Mozarts «Così fan tutte» im Opernhaus Zürich

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Von Walter Krumbach

Wolfgang Amadeus Mozarts spritzige Komödie über Liebe, Eifersucht und Untreue ging 2009 in einer einnehmenden Inszenierung über die Bretter des Zürcher Opernhauses. Bühnenbildner Rolf Glittenberg schuf eine denkbar einfache, minimalistische und daher dem Geschehen umso wirksamere Szenendekoration, so dass Regisseur Sven-Eric Bechtolf seinen Sängern einen breiten Spielraum geben konnte.
Und wie sie spielen! Das erstklassige Ensemble ist bestens aufgelegt und lässt eine witzige Situation der anderen folgen. Dabei kommt Mozarts Ironie voll zur Geltung. Der geniale Tonschöpfer ließ sich nämlich edelste, zu Herzen gehende Melodien einfallen, um die Betrügereien der Liebenden zu untermalen.
Nur am Ende der Oper passiert etwas völlig Unverständliches: Fiordiligi hebt zum Toast ein Glas mit einem Gifttrunk, nimmt einen Schluck und fällt auf der Stelle coram publico mausetot um. Schlagartig verwandelt sich das Geschehen nach drei Stunden vergnüglichster Unterhaltung in eine Tragödie. Es lief alles so gut, warum hat der Regisseur nur diesen Unsinn gebaut? Ob damit der kalte Höflichkeitsapplaus begründet ist, den zum Schluss das Zürcher Publikum den Künstlern trotz ihrer außerordentlichen Leistungen spendet, fragt man sich.
Die beiden jugendlichen Paare sind in Höchstform, Malin Hartelius und Anna Bonitatibus beeindrucken durch Charme und Mutterwitz, Javier Camarena und Ruben Drole treiben den Unfug wiederholt an die Spitze, und genießen das hemmungslose Herumalbern sichtlich. Martina Janková (Despina) ist eine geborene Komödiantin und Oliver Widmer (Don Alfonso) ist als Philosoph der letzten Kategorie einfach köstlich.
Chor und Orchester lassen keine Wünsche offen, und der Dirigent Franz Welser-Möst zeigt sich als Mozart-Kenner und -Interpret allerersten Ranges. Unter den verschiedenen Höhepunkten des Abends sei nur Ferrandos Arie «Un‘ aura amorosa» verzeichnet, die Javier Camarena mit Geschmack und unwiderstehlichem Schmelz singt, wie man sie seit Alfredo Kraus Plattenaufnahme unter Karl Böhm nicht mehr gehört hat. Eine Produktion, die musikalisch keine Wünsche offen lässt.
Ein besonderes Plus der Produktion ist der auf 7.1 Kanäle verteilte Ton. Auch wenn man die Platte auf einem 5.1-Wiedergabegerät abspielt, genießt man die vortrefflich gestaffelte Räumlichkeit. Man glaubt, im Orchestergraben zu sitzen, denn die verschiedenen Instrumentalgruppen ertönen von ringsumher. So erklingt zum Beispiel der Hammerflügel, der die Rezitative begleitet, hinten rechts und hebt sich deutlich von den anderen Schallquellen ab. Ebenso wurden die Fortbewegungen der Sänger berücksichtigt, weshalb ihre Stimmen stets mit der Position, die sie auf dem Bildschirm einnehmen, übereinstimmen.
Extras hat die Blu-ray keine. Im Beiheft ist jedoch ein informativer, sehr gut recherchierter Artikel von Ronny Dietrich abgedruckt, in dem er das Thema Liebe und seine Aufbereitung in den Opern, die Mozart nach den Libretti von da Ponte komponiert hat, unter die Lupe nimmt.

«Così fan tutte», Schweiz, 2009. Musikalische Leitung: Franz Welser-Möst. Regie: Sven-Eric Bechtolf. Mit Malin Hartelius, Anna Bonitatibus, Marina Janková, Javier Camarena, Ruben Drole, Oliver Widmer. Spieldauer: 200 Min.

Bild ****
Ton *****
Darbietung ****
Extras **

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