«Argo» von Ben Affleck

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Von Walter Krumbach

Im Jahr 1979 nahm eine Meute iranischer Studenten die Botschaft der USA in Teheran ein. Sie forderten die Auslieferung des gestürzten Schahs, der nach New York geflüchtet war. Präsident Jimmy Carter hatte aufgrund der schweren Krebserkrankung des Monarchen verfügt, dass er im Lande bleiben dürfe, um sich behandeln zu lassen, mit der Bedingung, keine politischen Äußerungen verlauten zu lassen.
Während der Erstürmung konnten sechs Diplomaten unerkannt das Gebäude verlassen. Der kanadische Botschafter nahm sie auf und hielt sie in seiner Teheraner Residenz versteckt, während der CIA einen Plan ausarbeitete, um die Flüchtlinge außer Landes zu bringen. Die Zeit drängte, da die antiamerikanische Stimmung im Iran täglich wuchs. Die Regierung und der CIA befürchteten, dass im Falle einer Entdeckung der Flucht das Sextett sich zwangsläufig in Lebensgefahr befunden hätte.
Der Film behandelt das Schicksal der sechs Flüchtlinge und erzählt, wie der CIA seinen Rettungsplan entwirft, vorbereitet und durchführt. Hierbei hält sich das Drehbuch bis zu einem gewissen Grade an die Ereignisse. Einige Handlungsstränge werden bewusst überspitzt, um ein Quäntchen Spannung beizusteuern.
Der unterhaltsame Streifen zeichnet jedoch ein überzeugendes Bild der damaligen Verhältnisse im Iran, kurz nach dem gewaltsamen Umsturz. Eindrucksvoll erläutert er die Zusammenarbeit des CIA-Agenten Antonio Méndez, zunächst mit einem Hollywood-Produzenten, mit dem er eine Filmdreh-Atrappe ausheckt, um die iranische Sicherheit irrezuführen, und anschließend vor Ort mit der kanadischen Botschaft in Teheran.
Bei der zweiten Durchsicht des Films empfiehlt es sich, das beigefügte Programm «Eyewitness Account» zuzuschalten. Es läuft im «Picture-in-picture»-Verfahren, das heißt, der Zuschauer erhält über ein zweites, kleineres Bild, parallel zur Handlung Zusatzinformation aus erster Hand. Zeugen und handelnde Personen berichten aus ihrer Sicht, was damals passierte und welche Entscheidungen sie treffen mussten. Kein geringerer als Jimmy Carter ergreift wiederholt das Wort, und auch Antonio Méndez gibt großzügig Auskunft über seinen einst streng geheimen Auftrag.
Weitere Extras berichten über die Dreharbeiten und die Zusammenarbeit zwischen dem CIA und Hollywood. Besonders informativ ist der 46-minütige Dokumentarfilm «Escape from Iran», in dem die damaligen Flüchtlinge von ihrem Abenteuer erzählen. Ihre Aussagen sind Teil einer ausführlichen Schilderung der Ereignisse, die von der Entscheidung Präsident Carters, den Schah aus humanitären Gründen in die USA einreisen zu lassen, ausgelöst wurden. Die iranische Regierung erlitt einen kollektiven Wutausbruch, was schließlich den Überfall der amerikanischen Botschaft zur Folge hatte.
Für Interessierte am Zeitgeschehen ist der Film durchaus empfehlenswert – einige Extras sind wahre Leckerbissen.

«Argo», USA, 2012. Regie: Ben Affleck. Produktion: Grant Heslov, Ben Affleck, George Clooney. Drehbuch: Chris Terrio. Kamera: Rodrigo Prieto. Musik: Alexandre Desplat. Mit: Ben Affleck, Bryan Cranston, John Goodman, Alan Arkin. Spieldauer: 120 Min.

Bild ***
Ton ****
Darbietung ***
Extras *****

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