«Spotlight» von Tom McCarthy

 

4204_p11-bluerayVon Walter Krumbach

Der Film beruht auf wahren Begebenheiten. In den USA begingen Priester der römisch-katholischen Kirche massenweise sexuellen Missbrauch an Minderjährigen. Allein in der Erzdiözese Boston vergriffen sich in der Zeit bis um die Jahrtausendwende nachweislich 87 Geistliche an etwa 1.000 Kindern. Die Kirchenführung war trotz zahlreicher Hinweise den Fällen nicht nachgegangen, sondern hatte lediglich die Täter an andere Gemeinden versetzt.

Tom McCarthys und Josh Singers Drehbuch hält sich an die Untersuchung der Fälle, die die investigative Journalistengruppe «Spotlight» der Zeitung «Boston Globe» vornahm.

Die bewegte Handlung des Films lässt eine gewisse Spannung aufkommen, die jedoch von endlosen Dialogen beeinträchtigt wird. An diesen sind außerdem wiederholt Rechtsanwälte beteiligt, wodurch die Gespräche sich nicht gerade kurzweiliger gestalten. Immerhin ist die Darstellung der Recherchen und was dabei ans Licht kommt so überzeugend, dass der Zuschauer an der Handlung aktiv teilhat. Der Bostoner Skandal ist bekanntlich kein Ausnahmefall, weshalb es sich durchaus lohnt, ihn in seiner Filmfassung kennenzulernen.

Die Fertigung der Platte ist von hoher Qualität, das Bild ist feinkörnig und gestochen scharf. Zwei Dokumentationen von insgesamt sechs Minuten Spieldauer (!) sind beigelegt. Die Hauptdarsteller und der Regisseur äußern sich zu dem Bostoner Priesterskandal, zur Rolle der Medien und zur filmischen Umsetzung des Geschehens. Dabei erfährt der Zuschauer keine zusätzliche Information – diese hat er bereits beim Betrachten des Langspielfilms erhalten. Eine Enttäuschung. Im Hinblick auf diese brisanten Vorfälle und darauf, dass Kinderschändungen in der Kirche in den letzten Jahren ein Thema darstellen, welches weltweit schockartige Reaktionen ausgelöst hat, ist es unfassbar, dass die Produzenten es nicht der Mühe wert fanden, einen passablen Bericht zusammenzustellen.  

«Spotlight», USA, 2015. Regie: Tom McCarthy. Produktion: Blye Pagon Faust. Drehbuch: Tom McCarthy, Josh Singer. Musik: Howard Shore. Kamera: Masanobu Takayanagi. Mit: Mark Ruffalo, Michael Keaton, Rachel McAdams, Liev Schreiber, Stanley Tucci. Spieldauer: 128 Min.

Bild *****
Ton ***
Darbietung ****
Extras *

Print Friendly, PDF & Email

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*