«Der Unterhändler» von Steven Spielberg

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Von Walter Krumbach

Dem Film liegen wahre Begebenheiten zugrunde. Im Juni 1957 fassten FBI-Agenten in New York den russischen Spion Rudolf Abel wegen «Übermittlung von Verteidigungsinformationen an die Sowjetunion». Am 1. Mai 1960 schossen sowjetische Abwehrraketen eine U-2-Spionmaschine der US-Air-Force über dem Uralgebirge ab. Der Pilot Gary Powers konnte sich per Fallschirm retten, wurde festgenommen, verhört und zu zehn Jahren Haft verurteilt. Am 10. Februar 1962 wurden Abel und Powers auf der Glienicker Brücke in Berlin ausgetauscht und somit freigelassen.

Steven Spielbergs Film erzählt den Fall aus der Perspektive des Anwalts James Donovan (Tom Hanks), der Abel verteidigte und später mit den sowjetischen und ostdeutschen Behörden die kniffligen Verhandlungen zum Austausch der Gefangenen führte. Das Abkommen wurde noch zusätzlich erschwert, als Frederic Pryor, ein nordamerikanischer Wirtschaftsstudent, der in Berlin seine Diplomarbeit über das Außenhandelssystem der kommunistischen Nationen Europas verfasste, von DDR-Agenten festgenommen wurde. Als Donovan von dem Vorfall erfuhr, forderte er die zusätzliche Freilassung Pryors. Auch dieser Bestandteil des Falls wird im Film eingehend behandelt.

Das solide, vorzüglich geschriebene Drehbuch händigt dem Regisseur Spielberg einen hervorragenden Werkstoff aus, um – trotz der endlosen Dialoge – ein fesselndes Werk in Szene zu setzen. Das düstere Bild mit den harten helldunkel-Kontrasten vermittelt eindringlich die schweren Zeiten des kalten Krieges. Die alten, verwahrlosten Bauten Ostberlins sind zum Weinen hässlich. Die Tonbearbeitung ist penibel realistisch. Auch die leisesten, kaum hingehauchten Seufzer sind festgehalten und leisten ihren dramaturgischen Beitrag.

Vier Dokumentarfilme steuert die Platte als Extras bei. «A Case oft he Cold War: Bridge of Spies» befasst sich mit dem geschichtlichen Hintergrund der Handlung und wie sie in Szene gesetzt wurde. «Berlin 1961: Recreating the Divide» schildert, wie die geteilte deutsche Stadt für den Dreh aufgebaut und die Darsteller zeitgemäß eingekleidet wurden. «U-2 Spy Plane» setzt sich mit den Folgen auseinander, die aus dem Abschuss dieses Spionageflugzeugs über der Sowjetunion entstanden. «Spy Swap: Looking back on the Final Act» untersucht, was hinter den Kulissen während der Schlüsselszene des Gefangenenaustauschs auf der Glienicker Brücke geschah. Natürlich gibt Regisseur Steven Spielberg in diesen Dokumentationen Interviews, wo er mit seinem gewohnt munteren Plauderton das Filmprodukt auf vortreffliche Weise verkauft.

Ein herausragender Film, kein Zweifel, sowohl für Geschichtsinteressierte, als auch für Liebhaber gehobener, anspruchsvoller Unterhaltung.

«Bridge of Spies», USA, 2015. Regie: Steven Spielberg. Produktion: Steven Spielberg, Marc Platt. Drehbuch: Matt Charman, Ethan Cohen, Joel Cohen. Musik: Thomas Newman. Kamera: Janusz Kamiński. Mit Tom Hanks, Mark Rylance, Amy Ryan, Sebastian Koch. Spieldauer: 161 Min.

Bild ****
Ton *****
Darbietung *****
Extras ****

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