«Das Leben der Anderen» von Florian Henckel von Donnersmarck

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Von Walter Krumbach

Stasi-Hauptmann Gerd Wiesler wird von dem Kulturminister Hempf beauftragt, den Schriftsteller Georg Dreyman in seiner Wohnung elektronisch zu bespitzeln, um ihn auszuschalten und auf diese Weise an Dreymans Freundin Christa Maria Sieland heranzukommen.
Der zunächst eiskalte und regimetreue Wiesler erfährt eine Wandlung, als er feststellt, dass das Unternehmen sich nicht wie üblich gegen «Feinde des Sozialismus» richtet, sondern den wollüstigen Zielen des Ministers Hempf dient. Er rebelliert, indem er brisante Erkundigungen verschweigt, wird dabei ertappt und muss daraus die Konsequenzen ziehen.
Der Film erregte nach seiner Premiere – nicht nur in Deutschland – großes Aufsehen. In den USA erhielt er den Oscar als bester fremdsprachiger Film des Jahres 2007.
Den Dreharbeiten war eine jahrelange, akribische Recherchenarbeit vorausgegangen. Regisseur Henckel von Donnersmarck wollte ein möglichst realistisches Bild der DDR-Gepflogenheiten in Sachen Staatssicherheit zu zeigen. Ob ihm dieses gelungen ist, sei dahingestellt. Sicher ist, dass er eine erschütternde Geschichte inszeniert, wobei er von hervorragenden, meist aus der DDR stammenden Schauspielern auf vorzügliche Weise unterstützt wird. Er ging in seinem Bestreben nach Unverfälschtheit so weit, dass er echte Requisiten einsetzte, wie die Abhörgeräte auf Dreymans Dachboden oder die Dampf-Brieföffner im Postamt – alles DDR-Erzeugnisse aus den späten 1980er Jahren.
Die (mexikanische) Fertigung der Blu-ray-Platte ist hervorragend. Das Bild ist scharf, flimmerfrei, die Farben natürlich und kontrastreich. Extras gibt es keine, nicht einmal den Kino-Trailer hielten die Mexikaner für würdig, beizufügen. Man kann nur ungläubig den Kopf schütteln: Da dreht ein deutscher Regisseur einen ergreifenden Film über eine dekadente Diktatur, der in kürzester Zeit zum Klassiker wird, und die Produzenten halten es nicht für nötig, ihrer Platte zumindest ein Interview mit dem Autor oder eine Dokumentation über die Stasi und ihre Überwachungsmethoden anzugliedern. Material gibt es in Hülle und Fülle, warum also diese Knauserei?
Trotzdem ist die Blu-ray jedem Geschichtsinteressierten wärmstens zu empfehlen. Der Film verträgt wiederholtes Anschauen sehr gut und beeindruckt dabei jedesmal mit der gleichen Intensität.

«Das Leben der Anderen», Deutschland, 2007. Regie: Florian Henckel von Donnersmarck. Produktion: Max Wiedemann. Drehbuch: Florian Henckel von Donnersmarck. Musik: Gabriel Yared. Kamera: Hagen Bogdanski. Mit: Ulrich Mühe, Sebastian Koch, Martina Gedeck, Ulrich Tukur, Thomas Thieme. Spieldauer: 137 Min.

Bild *****
Ton ****
Darbietung *****
Extras *

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