten Küste Chiles getaucht

Häussermann und Försterra haben beide an der Ludwigs-Maximilians-Universität München Biologie studiert. 1994 kamen sie zum ersten Mal mit einem Austauschprogramm nach Chile an die Unversidad de Concepción. «Drei Jahre später haben wir eine Reise von Arica bis Punta Arenas gemacht und sind alle 200 Kilometer getaucht, um die Seeanemonen der gesamten Küste Chiles zu erforschen. Da haben wir festgestellt, dass die Unterwasserwelt südlich von Puerto Montt viel bunter und schöner wurde», erzählt sie ihre Geschichte.

Das Team von Häussermann auf Expedition in den chilenischen Fjordfen. Foto: Fundación Huinay
Das Team von Häussermann auf Expedition in den chilenischen Fjordfen. Foto: Vreni Häussermann

Für ihre Doktorarbeit ist Häussermann zwischen 1999 und 2001 noch dreimal nach Patagonien gekommen. Bei einer der Reisen hörte sie, dass die Forschungsstation Huinay in der Provinz Palena am Fjord Comau gebaut werden sollte. Das Projekt war zustande gekommen, weil die damalige Regierung vermeiden wollte, dass der US-amerikanische Naturschutz-Mäzen Douglas Tompkins den Fundo Huinay noch zu seinen bereits tausende von Hektar großen Parque Pumalín dazukaufen würde. So wurde die private Stiftung San Ignacio del Huinay mit dem Ziel des Schutzes der Artenvielfalt gemeinsam von der Pontificia Universidad Católica Valparaíso und Endesa gegründet. Vor Kurzem hat der italienische Stromversorger Enel Endesa übernommen und damit auch die Stiftung.  

«Unsere Expeditionen haben wir selbst organisiert und finanziert. Wir mussten monatelang im Regen zelten. Und mit Huinay hatten wir endlich ein Dach und ein Labor. Das war spektakulär. Wir haben unsere fünf Kubikmeter Ausrüstung dort untergebracht und gesagt: ‚Ihr kriegt uns nicht mehr los‘», erzählt Häussermann. Die Stiftung Huinay wollte sie auch nicht loswerden, sondern stellte die deutsche Biologin 2003 als Direktorin der Forschungsstation ein.

Fjorde gibt es in Skandinavien, an der Nordwestküste Nordamerikas, in Neuseeland und im chilenischen Patagonien. Mit mehr als 80.000 Küstenkilometern ist die chilenische Fjordlandschaft die größte weltweit. Um sich eine Vorstellung ihrer Ausbreitung zu machen: Ihre Länge würde zusammengenommen zweimal die Erde umspannen.

Die Fiona-Anemone hat Vreni Häussermann nach ihrer Tochter benannt.
Die Fiona-Anemone hat Vreni Häussermann nach ihrer Tochter benannt. Foto: Vreni Häussermann

Wie ist es möglich, dass erst jetzt ihre hohe und einzigartige Biodiversität entdeckt wird? «Früher sind Forschungsschiffe durch die Fjorde gefahren. Da sie in den schlecht kartografierten Gebiet einen Sicherheitsabstand zur Küste halten mussten, konnten sie nur den Sedimentboden in der Mitte beproben und haben dabei die hohe Diversität an dem seitlichem Felsgrund übersehen», erklärt Häussermann.

Zusammen mit ihrem Partner hat sie genau das Gegenteil festgestellt: Südlich von Puerto Montt gibt es drei- bis viermal mehr marine Arten als im restlichen Chile. Die Rede ist dabei hauptsächlich von wirbellosen Tieren. «Die Fjorde haben eine oberflächliche Süßwasserschicht und darunter Salzwasser. Innerhalb der Fjordregion gibt es eine Vielzahl von Gradienten, zum Beispiel unterschiedliche Salzgehalte, unterschiedliche Temperaturen, Strömungen, Wellenexposition und Beschattung. All diese Gradienten überlappen sich und so entstehen viele verschiedene Lebensräume. Die Bedingungen können innerhalb weniger Kilometer komplett anders sein», erläutert die Biologin die Gründe für den Artenreichtum.
 

Forschungsstation Huinay: Freilandlabor der Zukunft

Heute ist die Forschungsstation Huinay zwischen Frühling und Herbst permanent ausgebucht. Zwischen fünf und 15 Wissenschaftler sind fast immer da. «Wir haben einen extrem sauren Fjord. Er hat an manchen Stellen Bedingungen wie sie ab 2100 generell für die Ozeane angenommen werden, da diese durch den Klimawandel saurer werden. Wir sind sozusagen ein Freilandlabor der Zukunft. Deshalb kommen Forscher aus aller Welt».

Angelockt werden sie auch von den Korallenbänken, die in den drei nördlichsten Fjorden der X. Region entdeckt worden sind. «Kaltwassersteinkorallen, verwandt mit den tropischen, riffbildenden Korallen, im Gegensatz zu diesen können sie in sehr großen Tiefen vorkommen», erläutert Häussermann. An der Bestimmung der Arten haben 50 Wissenschaftler aus 13 Ländern teilgenommen, deren Erkenntnisse in dem Werk «Fauna Marina Bentonica de la Patagonia Chilena» zusammengestellt sind. «Eine Bibel für Meeresbiologen, die in Chile arbeiten», so die Herausgeberin. «Unser drittes Kind», fügt sie hinzu. Ihre beiden wirklichen Kinder, Fabian (10) und Fiona (8), wachsen in der Fjordlandschaft Patagoniens auf und kennen Seeanemonen, die nach ihnen benannt worden sind.

Dass es viele Meerestiere gibt, die aussterben werden, bevor sie jemals von den Menschen entdeckt werden, ist für die Biologin ein unerträglicher Gedanke. «Auf der Erde stirbt alle paar Minuten eine Art aus. Durch den Klimawandel verstärkt sich die Tendenz noch. Wir bräuchten 50 Jahre lang jeweils 400 Millionen Euro, um alle noch unbekannten Arten der Erde zu beschreiben, von Insekten im Regenwald bis zu Schwämmen im Meer. Aber dafür gibt es keine Finanzierung. Mit den Arten gehen uns auch viele Ressourcen verloren, zum Beispiel für die Nutzung in der Medizin».
 

2050 mehr Plastik als Fische im Meer

Für Vreni Häussermann ist das absurd. «Wenn wir jetzt nicht handeln, werden wir 2050 mehr Plastik als Fische im Meer haben», empört sie sich. Auch die Entwicklung im Fjord Comau hält sie für äußerst bedenklich. «Wir können zusehen, wie die Arten verschwinden. 2003 gab es drei kleine Lachsfarmen, heute sind es 23 riesige». Das Problem sei unter anderem die Verwendung von Antibiotika, deren Einsatz in Chile 1.400-mal höher sei als in Norwegen. Zwischen 2010 und 2016 seien 150 Tonnen nur im Comaufjord verwendet worden. Wegen eines Mittels gegen den Lausbefall der Lachse werden außerdem kleine Krebsarten in Mitleidenschaft gezogen.

Die Biologin Dr. Vreni Häussermann hält den Artenschwund und die Umweltverschmutzung in den Meeren für äußerst bedenklich.
Die Biologin Dr. Vreni Häussermann hält den Artenschwund und die Umweltverschmutzung in den Meeren für äußerst bedenklich. Foto: Petra Wilken

Um etwas gegen den weltweiten Artenschwund zu tun, hat Häussermann zusammen mit dem Münchner Zoologie-Professor Dr. Michael Schrödl soeben ein aufrüttelndes Buch mit dem Titel «BiodiversiTOT» geschrieben, ein Wortspiel aus Biodiversität, also Artenvielfalt, und Tod. Mit der Publikation wollen die beiden Fundraising für die Artenforschung betreiben. Sie wollen es an Millionäre verschicken, um sie für finanzielle Unterstützung zu erwärmen. Spender dürfen dann eine der entdeckten Arten nach sich benennen. «Derzeit sprechen alle über die verheerenden Folgen des Klimawandels. Dabei ist das Artensterben eine noch viel größere Katastrophe für die Erde. Es ereignet sich nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit», so die Forscherin.

Auch der Tod von hunderten von Seiwalen im Jahr 2015 im Golfo Tres Montes wäre vermutlich unbemerkt geblieben, wenn das Team von Vreni Häussermann nicht bei einer Tauchexpedition dort unterwegs gewesen wäre. Nur ganz selten kommen dort Fischer vorbei, und die Stelle liegt auch auf keiner Route für Segelboote. «Mehr als 350 tote Wale und keiner merkt`s», sagt Häussermann traurig. Die Ursache konnte wissenschaftlich nicht zweifelsfrei festgestellt werden, da der Tod der Wale zu lange zurücklag. «Allerdings sind wir uns sicher, dass die Ursache eine Marea Roja war», sagt Vreni Häussermann.

Weitere Infos unter http://vreni.anthozoa.info/homepagevreni/

 

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Whale Watching in Chile: Die Meeresriesen hautnah erleben http://www.condor.cl/magazin/whale-watching-wale/ http://www.condor.cl/magazin/whale-watching-wale/#respond Thu, 30 Nov 2017 09:05:38 +0000 http://www.condor.cl/?p=22694 Chile ist nach Brasilien das Land, wo man am meisten Wale beobachten kann. Schätzungsweise 15 Arten gibt es weltweit, mehr als die Hälfte davon zieht die fast 5.000 Kilometer lange Küste des Landes entlang.

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Buckel-, Zwerg- und sogar Blauwale können gesichtet werden

Wale beobachten: Aufgrund seiner langen Küste und dem reichen Nahrungsvorkommen für die Meeresriesen ist Chile fürs Whale watching bestens geeignet.
Wale beobachten: Aufgrund seiner langen Küste und dem reichen Nahrungsvorkommen für die Meeresriesen ist Chile fürs Whale watching bestens geeignet.

 

Chile ist nach Brasilien das Land, wo man am meisten Wale beobachten kann. Schätzungsweise 15 Arten gibt es weltweit, mehr als die Hälfte davon zieht die fast 5.000 Kilometer lange Küste des Landes entlang.

 

Von Fernanda Neisskenwirth

Faszination Wale: Sie sind die größten Lebewesen der Welt – Blauwale zum Beispiel werden 30 Meter lang und wiegen bis zu 180 Tonnen; sie können bis zu 200 Jahre alt werden; sie leben im Meer – sind aber Säugetiere; und trotz all dieser Besonderheiten wissen wir noch so wenig über sie.

Diejenigen, die in Chile zu sehen sind, folgen meistens einen Migrationszyklus. Im chilenischen Winter befinden sie sich in tropischen Gewässern, um sich dort zu vermehren, weil das wärmere Wasser dafür ideal ist. Danach schwimmen sie Richtung Süden, wo sie Nahrung suchen. Da vor den chilenischen Küsten der Humboldt- und der Südantarktis-Strom aufeinandertreffen, herrscht dort ein kaltes- und sauerstoffreiches Wasser, was auch mehr Nährstoffe und deswegen mehr Nahrung enthält. Deswegen sind zwischen November und April an verschieden Küstenabschnitten des Landes am meisten Wale zu sehen.

Sie ernähren sich hauptsächlich von Krill und können Täglich bis zu zwei Tonnen fressen, erklärt der Präsident der Organisation Phantalassa, Frederic Toro. «Man kennt die genauen Migrationswege nicht, und man untersucht noch, ob überhaupt alle Wale dorthin schwimmen.»

 
Wale und der Klimawandel

Greg Landreth und seine Frau Keri Pashuk navigieren und wohnen schon seit fast 30 Jahren auf ihrer Segeljacht «Northanger» und beobachten Wale im südlichsten Teil der Erde. Greg führt eine Untersuchung durch, deren Ziel ist zu verstehen, warum im 2015 mehr als 350 Wale in den Küsten Patagoniens gestrandet sind. Bis jetzt weiß man nur, dass die Veränderung der Meerestemperatur dabei eine Rolle spielt.

«Man hat zudem bemerkt, dass die Routen der Wale sich in den letzten Jahren enorm verändert haben. Im Beagle-Kanal gab es früher keine zu sehen, heutzutage findet man sehr viele. Das hat auf jeden Fall etwas mit dem Klimawandel zu tun.»

Buckel-, Zwerg- und sogar Blauwale können in den chilenischen Gewässern gesichtet werden. Mehrere Ausgangspunkte bieten sich fürs Whale watching an.
Buckel-, Zwerg- und sogar Blauwale können in den chilenischen Gewässern gesichtet werden. Mehrere Ausgangspunkte bieten sich fürs Whale watching an.

Seit Anfang der 1980er Jahre ist in Chile die Waljagd verboten. Seit 2008 stehen die Tiere zudem unter dem besonderen Schutz als «Monumento Nacional». Die meisten Arten, die einmal vom Aussterben bedroht waren, gelten heute «nur noch» als gefährdet.

In Chile gibt es vier Orte, wo man während der Hauptsaison am besten Wale sichten kann. Sie reichen vom nördlichsten bis zum südlichsten Zipfel. Und mit ein bisschen Geduld und Glück sieht man dann einen Meereskoloss im Wasser – ein unvergleichlich schönes Erlebnis.

 

Reserva Nacional Pinguinos de Humbolt

Die Reserva Nacional umfasst drei Inseln: Chañaral, Damas und Choros. Vor Ort sind Buckel-, Zwerg und sogar Blauwale während der Migration zu sehen. Sie kommen aus den Tropen und machen dort einen Zwischenstopp, um später in Richtung Antarktis weiterzuziehen.

Die Insel Chañaral befindet sich auf der Höhe von Chañaral de Aceituno, cirka 120 Kilometer nördlich von La Serena. Die Gegend besitzt wahrscheinlich den einfachsten Zugang, denn für manche glücklichen Besucher sind Wale aus der Küste schon zu sehen.

 

Caleta Puñihuil

In der Region de los Lagos, in der Umgebung der Insel Chiloé, wurde der weltweite Rekord an Blauwalbesichtigungen auf der Südhalbkugel verzeichnet. Schätzungsweise mehr als 300 Exemplare sind dort zu bewundern. Experten raten Besuchern die Caleta Puñihuil (25 Kilometer von Ancud) als Ausgangsort zu wählen. Dort befinden sich auch mehrere spezialisierte Agenturen mit den geeigneten Boten. Die Ortschaft liegt fürs Whale watching besonders günstig, da dort viel Krill und Phytoplankton den Säugetieren zur Nahrungsaufnahme dienen.

 

Melinka

Ein bisschen versteckter befindet sich die Ortschaft Melinka, im Archipiélago de las Guaitecas, in der Region von Aysén. Die Anfahrt ist zwar ein bisschen komplizierter als nördlichere Aussichtspunkte, aber der Weg soll sich lohnen, denn seitdem im Jahr 2003 der Meeresbiologe Rodrigo Hucke eine Studie über neue Ernährungsmöglichkeiten und Erholung der Blauwale veröffentlichte, hat sich dort der entsprechende Tourismus entwickelt. «Archipiélagos de la Patagonia» beispielsweise ist ein spezialisiertes Unternehmen, das Bote für bis zu 28 Passagieren bereithält. Wer Glück hat, kann Blau-, Buckel-, Sei- und sogar Schwertwale sehen.

 

Parque Marino Francisco Coloane

Der Parque Marino Francisco Coloane ist der südlichste erreichbar Punkt, von dem aus Wale beobachtet werden können. In der Nähe der Insel Carlos III. sind sehr gut Buckel- und Sei-Wale zu sehen – von den Buckelwalen sollen schon mehr 100 Exemplare gesichtet worden seien. Der Park gilt nicht nur aufgrund der Meeresriesen als besonders magisch, sondern vor allem aufgrund seiner Landschaft aus Urwäldern, Bergen und Kanälen.

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Akademischer Austausch zwischen der USACH und deutschen Universitäten http://www.condor.cl/magazin/usach/ http://www.condor.cl/magazin/usach/#respond Fri, 17 Nov 2017 14:48:48 +0000 http://www.condor.cl/?p=22568 Der akademische Austausch zwischen deutschen Universitäten und der Universidad de Santiago hat eine lange Tradition. Er begann bereits zu Zeiten des Vorvorgängers der USACH, der Escuela de Artes y Oficios, die 1848 gegründet wurde.

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Technologietransfer, Know-how-Austausch und zunehmend bilaterale Projekte 

Die Verwaltungs- und Wirtschaftsfakultät der USACH betreut jährlich um die 170 Austauschstudenten aus aller Welt. Foto: Walter Krumbach
Die Verwaltungs- und Wirtschaftsfakultät der USACH betreut jährlich um die 170 Austauschstudenten aus aller Welt. Foto: Walter Krumbach


Der akademische Austausch zwischen deutschen Universitäten und der Universidad de Santiago hat eine lange Tradition. Er begann bereits zu Zeiten des Vorvorgängers der USACH, der Escuela de Artes y Oficios, die 1848 gegründet wurde.

 

Von Walter Krumbach

Francisco Castañeda, Leiter der Abteilung für Internationale Beziehungen der Verwaltungs- und Wirtschaftsfakultät der USACH, weist im Cóndor-Gespräch auf die zahlreichen deutschen Hochschulen hin, mit denen allein die Facultad de Administración y Economía (FAE) der chilenischen Hochschule gegenwärtig ein Abkommen hat (siehe Info-Kasten). Professor Castañeda ist aufgrund seiner Tätigkeit oft im Ausland. An der Universität Bamberg hielt er zum Beispiel im Januar dieses Jahres einen Vortrag über die Entwicklungspolitik in Lateinamerika seit den 1960er Jahren.

Die FAE-Austauschstudenten absolvieren in der Regel ein Semester an deutschen Universitäten, welches in englischer Sprache erteilt wird. «Wir breiten sie darauf mit einem Deutschkursus vor, damit sie eine Grundlage in der Landessprache haben», berichtet Castañeda, «sodass einige später erneut nach Deutschland reisen, um dort zu arbeiten beziehungsweise ihre Studien fortzusetzen».

Pro Semester entsendet die FAE mindestens 10 Studenten nach Deutschland, versichert Castañeda, «und pro Jahr empfangen wir um die 30 Deutsche, die bevorzugt Wirtschaftsingenieurwesen studieren. Wenn wir sie mit den Studenten aus anderen Regionen der Welt zusammenzählen, dann kommen wir auf etwa 170».

Schon mehrmals ließen Gäste aus Deutschland verlauten, «an der USACH das wahre Chile kennengelernt zu haben», verrät Castañeda, «in dem strebsame, fleißige Menschen lernen, die sich im Ausland fortbilden und somit nicht nur ihre Kenntnisse, sondern auch ihre Lebensanschauung vervollkommnen.» Der Professor betont: «Ein Student, der von seiner Austauschzeit zurückkehrt, ist völlig verändert. Er hat ein ganz anderes Selbstwertgefühl, kennt sich im Englischen wie im Deutschen aus, hat Europa bereist und sich dabei eine neue Lebensanschauung zu eigen gemacht.»

Das von den deutschen Studenten erhaltene Feedback ist denkbar gut, hebt Castañeda hervor: «Sie mögen die engen Beziehungen, die sie hier zu Professoren und Dienststellen knüpfen können. Sie sind zudem mit dem guten Unterrichtsniveau zufrieden.» Das Land bietet ihnen Sicherheit, und seine Einwohner sind freundlich und zuvorkommend. Dazu kommen die vielfältigen Landschafts- und Klimazonen Chiles, die für neugierige Reisende besonders attraktiv sind. Zum anderen spricht der Akademiker über die Leistungen der chilenischen Austauschstudenten seinen Stolz aus: «Die Rate an Versagern in Deutschland ist gleich null!»     

Die Frage drängt sich auf, was einen deutschen Studenten veranlassen kann, im fernen Chile ein Praktikum auf dem Gebiet der Wirtschaft zu absolvieren: «Zunächst möchten sie Lateinamerika kennenlernen und ihr Spanisch verbessern», hat Castañeda feststellen können. «Spanisch ist heutzutage eine Geschäftssprache. In Europa ist für zahlreiche Firmen, die ihren Fokus in Spanien oder Lateinamerika haben, die spanische Sprache ein Muss.» Deutsche Gaststudenten haben zudem oft verlauten lassen, dass sie «zunächst geringe Erwartungen hatten, dann aber zugeben müssen, dass das Land ziemlich dynamisch und besser als sie dachten ist. Dem fügen sie hinzu, dass unser akademisches Niveau dem ihrigen absolut ebenbürtig ist».    

Ein Gebiet, auf dem laut Francisco Castañeda Chile viel von Deutschland lernen kann, ist das des Technologietransfers: «Zur gleichen Zeit muss in der angewandten Forschung ein Weg freigelegt werden», meint er. «Dies hat einen direkten Zusammenhang mit der Übertragung von Kenntnissen von den Unternehmen zu den Universitäten. Das bedeutet, dass unsere Professoren an bestimmten Firmen Praktika absolvieren, um ihre Lebensläufe auf den neuesten Stand zu bringen und sich über die letzten Markttrends zu informieren. Fast alle deutschen Universitäten haben eine starke Verbindung mit den Firmen ihrer Umgebung. Das ist ein Punkt, von dem wir lernen sollten. Gleichfalls sollten wir gemeinsame Forschungsprojekte ausfindig machen, sowohl auf theoretischer Ebene als auch auf der angewandten Forschung.»

Große Wichtigkeit misst Professor Castañeda der Verbesserung des Englisch-Niveaus der USACH-Austauschstudenten bei: «Das ist noch wichtiger als die Geldmittel! Die meisten Austauschprogramme – außer Literatur und Philosophie natürlich – werden in englischer Sprache erteilt, weshalb es äußerst wichtig ist, sie gut zu beherrschen.»

Francisco Castañeda ist während seiner langjährigen Tätigkeit an der FAE/USACH von verschiedenen Universitäten im deutschsprachigen Raum (Bamberg, Bielefeld, Graz) als Gastprofessor eingeladen worden. «Dieser Akademiker-Austausch muss erweitert werden, damit wir gemeinsame Forschungsprojekte erzeugen können», unterstreicht er, «das geht von der theoretischen Untersuchung über Papers bis zur Lehre des Technologietransfers».

In den letzten Jahren konnten laut Castañeda zunehmend bilaterale Projekte erfolgreich ausgearbeitet werden, weil von chilenischer Seite auf europäische Art reagiert wurde, nämlich, indem Verantwortung und Zuverlässigkeit an den Tag gelegt wurde. Das sei in der Zusammenarbeit mit Europäern ein Muss. Der Akademiker bringt es auf den Punkt, indem er einen Tipp gibt, den er in einem kurzen Satz zusammenfasst: «Answer the e-mails!»

Deutsche Universitäten, die mit der Verwaltungs- und Wirtschaftsfakultät (FAE) der USACH ein Abkommen haben

Leuphana Universität Lüneburg
Passau TU
Universität Bamberg
Bergakademie Freiberg
University of Applied Sciences Münster
University of Applied Sciences Bielefeld
RheinMain University of Applied Sciences
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Westsächsische Hochschule Zwickau (WHZ)
University of Applied Sciences Neu Ulm (Bayern)
University of Applied Sciences Worms
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Friedrich Alexander Universität (FAU) -Erlangen – Nürnberg
Technische Universität Dresden

   

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ESO-Teleskope in Chile beobachten Gravitationswellen http://www.condor.cl/magazin/gravitationswellen/ http://www.condor.cl/magazin/gravitationswellen/#respond Tue, 07 Nov 2017 19:09:53 +0000 http://www.condor.cl/?p=22495 Gerade erst wurde der direkte Nachweis von Gravitationswellen mit dem Physik-Nobelpreis gewürdigt. Nun zeichneten Forscher erneut ein spektakuläres Gravitationswellen-Signal auf.

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Verschmelzung von zwei Neutronensternen

Diese künstlerische Darstellung zeigt zwei Neutronensterne an dem Punkt, an dem sie verschmelzen und explodieren. Solch ein seltenes Ereignis sollte sowohl Gravitationswellen als auch einen kurzen Gammastrahlenausbruch erzeugen, was am 17. August 2017 beobachtet wurde. Foto: University of Warwick/Mark Garlick
Diese künstlerische Darstellung zeigt zwei Neutronensterne an dem Punkt, an dem sie verschmelzen und explodieren. Solch ein seltenes Ereignis sollte sowohl Gravitationswellen als auch einen kurzen Gammastrahlenausbruch erzeugen, was am 17. August 2017 beobachtet wurde. Foto: University of Warwick/Mark Garlick


Gerade erst wurde der direkte Nachweis von Gravitationswellen mit dem Physik-Nobelpreis gewürdigt. Nun zeichneten Forscher erneut ein spektakuläres Gravitationswellen-Signal auf.

 

Hanford/Livingston/Pisa (dpa) – Astronomen haben erstmals Gravitationswellen von der Kollision zweier Neutronensterne aufgezeichnet. Ebenfalls zum ersten Mal konnten die Folgen eines solchen Ereignisses mit zahlreichen Teleskopen beobachtet werden.

Am 17. August 2017 registrierten die Detektoren der beiden Ligo-Observatorien in den USA und des Virgo-Instruments in Italien rund 100 Sekunden lang winzige Kräuselungen (Wellen) in der Raumzeit. Ein weltweites Netzwerk von Astronomen richtete daraufhin 70 Teleskope auf die Ursprungshimmelsregion. Teleskope der ESO in Chile – darunter das Paranal- und La-Silla-Observatorium – konnten dabei im sichtbaren Licht eine Quelle von Gravitationswellen vermessen.

Zum Hintergrund: Gravitationswellen entstehen etwa, wenn große Objekte im Weltall beschleunigt werden. Am 14. September 2015 konnten die Ligo-Observatorien erstmals die Gravitationswellen von zwei sich umkreisenden Schwarzen Löchern auffangen, die in rund 1,3 Milliarden Lichtjahren Entfernung zur Erde verschmolzen waren.

Für den direkten Nachweis der Wellen erhalten die drei US-amerikanischen Forscher Rainer Weiss, Kip Thorne und Barry Barish am 10. Dezember den Nobelpreis 2017 für Physik. An dem ersten Beleg waren Forscher des Max-Planck-Instituts für Gravitationsphysik in Hannover und Potsdam maßgeblich beteiligt. Albert Einstein hatte Gravitationswellen vor 100 Jahren in seiner Allgemeinen Relativitätstheorie vorhergesagt, aber selbst bezweifelt, dass man die Wellen tatsächlich eines Tages direkt nachweisen könne.

Doch das gelang nun: Etwa zehn Stunden nach Erfassung der Gravitationswellen entdeckten Astronomen in Chile mit einem Lichtteleskop einen neuen Lichtpunkt bei einer Galaxie im Sternbild Wasserschlange (Hydra). Insgesamt wurden 70 Observatorien auf der Erde und im Weltall auf die Signalquelle in einer Entfernung von etwa 130 Millionen Lichtjahren gerichtet. Genutzt wurde das elektromagnetische Spektrum von der Röntgenstrahlung über ultraviolettes, sichtbares und infrarotes Licht bis hin zu Radiowellen.

In diesem Fall beobachteten die Forscher die Kollision von zwei Neutronensternen. Solche Objekte bleiben übrig, wenn massereiche Sterne am Ende ihrer Entwicklung explodieren. Bei einem Durchmesser von etwa 20 Kilometern besitzen sie das Zweifache der Masse der Sonne oder 700.000 Erdmassen. Ein Teelöffel voll Neutronensternmaterial entspricht der Masse von rund einer Milliarde Tonnen. Ihr Zusammenprall löst Erschütterungen in der Raumzeit aus – die Gravitationswellen.

Die deutsche Sonderbriefmarke «Gravitationswellen» soll laut Finanzministerium ab dem 7. Dezember ausgegeben werden. Abgebildet ist eine Simulation der herausragenden Entdeckung. Foto: Andrea Voß-Acker, Wuppertal/Gravitationswellen © S. Ossokine, A. Buonanno (AEI), SXS, W. Benger (AHM)/dpa
Die deutsche Sonderbriefmarke «Gravitationswellen» soll laut Finanzministerium ab dem 7. Dezember ausgegeben werden. Abgebildet ist eine Simulation der herausragenden Entdeckung. Foto: Andrea Voß-Acker, Wuppertal/Gravitationswellen © S. Ossokine, A. Buonanno (AEI), SXS, W. Benger (AHM)/dpa

Zudem zeigten verschiedene Signale das Vorkommen von Gold, Platin und anderen chemischen Elementen, die schwerer sind als Eisen, in der Umgebung der Kollision an. Die Wissenschaftler sehen dies als Hinweis darauf, dass ein Großteil der schweren Elemente beim Zusammenstoß von Neutronensternen entsteht.

Mit deren Messung von Gravitationswellen hoffen Astronomen noch tiefer ins Universum schauen zu können, möglicherweise sogar bis an den Beginn der Zeit, den Urknall.

 

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Chile Reiseland Nummer 1 – Hamburg unter Top 10 der Städte http://www.condor.cl/magazin/lonely-planet/ http://www.condor.cl/magazin/lonely-planet/#respond Wed, 25 Oct 2017 21:30:25 +0000 http://www.condor.cl/?p=22443 Der bekannte Reiseführer «Lonely Planet» hat Chile zum Reiseland Nummer 1 auserkoren. Bei den angesagten Städten 2018 kommt Hamburg als einzige deutsche Stadt auf Platz 4.

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Ranking 2018 des Reiseführers Lonely Planet

Der Nationalpark Torres del Paine ist ein touristisches Highlight Chiles. Der Reiseführer Lonely Planet hat den Andenstaat auf Platz 1 der Ziele 2018 gewählt.
Der Nationalpark Torres del Paine ist ein touristisches Highlight Chiles. Der Reiseführer Lonely Planet hat den Andenstaat auf Platz 1 der Ziele 2018 gewählt.

 

Der bekannte Reiseführer «Lonely Planet» hat Chile zum Reiseland Nummer 1 auserkoren. Bei den angesagten Städten 2018 kommt Hamburg als einzige deutsche Stadt auf Platz 4.

 

Von Arne Dettmann

Der weltweit größte Verlag für unabhängige Reise- und Sprachführer hat seine Wahl getroffen: Beim Ranking 2018 der Top-Reiseländer landete Chile auf Platz 1 – und zwar noch vor Ländern wie Südafrika, Neuseeland, Mauritius und Portugal. Das langgezogene Land zeichne sich durch seine isolierte Lage aus: Im Osten die mächtige Andenkette, im Westen der riesige Pazifische Ozean, die knochentrockene Atacama-Wüste im Norden und im Süden das undurchdringliche, wilde Patagonien. Diese Extreme würden das südamerikanische Land für Touristen höchst attraktiv machen, heißt es im Trend-Buch «Best in Travel 2018».

Von Weinproben über Campen in der Wüste bis hin zum Entdecken der Fjorde biete Chile ein breites Spektrum an interessanten Aktivitäten. Die Stadt Santiago sei in den vergangenen Jahren künstlerisch und kulinarisch aufgeblüht. Und die Region Atacama habe sich zum Mekka des Astrotourismus entwickelt.

Außerdem würden die Chilenen im kommenden Jahr nicht nur in der trendigen Hauptstadt Santiago, sondern im ganzen Land zusammen 200 Jahre Unabhängigkeit feiern. Gute Gründe also, dem Andenstaat einen Besuch abzustatten. Dank besserer Flugverbindungen – Nonstop-Flüge von London und Melbourne – sei es nun einfacher, nach Chile zu reisen und dort mit einem Glas Pisco Sour auf den runden Geburtstag anzustoßen.

Die Schöne im hohen Norden und ihre Elbphilharmonie: Hamburg landet bei Lonely Planet auf Platz 4 der attraktivsten Reisestädte 2018.
Die Schöne im hohen Norden und ihre Elbphilharmonie: Hamburg landet bei Lonely Planet auf Platz 4 der attraktivsten Reisestädte 2018.

Bei den Top 10 der Städte schaffte es Hamburg als einzige deutsche Metropole auf Platz 4. Die Hansestadt biete viele Überraschungen, heißt es in dem neuen Buch: Strandbars an der Elbe, ein Nachtleben, das zu den besten Europas zählt, und zahlreiche charmante kleine Bauwerke, die man bei Spaziergängen entdeckt.

«Deutschlands zweitgrößte Stadt hat ein internationales Flair (vor allem in ihren legendären Clubs) – manchmal glaubt man hier sogar, in einem ganz anderen Land zu sein», schreibt «Lonely Planet» und erwähnt dabei portugiesische Bistros und orientalische Märkte. Die Offenheit gegenüber fremden Kulturen sei charakteristisch für die Atmosphäre in der norddeutschen Metropole.

Natürlich preist der Reiseführer auch die 2017 eröffnete Elbphilharmonie an: Ihr Dach schimmere wie ein Kristallsegel, während ihr Fundament die Ziegelästhetik der alten Speicherhäuser aufgreife. «Nicht verpassen» soll man außerdem eine Hafenrundfahrt sowie sonntags in aller Frühe den Fischmarkt.

Auf Platz eins der angesagten Städte für 2018 kommt das spanische Sevilla, gefolgt von Detroit in den USA und Canberra in Australien. Seit mehr als zehn Jahren kürt «Lonely Planet» jedes Jahr jeweils zehn «beste» Städte, Länder und Regionen fürs Folgejahr. Ausgangspunkt für die Autoren des Verlags und die Online-Community sind dabei unterschiedlichen Kriterien, etwa Fragen wie: Welche Orte machen gerade einen spannenden Wandel durch? Welche Ziele werden zurzeit vom Geheimtipp zum Hotspot?

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Ein Hamburger kocht in der Antarktis http://www.condor.cl/magazin/hamburger-kocht-antarktis/ http://www.condor.cl/magazin/hamburger-kocht-antarktis/#respond Sat, 30 Sep 2017 09:29:13 +0000 http://www.condor.cl/?p=22332 Sven Krüger aus Hamburg ist Koch auf der vom Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut (AWI) betriebenen Forschungsstation Neumayer III in der Antarktis.

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Deutschlands südlichster Arbeitsplatz

Sven Krüger steht in der Küche der Forschungsstation des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts in der Antarktis. Frische Lebensmittel sind derzeit Mangelware. Foto: Tim Heitland/dpa
Sven Krüger steht in der Küche der Forschungsstation des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts in der Antarktis. Frische Lebensmittel sind derzeit Mangelware. Foto: Tim Heitland/dpa

Müsli wird knapp, das frische Gemüse ist längst alle – und die nächste Lieferung kommt erst im November. In der Antarktis hält ein Koch aus Hamburg Wissenschaftler mit seinem Essen bei Laune. Regelmäßig dreht er jeden noch vorhandenen Apfel einzeln um.

Bremerhaven (dpa) – Bis November ist es noch lange hin. Sven Krüger freut sich dennoch bereits darauf. Dann wird der Koch endlich wieder eine Lieferung mit Salat, Gemüse, Obst und Eiern erhalten. Die letzte kam im Februar, die frischen Lebensmittel sind längst verbraucht. Nur Äpfel und Orangen sind noch da – und natürlich die lange haltbaren und tiefgekühlten Vorräte. Mal eben in den Supermarkt gehen kann der 35-Jährige nicht.

Sven Krüger aus Hamburg ist Koch auf der vom Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut (AWI) betriebenen Forschungsstation Neumayer III in der Antarktis. Dort gehört er seit Dezember 2016 zur zwölfköpfigen Überwinterungscrew, bestehend aus Wissenschaftlern, einem Ingenieur, einem Elektrotechniker, einem Informatiker, einem Mediziner und einem Kamerateam. Erst Anfang Februar 2018 geht es zurück nach Hause. Dann wird Krüger bereits den nächsten Saison-Koch eingearbeitet haben.

14 Monate im ewigen Eis, fernab der Zivilisation: Diese Erfahrung hat Sven Krüger gereizt. Fast sieben Jahre hat er in seiner Heimatstadt Hamburg als Ausbilder in der Küche eines Verlagshauses gearbeitet. «Dann musste was Neues her.» Durch eine Reportage erfuhr er von der Jobmöglichkeit in der Antarktis. «Ich hatte nie vor, ins Ausland zu gehen.» Schließlich habe er zusammen mit seiner Ex-Partnerin eine elfjährige Tochter. «Aber bei der Stellenausschreibung bin ich neugierig geworden», erzählt Krüger. Und glücklicherweise gebe es ja Videotelefonie.

In einer viermonatigen Vorbereitungsphase in Bremerhaven lernte sich das neue Überwinterungsteam kennen. In dieser Zeit schickte Krüger auch die Bestellung von 1.500 Einzelartikeln los. Der Proviant wurde dann in sechs Containern verstaut, Anfang Januar 2017 kam das Essen mit dem Forschungseisbrecher «Polarstern» in der Antarktis an. Weitere vier Lieferungen folgten mit dem Flieger. Eine Jahresbestellung besteht aus 60 Tonnen Lebensmitteln, darunter 1.500 Litern Milch, 900 Kilogramm Kartoffeln und 5.000 Eiern.

Natürlich konnte Krüger bei der Vorbereitung auf die Erfahrung seiner Vorgänger zurückgreifen. Aber er berücksichtigte auch die Essensvorlieben seiner Kollegen. «Zum Glück sind keine Veganer oder Vegetarier dabei», sagt der 35-Jährige. «Ich koche sehr gerne mit Fleisch.» Auf dem Speiseplan stehen nun Klassiker wie Spaghetti Bolognese oder Schnitzel. Besonders beliebt bei der Crew seien auch Currys. «Ich versuche, dass sich die Leute ausgewogen ernähren.»

Im antarktischen Sommer müssen bis zu 60 Bewohner versorgt werden. Die meisten von ihnen sind inzwischen längst weg, geblieben sind nur die Überwinterer. Im noch anhaltenden antarktischen Winter ist die Neumayer-Station III neun Monate von der Außenwelt abgeschnitten, Lieferungen sind weder per Flugzeug noch mit dem Schiff möglich. 

«Müsli und Haferflocken werden langsam knapp», sagt Krüger. Er habe nicht damit gerechnet, dass so viel davon gegessen wird. Das Vorgängerteam hatte zum Frühstück Brot und Brötchen bevorzugt. «Aber schlimmer wäre, wenn die Süßigkeiten ausgingen.» Schokolade esse das Team gerade jetzt in der dunklen Jahreszeit sehr gerne.

«Grundsätzlich habe ich als Koch ein anderes Verhältnis zu Lebensmitteln», sagt Krüger. «Aber hier wird das noch extremer.» Das gehe so weit, dass er die verbliebenen Äpfel regelmäßig liebevoll drehe: «Damit sie keine Druckstellen bekommen.»

Die Neumayer-Station III

Als Einrichtung in der Antarktis ist die Neumayer-Station III ein kombiniertes Gebäude für Forschung, Betrieb und Wohnen. Die Station dient als logistische Basis für Inlandexpeditionen und Polarflugzeuge. Sie besteht aus mehreren Ebenen. Statt eines geschlossenen Fundamentes verfügt die Station über 16 Fundamentplatten, welche in einem 8,20 Meter tiefen Graben auf dem Schneegrund aufsetzen. Darüber liegt die eigentliche Plattform, auf der alle Räume aus Containern gebildet werden, die von einer Außenhülle umgeben sind. Die steht sechs Meter über der Schneeoberfläche. Die Gesamthöhe der Konstruktion vom Boden der Garage bis zum Dach der Ballonhalle beläuft sich auf 29,20 Meter.

Die deutsche Neumayer-Station III in der Antarktis. Foto: Thomas Steuer
Die deutsche Neumayer-Station III in der Antarktis. Foto: Thomas Steuer

Der Zugang erfolgt von der Garage aus über ein Treppenhaus. Die Container sind in mehreren Ebenen übereinandergestapelt. Sie bieten Platz für 12 Labore und Büros sowie 15 Wohnräume mit 40 Betten. Die Neumayer-Station III gehört zum Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, das nach dem Polarforscher und Geowissenschaftler Alfred Wegener benannt wurde. Das Institut wurde am 1980 als Stiftung des öffentlichen Rechts gegründet und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

 

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Die geplante Seilbahn Bicentenario in Santiago de Chile http://www.condor.cl/magazin/seilbahn-bicentenario/ http://www.condor.cl/magazin/seilbahn-bicentenario/#respond Sun, 24 Sep 2017 11:26:20 +0000 http://www.condor.cl/?p=22303 Die geplante Seilbahn «Bicentenario» in Santiago de Chile soll die Stadtteile Providencia und Huechuraba in nur 11 Minuten Fahrtzeit miteinander verbinden. Heute braucht man für die gleiche Strecke mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Auto um die 40 Minuten.

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Dem Verkehrschaos entschweben

Seilbahn Bicentenario: Darstellung der zukünftigen Seilbahnstation Ciudad Empresarial im Santiaguiner Stadtteil Huechuraba.
Seilbahn Bicentenario: Darstellung der zukünftigen Seilbahnstation Ciudad Empresarial im Santiaguiner Stadtteil Huechuraba.

 

Die geplante Seilbahn «Bicentenario» in Santiago de Chile soll die Stadtteile Providencia und Huechuraba in nur 11 Minuten Fahrtzeit miteinander verbinden. Heute braucht man für die gleiche Strecke mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Auto um die 40 Minuten.

 

Von Fernanda Neißkenwirth

Die 3,4 Kilometer lange Seilbahn soll 2022 fertig gestellt werden und über drei Stationen verfügen. Die erste ist für die Kreuzung Thayer Ojeda mit Nueva Providencia vorgesehen, die Zwischenstation am Cerro San Cristóbal (östlich vom Antilén-Schwimmbad) und die dritte in der Ciudad Empresarial (Avenida El Parque mit Santa Clara). Die Seilbahn mit ihren 148 Gondeln wird eine Kapazität von 6.000 Fahrgästen – 3.000 in jeder Fahrtrichtung – pro Stunde aufweisen. Jede Kabine hat eine Kapazität von 10 Passagieren und soll im 12-Sekunden-Takt fahren.

Bis zum 23. November sind Firmen dazu aufgerufen, sich für das Projekt zu bewerben; der Baubeginn ist für das Jahr 2020 anvisiert. Bisher haben 18 Unternehmen Interesse an der Ausschreibung gezeigt. Die Kosten belaufen sich laut Schätzungen auf 80 Millionen US-Dollar.

Der Verwaltungsleiter für die Metropolregion, Claudio Orrego, erhofft sich von der Seilbahn mehrere Vorteile: Die Seilbahn sei umweltfreundlich, da sie abgasfrei ist; sie soll dazu beitragen, den Straßenverkehr zu entlasten; sie werde dank der verkürzten Fahrtzeiten die Lebensqualität der Menschen verbessern; und last but not least wird die Seilbahn auch eine neue Touristenattraktion in Santiago darstellen.

Die geplante Seilbahn Bicentenario in Santiago de Chile wird über drei Stationen verfügen.
Die geplante Seilbahn Bicentenario in Santiago de Chile wird über drei Stationen verfügen.

Kritik am Projekt wurde dennoch laut. Die Bürgermeisterin von Providencia, Evelyn Matthei, hat den Bau der Station an der Ecke Thayer Ojeda mit der Plaza Nueva Zelanda vehement abgelehnt. Die Gegend zwischen der Metro Tobalaba und dem Eingang zur Einkaufsmall Costanera Center sei bereits hoffnungslos von Passanten überlaufen. Diese Situation würde außerdem noch durch die baldige Öffnung der Büros im 64 Stockwerke hohen Torre Costanera Center und die zukünftige Einweihung der neuen Metrolinie 7 verschärft.

Die verantwortlichen Politiker diskutieren daher derzeit, wie die Seilbahn dennoch in das Stadtbild eingefügt werden kann. Verkehrsexperten verweisen allerdings darauf, dass nicht so sehr die Seilbahn selbst das Hauptproblem sei. Der Direktor der Fakultät für Architektur an der Universidad Diego Portales, Ricardo Abuauad, erklärte kürzlich in einem Interview mit dem Radiosender Bío Bío, dass der gesamte öffentliche Personennahverkehr verbessert werden müsste.

Alle städteplanerischen Projekte der vergangenen Jahre hätten als Ziel gehabt, das Straßen- und Stadtautobahnnetz zu erweitern – mit Erfolg. Doch das habe gleichzeitig zu einem Anstieg der privaten Wagennutzung geführt. Was Santiago aber – eine Stadt, die laut der jüngsten Volkszählung über 40 Prozent der Bevölkerung auf sich konzentriert, brauche, sei ein besseres öffentliches Verkehrssystem und deren Vernetzung mit weiteren Transportmittel, wie zum Beispiel Fahrrad und eben der Seilbahn.

Der Experte empfiehlt zudem, eine zentrale Behörde für Stadtplanung einzurichten, da bisher Verkehrsprojekte wie die Seilbahn in der Verantwortung von den Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden liegen, die nur die Interessen ihrer eigenen Kommunen vertreten.

 

Seilbahnen in Südamerika

Die Seilbahn in der bolivianischen Hauptstadt La Paz
Die Seilbahn in der bolivianischen Hauptstadt La Paz

Sollte die geplante Seilbahn in Chiles Hauptstadt fertig gestellt werden, wird sie allerdings längst nicht die einzige in Südamerika sein. Der in Stadtplanung spezialisierte Architekt, Francisco Schmidt, hebt im Gespräch mit dem Cóndor zwei zwei bedeutende Seilbahnen auf dem Subkontinent hervor, die ein gutes Beispiel aufgrund ihrer positiven Auswirkungen abgeben. Das sind die Seilbahnen in La Paz (Bolivien) und Medellín (Kolumbien).

Der Teleférico de Medellín in Kolumbien
Überwindung von Höhenunterschieden: Der Teleférico de Medellín in Kolumbien

Beide haben es auf eine effiziente Weise geschafft als Transportmittel für Massenverkehr zwischen dem Zentrum und der Peripherie zu dienen. Gemein haben sie außerdem, dass sie sich in einer extrem bergigen Gegend befinden, an dem sie Orte mit enormen Höhenunterschieden verbinden. «Diese Seilbahnen können als zukunftsweisend eingestuft werden, da sie auf High-Tech basieren, sozial gleichberechtigt von vielen Menschen aller Einkommensschichten benutzt werden und eine umweltfreundliche Lösung darstellen.»

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Erst schnuppern, dann trinken: Weinprobe bei Vinolia in Santiago http://www.condor.cl/magazin/vinolia/ http://www.condor.cl/magazin/vinolia/#respond Fri, 22 Sep 2017 13:00:47 +0000 http://www.condor.cl/?p=22287 Bei der Weinhandlung Vinolia in Santiago de Chile wird der Besucher zuerst in die Welt der Duftaromen eingeführt, bevor es zur eigentlichen Weinprobe geht.

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Chilenischen Wein mit allen Sinnen entdecken

Brombeeren, Birne, Vanille und Paprika: Das alles und noch viel mehr sind Aromen, die bei Vinolia entdeckt werden können.
Brombeeren, Birne, Vanille und Paprika: Das alles und noch viel mehr sind Aromen, die bei Vinolia entdeckt werden können.

Bei der Weinhandlung Vinolia in Santiago de Chile wird der Besucher zuerst in die Welt der Duftaromen eingeführt, bevor es zur eigentlichen Weinprobe geht.

 

Von Arne Dettmann

Keine Frage, Wein trinken macht Spaß und hebt die Stimmung. Doch Experten verweisen oft darauf, dass der raffinierteste Teil beim Riechen abläuft, also noch bevor die Flüssigkeit über unsere Zunge rollt. Denn beim Duften des Weins nehmen wir das Bouquet über unsere Nase auf.

Ein solches sensorisches Erlebnis bietet seit ein paar Monaten die neue Weinhandlung Vinolia in Santiago de Chile an. Dort kann der Besucher an zwölf Tischen mit jeweils vier Duftnoten seinen Schnüffelsinn unter Beweis stellen. Zitrone von Banane zu unterscheiden mag ja noch leicht sein. Aber beim Tischchen mit den Essenzen von Schokolade, Nelken, Feige und Karamell wird´s schon schwieriger. Auch zwischen einem feuchten Waldboden und nassem Leder liegen nur feine Nuancen.

Bei einer Degustation in Vinolia werden fünf Weine probiert. Dazu gibt es Käse und Brot als Geschmacksneutralisierer.
Bei einer Degustation in Vinolia werden fünf Weine probiert. Dazu gibt es Käse und Brot als Geschmacksneutralisierer.

Die etwa zehn Millionen menschlichen Riechzellen sind in der Lage, mehr als 400 verschiedene Typen zu unterscheiden. Bei Vinolia sind zwar nur 48 im Angebot, doch die reichen vollkommen aus, sich überraschen zu lassen: Sind das nun Himbeeren oder Kirschen, was da so fruchtig aus dem Glas duftet? Wer hat den richtigen Riecher? Die Lösung erfährt der Gast, wenn er den entsprechenden Deckel hochhebt und Informationen über das Aroma erhält.

Kritische Zeitgenossen mögen jetzt anmerken, dass das Ganze doch Haarspalterei sei, denn was der Mensch selbst im Glas riecht, das schmeckt er auch. Das stimmt – aber nicht ganz. Die Erklärung: Wenn der Wein den Gaumen passiert, strömt der Duft in die hinteren Nasengänge und ruft an den Schleimhäuten die Sinneswahrnehmungen hervor, die wir zu schmecken glauben. Die Zunge selbst kann nur süß, sauer, bitter, salzig und würzig erkennen. Die Empfindung «scharf» wird vorwiegend von Schmerzsensoren wahrgenommen. Die Aromenvielfalt wird also über die Nase entdeckt. Und mal ehrlich: Wer beißt schon in eine Zigarrenkiste, um Holz-Röstaromen zu schmecken?

Nach dieser abwechslungsreichen Schnüffelprobe geht es aber dann doch ans Eingemachte. Der Besucher verlässt den «sala de los sentidos» und nimmt in einem Kino ähnlichen Saal Platz, wo fünf Weine zur Probe serviert werden. Im jeweiligen Kurzfilm präsentiert sich das Weingut samt Anbaugebiet.

Echte Connaisseure haben nun die Chance, eindeutig zu punkten: Der Pinot Noir, Gran Reserva, von Casas del Bosque dufte nach Feige und Rosmarin, erklärt der eine. Der Cabernet Franc von der Viña Loma Larga erinnere an Cassis, Gewürze und rote Früchte, erklärt der andere. Doch dann gibt es wiederum Teilnehmer dieser geselligen Runde, die sich nur auf ihre Intuition verlassen: getrunken wird, was mir schmeckt. Prost!

Vinolia
Alsonso de Monroy 2869, Lokal 5
Vitacura
Telefon +56 2 260 48 528
E-Mail: contacto@vinolia.cl
www.vinolia.cl

Die Touren dauern eineinhalb Stunden und kosten pro Person 32.500 Pesos. Sie finden von montags bis samstags um 16.30 Uhr, 18.30 und 20.30 Uhr statt. Reservierungen von Gruppen bis zu 42 Personen sind möglich. Derzeit stehen Weine von jeweils fünf Gütern aus dem Anbaugebiet Colchagua sowie dem Valle de Casablanca zur Probe. In diesem Jahr soll noch das Maipo-Tal hinzukommen.

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