«Apocalypse Now» von Francis Ford Coppola

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Von Walter Krumbach

Francis Ford Coppolas berühmtes Antikriegsepos ist nun in seinen zwei Fassungen auf Blu-Ray erschienen: die Platte ermöglicht, entweder die Kinoversion oder die verlängerte, sogenannte «Redux»-Fassung, mit einer Spieldauer von dreieinhalb Stunden (!) abzurufen. Eine zweite Scheibe bringt den Dokumentarfilm «Hearts of Darkness», den Coppolas Frau Eleanor während der Produktion auf den Philippinen drehte.

Das Werk ist nicht als Kriegsfilm zu verstehen, sondern eher als Metapher des Wahnsinns, der Menschen in bestimmten Grenzsituationen befällt. Die Handlung fällt im Vergleich zu den üblichen Abenteuerfilmen völlig aus dem Rahmen, was den besonderen Reiz der Schilderung ausmacht.

Hauptmann Willard (Martin Sheen) erhält in Vietnam den Auftrag, den abtrünnigen und offenbar geisteskranken Oberst Kurtz (Marlon Brando), der die Richtlinien der amerikanischen Führung ignoriert und in Kambodscha mit desertierten Soldaten eigenwillig herrscht, zu finden und unschädlich zu machen. Dabei bekommt er die unmissverständliche Weisung: «Diese Mission existiert nicht und wird auch nicht existieren».

Willard fährt also mit einem Patrouillenboot flussaufwärts und begegnet dabei verschiedenen bizarren Gestalten, unter denen Kurtz nur eine weitere ist, die durch ihr exzentrisches Verhalten aus dem Rahmen des mutmaßlich als «normal» angesehenen menschlichen Verhaltens fällt.

Vittorio Storaros Kamera fängt das Geschehen mit prächtigen Aufnahmen ein. Coppola inszeniert dazu Schlachtenbilder von überwältigender Schönheit, was geradezu eine Perversität in einem Antikriegsfilm darstellt. Auch die Naturereignisse sind grandios dargestellt, so etwa der Regen, der tonnenweise hinabströmt. Wohl selten ist eine derartige Flut im Kino annähernd so realistisch gezeigt worden. Und schließlich das Horrorszenario, in dem Oberst Kurtz waltet – ein verlassener Ort in Kambodscha oder ein Vorhof der Hölle?

Der abendfüllende Dokumentarfilm «Hearts of Darkness» wirft einen ungeschminkten Blick hinter die Produktionskulissen. Er zeigt Coppolas Ängste, einen schlechten Film zu drehen. Der Regisseur verzweifelt zum Beispiel daran, kein geeignetes Ende gefunden zu haben.

Aber nicht nur das Drehbuch verursacht ihm Schwierigkeiten. Mit Staatspräsident Ferdinand Marcos verhandelt er erfolgreich die Anleihe von Hubschraubern der philippinischen Streitkräfte mitsamt ihrer Piloten. Auf den Philippinen herrscht Bürgerkrieg, weshalb die Gefahr besteht, dass die Flugeinheiten in jedem Moment abgezogen werden. Beim Filmen einer komplizierten Szene passiert es tatsächlich: Fünf Hubschrauber drehen plötzlich ab, um die Rebellen zu bekämpfen.

Auch Hauptdarsteller Marlon Brando macht es seinem Regisseur nicht gerade leicht: Nachdem er eine Million Dollar als Honorarvorschuss erhalten hat, droht er, aus dem Projekt auszusteigen, als Coppola ihm mitteilt, dass er ihn mehr als drei Wochen beanspruchen wird. Als der berühmte Mime eintrifft, stellt Coppola bestürzt dessen Übergewicht fest. Brando entschuldigt sich, verspricht, abnehmen zu wollen, wofür nicht viel Zeit ist, weil er sofort zu drehen beginnen muss.

Hauptdarsteller Martin Sheen (36), damals ein Kettenraucher, erleidet einen Herzinfarkt. Er wird gerettet, muss jedoch während des Krankenhausaufenthalts gedoubelt werden. Nach seiner Genesung werden seine Großaufnahmen nachgeholt. Auch das Unwetter macht der Produktion zu schaffen: Ein Taifun zerstört die Bauten vollends, was einen dreimonatigen Aufschub zur Folge hat.

«Apocalypse Now» ist ein Klassiker, die Dokumentation ein spannender Bericht über seine Entstehung. Filmliebhaber sollten sich diese Fassung nicht entgehen lassen, die es zudem ermöglicht, beide Versionen des Streifens zu vergleichen.         

«Apocalypse Now», USA, 1979. Regie: Francis Ford Coppola. Produktion: John Ashley. Drehbuch: John Milius, Francis Ford Coppola. Musik: Carmine Coppola. Kamera: Vittorio Storaro. Mit Martin Sheen, Marlon Brando, Robert Duvall, Frederic Forrest. Spieldauer: 147 Min. (Kinofassung), 196 Min. (Redux-Version), 96 Min. (Dokumentation «Hearts of Darkness»).

Bild                  *****
Ton                  *****
Darbietung       ****
Extras              *****

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