«Der zerrissene Vorhang» von Alfred Hitchcock

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Von Walter Krumbach

Alfred Hitchcocks DDR-Spionagefilm war nach seiner Uraufführung lange nicht so erfolgreich wie etwa «Die Vögel» oder «Psycho». Er füllte zwar die Kinos, aber die Kritik war nicht gerade wohlwollend. Auch der Regisseur war bei der Arbeit nicht besonders glücklich gewesen. Die Universal hatte als Hauptdarsteller Paul Newman und Julie Andrews durchgesetzt, die gerade zu Weltberühmtheiten avanciert waren. Newman, ein «Method actor», war es gewohnt, sich jede Szene in allen Einzelheiten erklären zu lassen und sie dann noch in aller Ruhe zu diskutieren, was dem Top-Regisseur überhaupt nicht ins Konzept passte. Und über Andrews, die gerade als «Mary Poppins» einen Oscar erhalten hatte, soll Hitchcock gelästert haben: «Alle saßen herum und warteten, dass sie sang».
Die Unstimmigkeiten hatten auf das Endergebnis jedoch keinen Einfluss. Der Film hat eine bewegte Handlung, die der Regisseur gekonnt zu steigern weiß. Zudem hatte er eine vorzügliche Schauspielerriege zur Verfügung, darunter die Deutschen Ludwig Donath als Professor Lindt und Wolfgang Kieling als DDR-Agent Gromek. Mit Gromek zeigt Hitchcock übrigens in seiner typisch genüsslich-makabren Machart, wie schwierig es ist, einen Menschen umzubringen. Hitchcock kritisierte mit Vorliebe seine Kollegen, die in den Gewaltszenen Figuren etwa durch einen Schuss auf der Stelle tot umfallen ließen. Das entspräche nicht den Tatsachen so einer Situation, meinte er. Besagter Gromek wird in einem Bauernhaus von Paul Newman und der Bäuerin zunächst gewürgt, dann mit dem Küchenmesser erstochen, anschließend schlägt die Frau ihm, während er mit Newman ringt, mit dem Spaten wiederholt gegen die Beine, bis er zusammenbricht und schließlich schleppen sie ihn zum Küchenherd und vergasen ihn.
Die Kopie hat natürliche, satte Farben. Streckenweise stört jedoch eine leichte Grobkörnigkeit. Die Tonspur wird, denkbar bescheiden, in 2.0-Technik wiedergegeben.
Einige Extras der Platte sind durchaus empfehlenswert: Der 32-minütige Dokumentarfilm «Der zerrissene Vorhang hebt sich» berichtet von den Dreharbeiten in Deutschland und den USA. Die Schwierigkeiten zwischen Hitchcock und Newman werden nicht ausgeklammert. Besonders anschaulich wird die Begabung des Regisseurs, Spannung herzustellen, geschildert.
Die Originalmusik zum Film von Bernard Herrmann, den Hitchcock während des Drehs nach langjähriger, überaus erfolgreicher Zusammenarbeit feuerte, ist zu den Bildern synchron beigefügt, womit der Zuschauer einen Eindruck gewinnt, wie der Film ausgesehen (oder vielmehr seine Tonspur sich angehört) hätte, wenn Herrmanns Kompositionen verwendet worden wären. Produktionsfotos und der Kinotrailer vervollkommnen das Zusatzangebot.

«Der zerrissene Vorhang», («Torn Curtain»), USA, 1966. Regie: Alfred Hitchcock. Produktion: Alfred Hitchcock. Drehbuch: Brian Moore. Musik: John Addison. Kamera: John F. Warren. Mit: Paul Newman, Julie Andrews, Lila Kedrova, Hansjörg Felmy, Tamara Toumanova, Ludwig Donath, Wolfgang Kieling, Günter Strack. Spieldauer: 127 Min.

Bild ***
Ton *
Darbietung ****
Extras ****

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