«Titanic» von James Cameron

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Von Walter Krumbach

Der erfolgreiche Katastrophenfilm, in dem der berühmteste Schiffsuntergang der Geschichte einer Überlebenden zunächst als Animation vorgeführt und danach wahrheitsnah in allen Einzelheiten geschildert wird, liegt nunmehr in einer üppig ausgestatteten Box vor, die vier Platten enthält: eine Blu-ray mit dem gesamten Film, eine zweite Blu-ray mit über sechs Stunden Features und zwei DVDs, ebenso mit der vollständigen Handlung. Bei so reichhaltig vorhandenem Material überrascht der Kaufpreis: knapp 10.000 Pesos blättert man in Santiago für diese Produktion auf den Tisch. Liegt dieser günstige Betrag etwa darin begründet, dass im kommenden Monat April die ersten 4K-Platten auf den Markt kommen? Es handelt sich dabei um Blu-ray-discs, die viermal so hochauflösend sind wie die herkömmlichen blau bestrahlten Scheiben und ihnen somit eine nicht zu unterschätzende Konkurrenz bedeuten werden.

Wie dem auch sei, die digitale Überarbeitung dieser «Titanic» ist hervorragend. Man nimmt erstaunt Details an dem sorgfältig nachgebildeten Ozeanriesen zur Kenntnis, die auf der DVD gar nicht oder nur ansatzweise zu bemerken waren. Die zeitgemäßen Kostüme beeindrucken durch ihre tadellose Fertigung, die zahlreichen Massenszenen sind in allen Einzelheiten erfassbar und die Spezialeffekte kommen vortrefflich zur Geltung. Dabei sind die Überblendungen besonders wirkungsvoll, wenn etwa der stolze Dampfer sich in das  gegenwärtige Wrack auf dem Meeresgrund oder die junge Rose mit ihrem faltenfreien Gesicht sich in eine 100-jährige Oma verwandelt.

Der Clou ist jedoch das bereits erwähnte reichhaltige Bonusmaterial. Dem Handlungsablauf können zum Beispiel Kommentare des Regisseurs, der ausführenden Produzentin Rae Sandini, dem Produzenten Jon Landau oder den Historikern Ken Marschall und Don Lynch beigeschaltet werden. Eine Extraplatte bringt geschichtliche Fakten, informiert über die Dreharbeiten und ein einstündiger Dokumentarfilm berichtet, wie die Tragödie auf hoher See anhand der verfügbaren Informationen in allen Einzelheiten nacherzählt werden konnte. Besonders empfehlenswert ist die Dokumentation «Das letzte Wort über den Untergang der Titanic», die schon allein mit ihren 96 Minuten Spieldauer ein abendfüllendes Programm ausmacht. Außerdem erläutert Regisseur James Cameron in einem ausführlichen Gespräch, wie er «die Geschichte von Romeo und Julia auf diesem Schiff» schildern wollte.

Besonders Wissenswertes erfährt man über die beigefügten «deleted scenes», der beseitigten Szenen. Personen, die in der Endfassung nur phantomhaft auftreten, entwickeln sich unversehens in lebendige Figuren, wie etwa die blondgelockte Helga mit den blauen Augen, welche von Jack Dawsons Freund Fabrizio umschwärmt wird. Man begreift auch gewisse Zusammenhänge, zum Beispiel warum der leidige Lovejoy kurz vor der Katastrophe sich mit blutüberströmten Gesicht an die Reling klammert: er hatte sich mit Jack Dawson auf eine Schlägerei brutalster Art eingelassen, bei der er mit dem Kopf eine Glastür zerschlug.

Beim Betrachten dieser hervorragend gedrehten Szenenfolgen bedauert man, dass sie allesamt der Schere zum Opfer fielen. Aber viereinviertel Stunden Spieldauer wären eben eindeutig zu viel gewesen. Schade nur, dass Cameron die Schlüsselszene zwischen der greisen Rose Calvert und der Crew des «Keldysh» entfernte, in der die alte Dame den Diamanten zum Entsetzen der Schatzsucher ins Meer wirft.    

Titanic-Fans sind angehalten, bei diesem Fressen der seltenen Art (und bei dem Preis!)  getrost zuzugreifen.         

«Titanic», USA, 1997. Regie: James Cameron. Produktion: James Cameron, Jon Landau. Drehbuch: James Cameron. Musik: James Horner. Kamera: Russell Carpenter. Mit Leonardo di Caprio, Kate Winslet, Frances Fisher, Billy Zane. Spieldauer: 194 Min.

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Darbietung ****
Extras *****

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