Trauer um große Künstler

25. August 2011 von

Mit Victor von Bülow, besser bekannt unter Loriot, hat Deutschland am Montag dieser Woche einen der größten Humoristen in der Nachkriegszeit verloren. Und auch Chile trauert: Der berühmte Filmemacher Raúl Ruiz erlag am Freitagmorgen vergangener Woche in Paris einem Herzleiden.

Humor auf höchstem Niveau: Victor von Bülow alias Loriot

 

Seine TV-Sketche sind legendär und haben bis heute nichts von ihrer Originalität verloren. Ob nun eine verirrte Nudel im Gesicht das Rendezvous verpatzt, ein schief hängendes Bild eine desaströse Kettenreaktion nach sich zieht oder ein Ehepaar um ein Fünf-Minuten-Ei streitet: Wie kein zweiter durchschaute Loriot die Eigentümlichkeit der Deutschen und nahm sie humorvoll auf die Schippe.

Bundespräsident Christian Wulff hat den verstorbenen Humoristen Vicco von Bülow als «lebensklugen Beobachter menschlicher Schwächen» gewürdigt. «Wir haben durch Loriot lachen gelernt über die komplizierten und die allereinfachsten Schwierigkeiten des Lebens. Wir haben seine Einfälle bewundert, seine unerschöpfliche Phantasie und seine vornehme Gelassenheit.»

Der 87-jährige Loriot – mit richtigem Namen Vicco von Bülow – war am Montag in Ammerland am Starnberger See an Altersschwäche gestorben, wie der Diogenes Verlag am Dienstag in Zürich mitteilte. Mit seinen Parodien in Büchern, Spielfilmen, Fernsehauftritten und über Karikaturen hatte Deutschlands erfolgreichster Loriot ein Millionenpublikum erreicht und es zum Lachen gebracht. Seine Erfindungen und Formulierungen gehören mittlerweile zum Allgemeingut im deutschen Sprachraum. Dazu zählen das Jodeldiplom, der Kosakenzipfel, die Steinlaus und Sätze wie «Männer und Frauen passen einfach nicht zusammen» sowie das lakonische «Ach was!».

Als Bernhard Victor Christoph Carl von Bülow wurde der Komiker am 12. November 1923 in Brandenburg geboren. Er entstammte einer alten preußischen Offiziersfamilie, seine Vorfahren verkehrten am Hof Friedrich des Großen. Schon früh fiel er durch sein Zeichentalent und mimische Qualitäten auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete er als Karikaturist für Zeitschriften unter dem Pseudonym «Loriot», dem französischen Namen des Wappentiers (Pirol) der Familie Bülow.

Von 1967 bis 1972 lief seine erste satirisch-humoristische Fernsehserie. Loriot selbst war Autor, Regisseur und Hauptdarsteller und beeindruckte in seinen tragisch-komischen Rollen durch eine enorme Vielseitigkeit und Wandlungsfähigkeit. Es folgten weitere Serien und Filme mit seiner kongenialen Sketschpartnerin Evelyn Hamann, darunter die Komödie «Ödipussi», einer der größten deutschen Filmerfolge. Bis in die 90er-Jahre überzeugte der Meister des feinsinnigen Humors. Seinen endgültigen Abschied vom Fernsehen kündigte Loriot im Jahr 2006 an. Seitdem lebte er zurückgezogen am Starnberger See.

Ein Meister in seinem Metier war auch der im Alter von 70 Jahren verstorbene Raúl Ruiz. Der Regisseur, Drehbuchautor und Produzent schuf insgesamt 113 Werke fürs Kino und Fernsehen in 48 Jahren. Sein Debüt gab er 1968 mit dem Film «Tres tigres tristes» («Drei traurige Tiger»), für den Ruiz den Goldenen Leoparden beim Internationalen Filmfestival von Locarno gewann. Der Streifen beruht auf einem Stück von Alejandro Sieveking und beschreibt das Leben dreier Außenseiter im sommerlichen Santiago.

Ruiz, geboren 1941 in Puerto Montt, hatte Jura und Theologie an der Universität von Chile studiert, bevor er sich 1962 in der Filmakademie im argentinischen Santa Fe einschrieb. In den folgenden Jahren arbeitete er als Moderator im chilenischen Fernsehen und verfasste Drehbücher. Von der Allende-Regierung wurde er als Berater für Kinokultur berufen.

Nach dem Putsch 1973 floh Ruiz nach Frankreich. Seine Experimentierfreude und sein Stil mit Abstraktion und Augentäuschung wurden von einem Teil des französischen Publikums mit Begeisterung aufgenommen. Der Chilene galt als zweiter Orson Welles, der mit kleinen Budgets poetische Sinnestäuschungen in Szene setzte.

In den 90er-Jahren drehte Raúl Ruiz mit so namenhaften Schauspielern wie Marcello Mastroianni, Catherine Deneuve und Michel Piccoli. Mit «Le temps retrouvé» (1999) – «Die wiedergefundene Zeit» – wagte sich Ruiz daran, das literarische Monument von Marcel Proust ans Kino zu adaptieren. Seine Werke erschienen auf den großen renommierten Filmfestivals. Und bis zuletzt blieb der Chilene seiner Vorliebe für Rätselhaftes, Paradoxes und Unsagbares treu.

Verwandte Artikel

Share