«Am Ende des Regenbogens»: Richard-Strauss-Dokumentarfilm

4180_p11_3

Von Walter Krumbach

Die Blu-ray-disc trug einen Werbeaufkleber, der auf die 1936er Olympia-Hymne Appetit machte, die auf der Platte dokumentiert ist. Ein Genuss vom Feinsten, freut sich der Käufer, zumal besagte Hymne (aus politischen Gründen?) kaum in modernen Einspielungen zu finden ist.

Aber ach, welche Enttäuschung, das prächtige Musikstück, von Strauss im Berliner Olympiastadion höchstpersönlich dirigiert, wird ohne Vorspiel eingeblendet und nach wenigen Sekunden wieder ausgeblendet und besprochen, sodass man es nicht anhören kann.

Aber es ist nicht das einzige Werk, das man nur ansatzweise serviert bekommt. Die vortrefflichen historischen Aufnahmen von Strauss am Dirigentenpult etwa werden fetzenweise gezeigt und von Kommentatoren zerquatscht. Trotz dieser Einschränkungen versetzt es in Erstaunen, was der Komponist mit seinem ungemein sparsamen Taktstockeinsatz imstande ist zu bewirken.

Informativ sind die Beiträge von Brigitte Fassbaender, die mit ihrer Schülerin Emma Moore Strauss-Lieder einstudiert und Stefan Mickisch, der am Klavier die großen Tondichtungen durchforscht.

Die Interviews mit Künstlern und Musikwissenschaftlern sind stark zusammengeschnitten. So entsteht wiederholt der Eindruck, dass diese zweifellos gut informierten Persönlichkeiten zum Thema Strauss nicht besonders viel zu sagen haben. Nicht einmal Christian Strauss, der Enkel des großen Maestro, kommt ausreichend zu Wort.

Der Film ist eine Enttäuschung. Einige der alten Aufnahmen aus den 1930er und 1940er Jahren wurden nicht einmal restauriert. Sie sind verdreckt und voller Kratzer. Über diesen negativen Eindruck können die hervorragenden modernen Bildfolgen der Strauss-Villa in Garmisch oder die historischen Aufnahmen des Meisters beim Gartenspaziergang nicht hinwegtäuschen. Jammerschade, wie mit so gutem Archivmaterial und in der Tat kompetenten Interviewpartnern ein derartiger Fehlschlag entstehen konnte.

Und wenn Regisseur Schulz der Ansicht war, dass die Musikwerke besprochen werden mussten, warum hat er nicht ein paar von ihnen als Extras in ihrer vollen Länge beifügen lassen? Die Eulenspiegel-Tondichtung (15 Minuten) und die auf dem Aufkleber angepriesene Olympiahymne (knapp vier Minuten) hätten die Strauss-Liebhaber sicher mit Dankbarkeit zur Kenntnis genommen.        

«Richard Strauss – Am Ende des Regenbogens», Deutschland, 2015. Regie: Eric Schulz. Produktion: Thomas Niemann. Spieldauer: 97 Min.

Bild  **
Ton **
Darbietung *
Extras *

Print Friendly, PDF & Email

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*