Der «Eiserne Vorhang» teilt die Welt und Deutschland

25. August 2011 von

In diesen Tagen haben Gedenkveranstaltungen in Deutschland an ein Bauwerk erinnert, von dem nur noch kleine Reste zu sehen sind. Seit fast 22 Jahren ist die Mauer Geschichte: Die Friedliche Revolution in der DDR hat sie ebenso zu Fall gebracht wie das Regime, das sie vor 50 Jahren errichten ließ. Der 13. August 1961 hat eine ganze Epoche geprägt. Und Generationen von Deutschen haben unter den Folgen der deutschen Teilung gelitten. Wie war es dazu gekommen?

Während der Berlin-Blockade 1948/1949 schnitt die Sowjetunion Westberlin von den Versorgungswegen zu Land und zu Wasser ab. Die Westalliierten reagierten mit der Berliner Luftbrücke. Per Flugzeug wurden die Eingeschlossenen mit Lebensmitteln beliefert.

 

Zehntausende Deutsche waren seit 1949 aus der DDR in den freien Westen geflüchtet – weil sie die SED-Diktatur ablehnten, in der DDR keine Zukunft für sich sahen oder auch nur mit der Versorgungslage im Sozialismus unzufrieden waren. Dass die DDR den politischen und wirtschaftlichen Wettbewerb mit der freien und erfolgreichen Bundesrepublik niemals gewinnen würde, wurde der SED-Führung sehr bald klar. Sie suchte deshalb nach einer anderen Möglichkeit, die «Abstimmung mit den Füßen» zu stoppen.

Bereits seit 1952 ließen die DDR-Machthaber die Grenze zur Bundesrepublik scharf überwachen. Das einzige Schlupfloch war Berlin. Vom Ost- in den Westteil der Stadt zu gelangen, war kein Problem. Staats- und Parteichef Walter Ulbricht drängte Sowjetführer Nikita Chruschtschow, einer Absperrung West-Berlins zuzustimmen. Doch der hatte eigentlich andere Pläne: Er wollte, wie schon Stalin, die Westmächte aus ihren Berliner Sektoren herausdrängen und ganz Berlin dem sowjetischen Machtbereich einverleiben. Sein Druckmittel: Die Zugangswege nach West-Berlin. Erst als Chruschtschow merkte, dass der amerikanische Präsident John F. Kennedy nicht erpressbar war, ließ er der SED-Führung den Befehl erteilen, die Mauer zu bauen.

In der Nacht vom 12. auf den 13. August 1961 begann der Mauerbau – unter strenger Bewachung von Soldaten der Nationalen Volksarmee und mit Rückendeckung der sowjetischen Streitkräfte, die in der DDR stationiert waren. Für die Berliner Bevölkerung kam der Mauerbau völlig überraschend. Von einem Tag auf den anderen waren Familien geteilt, Freunde getrennt. In den folgenden Wochen spielten sich dramatische Szenen ab: Fluchtversuche durch Fenster an der Bernauer Straße, wo der Bürgersteig zum Westen gehörte, Menschen, die sich auf beiden Seiten der Mauer gegenüberstanden, sich zuwinkten und Säuglinge in die Höhe hielten, die von Eltern oder Großeltern getrennt waren.

 

Geopolitische Machtblöcke

Die Ursachen und Hintergründe dieser tragischen Begebenheiten sind in der weltpolitischen Entwicklung zu suchen, die fast zwei Jahrzehnte zuvor den Grundstein zum Ost-West-Konflikt bildete.

Zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Deutschland von den alliierten Siegermächten besetzt. Die USA, die Sowjetunion (kurz UdSSR), Großbritannien und Frankreich bemühten sich zunächst um eine gemeinsame Politik: Man entwaffnete Deutschland und verurteilte Verbrecher der Nazi-Herrschaft. Berlin wurde unter den Siegermächten in vier «Sektoren» aufgeteilt. Uneinig war man sich schließlich über die zukünftige Staatsform des Landes: Die Vorstellungen der sozialistischen Sowjetunion und der westlichen Länder gingen auseinander. Das Bündnis der Mächte, die gemeinsam das nationalsozialistische Deutschland niedergerungen hatten, zerbrach bereits in der frühen Nachkriegszeit.

Das Vorgehen der Sowjetunion in Mittel- und Osteuropa, auch hinsichtlich der deutschpolnischen Grenze, hatte das Misstrauen und den Unwillen der Westmächte geweckt. Bereits am 5. März 1946 beschwor Churchill in einer Rede in den USA das Bild vom «Eisernen Vorhang», der von Stettin bis Triest über Europa niedergegangen sei. Die Sowjetunion ihrerseits fühlte sich vom expansiv auftretenden Kapitalismus der USA bedroht, der das Verlangen nach freiem Welthandel und offenen Märkten mit der politischen Forderung verband, den Grundsätzen liberaler Demokratie weltweite Geltung zu verschaffen. Von daher bemühte sich die Sowjetunion, ihre im Krieg durch die Rote Armee geschaffene Einflusssphäre durch Förderung der kommunistischen Parteien und vor allem mit polizeistaatlichen Mitteln zu konsolidieren.

 

Der Kalte Krieg

Amerikanisch-sowjetische Interessenkonflikte in Iran, in Griechenland und in der Türkei 1946/47 markierten den Beginn des Kalten Krieges – ein »heißer« Krieg mit tatsächlich direkten kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Weltmächten wurde von beiden sorgsam vermieden. Die nun betriebene amerikanische Politik der Eindämmung («containment») ging von der Teilung der Welt in eine amerikanische und eine sowjetische Einflusssphäre aus, beantwortete jedoch jeden sowjetischen Versuch einer Änderung des Status quo mit militärischem Gegendruck.

Auf das besiegte und besetzte Deutschland wirkte sich der Kalte Krieg besonders stark aus. Die Sowjetunion beurteilte die von der US -Regierung vorgeschlagene wirtschaftliche Vereinigung der Besatzungszonen zur Verbesserung der Versorgung der Bevölkerung – ebenso wie später das wirtschaftliche Wiederaufbauprogramm der USA, genannt Marshallplan – als gezielte Maßnahmen des «amerikanischen Wirtschaftsimperialismus», zumal auch die von ihr immer wieder erhobene Forderung nach einer Beteiligung an der Kontrolle des Ruhrgebietes von den Briten abgelehnt wurde.

Die sowjetische Deutschlandpolitik wurde von den USA entsprechend der Eindämmungsdoktrin als der Versuch angesehen, ganz Deutschland in die sowjetische Einflusssphäre einzubeziehen. Alle Aktionen der Machtstabilisierung in der sowjetisch besetzten Zone wurden unter diesem Blickwinkel betrachtet. Dabei bleibt die Frage offen, ob nicht das deutschlandpolitische Konzept Stalins weniger auf Einbeziehung Deutschlands in den eigenen Machtbereich abzielte als vielmehr darauf, den Anschluss Deutschlands an den kapitalistischen Westen zu verhindern und ein bürgerliches, neutrales, der Sowjetunion nicht feindlich gegenüberstehendes Gesamtdeutschland zu schaffen.

 

Teilung Deutschlands

Die amerikanische Führung jedenfalls meinte vor der Alternative zu stehen, ganz Deutschland an die Sowjetunion zu verlieren oder die Teilung Deutschlands zu akzeptieren; sie entschied sich für die Errichtung eines westdeutschen Teilstaates. Der Versuch Stalins, dies mit der Berliner Blockade 1948/49, dem bis dahin schwersten Konflikt der Westmächte mit der UdSSR in der Nachkriegszeit, zu verhindern, schlug fehl. So führte die Politik der Siegermächte im Kalten Krieg zur Gründung der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik im Jahre 1949.

Beeinflusst durch die jeweilige Besatzungsmacht, gingen beide deutschen Staaten auch in der Wirtschaftspolitik von Anfang an unterschiedliche Wege. In der Bundesrepublik setzten sich die Befürworter einer sozial verpflichteten Marktwirtschaft durch. Die Soziale Marktwirtschaft in Verbindung mit dem Marshallplan und einer weltweiten Hochkonjunktur verhalf zu einem raschen Wiederaufbau. Das «Wirtschaftswunder» hielt bis Mitte der 60er Jahre an. Es trug dazu bei, die Millionen Vertriebenen einzugliedern, die Wohnungsnot zu überwinden und fast Vollbeschäftigung zu erreichen.

In der Sowjetischen Besatzungszone begann hingegen bereits 1945 der Aufbau einer sozialistischen Zentralplanwirtschaft. Die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED), die unter sowjetischem Druck aus der Zwangsvereinigung von SPD mit KPD entstand, entwickelte sich zur sogenannten «Staatspartei» innerhalb der kommunistischen Diktatur. Sie bemühte sich darum, die Bevölkerung zunehmend in ihrem Sinne zu organisieren.

Doch Planwirtschaft und die Wiederaufrüstung verlangsamten den Wiederaufbau in der DDR. Und von Anfang an belastete auch die ständige Flucht von qualifizierten Arbeitskräften in den Westen die DDR-Wirtschaft.

Quelle: www.bundesregierung.de; Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland; Bundeszentrale für politische Bildung

 

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