«Isabel» von Jordi Frades

Von Walter Krumbach

Isabella von Kastilien (1451-1504) ist zweifelsohne eine der stärksten Frauenpersönlichkeiten der Geschichte. Sie war noch nicht volljährig, als sie sich dreimal erfolgreich dagegen wehren konnte, politisch begründete Vermählungen eingehen zu müssen. Vor einem vierten unerwünschten Bräutigam rettete sie sich, als er kurz vor der Unterzeichnung des Ehevertrags völlig unerwartet verstarb.

Die Prinzessin entschied sich schließlich für Ferdinand, den Thronfolger von Aragón, den sie ob seiner Zielstrebigkeit und Tapferkeit bewunderte. Mit ihm führte sie eine lebenslange, glückliche Ehe. Das Zweigespann baute nach der Thronbesteigung Kastilien und Aragón zu einer über die Grenzen Europas hinaus gefürchteten Macht aus. Sie setzten sich unbeugsam für die römische Kirche ein, was ihnen 1494 den päpstlichen Titel «Katholische Könige» einbrachte.

Isabella förderte entschieden und ermöglichte das ungewisse und überaus kostspielige Projekt des Christoph Kolumbus, über den Atlantischen Ozean eine kürzere Reiseroute nach Indien zu erkunden. Die Expedition des Genuesers hatte 1492 die Entdeckung Amerikas zur Folge, womit die Grundlage für das spanische Kolonialreich gegeben war.

Während ihrer Regentschaft eroberten Isabella und Ferdinand das Emirat von Granada, was eine unerbittliche Verfolgung von Muslimen und Juden nach sich zog. Das Königspaar führte die Inquisition ein, eine staatliche Behörde zur Bekämpfung der Häresie, die mit unerbittlicher Härte und Grausamkeit vor allem gegen getaufte Juden (conversos) vorging, denen vorgeworfen wurde, ihrem ehemaligen Glauben nachzugehen.

Die Fernsehserie schildert in drei Staffeln von insgesamt 39 Folgen das Leben Isabellas von ihrer Jugend bis zu ihrem Tod. Bei der Produktion wurde an Mitteln nicht gespart. Das beginnt schon mit dem Drehbuch. Gründliche Recherchen sorgten für die historische Genauigkeit jeder Szenenfolge. Die Dialoge, die ja gezwungenermaßen eine literarische Schöpfung sind, überzeugen in jeder Hinsicht. Von der edlen Redewendung im Thronsaal bis zum derben Fluch auf dem Schlachtfeld ist der Sprachgebrauch stets glaubhaft-echt.

Zahlreiche Außenaufnahmen wurden an Originalschauplätzen gedreht. Tief beeindruckend ist etwa Isabellas und Ferdinands Einzug in den Löwenbrunnenhof der Alhambra. Einige Bauten mussten mittels Digitalverfahren auf ihr Aussehen im 15. Jahrhundert «zurückverwandelt» werden.

Regisseur Jordi Frades lässt mit ruhiger Kameraführung Bilder von unerhörter Schönheit einfangen. Kein Detail scheint ihm zu entgehen, von der prächtigen, rembrandtschen Ausstattung am Hof von Flandern bis zur überwältigenden kastilischen Landschaft. Sogar der Farbeinsatz spielt eine Rolle: der brennende Kamin im Schloss drückt Wärme und Geborgenheit aus, bei heftigen Wortgefechten blasst das Bild fast bis zum Schwarzweiß ab.

Die schauspielerischen Leistungen sind – auch in den kleineren Rollen – von höchstem Niveau. Die gründliche Einarbeitung der Darsteller in ihre vielschichtigen Figuren und die Proben, die dem Dreh vorausgingen, ermöglichten ihnen, ungemein glaubwürdige Gestalten zu schaffen. Ein besonderes Lob gebührt dem Sprachgebrauch: Die Artikulation ist trotz des überwiegend schnellen Rhythmus perfekt: nicht einen Konsonanten verschlucken die Akteure. Man sieht, hört und staunt.

Hervorzuheben ist auch die von Federico Jusid komponierte Musik, die das Geschehen eindrucksvoll untermalt. Er zieht alle Register und lässt seine Kunst besonders bei den Zeremonien in den verschiedenen Höfen und Kirchen glänzen. Dabei schielt er freilich nach Hollywood, wie es Jordi Frades in einem beigefügten Interview bestätigt, in dem er sich als eingefleischter Fanatiker von Steven Spielberg und John Williams ausgibt und zur Kritik Stellung nimmt, die Serie habe «zu viel» Musik.

An Extras wurde nicht gespart. Zahlreiche Aufnahmen der Dreharbeiten veranschaulichen die tägliche Arbeit des Produktionsteams. Eine Dokumentation erläutert die zahlreichen Eingriffe der Digitaltechnik in die Schauplätze: 30 Soldaten vermehren sich zu einem riesigen Heer, eine warme Sommerlandschaft ist unversehens von Schnee und Eis bedeckt, aus einem See wird der Landungsort Kolumbus‘ in San Salvador. Dazu können geschichtsinteressierte Zuschauer hochinformative Biographien der Hauptpersonen herunterladen. Ein Trailer und eine Fotogalerie sind ebenso vorhanden.

«Isabel», Spanien, 2012-2014. Regie: Jordi Frades. Produktion: Diagonal TV, im Auftrag von Televisión Española. Drehbuch: Nacho Pérez de la Paz, Laura Sarmiento, Anaïs Schaaf, Jordi Clafí u.a. Musik: Federico Jusid. Kamera: David Azcano, José Luis Moreno. Mit: Michelle Jenner, Rodolfo Sancho, Jordi Díaz, Ramón Mandaula, Eusebio Poncela, Julio Manrique, Fernando Guillén-Cuervo u.v.a. Spieldauer:  2908 Min.

Bild *****
Ton ***
Darbietung *****
Extras *****

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