«Into the White» von Petter Næss

Von Walter Krumbach

Aha, ein Kriegsfilm, denkt sich, wer das Etikett auf der Blu-Ray-Disc betrachtet. Die ersten Minuten des Films bestätigen diesen Eindruck. Ein deutscher Bomber erleidet, vom englischen Feind getroffen, im April 1940 eine Bruchlandung in einer abgelegenen Schneelandschaft des nördlichen Norwegens. Drei Besatzungsmitglieder überleben, einer von ihnen ist verwundet. Nach einer Nacht im Eis können sie in einer Jagdhütte Schutz finden. Tags darauf suchen zwei Engländer, die ebenso am Luftkampf teilnahmen und abgeschossen wurden, die gleiche Behausung auf. Nun mutiert der Kriegsfilm zum dramatischen Kammerspiel: Wer hat in der primitiven Unterkunft das Sagen, wer nimmt wen gefangen, wer hat wem zu gehorchen?

Die anfängliche Zwangsvorstellung, sich stur durchsetzen zu müssen, mit Zitaten über Kriegsregeln und der Genfer Konvention den Feind beeindrucken zu wollen, weicht allmählich der Notwendigkeit, sich kameradschaftlich entgegenzukommen, um den eigentlichen gemeinsamen Gegnern, der Kälte und dem Mangel an Proviant, Herr zu werden. Es kommt zum schaurigen Höhepunkt, als sich die Verwundung des Deutschen verschlimmert. Der Arm muss amputiert werden, wofür außer einer Axt kein passendes Gerät vorhanden ist…

Regisseur Petter Næss verfügt über solide Schauspieler, die das dramatische Geschehen empfindsam und überzeugend darstellen. Seine Stärke ist jedoch die Inszenierung der klirrend kalten, unendlichen Berglandschaft, wobei ihn Daniel Voldheims Kamera trefflich unterstützt. Die frostigfarbenen Bilder (im Original: 35mm-Film) sind gestochen scharf auf die Blu-Ray überspielt worden. Auch der feinsinnig eingesetzte Ton unterstreicht treffend das Geschehen. Die beigefügten Extras kann man sich schenken.

Die im Film geschilderte Begegnung in der norwegischen Hütte geht auf eine wahre Begebenheit zurück, die sich in der Nähe von Grotli bei Skjåk zutrug. Im Jahr 1977, über drei Jahrzehnte nach den aufwühlenden Ereignissen, machte der britische Captain Richard Thomas Partridge in München seinen ehemaligen Widersacher, den deutschen Leutnant Horst Schopis, ausfindig. Er lud ihn nach England ein. So entstand zwischen den ehemaligen Schicksalsgenossen eine solide Freundschaft.

«Into the White», Norwegen, Schweden, 2012. Regie: Petter Næss. Produktion: Peter Aalbæck Jensen. Drehbuch: Ole Meldgaard, Dave Mango, Petter Næss. Musik: Nils Petter Molvaer. Kamera: Daniel Voldheim. Schnitt: Frida Eggum Michaelsen. Mit: Florian Lukas, David Kross, Stig Henrik Hoff, Lachlan Nieboer, Rupert Grint u. a. Spieldauer: 104 Min.

Bild                 *****
Ton                 ****
Darbietung    ***                                                                         

Print Friendly, PDF & Email

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.