«Die Faust im Nacken» von Elia Kazan

Ein Filmklassiker des nordamerikanischen Neorealismus: «Die Faust im Nacken» des Regisseurs Elia Kazan mit Marlon Brando in der Hauptrolle.
Ein Filmklassiker des nordamerikanischen Neorealismus: «Die Faust im Nacken» des Regisseurs Elia Kazan mit Marlon Brando in der Hauptrolle.

Von Walter Krumbach

Die korrupte Gewerkschaft im Hafen von Hoboken, angeführt von dem skrupellosen Johnny Friendly (Lee J. Cobb), beutet nicht nur die Dockarbeiter gnadenlos aus, sondern schreckt auch nicht davor zurück, Morde zu begehen, wenn einer ihrer Untergebenen sich nicht ihren Anordnungen fügt. Der Arbeiter Terry Malloy (Marlon Brando) führt seinen Kollegen Joey unwissend in eine Falle der Mafiosi, die diesen das Leben kostet. Malloy begreift zu spät, mit wem er sich eingelassen hat und schließt sich mit Pater Berry (Karl Malden) zusammen, um der verbrecherischen Gewerkschaft das Handwerk zu legen.

Der Klassiker gilt als Vorbild des nordamerikanischen Neorealismus, eine Tendenz, die sich zunächst in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg bemerkbar machte. Es waren gesellschaftskritische Filme, die bevorzugt an echten Schauplätzen gedreht wurden, was damals nicht wie heute üblich war.

So kam das zerbombte Europa nicht nur über die Wochenschauen ins Kino, sondern wurde zum dramaturgischen Grundstoff von unzähligen Spielfilmen. Die Kamera der «Faust im Nacken» fängt bevorzugt heruntergekommene Häuserfassaden und trostlose Hafenanlagen ein, die die bewegte Handlung eindringlich unterstreichen.

Das Werk wurde mit acht Oscars ausgezeichnet, was für das glamouröse Hollywood der damaligen Zeit einen atypischen Fall darstellt. Wenn eine Produktion mehrere Statuetten einsammelte, dann handelte es sich nämlich in der Regel um Glanz-und-Gloria-Werke, aber nicht um Titel mit unbequemen Sozialinhalten.

Regisseur Elia Kazan kam vom Theater und war Mitbegründer des New Yorker Actors Studio, das Schauspieler im «Method Acting» ausbildete, einer Technik, bei der der Darsteller sich in die Rolle hineinlebt, indem er Erinnerungen an eigene Erlebnisse auffrischt und Entspannungstechniken ausarbeitet. Dieser berufliche Hintergrund macht sich beim Szenenaufbau und den dramatischen Übergängen eindringlich bemerkbar. Die Ergebnisse versetzen oft in Erstaunen. So etwa der Absolvent des Actors Studio Marlon Brando, der beim Dreh knapp 30 Jahre alt war. Seine Darstellung ist bis in die letzte Nuance aufs Feinste ausgefeilt.

Ebenso besetzte Kazan auch die kleinsten Nebenrollen adäquat: Man beobachte die Physiognomien der Hafenleute: sie wirken absolut dokumentarfilmhaft.

Die Musik schrieb Leonard Bernstein. Hiermit leistete dieser Musiker, der später als Dirigent Weltruhm erlangte, einen seiner seltenen Beiträge zum Genre Filmmusik. Seine Partitur begleitet und unterstreicht das angespannte Geschehen mit prägnanten Rhythmen, die sein Musical «West Side Story» bereits erahnen lassen.

Das einwandfrei restaurierte Bild ist stabil, gestochen scharf, obschon etwas grobkörnig. Der Mono-Ton erklingt sauber, die Dialoge sind gut verständlich. Untertitel nur auf Spanisch, keine Extras. Alles in Allem: ein Leckerbissen für Filmliebhaber, die Außergewöhnliches sammeln.               

 

«On The Waterfront», USA, 1954. Regie: Elia Kazan. Produktion: Sam Spiegel. Drehbuch: Budd Schulberg. Musik: Leonard Bernstein. Kamera: Boris Kaufman. Schnitt: Gene Milford. Mit: Marlon Brando, Eva Marie Saint, Karl Malden, Lee J. Cobb. Spieldauer: 108 Min.

Bild                 ****                                                                           
Ton                 ***
Darbietung   *****
Extras            *

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