«Fanny und Alexander» von Ingmar Bergman

Von Walter Krumbach

Ingmar Bergman, der 1997 bei den Filmfestspielen von Cannes als «bester Filmregisseur aller Zeiten» geehrt wurde, gilt als Experte in der Darstellung zwischenmenschlicher Beziehungen. Wie sollte er es auch nicht sein, wo er doch fünfmal verheiratet war und neun Kinder zeugte. Sein international bewunderter Film «Fanny und Alexander» (der mit vier Oscars bedacht wurde) beginnt als Chronik der großbürgerlichen Familie Ekdahl zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Mittelpunkt des Geschehens sind Fanny und Alexander, Oscar Ekdahls Kinder. Nachdem Oscar unerwartet verstirbt, beginnt seine Witwe Emilie eine Beziehung mit Bischof Edvard Vergérus. Emilie und Edvard heiraten, womit sich das Leben der Kinder vollkommen verändert. Der asketische Lebensstil des Geistlichen und die übertriebene Strenge, mit der er die Kinder behandelt, werden Fanny, Alexander und Emilie bald zur Hölle.

Der Film ist über weite Strecken eine Quälerei für den Zuschauer. Man erträgt ihn aber trotz allem, da die üppige, farbprächtige Inszenierung, Bergmanns meisterhafte Regie und die erstrangigen schauspielerischen Leistungen die niederdrückende Handlung ausgleichen.

Von «Fanny und Alexander» gibt es zwei Fassungen, den Kinofilm von drei Stunden und neun Minuten Spieldauer, und die 326-minütige Fernsehversion. Die Blu-Ray-Disc enthält die kürzere, der man die Schnitte erfreulicherweise nicht anmerkt. Farbqualität und Schärfe sind hervorragend und auch der Ton, der auf einer bescheidenen 2.0-Spur wiedergegeben wird, lässt keinerlei Wünsche offen.

Extras haben die Produzenten der Disc außer einer Bildergalerie keine beigefügt. Bei einem Klassiker wie diesem, der von einem weltweit gefeierten Regisseur gedreht wurde, ist das eine Unterlassungssünde größten Ausmaßes. Bergman gab 1984 den Dokumentarfilm «Das Fanny-und-Alexander-Dokument» heraus, in dem die Entstehung des Streifens geschildert wird. Er wäre eine ideale Ergänzung gewesen, da er wertvolle Information aus erster Quelle bietet. Ebenso wäre ein biographischer Bericht über den Regisseur – dessen Name heute in Kennerkreisen voller Ehrfurcht, man möchte sagen, fast nur geraunt wird – höchst willkommen gewesen. All dieses haben die Produzenten verpasst – vielleicht gingen sie davon aus, dass man sich gegenwärtig im Internet gut bedienen kann?        

«Fanny und Alexander», Schweden, 1982. Regie: Ingmar Bergman. Produktion: Jörn Donner. Drehbuch: Ingmar Bergman. Musik: Daniel Bell. Kamera: Sven Nykvist. Schnitt: Sylvia Ingemarsson. Mit: Bertil Guve, Pernilla Allwin, Ewa Fröling, Jan Malmsjö. Spieldauer: 189 Min.

Bild                 *****                                                                          
Ton                 *****
Darbietung    *****
Extras             *

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