«Kleopatra» von Joseph Mankiewicz

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Von Walter Krumbach

Der Mammutfilm über die ägyptische Königin erreichte bereits vor seiner Premiere Weltberühmtheit, zum einen wegen der schwindelerregenden Summen, die die 20th Century Fox in die Produktion steckte; und zum anderen durch die Liebesaffäre zwischen Liz Taylor und Richard Burton, die auf dem Set unverhohlen Zärtlichkeiten austauschten.
Beide waren zu dem Zeitpunkt (noch) mit anderen Partnern verheiratet. Die internationale Skandalpresse erkannte auf Anhieb den hochwillkommenen Stoff und schlachtete ihn in aller Ausführlichkeit aus. Gedreht wurde in den Cinecittà-Studios in der Nähe Roms. So bezogen nicht nur die Magazine, sondern auch der benachbarte Vatikan wiederholt über das moralisch anfechtbare Verhalten der Hauptdarsteller Stellung.
Darryl F. Zanuck, Vizepräsident der Fox, hatte allerdings andere Sorgen. Die Filmgesellschaft sollte durch «Kleopatra» von der Pleite gerettet werden, was zunächst ein Ding der Unmöglichkeit zu sein schien. Rouben Mamoulian, der ursprüngliche Regisseur, wurde entlassen, nachdem die Dreharbeiten bereits fortgeschritten waren. Joseph Mankiewicz sprang ein, als die beiden männlichen Hauptdarsteller, Peter Finch und Stephen Boyd, neue Verpflichtungen wahrnehmen und daher die Produktion verlassen mussten. Rex Harrison und Richard Burton übernahmen die Rollen Cäsars und Marc-Antons. Somit mussten sämtliche Szenen dieser beiden Figuren, die bereits «im Kasten» waren, noch einmal gedreht werden.
Das Drehbuch war, so Mankiewicz, unbrauchbar. Er schrieb es nachts von neuem und führte tagsüber Regie. Um nicht zu ermatten, spritzte er sich jeden Morgen ein Aufputschmittel ein.
Es entstand ein zweiteiliges Riesenepos von über sechs Stunden Spieldauer. Als der Dreh nach knapp drei Jahren endlich beendet und der Regisseur dem psychischen und körperlichen Zusammenbruch nahe war, protestierte Zanuck energisch: sechs Stunden seien für die Kinogänger unzumutbar. Er feuerte Mankiewicz und schnitt den Film auf vier Stunden und elf Minuten zusammen.
Diese Fassung ist hervorragend restauriert und auf Blu-ray überspielt worden. Sie besitzt trotz der drastischen Kürzungen Logik, und die Handlung ist von Anfang bis Ende verständlich. Die Farben sind hervorragend, das Bild scharf, der Ton tadellos. Infolge der Länge des Films und der vielen Extras wird «Kleopatra» auf zwei Platten geliefert.
Diese behandeln verschiedene Themen, von der historischen Figur der Hauptperson zu den abenteuerlichen Dreharbeiten bis zur Suche nach dem verschollenen Material. Heute, über 50 Jahre nach der Premiere, sind nicht wenige Filminteressierte der Ansicht, dass die Originalfassung wieder hergestellt werden sollte.
Besonders sehenswert ist die zweistündige Dokumentation «’Cleopatra‘, the movie that changed Hollywood», welche sich eingehend mit den Dreharbeiten befasst und zahlreiche Aufnahmen einblendet, die später nicht verwendet beziehungsweise beseitigt wurden.
Dem Film können Kommentare von zwei Söhnen Joseph Mankiewicz‘, Jack Brodsky und Martin Landau, dem Darsteller des Rufio, zugeschaltet werden. Sie sind in verschiedenen Sprachen untertitelt. Man erfährt Wissenswertes über die Entstehung der Szenen, die gleichzeitig auf dem Bildschirm erscheinen. Bedauerlicherweise schweifen die Erzähler oft ab. So beklagt sich Martin Landau eingehend und in bitterem Ton darüber, dass seine besten Auftritte herausgeschnitten wurden und er infolgedessen seine Oscar-Nominierung einbüßte.
Alles in allem ein Stück Filmgeschichte, mit viel Licht und auch viel Schatten, die einem jede Menge Kurzweil spendiert.

«Cleopatra», USA, 1963. Regie: Joseph L. Mankiewicz. Produktion: Walter Wanger. Drehbuch: Sidney Buchman, Joseph L. Mankiewicz. Musik: Alex North. Kamera: Leon Shamroy. Mit: Elizabeth Taylor, Richard Burton, Rex Harrison, Martin Landau. Spieldauer: 251 Min.

Bild *****
Ton ****
Darbietung ***
Extras *****

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