«Captain Phillips» von Paul Greengrass

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Von Walter Krumbach

Im April 2009 wurde das US-Containerschiff «Maersk Alabama» vor der somalischen Küste von Piraten überfallen. Sie nahmen den Kapitän Richard Phillips gefangen, entführten ihn auf einem Rettungsboot und verlangten Lösegeld. Die US-Marine entsandte Kriegsschiffe zu dem Ort des Geschehens, und Angehörige der Spezialeinheit United States Navy SEALs erhielten den Auftrag, Phillips zu befreien.
Die Begebenheit diente als Vorlage für Paul Greengrass‘ Film. Der Regisseur konnte mit dieser Produktion erneut sein Geschick, mit eindringlichen Bildern Spannung zu erzeugen, unter Beweis stellen. Sein Bericht hält sich an die Fakten, er ist geradlinig-chronologisch, Nebenhandlungen gibt es so gut wie keine. Die Inszenierung ist realistisch. Des Kapitäns Auto etwa wird nicht hochglanzlackiert gezeigt, wie man es vom amerikanischen Kino normalerweise gewohnt ist, sondern von Regen und Schlamm bespritzt. Die Kamera wird mit wachsender Spannung unruhiger, die Action-Szenen drehte Greengrass mit der Handy-Cam, um ihnen Dokumentarfilmcharakter zu geben. Damit hat er absichtlich etliche Einstellungen verwackelt, aber leider ist es nun mal heutzutage Mode, auf diese Art «Echtheit» zu vermitteln.
Die Leistungen der Schauspieler sind durchgehend hervorragend. Jede Rolle, auch die kleinsten, besetzte Greengrass mit begabten Kräften. Die Piraten werden von somalischen Mimen dargestellt. Der Regisseur bestand darauf, «weil sie eine Geschichte zu erzählen haben». Tom Hanks arbeitete sich in die Rolle des Kapitäns ein, indem er auf einem Frachter auf hoher See die Arbeit der Mannschaft aus nächster Nähe beobachtete. Die Rolle spielt er daher perfekt. Gegen Ende des Films erleidet er einen Nervenzusammenbruch, der wohl überzeugender und eindringlicher nicht dargestellt werden kann. Eine superlative darstellerische Leistung.
Zum Film kann man Paul Greengrass‘ Kommentar hinzuschalten (ohne Untertitel). Ein weiteres Extra ist eine 58-minütige Dokumentation über den Piratenüberfall der «Maersk Alabama» und seine Verfilmung. Die Chronik des Falles wird anhand von Fernsehmeldungen aus dem Jahr 2009 veranschaulicht. Der «echte» Richard Phillips und seine Frau kommen zu Wort. Man erfährt wo gefilmt wurde, auf welchem Schiff und wie die Schauspieler sich auf ihre Arbeit auf hoher See vorbereiten mussten, um als Fachmänner glaubhaft zu wirken.
Auch die Technik des Streifens ist von hohem Niveau: natürliche, satte Farben; gestochen scharfes, feinkörniges Bild, 5.1-Ton mit sehr gutem Raumklang. Alles in allem, über zwei Stunden straffe, abwechslungsreiche Unterhaltung.

«Captain Phillips», USA, 2013. Regie: Paul Greengrass. Produktion: Scott Rudin. Drehbuch: Billy Ray. Musik: Henry Jackman. Kamera: Barry Ackroyd. Mit: Tom Hanks, Barkhad Abdi, David Warshofsky, Catherine Keener. Spieldauer: 134 Min.

Bild ****
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Darbietung *****
Extras ****
Extras *

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