Richard Strauss: Letzte Lieder und Alpensinfonie in der Semperoper

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Von Walter Krumbach

Das Konzert im feierlichen Rahmen der Dresdner Semperoper beginnt mit dem «Ernsten Gesang» für Orchester von Wolfgang Rihm (1952). Das Werk beansprucht, eine Antwort auf Brahms‘ «Vier ernste Gesänge» zu sein. Es ist ein 10-minütiges, obskures, recht eintöniges Stück. Weshalb es zusammen mit den folgenden, herausragenden Kompositionen auf ein Programm gesetzt wurde, ist schleierhaft.
Es folgen nämlich die Vier letzten Lieder von Richard Strauss, mit dem interessanten Zusatz von «Malven», ein Lied, welches Strauss 1948 der Sopranistin Maria Jeritza in die Kehle schrieb. Seitdem schlummerte es jahrzehntelang in einem Tresor, bis es nun von Wolfgang Rihm orchestriert wurde. Anja Harteros Vortrag ist eine Offenbarung, lyrisch-verinnerlicht, voll von elegant geformten Melodiekonturen, Strauss pur, hinreißend musiziert.
Die Staatskapelle begleitet sie einfühlsam und stilsicher, das wunderschöne Geigensolo in «Beim Schlafengehen» spielt Konzertmeister Matthias Wollong fein konturiert, passioniert und zu Herzen gehend. Dementsprechend reagiert das Publikum begeistert, mit langanhaltendem Applaus.
Mit der Alpensinfonie ist der Dirigent Christian Thielemann voll in seinem Element. Er holt aus dem Orchester einen schier unerhörten Klangreichtum heraus. Man erinnert sich unversehens daran, dass kein geringerer als Richard Wagner die Staatskapelle schmeichelnd als «Zauberharfe» apostrophierte. Der Ausflug in die süddeutsche Bergwelt ergibt sich kontrast- und ungemein farbenreich. Die Tontechnik balanciert den großen Klangkörper gut aus. Daher verwundert es, dass Harfen, Kuhglocken und Windmaschine kaum hörbar sind, obwohl die Bildregie sie in Großaufnahme zeigt.
Extras hat die Platte keine, abgesehen von fünf Trailern mit je ein paar Musikfetzen. Besonders informativ sind sie nicht, sodass man selbst an ihrer Werbewirksamkeit zweifeln darf.

Kompositionen von Wolfgang Rihm und Richard Strauss, Deutschland, 2014. Regie: Michael Beyer. Ausführende: Anja Harteros, Sopran und die Staatskapelle Dresden unter Christian Thielemann. Spieldauer: 103 Min.

Bild ****
Ton ***
Darbietung *****
Extras *

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